Warum du dich selbst verwirklichen kannst, auch ohne deinen Job zu kündigen

Mit einer achtjährigen Corporate-Karriere bei zwei amerikanischen Großkonzernen und einem zusätzlichen Elite-Abschluss an einer renommierten Business School in Madrid war das Leben von Vanessa Maempel immer sehr leistungsorientiert.

Anfangs gefiel ihr das Jet Set Leben. Reisen durch Europa, Arbeiten in internationalen Teams, Strategien umsetzen und auch undankbare Umstrukturierungsprojekte – das war ihr Ding!

Bis sie plötzlich bei einem Arbeitseinsatz in Brüssel das Hotelleben, den Arbeitsdruck, Excel Sheets und vor allem die Fremdbestimmung, die das Ganze mit sich brachte, satt hatte.

Sie buchte sich einen Monat Auszeit auf Bali. Um sich vor ihrer eigenen Rastlosigkeit zu schützen, entschied sie sich für eine Yogalehrer-Ausbildung, die sie vier Wochen an einen Ort band.

Rückblickend bezeichnet sie die Ausbildung als Weckruf. Ich will wissen, wo sie dieser Weckruf hingeführt hat und warum sie der Meinung ist, dass man seinen Job nicht kündigen braucht, um glücklich zu werden.

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Vanessa während ihrer Yogalehrer-Ausbildung auf Bali

 

Vanessa, in deinem „alten Leben“ hast du als interne Beraterin in einem Mineralölkonzern in Hamburg, Zürich und Brüssel gearbeitet. Dann hast du zum Yoga gefunden. Wie hat das deine Einstellung zur Arbeit verändert?  

Ich fing an die Dinge stärker zu hinterfragen, die Anerkennung von anderen wurde weniger bedeutsam, stattdessen wollte ich selbst das Gefühl haben, dass ich voll hinter meiner Arbeit stehen kann.

Was hast du im Yoga gelernt, um in deiner Festanstellung zufriedener zu werden?

Wenn man fair im Umgang mit anderen ist und die Kollegen gerne mit einem zusammenarbeiten, geht man selbst auch lieber zur Arbeit. Ständige Vergleiche und Konkurrenzdenken belasten nur unnötig und hemmen die Produktivität. Stattdessen sollte man sich selbst einen Raum schaffen, indem man sich entwickeln kann und Spaß bei der Arbeit hat.

Heißt das etwa, dass ich gar nicht meinen Job kündigen muss, um mich selbst zu verwirklichen? Geht es darum, das Lebensglück innerhalb gegebener Strukturen zu finden?

Auf jeden Fall. Die Selbstständigkeit ist mit Sicherheit nicht das Richtige für jeden. Die meisten großen Konzerne und sicher auch kleinere Unternehmen bieten viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Die finanzielle Unsicherheit und freie Arbeitseinteilung in einer Selbstständigkeit ist nicht für jeden attraktiv. Genauso kann nicht jeder Führungskraft, Verkäufer, Schriftsteller oder Yoga Lehrer sein.

Es geht vielmehr darum seine Stärken und Schwächen zu entdecken, sich selbst treu zu bleiben und der eigenen Situation etwas Positives abzugewinnen, statt immer auf Nachbars Garten zu gucken.

Ich erkenne mich darin selbst wieder. Ich habe sechs Jahre lang versucht, mein Glück innerhalb gegebener Strukturen zu finden und fand meine Rolle darin, jene Strukturen so zu verändern, dass Team, Kunden, Chefs und ich glücklicher wurden. Eine Zeit lang gab das meinem Selbst viel Verwirklichung.

Bis meine Mission erfüllt war und ich das System an seine maximale Bereitschaft für die Integration meiner Werte gebracht hatte. Mir war klar, dass ich mein Leben innerhalb der Struktur nicht weiter nach meinen Hauptwerten, Sinn und Freiheit, vorantreiben konnte.

Was würdest du Leuten raten, die gerade am liebsten ihren Job hinschmeißen wollen, aber keine Perspektive sehen?

Die Frage ist, gibt es keine Perspektive aus Mangel an Kreativität oder weil wir zu wenig Selbstvertrauen haben unsere Ideen umzusetzen. Wenn wir tatsächlich keine Alternative zum aktuellen Job sehen, dann kann die Situation so schlimm ja auch nicht sein.

In meinem Fall wusste ich eigentlich schon seit über einem Jahr, dass das Konzernleben nicht mehr das Richtige für mich ist. Trotzdem habe ich versucht die positiven Aspekte zu genießen – die finanzielle Absicherung, geregelter Tagesablauf, intelligente und nette Kollegen etc.

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Vanessa in ihrem alten Job

 

Am Ende hast du deinen Job gekündigt, bist aus den Strukturen ausgebrochen. Du hast deine konsequente Selbstverwirklichung also auch nicht in der Festanstellung gefunden.

Wie kam es dazu und wovon hängt es deiner Meinung nach ab, ob man sein Selbst innerhalb eines Unternehmens verwirklichen kann oder dafür ein eigenes Projekt braucht?

Nach langen Überlegungen und testen von verschiedenen Ansätzen, habe ich festgestellt, dass ich mich in diesem Projekt verwirklichen möchte und bereit bin das Risiko einer Selbstständigkeit aufzunehmen.

Mich selbst haben die Erkenntnisse aus der Yogaphilosophie zu einem viel glücklicheren Menschen gemacht. Das möchte ich gerne an andere weitergeben. Hier fehlt meiner Meinung nach aktuell noch die Zugänglichkeit für die Businesswelt.

Yoga wird vielfach noch mit Batiktüchern, Räucherstäbchen und Klangschalen in Verbindung gebracht. Die eindeutige Umsetzbarkeit der Philosophie im alltäglichen Leben ist dabei den meisten nicht bewusst.

Doch nicht jeder hat ein Projekt eine Idee von dem er oder sie so überzeugt ist, dass er/sie es mit einer Selbstständigkeit versuchen würde. Manche Menschen schreckt zu viel Freiraum ab. Andere schätzen gerade die globale Bedeutung, die sie mit ihrer Arbeit in einem Konzern bewirken können. Meiner Meinung nach ist es auch hier wichtig, die Entscheidungen wertfrei zu betrachten.

Im Yoga habe ich gelernt, dass wir uns auf unseren Handlungsspielraum konzentrieren sollten und es wichtig ist, dass wir innerhalb dessen mit uns im Reinen sind.

Trotz allem sind wir dabei alle gerne erfolgreich und das sind wir in erster Linie, wenn wir eine Tätigkeit finden, die uns Spaß macht, fordert und wir diese in einem angenehmen Arbeitsumfeld ausüben können. Die optimalen Rahmenbedingungen dafür muss jeder für sich selbst herausfinden.

Hast du ein, zwei ganz konkrete Tipps, wie unsere Leser noch heute mehr von ihrem Selbst in ihrem aktuellen Job verwirklichen können?

Schubst euch selbst aus der Komfortzone. Sucht euch eine Aufgabe oder ein Projekt, bei dem ihr nicht sicher seid, ob ihr es gut machen werdet, aber ihr es schon immer mal versuchen wolltet. Habt keine Angst zu versagen, sondern freut euch auf die neue Herausforderung und die Lernkurve.

Wenn es nicht klappt nehmt es mit Leichtigkeit und Humor und wenn es klappt feiert Euch.

Erzähl mir von deinem Selbst. Wie verwirklicht es sich mit dem, was du jetzt tust?

Mit dem Fokus auf busy business people habe ich mir als Ziel gesetzt die Yogawelt zugänglicher zu machen. So möchte ich meinen Kunden helfen, mehr innere Ruhe und Kraft zu finden.

Die Komponente, die ich dabei neu berücksichtige ist der Faktor Erfolg. Trotz Seelenruhe leben wir in einer leistungsorientierten Welt und die wenigsten von uns sehen ihre Zukunft in einem Ashram in Indien. Ich möchte Leuten helfen Ihre persönliche Grauzone zu finden, für sich selbst bewusst die richtigen Prioritäten zu setzen und ein gesunderes Körpergefühl zu entwickeln.

Das Ganze möchte ich der Businesswelt durch inspirierende Reden, Yogakurse und Meditation näher bringen.

Gerade stellst du deine erste eigene Veranstaltung in Hamburg auf die Beine. Erst mal herzlichen Glückwunsch dazu! Erzähl mal, was machst du da genau?

Die Veranstaltung heißt “Business meets Yoga”. Hier möchte ich den Teilnehmern aufzeigen, dass die philosophischen Ansätze der Yogalehre nichts Abgehobenes oder Esoterisches sind. Ausgewählte Sprecher aus der ganzen Welt zeigen, wie sie die Yogalehren in ihren Karriere-Alltag integrieren.

Anstelle die Leute aus ihren Jobs ins Yoga zu bringen, wünsche ich mir mehr Yoga in unseren Jobs!

Auf welche Sprecher können wir uns freuen?

Die Sprecher sind Karrieristen, Coachs, Professoren und Unternehmer, die extra für dieses Wochenende aus Lateinamerika, Spanien, der Schweiz, Belgien und Berlin anreisen, um ihre Schlüssel zu Erfolg und Glück mit den Teilnehmern zu teilen.

Jeder von ihnen verwendet mindestens ein Sutra aus dem Yoga im Alltag und stellt schon seit langem aus unterschiedlichen Gründen für mich ein Vorbild und eine Inspiration da. Erst seitdem ich die Philosophie kenne, ist mir klar warum diese Lebensweisen den Sprechern zu Glück und Erfolg verholfen haben.

Ich freue mich sehr, dass ich so viele interessante Persönlichkeiten für die Veranstaltung motivieren konnte und bin extrem dankbar, dass sie mir helfen meine Vision zu verwirklichen.

Gibt es auch tatsächliches Yoga?

Natürlich! Ich konnte meine Lieblingslehrer aus Hamburg und Köln für dieses Projekt begeistern. Sie werden verschiedene Yoga- und Meditationskurse anbieten.

Hier ist von Einführungsklassen bis hin zur Yoga Masterclass alles dabei. Jeder Teilnehmer kann sich seine eigene Kombination aus Vorträgen und Kursen zusammenstellen und auch noch vor Ort um entschieden, ganz nach dem Motto im Hier und Jetzt leben.

Wie zieh ich mich denn da am besten an?

Die Entspannung ist schon in der Kleiderordnung festgelegt! Bei Business meets Yoga muss sich keiner Gedanken über Laufmaschen oder passenden Sockenfarbe zum Anzug machen, die Visitenkarten werden beim Netzwerken mal ganz entspannt aus der Jogginghose gezückt.

Außerdem gibt es vor Ort Snacks und Mittagessen in Anlehnung an das Buch Yoga & Kitchen.

Und wann und wo findet das Ganze statt?

Business meets Yoga findet am 21. und 22. Mai 2016 in einem traditionellen hanseatischen Kaufmannshaus mitten in der Innenstadt statt. Neben modernen Seminarräumen und Yogaräumen gibt es auch eine wunderbare Dachterrasse mit Alsterblick

Was können die Leute auf der Veranstaltung lernen?

Durch die Bandbreite an Präsentierenden möchte ich aufzeigen, dass viele Wege zum Glück führen und dass in den seltensten Fällen die Struktur das Problem ist, sondern meistens unsere eigene Einstellung und Betrachtungsweise.

Meine Coaching-Klienten frage ich immer, wie sie sich fühlen wollen, wenn unsere Zusammenarbeit abgeschlossen ist. Wie werden sich die Teilnehmer nach dem Business-meets-Yoga-Wochenende bestenfalls fühlen?

Inspiriert und voller Energie und hoffentlich mit einem wohligen Glücksgefühl, wie man es manchmal nach einem tollen Theaterbesuch hat.

Vielen Dank für das erleuchtende Gespräch!

Das Wochenend-Event „Business meets Yoga“ findet am 21. und 22. Mai in Hamburg statt. Alle Infos zur Teilnahme und Tickets gibt es auf yoga2b.

Ein Kommentar / Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für das super Interview! ich finde es gut, dass ihr hier auch zeigt, dass ein glückliches Leben tatsächlich mit einem festen Job gelingen kann und nicht jeder ein Online Business srarten muss, um Sinn und Glück zu erleben..Diese Stimmen findet man ja bei Bloggern eher selten. Der Text hat bei mir gewirkt, .:)

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