Warum du deine Ziele vergessen kannst

Ach, ich mach das nur noch schnell fertig und dann habe ich endlich Zeit für _______.

Kennst du das? Das Gefühl ständig irgendetwas erledigen zu müssen, um dich endlich einer bestimmten Sache widmen zu können? Den Gedanken, dass der Tag einfach mehr Stunden bräuchte? Den Eindruck, ständig der Zeit hinterher zu jagen?

Manchmal geht es dabei um Kleinigkeiten und manchmal um große Lebensentscheidungen: Mails abarbeiten, um Feierabend machen zu können. Viel Geld sparen, um dann den zu Job kündigen. Die Küche schnell putzen, um dann in Ruhe zu lesen. Vor dem Kinderkriegen unbedingt noch eine Weltreise machen. Es gibt immer irgendein Ziel, auf dass du „hinarbeitest“.

Das Problem an dieser Strategie ist: Sie funktioniert nicht. 

Oder zumindest anders als man denkt: Vielleicht hätte sich die Mail am nächsten Tag von alleine erledigt. Oder die Weltreise ist plötzlich nicht mehr so wichtig, weil du völlig unerwartet deinen Traumjob in Mexiko bekommst. Oder die Küche ist sauber und du pennst sofort über deinem Lieblingsbuch ein. Du verstehst, was ich meine, oder?

Mir flog das „Um-Zu-Thema“ letzte Woche ordentlich um die Ohren.

Am Mittwoch zische ich mal wieder nach Italien ab. Da ich wahnsinnig viel gearbeitet habe in den letzten Monaten, freue ich mich irre, endlich mal wieder Zeit für die wesentlichen Dinge des Lebens zu finden. Deshalb versuchte ich möglichst viel vorher zu erledigen: Die Vorbereitungen für mein Detox-Retreat an Ostern, anstehende Blogposts und jede Menge anderen Kleinkram. Alles, um wirklich Abstand zum Alltag zu gewinnen.

Wider besseren Wissens tappte ich voll in die Erledigen-Falle.

Wie sehr ich von der Idee besessen war, alles perfekt für meine Auszeit vorzubereiten, merkte ich erst letzte Woche bei der Full Moon Meditation im Osho Studio. Zwischen Gongklängen, Geigen- und Gitarrenmusik ertönte die Stimme von Osho himself (von Band) und sprach:

„So, to me, there are two types of persons: the goal-seekers and the celebrators. The goal-oriented, they are the mad ones; they are going, by and by, crazy, and they are creating their own craziness. And then the craziness has its own momentum: by and by, they move deeper into it – then they are completely lost. The other type of person is not a goal-seeker – he is not a seeker at all, he is a celebrator.  And this I teach to you: Be the celebrators, celebrate! (…) DO NOUGHT WITH THE BODY BUT RELAX. No need to do anything for it. Just understand the movement of the energy, the unmotivated movement of the energy. It flows, but not towards a goal, it flows as a celebration. It moves, not towards a goal, it moves because of its own overflowing energy.“ (Quelle: Osho: Tantra the supreme understanding, Chapter 4)

Bähm. Ich schickte innerlich ein „Danke, Universum, die Message habe ich gebraucht!“ nach oben und fragte mich:

Bist du ein „goal achiever“ oder ein „celebrator“?

Ehrlicherweise musste ich zugeben: „Goal achiever“. Volle Kanne. Und zwar einer der komplizierten Sorte. Kompliziert, weil ich nicht nur banale Ziele jage, sondern so gerne ein „celebrator“ sein will, dass das Loslassen selbst schon zum Ziel geworden ist. Bevor ich loslassen kann, muss ich also noch einiges erledigen…

Absurd, nicht?. Wenn du bis hierhin gelesen hast, stehen die Chancen allerdings gut, dass du weißt, was ich meine.

Fragt sich nur: Wie lösen wir das Dilemma auf? 

Auf jeden Fall nicht mit weiteren To Dos. Ich glaube, dass einzige, was wirklich hilft, ist zu entspannen. Dann mache ich eben im Urlaub mal den Rechner an, wenn es wichtig ist. So what? Wenn ich nicht dazu komme, abends auf der Couch zu chillen, ist es vielleicht gar nicht so wichtig, wie ich denke. Und dass mit der Weltreise: Mal sehen, was kommt.

Sich dem Fluss des Lebens hinzugeben, bedeutet vor allem die Dinge so zu akzeptieren, wie sie gerade sind. Das Leben kann man nicht planen. Es kommt immer anders als man denkt und das ist auch gut so. Wenn dir etwas aktuell nicht gefällt, versuche es zu ändern. Wenn dir das nicht gelingt, gibt es einen guten (wahrscheinlich unbewussten) Grund, der das verhindert. Sei dir sicher, dass du es verstehst, wenn du bereit dafür bist.

Vertrau dem Fluss des Lebens.

Vertraue auch, dass es richtig ist, wenn du dich noch nicht in die Fluten stürzen kannst und erst einmal an einer seichten Stelle den großen Zeh ins Wasser steckst. Morgen schnappst du dir vielleicht schon die Schwimmflügel und ein paar Tage später schwimmst du deine erste Runde. Du hast alle Zeit der Welt.

Denn die gute Nachricht ist: Alles, was du suchst, ist bereits da. Du musst gar nirgends hinkommen, um irgendetwas zu erreichen. Anstatt ständig Ziele zu verfolgen, sollten wir uns Zeit nehmen, den Moment zu ehren und die Schönheit des Lebens in all ihren Facetten feiern. Die Erleuchtung und das Leben kommen ohnehin immer ungeplant.

Wenn du magst, lass dich von diesem Gedanken, den ich von Osho geklaut habe, durch die Woche begleiten:

„I should repeat it, because I know you will forget and forget and forget: you are already that which you are seeking. Let this be the basic mantra. If you can understand this mantra, you have understood all. Give it a try. Goals – too many lives you have already given to them. Now try to live moment to moment, as if there is no future.“ (Quelle: Osho Pills: No gols, no purposes)

Osho_moment

In diesem Sinne: Be the celebrator!

Hab eine wunderbare Woche mit vielen guten Momenten. Ich werde eine Runde extra meditieren, viel feiern und freu mich, wenn du deine Gedanken in den Kommentaren mit mir teilst.

Unterschrift XOXO Rebecca_pink

 

 

 

 

 

 

PS: Es gibt noch ein paar freie Plätze für mein Oster-Retreat in Berlin. Falls du mal eine Pause von Im Moment sein brauchst und deine Ostertage planen möchtest, freue ich mich, von dir zu hören.

Das könnte dich außerdem interessieren:

12 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Wow, was für ein Artikel, der mich gerade sehr zum Schmunzeln gebracht hat, weil ich genau darüber erst vor kurzem einen langen Herzensbrief an mich selbst geschrieben habe. Einfach um mir dieser Problematik nochmal bewusst zu werden, die ich im Alltag nur allzu gerne wegschiebe, im ewigen Hechten nach dem Glück das vermeintlich in der Zukunft liegt. Dabei ist mir aufgefallen: Der so einfache und klischeehafte Satz „Der Weg ist das Ziel“, hat eben doch ganz schön viel Tiefe.

  2. Meine Liebe, das Streben des Goalseakers kenne ich auch zu gut! Mir geht es vor Auszeiten genauso…..hach noch schnell dies und jenes vorher erledigen, damit ich dann auch gut entspannen, loslassen, abschalten kann….meist lässt die Entspannung dann doppelt so lang auf sich warten….!
    Seit 2,3 Wochen bin ich glücklicherweise ein wenig anders gepolt….wie ein kleines Pflänzchen wächst ein Gefühl in mir heran, mehr den Moment zu genießen. Kommen lassen, was kommt. Wie eine Welle im offenen Meer. Ob ich die Welle surfe oder sie über mir zusammenschlagen lasse, entscheide ich spontaner als zuvor….
    Ich habe für mich gemerkt, dass wir als Goalseaker am meisten unter unseren Ängsten leiden. Der Angst, nicht alles kontrollieren zu können. Doch das, was außerhalb unserer Kontrolle liegt, kann noch so viel besser sein. WENN WIR VERTRAUEN.

    Liebste Grüße Kristin

  3. Hallo Rebecca,
    dein Artikel trifft mal wieder voll ins Schwarze… in letzter Zeit habe ich ständig das Gefühl, die Zeit rinnt mir durch die Finger, nie ist genug davon um zu arbeiten UND zu entspannen und all die Dinge zu erledigen, die getan werden müssen. Leider ist es im Studienalltag nicht gerade leicht ein Celebrator zu sein. Zur Zeit sehe ich keinen Weg dazu… wenn ich meine Ziele nicht erreiche, alle Prüfungen bestehe, bringt das eine ganze Menge Probleme. Andererseits, was bringen all die Zukunftsängste, man weiß schließlich eh nie wie es dann wirklich kommt. Zumindest in kleinen Dingen versuche ich ein Celebrator zu sein…
    Viele Grüße,
    Sandra

  4. Ganz wundervoller Artikel, der mich tief berührt und es voll auf den Punkt gebracht hat. Wenn wir die Dinge stets mit einem bestimmten Hintergedanken tun (um…zu), wo kann dann die Freude über die Sache zum Vorschein kommen?
    Mir fällt gerade auf, dass ich sogar meine 20 Minuten Yoga heute morgen gemacht habe UM mich danach relaxter/bewegter/konzentrierter ZU fühlen. Was ja an sich jetzt kein schlechtes Goal war aber meine Freude..?! Hmm die habe ich auf der Matte nicht wirklich wahrgenommen.
    Danke für diese Erinnerung an das wirklich wichtige: das Leben – ja jeden Moment! – zu FEIERN! <3 Alles Liebe, Tamara

  5. Hallo Rebecca,

    soooo mein Thema… Unglaublich, wie sehr es den Nagel auf den Kopf trifft. Ich hatte in letzter Zeit diverse Momente, in denen ich auf einmal ein ganz ähnliches AHA-Erlebnis hatte. Es ist nicht immer leicht, das JETZT zu feiern, aber ich werde besser.

    LG
    Ann-Kathrin

  6. Wow, unglaublich wie passend das grad ist! Ich hab einfach derzeit genau das gleiche Thema und die selben Erkenntnisse gehabt! Ich bin definitiv ein „Goal-achiever“ und werde ab sofort ein CELEBRATOR.. period.
    Meine unglaublich hohe Latte setz ich mir jetzt mal niedriger und kultiviere stattdessen den „Wurschtikus“ in mir. Danke für den super Input Rebecca! xoxo

  7. :) Ich habe soeben sehr gelacht – danke schon mal dafür. Ich versuche im Moment auch verschiedene „Lebensentscheidungen“ zu erzwingen. Dabei predige ich allen: Alles kommt wie es soll. Und das hat sich auch schon oft bestätigt… Was fehlte war wieder die entsprechende Erinnerung: Dem Leben vertrauen.
    Also, auf ein Neues.
    Liebe Grüße!!

  8. Liebe Rebeccca,

    herzlichen Dank, Mal wieder die richtigen Worte zur richtigen Zeit, wie machst Du das nur?

    Eckart Tolle hat das auch schön ausgedrückt:

    „Es gibt nichts zu suchen oder zu erreichen, weil alles einfach schon in uns liegt.
    Du mußt nur erst vollkommen werden, du mußt nur ganz sein, was du schon bist.“

    Nur darf das eben nicht zu einer weiteren Aufgabe in unserem Pflichtenprogramm werden.

    LG
    Jörg

  9. Liebe Rebecca,

    ich kenne dieses Dilemma nur zu gut. Vor allem in letzter Zeit befinde ich mich ständig im Zeitdruck.

    Mittlerweile 37, Single stehe ich vor der Entscheidung, ob ich mich darauf fokussieren soll als Yogalehrerin und Virtuelle Persönliche Assistentin ortsunabhängig durch die Welt zu reisen (was schon immer mein Traum war und ich nur keine Ahnung von Digitalen Nomaden etc. hatte) oder soll ich in meinem Job bleiben, mich auf Teufel komm raus auf die Suche nach Mr. Right machen und mich fürs Kinderkriegen, trautes Heim etc. entscheiden.

    Ich würde, vorausgesetzt ich finde den richtigen Partner, gerne beides kombinieren (ortsunabhängig arbeiten und reisen mit Kind & Kegel), aber das scheint ein noch schwierigeres Unterfangen zu sein, als überhaupt einen Partner zu finden, der nur annähernd zu mir passt.

    Und die Uhr tickt……..

    LG Alex

  10. Dein Montagsmantra trifft voll ins schwarze! Ich bin heute aufgewacht und dachte, in zwei Wochen fahr ich in Urlaub und bis dann muss ich noch sooo viel erledigen…. . bähm – ich kenne das nur zu gut!! Und dann schreibst du über osho und let’s celebrate – genau zwei Gedanken die ich letztens hatte. Nur konnte ich sie nicht zuordnen. Es macht nun alles Sinn. Danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*