Zwischen den Jahren: Dein Guide für die Rauhnächte

Wenn der Instagram-Feed sich langsam wieder mit Fotocollagen und Resümees des letzten Jahres füllt und mehr und mehr Leute Bilder von sich vor zehn Jahren und heute posten und öffentlich über ihre Entwicklung reflektieren, ist das meist ein guter Hinweis darauf, dass wir uns dem Jahresende nähern. Als Checklisten liebender Steinbock bin ich selbst ein großer Fan davon, zum Jahresende Bilanz zu ziehen, was so in einem Jahr geschehen ist, sich verändert hat, was ich “erreicht” habe, um dann für einen Augenblick dankbar und stolz zu sein, bevor ich neue Pläne schmiede.

Vor zwei Jahren lief mir das erste Buch* zum Thema “Rauhnächte” über den Weg und seitdem hat sich mein ganzer Jahresend-Checklisten-Prozess stark verspiritualisiert und ist irgendwie tiefer geworden. 

Was hat es mit den Rauhnächten auf sich? Und wie kannst du ihre Power nutzen?

Den zwölf Nächten nach Weihnachten werden dank Legenden, Märchen und Mythen magische Kräfte zugesprochen und laden zur Reflektion und Manifestation ein.

So ziemlich alle Kulturen messen Zeit anhand von Sonne und Mond.

Wir richten uns seit 1582 nach dem gregorianischen Kalender, der sich auf den Lauf der Sonne bezieht: 365 Tage im Jahr, wobei unsere 12 Monate in der Regel 30 oder 31 Tage haben. Betrachtet man im Vergleich das Mondjahr, hat dieses nur 354 Tage, da ein Mondzyklus mit 29,53 Tagen berechnet wird.

Die Rauhnächte sind genau die zwölf Nächte “zwischen den Jahren”, nämlich zwischen dem Sonnenjahr und dem Mondjahr.

Diese Nächte liegen somit etwas außerhalb von Zeit und Raum, was sie zu einer besonders spirituellen, nahezu magischen Zeit macht, zu der alle irdischen Gesetze an Gültigkeit verlieren und sich die spirituelle Welt mit der irdischen ganz natürlich zu vermischen scheint. Diese zwölf Nächte werden als Omen für die kommenden zwölf Monate des neuen Jahres gesehen. Jede Nacht entspricht einem Monat des neuen Jahres.

Rauhnächte heißen zwar Rauhnächte, aber die Tage, die auf diese Nächte folgen, sind ebenso wichtig. Eine Rauhnacht besteht deshalb in meiner Definition aus einer Nacht und dem darauffolgenden Tag. 

Diese magische Zeit eignet sich perfekt für Bräuche und Rituale.

Die Energien der Rauhnächte begünstigen es, Dinge hinter uns zu lassen, Intentionen für die Zukunft zu setzen, in uns hinein zu spüren und Hinweise für das kommende Jahr zu empfangen. Silvestertraditionen wie Feuerwerk und Bleigießen zählen zu übrig gebliebenen Rauhnachtritualen, durch die böse Geister verjagt und Orakel für die Zukunft befragt werden sollten. Wir können aber viel mehr in diesen zwölf Nächten machen, als zu böllern.

Wann diese genau beginnen wird unterschiedlich ausgelegt.

Für mich beginnen die Rauhnächte mit der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Das ist eine recht gängige Rechnung und zudem auch praktisch, um die Rauhnächte zur Innenkehr zu nutzen. Ab dem 24. ist die Vorweihnachts-Craziness zu Ende und meistens kehrt danach etwas mehr Ruhe ein.

Um das alte Jahr abzuschließen und mich auf das neue Jahr vorzubereiten tauche ich in diesen Tagen in die Aspekte “Reinigung”, “Orakel” und “Intentionen” ein. Diese drei Bereiche werden überall etwas anders bezeichnet und interpretiert, sind aber die zentralen Themen dieser Zeit. Also: Loslassen, Innehalten, Intentionen setzen.

Es ist natürlich genial, wenn du in diesen Tagen echt Ruhe findest und dir viel Zeit nimmst, um zu meditieren, in dich hinein zu spüren und zu schreiben. Aber auch, wenn du einen Partymarathon aus Weihnachten, Geburtstag, Silvester und am besten obendrauf noch Geburtstag der Schwester vor dir hast, lassen sich die Rauhnächte wunderbar nutzen. 

Hier kommt mein kleiner Rauhnacht-Guide, um die Magie zwischen den Jahren für dich zu nutzen:

Um die Rauhnächte vorzubereiten, brauchst du einfach nur etwas zum Schreiben, am besten ein Tagebuch oder Notizbuch, wenn du hast gerne ein Orakelkartenset, etwas zum Räuchern (Palo Santo, Smudge Stick oder ähnliches) und ein paar Zeitschriften, Kleber und Schere. Los geht’s.

Zwischen den Jahren: Dein Guide für die Rauhnächte 2

Mein Rauhnacht-Tagesablauf funktioniert so:

1. Träume einfangen
2. Orakelkarte ziehen
3. Rauhnachtritual oder Fokus des Tages
4. Journaling
5. Schlafen (und hoffentlich träumen)

1. Träume einfangen

Da man davon ausgeht, dass die spirituelle Welt und die irdische Welt sich zwischen den Jahren leichter vermischen, kann es eher sein, dass uns Spirits, Hinweise oder intuitive Eingebungen nachts im Traum begegnen. Deshalb ist das erste, was ich an einem Rauhnachtmorgen mache, meinen Traum festzuhalten und zwar nicht nur die Handlungen und Personen, sondern auch die grundlegenden Gefühle, die präsent waren. Daraus versuche ich dann in ein paar Stichpunkten oder einem Wort abzuleiten, was das Thema der Nacht war, beispielsweise: Grenzen ziehen, Vergebung, Mut, Abnabelung, sowas in der Art.

Da die erste Rauhnacht als Vorbote des Januars gilt, die zweite des Februars und so weiter, ist es interessant diese Hauptthemen festzuhalten, um im neuen Jahr immer mal wieder zu sehen, was laut der Rauhnacht Thema des Monats war. Ich habe zur Vorbereitung dieses Artikels meine Notizen der letzten Rauhnächte rausgekramt und es ist echt verrückt, wie oft es passt!

2Orakelkarte ziehen

Vielleicht ist es für dich nicht so einfach dich an deine Träume zu erinnern oder du willst einfach gern noch ein zweites Orakel befragen. Ich ziehe aus diesem Grund jeden Morgen zwischen den Jahren eine Orakelkarte und notiere mir ebenfalls, für was sie steht. 

Ich habe dir hier verschiedene Orakelkarten zusammengestellt:

Letztes Jahr habe ich mit dem letzteren Kartenset* gearbeitet und konnte zunächst mit vielen der Botschaften nichts anfangen. In der fünften Rauhnacht (am 29. Dezember) zog ich eine Karte darüber, wie sich meine Familie weiterentwickeln würde und ich dachte nur: Im Mai ist kein Weihnachten, Ostern, Geburtstag, nichts, wo ich in der Regel eine besondere Familienbindung erwarte. Ich zog die Karte in den folgenden Tagen dann noch einige Male und zweifelte erst mal stark das Kartenset an. Das ist irgendwie falsch konfiguriert, ich kann mit der Info nichts anfangen! Also nahm ich mir fest vor, im nächsten Jahr lieber wieder Tiere oder Göttinnen zu ziehen, weil die mehr Interpretationsspielraum geben und deswegen besser “funktionieren”. 

Jetzt wo ich mir die Aufzeichnungen vom letzten Jahr anschaue, muss ich echt schmunzeln. Die Karten waren nicht “kaputt”. Passend zur Rauhnachtkarte der fünften Nacht lernte ich im Mai meinen heutigen Partner kennen, der sich ab dem ersten Treffen, wie Zuhause oder Familie anfühlte, weshalb ich ihn direkt von der tollen Luisa astro-stalken ließ, aber das ist eine andere Geschichte. Die anderen Monate, für die ich diese unverständliche “Familienkarte” zog, waren passenderweise der Monat, in dem wir “the talk” hatten und beschlossen, eine Beziehung zu führen und der Monat, in dem wir in unsere gemeinsame Wohnung zogen. Sorry, Karten, dass ich euch angezweifelt habe!

Werbung

Contentbanner links alone

3. Rauhnachtritual oder Fokus des Tages

Wer auch Probleme damit hat, Dinge nicht sofort rational zu verstehen oder gerne mehr mitwirken möchte, der/dem empfehle ich es, in den Rauhnächten einen täglichen Fokus zu setzen und dazu jeden Tag ein anderes kleines Ritual abzuhalten. Wenn diese Tage und Nächte Vorboten für das neue Jahr sind, können wir ja ruhig etwas nachhelfen, um das neue Jahr so zu gestalten, wie wir es uns wünschen.

Ein solcher Fokus könnte beispielsweise sein, sich einem Bereich zu widmen, der im neuen Jahr mehr Raum bekommen soll: Yoga, Meditation, Schreiben, Ordnung halten, Astrologie, gesund kochen, sich Pausen gönnen, mehr lesen, was das auch bei dir sein mag. 

Ein großes Thema, dem ich mich 2019 widmen wollte, waren meine Hormone. Ich leide an Endometriose und wollte trotzdem die Pille absetzen und einen Weg finden, zu heilen. Den 26. Dezember (2. Rauhnacht) verbrachte ich mit Büchern zum weiblichen Zyklus auf der Couch und was auch immer letztlich der Grund war, im Februar fühlte ich mich dann bereit, die Pille abzusetzen und mich praktisch mit meinem Körper und der hormonellen Veränderung auseinander zu setzen. 

Nimm dir ganz bewusst jeden dieser zwölf Tage Zeit, etwas zu lesen, zu tun, zu recherchieren, auf das du im neuen Jahr mehr Fokus legen möchtest.

Andere Rituale könnten sein:

  • Spazieren gehen und bewusst die Natur wahrnehmen
  • Eine Liste verfassen, wofür du in diesem Jahr dankbar bist oder worauf du stolz bist 
  • Vor der Silvesterparty die Wohnung einmal ordentlich putzen, ausräuchern und ein paar wohltuende Öle zu diffusen (Weihrauch, Myrrhe, Copaiba oder Salbei zum Beispiel)

Mach diese Dinge ganz bewusst und mit klarem Fokus, dann können es auch diese ganz alltäglichen Dinge sein, die deine Rauhnachtrituale werden. 

4. Visionboards

Ein persönliches Lieblingsritual ist es, am 31.12. oder 1.1. ein Visionboard zu erstellen: also Zeitschriften durchblättern und rausreißen, was gefällt, ein Moodboard zu bekleben und mit dem Fokus fürs neue Jahr zu beschreiben. 

Auch hier ist es immer wieder erschreckend und wunderschön zugleich am Jahresende zu sehen, was davon alles wahr geworden ist. Zur Erheiterung meiner Schwester fragte ich sie letztes Jahr beim wilden Aufkleben, welchen der beiden kochenden Männer, die ich ausgeschnitten hatte, ich auf mein Board kleben sollte. Als mein Partner dann gestern für uns kochte, lachte sie und bemerkte, wie gut das geklappt hatte. War dann wohl doch der richtige Schnipsel, den ich da aufgeklebt habe.

5. Journaling

Am Ende des Tages ist es schön, nochmal in Stichpunkten festzuhalten, was am Tag geschehen ist und auch was hier die Themen und Gefühle waren, die präsent waren. Wenn du im Juni 2020 dann nicht fassen kannst, was gerade karriere- und liebesmäßig bei dir los ist, freust du dich riesig, in deine Rauhnachtnotizen zu schauen, wo all diese Vorboten schon zu sehen waren.

Ich wünsche dir eine wundervoll magische Rauhnacht-Zeit und dass du viel träumst! 

Hast du eine eigene Rauhnachtsgeschichte oder ein besonderes Ritual, das du mit uns teilen möchtest? Dann freue ich mich über deinen Kommentar.

It’s all happening!
Love,
Hannah

Fotos © Hannah Krutmann

Bei den mit * gekennzeichneten Links handelt es sich um Affiliate-Links. So erhalten wir eine kleine Provision, wenn du ein Produkt kaufst, und FLGH kann für dich kostenlos bleiben.

Das könnte dich auch interessieren:

8 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Hannah, ich wünsche erstmal ein frohes Jahr und noch schöne Rauhnächte! Meine Frage bezieht sich auf einen kurzen Nebensatz von dir zu Endometriose und das du Bücher zum weiblichen Zyklus gelesen hast. Kannst du mir bitte eins zwei empfehlen?

  2. Liebe Hannah,

    ich habe vor zwei Jahren erst von den Rauhnächten erfahren und fand es passend für mich. Allerdings konnte mich aber noch nicht so richtig darauf einlassen. Dank Deiner schönen Einleitung weiß ich jetzt, wie ich gut vorbereitet die Tage und Nächte nutzen kann.

    Nur bei den Orakelkarten bin ich mir nicht ganz sicher: müssen es ausgewiesenen Orakel-Karten sein? Ich habe bereits Krafttier- und Tarotkarten, mit denen ich gerne arbeite. Wären diese auch orakel-tauglich?

    Herzlichen Dank und Gruß von Karla!

    1. Hej Karla!
      Danke, das freut mich sehr. Die Karten sind absolut orakel-tauglich und umso besser wenn du mit ihnen schon vertraut bist! Ich wünsche dir wundervolle Rauhnächte!
      love, Hannah

      1. Liebe Hannah,
        ich hatte mir zwischenzeitlich nun auch das „Entdecke Dich“ Set von Elena Brower gekauft und bin recht verzückt – eine super Ergänzung zu den Karten-Sets, die ich schon habe. Danke für den guten Tipp und Dir auch ein besinnliche Zeit und guten Jahresabschluß! LG Karla

  3. Danke für den tollen und inspirierenden Artikel! Ich habe letztes Jahr das erste Mal von den Rauhnächten gehört und habe sie das erste Mal, angeleitet und im Austausch mit zwei Freundinnen, bewusst wahrgenommen und gestaltet. Dieses Mal möchte ich das noch intensiver machen, deswegen bin ich sehr dankbar für Deinen Input. Orakelkarten habe ich mittlerweile auch, Palo Santo hat vor Kurzem auch mehr durch Zufall zu mir gefunden und ein Visionboard möchte ich schon seit Ewigkeiten kreieren. Spannend fand ich das, was Du zum Thema Intention für jeden Tag in Übertragung auf das kommende Jahr setzen, geschrieben hast. Überlegst Du Dir schon vor die Rauhnächten die verschiedenen Themen? Und mich würde noch interessieren, was Du mit dem Palo Santo machst. Habe sowas noch nie benutzt. Danke, danke, danke auf jeden Fall nochmal für Deinen Artikel!
    Liebe Grüße, Linda

    1. Liebe Linda, wie schön von dir zu hören.
      Also, zum Palo Santo: du kannst es einfach mit einem Feuerzeug anzünden, manchmal muss man etwas pusten, damit es anfängt zu rauchen. Dann kannst du damit schön durch die Wohnung laufen und auch gut kreisende bewegungen machen damit es weiter glüht und der Rauch in alle Ecken kommt. Du kannst auch gut eine Feder zur Hilfe nehmen um den Rauch besser zu verteilen. Außer der Wohnung kannst du auch wunderbar dich selbst von Kopf bis Fuß ausräuchern, das tut manchmal echt gut.

      Zu den Intentionen: ich schreibe mir meist ein paar Intentionen auf statt Neujahrsvorsätzen und dann beschäftige ich mich damit gezielt. Manchem ergibt sich das aber auch aus dem Tag selbst, wenn ich zu den Weihnachtsfeiertagen mit der Familie bin, bieten sich Themen wie „Grenzen ziehen“ oder „Vergebung“ bei mir sehr gut an :)
      Viel Spaß und genieß die Rauhnächte.
      Love, Hannah

  4. Hi Hannah,

    danke für den Beitrag! Finde ich super. Ich habe letztes Jahr sowas ähnliches gemacht, wusste aber gar nicht, dass die Rauhnächte offiziel „a thing“ sind. ;)

    Liebe Grüße,
    Helena

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*