Bookspiration: einfacher leben durch weniger Besitz

Für mich hängt eine aufgeräumte Umgebung eng mit der Konzentration auf das Wesentliche zusammen. Bevor ich beginne einen neuen Text zu schreiben, muss ich meinen Schreibtisch frei räumen, bis nur noch mein Laptop, ein Glas Wasser und ein Stiftebecher darauf stehen. Wenn ich Yoga übe, befreie ich die Mattenumgebung so gut es geht, damit mich kein herumliegender Kram von meiner Praxis ablenkt. Seit ich in eine winzige Wohnung gezogen bin, sind mir freie Flächen und ein Minimum an Möbeln noch wichtiger geworden, so dass auf wenigen Quadratmetern trotzdem viel unverstellter Raum ist.

Bücher kaufen gegen zu viel Besitz?

Und ich bin nicht die einzige, die sich vorgenommen hat, ihre Besitztümer auf das Wesentliche zu konzentrieren. Deshalb gibt es unglaublich viele Bücher und Blogs, die den Einstieg in den Trend des reduzierten Lifestyle vereinfachen sollen.

Ist es aber nicht ein Widerspruch, ein Buch zu kaufen, wenn man seinen Konsum doch eigentlich reduzieren möchte? Um mich dieser Frage zu stellen, musste ich zunächst durch diesen kleinen Bücherstapel blättern.
Meine Auswahl zeigt, dass die Decluttering-Bewegung mehr zu bieten hat als die Reduktion des heimischen Kleiderschranks auf maximal zwölf fairtrade-Teile in monochromen Farben. Trotzdem verraten die meisten Bücher, warum der Kleiderschrank ein guter Ort zum Anfangen ist.

Lina Jachmann, Einfach leben – ein Highlight für Ästhetik-Fans

Dieses Buch war mein Einstieg in die Minimalismus-Recherche. Und ich muss gestehen: das Layout hat mich so angesprochen, dass der starke Wunsch in mir aufkam, dieses Buch in meinem (immer noch überfüllten) Bücherregal einziehen zu lassen, statt es auszuleihen. Lina Jachmann hat eine wunderbare Übersicht über die vom Minimalismus ‚betroffenen’ Bereiche geschaffen: Wohnen, Mode, Körper und Lifestyle. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf Nachhaltigkeit und umweltbewusstem, ressourcenschonendem Verhalten. Ich war schon immer sehr neugierig, wie es in anderen Wohnungen aussieht. Besonders angetan bin ich deshalb von den Home Stories – es gibt Einblicke in minimalistisch eingerichtete Wohnungen, Kleiderschränke, Küchen und Badezimmer. Außerdem regen Rezepte dazu an, Deo, Zahnputzpulver oder Körperpeeling aus einfachen, wenigen Zutaten selbst herzustellen. Hochwertige Fotos und praxisnahe Tipps machen Lust auf die Umsetzung im eigenen Leben. Die zahlreiche Adressen, Lese-, Film- und App-Empfehlungen dehnen die Recherchelust aus und machen das Buch zu einem perfekten Nachschlagewerk.

Buy less, choose well. And make it last.

– Vivienne Westwood

Anuschka Rees, Das Kleiderschrank-Projekt – schneller angezogen durch weniger ablenkende Auswahl

In Anuschka Rees’ Werk bekommt dein Kleiderschrank die volle Aufmerksamkeit. Die Autorin greift ein altbekanntes Problem auf: Zu viele Klamotten im Schrank, von denen wir gar nicht wissen, dass wir sie haben und erst recht nicht, wie wir sie kombinieren sollen. Es geht Rees nicht nur um eine rigorose Reduktion von Kleidung, sondern um die Frage: Was passt zu mir und was brauche ich wirklich? Rees‘ strategische Methode basiert auf wenigen Grundprinzipien, die uns helfen, unseren individuellen Stil fernab von pauschalisierenden Mode-Kategorien wie klassisch oder bohemian zu finden, so dass am Ende nur noch Lieblingsteile übrig bleiben. Und wenn wir erstmal wissen, welche Kleidung unserem Stil entspricht, erübrigen sich ungetragene Schrankleichen, die wir nicht anziehen.

Jane Field-Lewis, Tiny Houses: mehr Glück auf weniger Quadratmetern

Jane Field-Lewis nimmt Kleinstarchitekturen, sogenannte Tiny Houses verschiedenster Funktionen unter die Lupe: Ob Garten- oder Urlaubshütten, Studios, Werkstätten oder Baumhäuser. Während die anderen Buchtipps sich mit dem Inhalt unserer Behausungen beschäftigen, stehen hier die vier Wände selbst im Fokus. Dieses Buch ist etwas für Architektur-Liebhaber. Es geht hier nicht um die 08/15-Gartenlaube, sondern um innovatives Design auf wenigen Quadratmetern. Handwerklich Talentierte können aber eine Anregung finden, der eigenen Hütte ein ästhetisches Update zu gönnen. Bauweise und Materialien werden ebenso portraitiert wie die individuellen Geschichten der Bewohner*innen. Den Wohnraum zu verkleinern und oft auch mobil zu gestalten (denk an Wohnwagen!), ist Minimalismus für Fortgeschrittene. Nachdem sie ihr Hab und Gut auf ein Bruchteil reduziert haben, sehnen sich viele eben auch nach einer überschaubareren Hülle für die Besitztümer.

Marie Kondo, Magic Cleaning: das Standardwerk des Reduzierens und Aufräumens

Auch wenn du bisher nicht dem Minimalismus verfallen bist, hast du sicher schon von Marie Kondo gehört. Mir kommen sofort Bilder von ihrer speziellen Kleidungs-Päckchen-Falttechnik in den Kopf. Ich finde den Effekt ziemlich grandios, auf einen Blick zu sehen, was der Kleiderschrank alles hergibt. Klar, das Ergebnis ist noch überwältigender, nachdem man den Inhalt um 50 Prozent reduziert hat. Das Entscheidungskriterium, damit die Dinge bleiben dürfen, lautet: Behalte nur, was dir Freude macht. Kondo verrät, wie man den berüchtigten Jojo-Effekt vermeidet und den entschlackten Besitz anhaltend schlank hält. Die Kon-Mari-Methode (das Wortspiel mit ihrem Namen ist zur Bezeichnung ihrer Aufräum-Praxis avanciert) des Ausmistens hat inzwischen sogar ein eigenes Verb bekommen: “to kondo”.

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Minimalismus im Denken etablieren: Drei englischsprachige Buch-und Blogempfehlungen zum Weiterlesen

The Minimalist Mindset: The Practical Path to Making Your Passions a Priority and to Retaking Your Freedom möchte uns nicht zum Aufräumen und Wegwerfen animieren. Autor Danny Dover widmet sich Entscheidungsprozessen und dem Erkennen von Prioritäten im eigenen Leben. Es geht darum, zu wissen, was uns glücklich macht und erfüllt: Seien es ausgiebige Reisen, Sprachen lernen oder mehr Zeit mit den Menschen zu verbringen, die wir lieben.

Wenn du dich dafür interessierst, schau doch auch mal bei Live your Heart Out vorbei. Conni, eine bekannte Reisebloggerin und digitale Nomadin, teilt Geschichten und Ratschläge rund ums Leben mit minimalem Besitz aus dem Rucksack außerdem auf ihrem deutschsprachigen Blog Planet Backpack.

Die Autoren Joshua Fields Millburn & Ryan Nicodemus konzentrieren sich in ihrem Buch Minimalism: Live a Meaningful Life ebenfalls nicht auf die dingliche Seite des Minimalismus. Der Amerikanische Traum als anti-minimalistisches Lebensmodell erschien den beiden zunehmend als verzehrender Albtraum. Stück für Stück reflektieren sie ihre Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten als elementaren Bestandteil der Gesundheit; sie hinterfragen Erwartungen in Beziehungen, Beruf und Berufung und widmen sich ihrer persönlichen Definition eines Wertesystems, das inneres Wachstum erlaubt.

The More of Less: Finding the Life You Want Under Everything You Own von Joshua Becker sucht einen Ausweg aus der Ablenkung im Hamsterrad eines Mehr, Größer, Schneller und Fancier. Und schlägt eine Verbindung aus dinglicher Reduktion und mehr Freiraum für unsere Gedanken vor, um zu erkennen, was uns wirklich antreibt. Mehr Zeit und Raum für Nicht-Dinge, die uns glücklich machen, statt zeit- und Energie fressender Organisation unseres Zuviel an Dingen. Doch der Weg dahin führt wahrscheinlich nicht an einer Auseinandersetzung mit unserem Hab und Gut vorbei.

Diese Liste ist ein guter Anfang, um in das Thema einzusteigen. Und wenn du jetzt wie ich aufgrund deines Reduktionswunsches keine Bücher kaufen willst, hätte ich eine Idee: Gib Bücher an Freund*innen (oder auch Unbekannte) weiter, und nimm auch mal ein Buch mit, das dir auf diese Weise zufliegt. So wirst du dich auch stärker mit anderen darüber austauschen, was du gerade liest oder lesen möchtest und erfährst von lesenswerten Schätzen, ohne dass dein Bücherregal aus allen Nähten platzt.

Viel Spaß beim Aufräumen & Minimieren,

deine Jule

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