Was ist eigentlich ein Speick? Oder: Wie die Almwiese in die Seife kommt

[Werbung] Obwohl Speick ein Naturkosmetik-Unternehmen wie aus dem Bilderbuch ist, hatte ich es lange Zeit nicht auf meinem Radar. Speick, den Namen brachte ich bis dato eher mit dem Badezimmer meines Opas und dieser Seife mit der grünen Verpackung in Verbindung.

Doch plötzlich begegneten mir die classy Produkte auch in meiner hippen Großstadtblase: Bei Lula sichtete ich nach einer gemeinsamen Yogaklasse den Speick Deo Stick und bei meinem Freund stand plötzlich ein Speick-Duschgel im ansonsten recht kargen WG-Badezimmer. Beide begeistern sich für den charakteristischen, unverkennbaren Speick-Duft, der Kindheitserinnerungen weckt.

Es ist also allerhöchste Zeit, mir das Unternehmen Speick Naturkosmetik genauer anzusehen. 

Deshalb habe ich mich ausführlich mit dem Team von Speick Naturkosmetik ausgetauscht und einen Blick hinter die Kulissen geworfen. Um vorneweg mit einem gängigen Irrtum aufzuräumen: Speick, das ist nicht etwa der Name einer großen Familiendynastie.

Namensgeber des Unternehmens ist eine Heilpflanze aus den Alpen.

Auf den ersten Blick sieht die Speick-Pflanze (lat. Valeriana celtica) mit den zartgelben Blüten und ihren gerade mal 15 cm Größe eher unscheinbar aus. Um sie in der Farbenpracht der Alpenblüten überhaupt zu entdecken, muss man schon einen geschulten Blick haben. Charakteristisch ist also weniger die Optik des Speicks, sondern vielmehr der uns bekannte, kräftig-herbe Duft, der im Spätsommer über den Almwiesen in der Luft liegt.

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Der Speick hat hohe Ansprüche an seine Umgebung: Er wächst in hochalpinen Gebieten, also oberhalb der Baumgrenze ab 1800 Höhenmetern. Außerdem benötigt er kalkarme Böden. Und so findet man die Pflanze fast ausschließlich im Biosphärenpark Nockberge in Kärnten, Österreich. Sämtliche Versuche, den Speick in anderen Gebieten künstlich anzubauen, sind gescheitert. 

Weil früher Raubbau an der Pflanze betrieben wurde und ihr Bestand stark bedroht war, steht die Pflanze inzwischen unter Naturschutz und darf nur aus kontrolliert biologischer Wildsammlung geerntet werden. Warum sie dann überhaupt geerntet werden darf? Die Pflanze vermehrt sich am besten, wenn sie in Teilen ausgedünnt wird.

Für die Speick-Ernte benötigen Landwirtschaftsbetreibende eine offizielle Erntelizenz. Sie wird nur wenigen Familien vor Ort erteilt und dann von Generation zu Generation weitergegeben. Für die Almbauernfamilien ist die Speick-Ernte ein finanzielles Zubrot, aber vor Allem eine Tradition.

Die Speick-Ernte ist ein altes Handwerk.

Die Ernte erfolgt traditionell zum sogenannten Frauendreißiger, das ist die Zeit zwischen Mariä Himmelfahrt am 15. August und dem 12. September. 

Die Pflanze wird mühselig von Hand mithilfe eines speziellen Speickstechers geernet. Es müssen zunächst die Wurzeln gelockert werden und dann die zarten Pflänzchen von Hand aus dem Boden entnommen werden. Anschließend werden die Pflänzchen getrocknet und jährlich von Gründerenkel und Speick-Firmenchef Wikhart Teuffel persönlich für die Produktion abgeholt.

In der Region wurde die Pflanze früher für Räucherrituale während der Rauhnächte eingesetzt. Sie war außerdem wichtiger Bestandteil des Almabtriebs. Wenn die Herden vor dem Herbst zurück ins Tal gebracht werden, werden die Tiere traditionell mit Kränzen aus Pflanzen geschmückt – aus Zirben- und Fichtenzweigen, Almrausch, Wacholder und eben auch mit Speick. Vermutlich diente der Brauch ursprünglich als Schutz gegen böse Geister. Ganz praktisch wurde Speick in der Region, ähnlich wie Lavendel, zum Schutz vor Motten in Kleiderschränken verwendet. 

Obwohl der Speick eine Diva ist, war er in der Vergangenheit über Ländergrenzen hinaus heiß begehrt.

Aus Kärnten fand die Pflanze schon in der Antike ihren Weg bis ins Römische Reich, nach Palästina, Syrien und Ägypten. Dort wurde der Speick in Duft- und Pflegeölen sowie in der Medizin verwendet. Durch warme Bäder und Massagen gelang der Wirkstoff der Pflanze in die Haut.

Schon in alten Pflanzenkunde-Büchern wird der Speick-Pflanze eine besondere Wirkung nachgesagt.

In der Renaissance wurde Speick als magenheilsames Mittel zur Stärkung von Blase und Niere empfohlen und eine Legende besagt, dass ein Auszug aus Speick, in Kombination mit anderen Heilpflanzen, sogar eingesetzt wurde, um das Magenleiden des Kaisers Marc Aurel zu lindern.

Generell wirkt Speick beruhigend auf das zentrale Nervensystem, ohne müde zu machen. Zu gleichen Teilen wirkt Speick anregend auf das vegetative Nervensystem. Der Speick-Wirkstoff gilt also als entspannend und belebend zugleich. 

Genutzt wird gängigerweise ein Extrakt des Speick, das aus der Wurzel der Pflanze hergestellt wird. Die Zusammensetzung der Pflanze und ihrer Inhaltsstoffe lässt sich bis heute nicht synthetisch reproduzieren. 

Über die Zeit ist die harmonisierende Wirkung von Speick in Europa in Vergessenheit geraten. 

Ihr Revival erlebte die Pflanze in den 1920er Jahren durch Walter Rau. Der Sohn eines Stuttgarter Seifenfabrikanten wollte die Tradition der Seifenherstellung fortsetzen. Doch statt sich dabei auf die gute, alte Kernseife zu beschränken, die damals gängigerweise verwendet wurde und einfach ein Mittel zum Zweck war, wünschte sich Rau eine Seife, die die Haut pflegt und schützt. Die Inhaltsstoffe der Pflanze sollten den Menschen in Form von Kosmetikprodukten wieder zugänglich gemacht werden.

1928 erfand Walter Rau schließlich die berühmte Speick-Seife. 

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© Annina Lingens

Eine Seife, die mehr als ein schnödes Reinigungsmittel war, glich einer kleinen Revolution – in kosmetischer, aber auch unternehmerischer Hinsicht. Das gesamte Unternehmen wurde unter Einbeziehung anthroposophischer Sichtweisen gestaltet. Das bedeutet, dass der Mensch sich als Teil der Natur begreift und sich dementsprechend für den Schutz aller natürlichen Ressourcen engagiert – auch, wenn er als Unternehmer agiert.

Wikhart Teuffel, der Enkel des Gründers Walter Rau, leitet Speick Naturkosmetik heute im Sinne seines Großvaters, und die vierte Generation steht mit Sohn Valentin schon in den Startlöchern. Inzwischen gibt es neben der Original Seife auch diverse Haar-, Körper- und Hautpflege-Linien mit dem charakteristischen Speick-Extrakt. 

Vielleicht wird Opas Seife in meiner Großstadtblase wiederentdeckt, weil sie ein verdammt nachhaltiges Produkt ist. 

Zum Einen ist die Speick Original Seife ressourcenarm verpackt: Sie wird seit jeher in einer Faltschachtel verpackt und mit Wachspapier geschützt. Viele andere Seifen aus dem Speick-Sortiment kommen ohne oder nur mit wenig Verpackung aus. Seifen sind zum Anderen sehr gut biologisch abbaubar und zusätzlich sehr ergiebig. 

Während die Rezeptur der Original Seife nach wie vor unverändert ist, gibt es inzwischen aber auch Heilerde-Seifen, palmölfreie Seifen und Seifen mit Aktivkohle. Das 50-köpfige Team entwickelt außerdem neben den klassischen Hand- und Körperseifen auch zero waste Haarseifen und Seifen speziell fürs Gesicht, die genau wie alle anderen Produkte in Stuttgart entwickelt, angerührt, abgepackt und verschickt werden. 

Vielleicht müssen es nicht immer Kosmetika mit möglichst exotischen Inhaltsstoffen sein. 

Auch unsere heimische Natur hat eine unglaubliche Vielfalt an Pflanzen zu bieten, die unsere Haut wirksam pflegen. Wir müssen nur wieder genauer hinsehen. 

Welches Produkt holst du dir zurück in deinen Badezimmerschrank? Lass es mich in den Kommentaren wissen.

Deine Sheila

Fotos sofern nicht anders beschriftet © Speick Naturkosmetik / Marc Doradzillo

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