Yogisch durch die WM: 5 Tipps für Fußballmuffel

Ich hasse Fußball. Ich weiß, als yoga-übender Mensch nicht hassen sollte, aber ich kann einfach nicht anders.

Ich finde dass jeder Yogi eine Sache hassen dürfen sollte, sozusagen als letzte kleine Insel der alten geliebten Gewohnheiten. Mein Fußballhass bezieht sich auch gar nicht so sehr auf den Sport, dafür verstehe ich zu wenig davon. Teamsport generell ist eine tolle Sache. Zwar nicht für mich, weil ich mich zu leicht von den Nebenschauplätzen wie dem kneifenden Hosenbund des Gegners oder lustige Bewegungsabläufe ablenken lasse. Aber wenn Menschen miteinander spielen, finde ich das grundsätzlich gut!

Bei der Fußball-WM ist es wohl auch eher der Nebenschauplatz, der mich zu einem schlechten Yogi macht. Die ganze Welt, inklusive Facebook, Twitter und mein eigener Freundeskreis, dreht sich 24/7 um einen ledernen Ball und wo, mit wem, welches Spiel gekuckt werden kann . Plötzlich sind alle Experten einer Sportart, die sie selbst nicht betreiben und geben den Spielern, die sie durch den Fernseher eh nicht hören können, schlaue Ratschläge. Und ich kann der Sache nicht aus dem Weg gehen. Die Fußballfans sind überall, laut und meistens voll. Neuerdings auch vor meiner Tür – in einem niegelnagelneuen Outdoor-WM-Quartier, inklusive Bratwurstfahne.

Wahrscheinlich fühle ich mich einfach ausgeschlossen. Online-affine Psychotherapeuten würden mir wohl FOMO – Fear of missing out – attestieren. Bevor ich aber wegen der WM den Psychodoc aufsuche, versuche ich mich in einer eigens entwickelten WM-Therapie, die mich – und auch dich, wenn du WM-genervt bist – yogisch durch die WM bringen soll. Anpfiff!

 1. Cancel die Reise zum Mond

Gib die Illusion auf, dass vielleicht schon während der nächsten Weltmeisterschaft leistbare Reisetickets zum Mond angeboten werden. Die WM findet alle vier Jahre statt und es gibt kein Entkommen, also finden wir uns als erstes Mal damit ab. Denn wie wir Yogis wissen, ist das Akzeptieren einer Gegebenheit der erste Schritt zur Veränderung.

2. Always look on the bright side of life

Alles hat seine guten Seiten, wirklich alles. Auch die WM! Als ich angefangen habe, mich auf die schönen Seiten der Weltmeisterschaft zu konzentrieren, habe ich sie fast richtig lieb gewonnen. Zum Beispiel ist der Supermarkt während der Deutschlandspiele wie leer gefegt. Und auch im Yogastudio hat man die Chance auf eine exklusive Einzelstunde. Oder wenn du mal ausgedehnt shoppen gehen möchtest: Die Deutschlandspiele sind deine Zeit!

3. Rote Karte für Fear of missing out (FOMO)

 Kommen wir zum FOMO-Problem, die Angst außen vorgelassen zu werden. Auch wenn du nichts von Fußball verstehst, ist die WM der ideale Ort, um gegen FOMO anzukämpfen, denn dort gibt es so viel Gemeinschaft wie sonst nie. Das Schöne am Fußball ist, dass der Sport nicht nur verschiedene Nationalitäten miteinander verbindet, sondern auch vor Ort die verschiedensten Menschengruppen an einen Tisch bringt.

 4. Übe dich in Mitgefühl

Mitgefühl ein ganz großes Wort in der Yoga-Philosophie. Die WM bietet die perfekte Möglichkeit, dich darin zu üben. Denn, wenn du kein WM-Fan bist, hast du normalerweise eher weniger Verständnis für Fußball-Wehwehchen. Während der Spiele sind das meistens Toilettengang und Bierdurst. Letzteres werde ich beim nächsten Deutschlandspiel für mein eigenes Mitgefühl missbrauchen: Ich werde meine durstigen Freunde mit kühlen Getränken versorgen.

 5. Nutze das Gute-Laune-Hoch

Dieser letzte Tipp funktioniert nur, solange Deutschland noch im Rennen ist. Ein Grund mehr, ordentlich mitzufiebern! Ich muss gestehen, dass die Stimmung nach einem gewonnenen Spiel unserer Nationalelf, einen rauschartigen Effekt auf ganz Deutschland und somit auch auf mich hat. Ich liebe diese Stunden nach den Spielen, wenn die Deutschen alle ihre Klischees ablegen. Es gibt keine Berührungsängste mehr, fremde Menschen liegen einander in den Armen und keiner grummelt mehr spießbürgerlich vor sich hin. Alle Alltagssorgen sind für einen Moment vergessen, denn unsere Jungs haben bewiesen: Wir sind gut. Und das ist es schließlich, was wir Menschen wollen. Gut sein und geliebt werden. Und deshalb werde ich beim nächsten Sieg über meinen Schatten springen und mitmachen, wenn sich wieder fremde Menschen in den Armen liegen und glücklich sind.

Nachtrag: Nachdem ich diesen Beitrag verfasst habe, bin ich spontan in die österreichischen Berge zum Wandern gefahren. Das Foto ist vor meiner Hütte entstanden. Auch eine Möglichkeit die WM-Zeit yogisch zu verbringen.

Geht dir die WM auch auf den Keks? Wenn ja, was machst du dagegen?  Hinterlasse mir einen Kommentar! Ich bin gespannt.

Servus aus den Alpen,

Deine Franziska

[highlight] Autor

Franziska hat Psychologie und Soziologie an der Leibniz Universität Hannover studiert. Sie ist ausgebildete Kommunikationstrainerin und beschäftigt sich neben ihrem Job als PR- und Kommunikationsberaterin leidenschaftlich gern mit der Psyche des Menschen, Philosophie, Yoga und gesunde, inzwischen vegane Ernährung. Bei sich selbst hat sie gelernt, wie hilfreich Meditation und Yoga sein können, um loszulassen, zu vergeben und daraus Raum für persönliche Weiterentwicklung zu schaffen. Sie ist Mitgründerin von Fuck Lucky Go Happy und liebt es zu bloggen. [/highlight]

 

6 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. ja leider gibts ja nicht nur die WM sondern auch die EM. Und gestern war ich auf einer Geburtstagsfeier wo alle dem Geburtstagskind den Rücken zugedreht haben und Fussball geschaut und kommentiert haben. Ansonsten war Unterhaltung (im Sinne von Gespräch und im Sinne von sich gut unterhalten) nicht möglich. Da zweifle ich dann schon ein wenig an den Menschen. Aber ich versuch’s ähnlich zu sehen wie Du und zwar positiv: Ich hab daheim meine Ruhe, ich hab keine Freizeit-Streß weil eh alle nur Fußball schauen, ich les ein Buch nach dem anderen und freu mich dass mich keiner stört.

    1. Hi Rina, ja! Genau das ist es, was mich am Fußball nervt. NICHTS anderes zählt mehr. Aber du machst es genau richtig. Man muss die Zeit einfach für etwas nutzen, das einem gut tut.Viel Spaß beim schmökern :)

  2. Ha ha! Bin ganz deiner Meinung… und geniesse diese Zeit, denn auf meinem TV läuft (zum 1. Mal) KEIN Fussi! Klarer Vorteil des Lebens ohne Kerl im Haus ;-)
    Und ich fand es super schön, als ich dann plötzlich Hupkonzerte und Gejohle gehört habe… die Schwiizer haben sich über den Sieg in der Vorrunde so gefreut, als ständen sie schon im Finale. Wunderbar.
    Grüezi rundum :-)

    1. Hi Kathrin, freut mich, Nachricht aus der Schweiz zu lesen. Ich liebe die Schweiz! Grüezi zurück und bis bald mal wieder. Alles Liebe, Franziska

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