Winterblues? Diese Mantren helfen dir durch die kalte Jahreszeit

Der Himmel hängt tief und grau über den Dächern. Nebelschwaden ziehen durch die Straßen, seit Tagen ist es kalt und dunkel. Das fehlende Licht drückt auf meine Stimmung. Immer wieder kommt mir der Gedanke, einfach meine Tasche zu packen und die Wintermonate an einem Strand in Indien oder Thailand zu verbringen. Aber es gibt auch die Tage an denen ich spüre, dass es wertvoll ist, einfach inne zu halten und sich mit dieser dunklen Jahreszeit zu arrangieren und anzunehmen was mit ihr einhergeht.

Inne halten statt abhauen

Statt abzuhauen, kannst du diese Zeit für dich nutzen: Indem du dich bewusst zurückziehst, ruhiger wirst, reflektierst über den Weg, den du dieses Jahr gegangen bist und über den Weg, den du im kommenden Jahr gehen möchtest. Vielleicht fühlst du dich inspiriert die Rauhnächte bewusst zu erleben, mit einem Ritual zu zelebrieren oder du beginnst eine 21-Tage Meditations-Challenge. Oder du lässt dich durch die Kraft der alten Sanskrit-Mantren inspirieren.

Wenn wir voller Hingabe chanten, dann wird der Staub, der den Spiegel unseres Herzens bedeckt, weggewischt.

Mantren sind uralte Klangenergien. In den heiligen Schriften Indiens findet man unzählige Anweisungen, die zum sankirtana, zum Chanten, also Singen und Sprechen der heiligen Namen Gottes auffordern. Schon vor jahrtausenden Jahren wurden Mantren von den weisen Männern Indiens, den Rishis, in einem Zustand der tiefen Kontemplation empfangen.Es gibt unzählige Mantren, die ganz unterschiedlich auf Körper, Geist und Seele wirken. Traditionell wird ein Mantra von einem Lehrer an einen Schüler weiter gegeben. Bei meiner Yogalehrer-Ausbildung in Indien haben wir jeden Morgen um fünf Uhr meditiert und gechantet. Und wow: Jeden Morgen die gleichen Sanskrit-Worte zu rezitieren, das hat wirklich etwas mit mir gemacht.

Die heilsame Wirkung der Mantren

Dort habe ich die zentrierende und heilsame Wirkung von Mantren zum ersten Mal richtig bewusst wahr genommen. Die Klangenergie der Mantren ist sehr kraftvoll. Egal in welchem Zustand ich mich vorher befinde: Das Chanten beruhigt meinen Geist auf eine sehr tiefe Art und Weise. Das Geplapper meines Geistes stoppt und mit ihm fällt meine Geschichte von mir ab und es fällt mir leichter, einfach nur zu sein. Und mich mit meiner Essenz zu verbinden. Nicht verwunderlich, dass die Musik, der Klang und der Gesang in vielen Kulturen ein wichtiger Teil von Spiritualität sind.

Das Wort Mantra hat verschiedene Bedeutungen. Einige Überlieferungen schlüsseln die Bedeutung wie folgt auf: „Man“ kommt von „Mananath“, Denken. Und „Tra“ kommt von Trayate, „führt zur Befreiung“. Ein Mantra ist das, was zur Befreiung führt.

Die Wiederholung eines Mantras wird Japa genannt, ein wichtiger des Yoga, der in Indien wesentlich mehr praktiziert wird als in der westlichen Welt. So lautet eine Anweisung in der Bhagavad Gita: „Yajnanam Japa-Yajnosmi – Unter den Yajnas (Opfern) bin ich das Opfer des Japa“. Es heißt, dass schon allein das Praktizieren von Japa ewigen Frieden, Glückseligkeit und Unsterblichkeit bringen kann. Wenn Japa zur Gewohneit wird, kann es uns zu Samadhi, dem überbewußten Zustand, zur Einheit mit Gott führen.

Mantren können entweder sprechend, flüsternd, singend oder in Gedanken rezitiert werden. Wobei das Singen und Sprechen Energiekörper wirken. Das Vibrieren der Stimmbänder, die vertiefte Atmung, die Melodie, die durch unseren Körper klingt – all das hat eine extrem positive Wirkung auf Körper und Gemüt. Besonders das Singen einfacher Lieder, ohne Noten wie beim Mantra-Singen führt zu einer Verlangsamung der Atmung mit entsprechender Entspannungswirkung. Dafür muss man kein Sanskrit studiert haben. Das Verstehen der Silben und ihrer Bedeutung ist zweitrangig, denn Mantras haben eine energetische Wirkung. Um diese zu Aktivieren, bedarf es vor allem Hingabe.

Kirtan: Chanten in der Gruppe

Besonders kaftvoll ist das Chanten der Gruppe. Die Wechselgesänge, bei denen die Mantren vor- und dann nachgesungen werden, nennt man traditionell Kirtan. Was auf Sanskrit wiederholen bedeutet. Werden Lieder mit längeren Texten gesungen, spricht man von einem Bhajan.

Mittlerweile sind Mantren zum Trend geworden: Was in den USA begann, gibt es jetzt auch in Deutschland. Immer mehr Musiker bieten Mantra-Konzerte und Kirtans an. Es ist so schön, gemeinsam mit einer Crowd hingebungsvoll zu chanten. Uns berühren vor allem die Love Keys, Janin Devi, Dave Stringer und Philip Stegmüller.

Die heilsame Kraft des Chanten, kann man aber auch alleine erfahren. Für dunkle Tage empfehle ich diese Mantren, die das Licht und die Stille heraufbeschwören und dir dabei helfen können

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Mantra aus den Veden

Asato Ma Sat Gamaya ist eins meiner Lieblingsmantren – nicht nur im Winter. Dieser uralte Vers aus den Veden gehört zu den Friedensmantren und soll uns an das Licht erinnern, das wir alle in uns tragen.

Asato Ma Sat Gamaya Tamaso Ma Jyotir Gamaya Mrityor Manritan Gamaya

Übersetzt heißt das Mantra: Führe uns vom Unwirklichen zum Wirklichen, von der Dunkelheit zum Licht, und führe uns von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit.

Gayatri-Mantra

Das Gayatri-Mantra ist wohl eines der ältesten Mantren der Welt. Ein Gebet an die Sonne, das für mich eine ganz besondere Bedeutung: Meine indische Oma wohnte in Delhi neben einem kleinen Tempel. Dort ertönte dieses heilige Mantra immer zum Sonnenaufgang. In volle Lautstärke beschallte es die ganze Straße und man musste: Jetzt ist es hell, jetzt kann der Tag beginnen.

Om bhur bhuvah svah Tat-savitur varen(i)nam, bhargo devaya dhimahi dhiyo yo nah prachodayat.

OM, materielle Welt, Astralwelt, Lichtwelt. Lasst uns über jene höchst begehrenswerte Lichtenergie der göttlichen, schöpferischen Sonne meditieren, die unsere Gedanken inspirieren soll.

Segensmantra

Eins der wohl bekanntesten Mantren: Lokah Samastah Sukhino Bhavantu ist ein Mangala Mantra, also ein Mantra des Wohlwollens, ein Glücksmantra, ein Segensmantra. Gedanken des Wohlwollens wie das Lokah Samastah Mantra helfen das Herz zu öffnen, Freude, Verbundenheit und Liebe zu spüren. Mit allen Lebewesen und allem was da ist.

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

Es bedeutet übersetzt: „ Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein“

Kundalini Mantra

Dieses englischsprachige Lied stammt ursprünglich von der Incredible String Band, einer schottischen Hippie-Folk-Band. Long Time Sun wird meistens am Ende einer Kundalini Yogastunde gesungen.

May the long time sun shine upon you and all love surround you and the pure light within you guide your way on.

Lass die ewige Sonne auf dich scheinen. Liebe dich umhüllen und das reine Licht in deinem Innern dir den Weg weisen.

Kirtan-Konzerte 2017

Auch im kommenden Jahr wird es deutschlandweit wieder etliche Mantra-Konzerte geben. Diese Termine finden wir schon jetzt richtig spannend:

15. Januar 2017: Love Keys Mantra-Konzert im Osho Mauz, Berlin. Ben und Aleah bieten außerdem das ganze Jahr über verschiedene Bhakti-Seminare und Yogareisen an.

25. bis 28. Mai 2017: Musikfestival im Yoga Vidya Seminarzentrum in Bad Meinberg. Ein Wochenende mit verschiedenen Mantra-Künstlern, Konzerten und Workshops.

13. bis 16. Juli 2017: Bhakti Yoga Summer im Allgäu mit vielen spannenden Kiranyas wie Satya & Pari, Prem Joshua & Band und David Lure.

19. bis 29. September 2017: Jiva Bhakti Jam mit Petros & Friends auf Kreta. Super Mix aus Kirtan, Bhakti und schweißtreibender Yogapraxis.

Selbst chanten

Lust bekommen? Dann trau dich. Du kannst nichts falsch machen. Beim Chanten kommt es nicht auf den Klang deiner Stimme an oder darauf, ob du die Töne treffen kannst. Viel wichtiger ist die Hingabe. Wer sich selbst mit Instrument und Stimme ausprobieren möchte, findet Texte und Akkorde auf der Seite von Deva Premal Miten. Auf der Facebook-Seite von Peace Yoga, dem Studio, in dem Rebecca unterrichtet, findest du einige Mantren plus Harmonium-Akkorde von Moritz Ulrich. Oder hier ein besonders schönes direkt auf Vimeo.

Viel Spaß beim Chanten,

Daniela

Fotos: Grit Siwonia/ grit-siwonia.de

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