Yoga und der Zyklus, Teil 1: Die Kraftphase

Ich liebe meinen Zyklus! Ich liebe es, dass ich menstruiere! Schon mal gehört? Eher nicht so, ne? Das könnte daran liegen, dass die weibliche Menstruation in unserer Kultur immer noch ein weitgehendes Tabu ist, das mit Scham, Schmutz, Angst und Demütigung assoziiert wird. Diese Degradierung des wahrscheinlich natürlichsten und schönsten Vorgangs im weiblichen Körper ist dem jahrtausendealten Patriarchat zu verdanken.

Aber: Immer mehr junge Frauen und Feminist*innen beginnen, sich ein positives Körperbild aufzubauen und einen gesunden Umgang mit dem Zyklus zu finden. Ich feiere diese Wiederaneignung des Körpers und spreche, wo ich nur kann, über meinen Zyklus. Ich erzähle allen, die es (nicht) hören wollen, dass ich meine Tage habe und warum mein Zyklus an meiner Stimmung schuld ist. Und in dieser dreiteiligen Serie erkläre ich die drei wunderbaren Phasen des weiblichen Menstruationszyklus mit vielen (Yoga-)Tipps und Inspirationen.

>> Event-Tipp: Janna gibt im November in Berlin zwei Workshops zum Thema!

Teil 1: Wofür steht die Menstruation und was ist die Phase der Kraft?

Klar, „Weiblichkeit“ ist in fast allerlei Hinsicht eine soziale Konstruktion. Heute müssen wir glücklicherweise nicht mehr notwendig besonders weiblich tun oder sein; binäre Geschlechterkategorien lösen sich immer mehr auf. Aber: Wir Frauen menstruieren halt, weil jeden Monat ein Ei in unseren Eierstöcken heranreift, es sich über die Eileiter auf den Weg in die Gebärmutterschleimhaut macht, dort auf Befruchtung wartet und bei erfolgloser Rumlungerei mitsamt der Schleimhaut abtransportiert wird, damit das Spiel von neuem losgehen kann. Easy Biologiebuch!

Die Menstruation hat allerdings auch in spiritueller Hinsicht eine tiefe Bedeutung und hier beginnt gerade auch für Yoginis eine spannende Entdeckungsreise.

Der makrokosmische Zyklus: Kommen und Gehen

Wie so viele andere Dinge im Leben repräsentiert der weibliche Zyklus die Beständigkeit von Kommen und Gehen, von Wachsen und Vergänglichkeit. Immer entsteht etwas Neues, um dann nach einiger Zeit wieder zu sterben; Geburt und Tod, Schatten und Licht, Aktivität und Reflektion oder eben Yin und Yang – dieser makrokosmische Zyklus der Natur galt und gilt in vielen Kulturen als heilig. Im Yoga finden wir diese Qualitäten auch. In der gleichmäßigen Einatmung (puraka), die immer mit einer Ausatmung (rechaka) kommt, oder in der Beständigkeit (sthira), die nichts ohne Leichtigkeit (sukham) wäre.

Dabei ist es übrigens kein Zufall, dass der „normale“ Zyklus von 28 Tagen genau dem Mondzyklus entspricht. Der Mond hat Auswirkungen auf die Meere und Gewässer und damit logischerweise auch auf uns und unsere Körperflüssigkeiten. Je näher Frauen in einer naturnahen Umgebung leben, desto wahrscheinlicher wird ihr Eisprung um den Vollmond und die Menstruation um den Neumond auftauchen. Und auch das Gerücht, dass sich der Menstruationszyklus von Freundinnen anpasst, ist inzwischen nachgewiesen.

Der „normale“ Zyklus, Pille & Co.

Als „normale“ Längen gelten alle Zyklen zwischen 24 und 35 Tagen. Wenn du dauerhaft kürzere oder längere Zyklen hast, dann solltest du das mit deiner Gynäkologin besprechen, wobei auch das noch kein Grund zur Sorge ist. Unser Zyklus ist eben nicht nur vom Mond, sondern auch von den Jahreszeiten, dem Licht, der Ernährung, Reisen und psychischen Belastungen abhängig.

Einen extrem regelmäßigen Zyklus kannst du eigentlich nur über die Pille und andere hormonelle Verhütungsmethoden erreichen. Aber Achtung! Dann wirst du die hormonellen Verschiebungen und damit auch die emotionalen und spirituellen Phasen des Zyklus so nicht verspüren. Ich betrachte es inzwischen als Geschenk, diese Phasen wahrzunehmen und zu erkennen und kann daher dankbar auf pillenerzeugte Regelmäßigkeit verzichten.

>> Wie läuft dein Zyklus eigentlich genau ab? Mit dem Cyclotest Zyklus-Computer lernst du, ihn besser zu verstehen. Nutze den Code FUCKLUCKYGOHAPPY für 25 € Rabatt beim Kauf!

Let’s Start: Die erste Phase der Kraft

Zeitpunkt & Länge: Vom Ende der Tage bis zum Ende des Eisprungs, ca. 12 Tagefvckluckygohappy-8043

In den Tagen nach deiner Blutung beginnt die Follikelphase, in der ein Ei heranreift. In dieser Zeit bist du in deiner Höchstform – deine Energie und Kraft steigt an, du bist stark nach außen orientiert, extrovertiert. Du wirkst auf andere attraktiver und ja, du selbst hast wahrscheinlich auch (noch) mehr Lust auf Sex. Dies ist meistens eine Zeit, in der dir viele gute Ideen kommen und du Pläne schmiedest. Es fühlt sich fast so an, als könnte dich einfach nichts aufhalten.

Rund um deinen Eisprung ist dann der Höhepunkt dieser Phase erreicht. Der abrupte Anstieg von follikelstimulierenden und luteinisierenden Hormonen führt zum Höhepunkt deiner Kreativität und Schaffenskraft. Wahrscheinlich fühlst du dich gerade eher zufrieden und entspannt. Und extrem fruchtbar bist du halt gerade zufällig auch.

Wenn du anfängst, deinen Zyklus näher zu beobachten, dann wirst du in diesen Tagen den Eisprung vielleicht sogar durch ein leichtes Ziehen im unteren Bauch spüren. Das kann ein kurzer Moment sein, kann manchmal auch einen ganzen Tag andauern.

Yoga üben in der Kraftphase1709_1zykluscollage1

Im Prinzip schreit dein Körper in dieser Phase geradezu nach einer fordernden und anstrengenden Yogapraxis – gib sie ihm! Du kannst dich hier ganz besonders in den vielen stehenden und balancierenden Yogahaltungen austoben, intensiv und lange üben und gerne auch jeden Tag auf die Matte gehen. Vielleicht stellst du auch selbst fest, dass du in diesen Tagen kraftvoller und dehnbarer bist. Die Hormone, die so positiv auf deine Stimmung schlagen, machen sich halt auch im Geist breit und plötzlich ist viel mehr möglich.

Jetzt wäre zum Beispiel ein guter Zeitpunkt, um dich an Haltungen zu wagen, die bei dir sonst pure Angst auslösen oder in denen du dich blockiert fühlst. Vielleicht ab in die Krähe, die Füße in den Kopfstand heben oder den Paradiesvogel üben?

Nur nicht übertreiben und im Kopf behalten, dass auch diese Phase vorbei geht und eine Zeit der Reflektion und des Loslassens folgt. Darüber dann bald mehr in Teil 2, wo sich alles um PMS und andere Dramen dreht…

Meine Lieblingsbücher zum Thema:

Ich habe mein bescheidenes Wissen aus eigener Erfahrung, Büchern und vielen Gesprächen mit anderen Frauen. Wenn du andere Erfahrungen machst, dann ist das auch spannend! Wie fühlst du dich in den Tagen nach den Tagen und was tut dir gut? Ich freue mich über deine Fragen und Kommentare! Hast du andauernd Probleme, Unregelmäßigkeiten, Schmerzen? Sprich auf jeden Fall mit deinem Arzt / deiner Ärztin!

Das könnte dich auch interessieren:

Fotos © Roberto Brundo

Ein Kommentar / Schreibe einen Kommentar

  1. Hmmm, also bei mir verhält sich das total umgekehrt, bis zum Eisprung bin ich weder nach außen orientiert, noch hab ich sonderlich viel Energie und bin meisten auch etwas Motivations- und planlos. Das ändert sich dann ab dem Eisprung. Dann bin ich voll bei mir, und setzte Pläne um. Am meisten Kraft und Konzentration für eine kraftvolle Praxis hab ich üblicherweise ein bis zwei Tage vor der Menstruation.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*