Warum die Frage „Woher kommst du wirklich?“ nicht okay ist

Es ist eine dieser Nächte, die niemals enden sollen. Die Stimmung ist ausgelassen und eine Art Zauber liegt in der Luft. Ich sehe mich um und sehe strahlende Gesichter. Ich fühle mich wohl. Hier will ich sein, weil hier gehöre ich hin. Genau in diesem Moment! Ich gehe zur Bar, bestelle mir einen Drink und komme mit einer Gruppe von Leuten ins Gespräch. Wir lachen, scherzen und freuen uns über den schönen Abend.

„Und, wo kommst du her?“, fragt mich einer aus der Gruppe. 

Ich antworte. Er scheint aber mit meiner Antwort noch nicht zufrieden zu sein und fragt „nee, nee, wo kommst du wirklich her?“ Klar, Köln ist eine Stadt mit vielen Zugezogenen, stimmt. Also antworte ich, dass ich in der Nähe von Frankfurt aufgewachsen bin. Stille. Ich sehe seinen verdutzten Blick. „Nein, ich meine, wo kommst du WIRKLICH her? Was sind deine Wurzeln?“ 

Schlagartig verfliegt das Gefühl der Zugehörigkeit. Inmitten der rauschenden Partynacht fühle ich mich einsam.

Alle starren mich an, in der Hoffnung auf, auf was eigentlich? Die Frage, die sich mir in solchen Momenten unweigerlich in den Kopf schleicht, ist die Frage nach der Notwendigkeit der Antwort. Was ändert sich für den*die Fragende*n, wenn ich ihn*sie einer Antwort würdige? Werde ich mit anderen Augen gesehen oder wird durch die (eventuelle) Auskunft entschieden, in welchen persönlichen Kontext ich eingeordnet werden kann?  

So, oder so ähnlich verlaufen viele Gespräche, wenn ich mich als Schwarze Frau mit Fremden das erste Mal (!) unterhalte. Wird zuvor noch über das immer fehlende Klopapier auf den Toiletten gescherzt, steht nun ein vermeintlich wichtigeres Thema auf der Tagesordnung. 

Die Faszination am vermeintlich Anderen ist kulturell so tief verankert, dass sie heute noch immer präsent ist.

Um dies weiter zu erläutern, nehme ich dich mit auf einen kleinen Exkurs: Wir befinden uns Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Sklaverei in den Vereinigten Staaten wurde „erfolgreich“ abgeschafft und ein neues, ein aufregendes Bild von Schwarzen Menschen war entstanden. Sie galten nicht mehr als Unmenschen, sondern als exotisch und faszinierend. 

Schwarze Menschen sollten in die Gesellschaft integriert werden, aber nur so weit, dass die Obrigkeit noch genug Distanz zu ihnen wahren konnte. Wie kann man sowas am besten anstellen? Die Umsetzung der Idee entlud sich in, betrachtet aus heutiger Perspektive, erniedrigenden Maßnahmen. 

Schwarze Menschen wurden aus Afrika nach Europa überführt und in sogenannten Völkerzoos oder Menschenzoos ausgestellt. Du kannst dir die Zoos als „originalgetreue” Version eines afrikanischen Dorfes vorstellen, in dem die Menschen ihren Alltag so natürlich wie möglich verrichten sollten. Dass es das unnatürlichste der Welt ist, fünf bis sieben Mal am Tag auf Kommando zu tanzen oder sein Baby vor den Augen eines gaffenden weißen (!) Publikums zu stillen, sei mal dahingestellt. Dienten Menschenzoos zu Forschungszwecken? Nicht wirklich. Wollten Besucher etwas lernen? Wohl auch nicht. 

Um das eigene Verlangen zu befriedigen, nehmen Menschen in Kauf, andere zu verletzen, zum Beispiel durch die Frage nach der ursprünglichen Herkunft.

Denn, sind wir mal ehrlich, der*die Einzige, der*die aus der Situation mit einem positiven Gefühl herausgeht, ist der*die Fragende. Die Gefühle der*des Gefragte*n werden übergangen, nur um die eigene Geilheit nach Informationen zu sättigen. Was hat es also mit diesem Verlangen auf sich? 

Gehen wir wieder zurück in die Zeit, in der Menschenzoos zur Belustigung der weißen Bevölkerung dienten. Gerade Frauen galten als exotisch, wild und zügellos. Denn viele afrikanische Länder haben ein vermeintlich anderes Bewusstsein gegenüber Kleidung, sei es auf Muster und Stoffe oder auch das Nicht-Vorhandensein von Stoff bezogen. Im 19. Jahrhundert tendierte der Trend innerhalb der weißen Obrigkeit jedoch zum genauen Gegenteil: Frauen zwängten sich in enge Kleider und auch Männer verfolgten das Ziel, möglichst viel Kleidung am Leib zu tragen. Kleidung galt als Statussymbol. Je mehr jemand besaß, desto höher war dessen gesellschaftliche Stellung.

Die Nacktheit Schwarzer Menschen erweckte Neu- und auch Begierde. 

Wenn du selbst deine Gelüste und Bedürfnisse nicht ausleben kannst, dann musst du dir deine Befriedigung im Außen suchen. Weiße Frauen, und auch Männer, waren aufgrund von gesellschaftlich gesetzten Normen und Wertvorstellungen gezwungen, sich in allem, was sie taten, zurückzuhalten. 

Durch das erzwungene Zeigen ihrer Körper wurden Schwarze Menschen zu Objekten gemacht, die nicht über die Kontrolle des eigenen Körpers verfügten. 

Die Sklaverei wurde zwar abgeschafft, doch dienten schwarze Menschen noch immer dazu, die Fantasien der Weißen zu beflügeln. Selbst würden sich die Zuschauer*innen jedoch niemals barbusig oder gar nur mit einem Stück Stoff um die Hüften bekleidet in der Öffentlichkeit zeigen. 

Das vermeintlich Wilde und Zügellose wird auch heute noch auf BIPoC (Black Indigenous People Of Color) projiziert, was nicht weniger auf die Darstellung Schwarzer Menschen in den heutigen Medien zurückzuführen ist. Folglich repräsentieren BIPoC das, was weiße Menschen als temperamentvoll oder auch andersartig beziehungsweise interessant empfinden. 

Keineswegs bezieht sich die Frage nach der wahren Herkunft ausschließlich auf BIPoC.

Denn bestimmten Ethnien werden bestimmte Charakteristika zugeschrieben, die sich allein auf das Herkunftsland beziehen. Doch sind auch eben jene Charakteristika nur ein Konstrukt, welches von Außenstehenden erschaffen wurde. Je nachdem, wo die Wurzeln der gefragten Person liegen, wird sie automatisch in eine Schublade gesteckt, die mit Assoziationen über das jeweilige Herkunftsland gefüllt ist. Manche schneiden dabei besser ab, manche schlechter. 

Wenn dir also jemand sagt, dass er*sie aus dem Libanon sei, was macht das mit dir? Hättest du eine andere Reaktion, beziehungsweise Assoziation, wenn die Antwort Portugal oder England wäre? 

Wenn wir also jemanden fragen, wo er*sie wirklich herkommt, wird unterschwellig die Frage nach dem Sinn des Aufenthaltes gestellt.

Die Frage müsste, wenn sie ehrlich gestellt werden würde, so lauten: Wo kommst du wirklich her und was machst du hier? 

Auf Deutschland bezogen, wird Deutsch-Sein automatisch mit Weiß-Sein gleichgesetzt, was die Annahme, dass eine weiße Hautfarbe Normalität widerspiegelt, unterstreicht. Diese Annahme untermauert die These, dass nur Menschen mit bestimmten äußerlichen Merkmalen nach ihrer ursprünglichen Herkunft gefragt werden und es entsteht der Eindruck einer unsichtbaren Überlegenheit der fragenden Person. 

Für Menschen, die sich nicht mit solchen Thematiken auseinandersetzen müssen, wirken gerade Attribute wie besonders oder exotisch wie Komplimente, die sie der PoC entgegenbringen. Oder aber sie glauben, dass aufrichtiges Interesse die Frage rechtfertigt. Stattdessen bringen sie die gefragte Person in Verlegenheit: Was, wenn ihnen die Antwort nicht gefällt? Werde ich nun komplett anders eingeordnet und gelesen? 

Nicht die Absicht der fragenden Person entscheidet, ob es sich um eine rassistische Aussage handelt, sondern die damit einhergehenden Folgen für den*die Gefragte*n. Oftmals wissen wir nicht, welche Geschichte sich hinter einer Person verbirgt, wenn wir ihm*ihr das erste Mal begegnen. 

Aus diesem Grund kann eben jene Frage nach der Herkunft triggern und sehr verletzend sein. Hier ein paar Beispiele, wieso:

  • Er*sie hat keinerlei Bezug zu dem Land, aus dem die Eltern kommen, weil er*sie dort nicht geboren ist. Somit ist, rein kulturell betrachtet, eine Identifikation mit den Werten und Normen des Herkunftslandes oft nicht möglich.
  • PoC wird in alltäglichen Situation ohnehin oft das Gefühl gegeben, anders zu sein. Sei es im Job, an der Supermarktkasse oder bei Behördengängen. Da die Frage nach der Herkunft oftmals in einem scheinbar sicheren Raum (Partys etc.) gestellt wird, wird genau dieser genommen. Der*die Gefragte fühlt sich aus der Gruppendynamik herausgeholt und auf den Präsentierteller manövriert. 
  • Der-*diejenige möchte sich nicht mit seinem*ihrem Herkunftsland identifizieren. Sei es, weil er*sie sich bewusst nicht in eine Schublade stecken lassen möchte oder, weil er*sie ein schlechtes Verhältnis zur Familie etc. hat.

Du siehst, es gibt mehrere Gründe, warum es nicht okay ist zu fragen, wo jemand wirklich herkommt. 

Ich könnte jetzt noch 1000 Tipps und Hinweise notieren, aber dieser Artikel soll kein Ratgeber für Wie gehe ich am besten mit PoC um sein. Was aber sicher ist, bevor du das nächste Mal jemanden fragst, wo er*sie wirklich herkommt, gehe einmal tief in dich und stelle dir selbst die Frage: Was ändert sich für mich, wenn ich es weiß? Und ich bin mir sicher, du kennst die Antwort! 

Zum Abschluss noch eine Herzensempfehlung meinerseits: Wenn du dich intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen möchtest und nach einem möglichen Lösungsansatz suchst, dann empfehle ich dir den Ted Talk von Taiye Selasi. Sie zeigt auf eindrucksvolle, wenn auch kritisch zu betrachtende Art und Weise Möglichkeiten auf, die Frage nach der ursprünglichen Herkunft besser zu integrieren.

Wie sind deine Erfahrungen mit diesem Thema? Schreibe es gerne in die Kommentare.

Deine Rebekah

Titelbild © Christopher Rusev via Unsplash

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4 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Rebekah, durch Zufall (?) gelang ich zu Deinem Artikel.
    Da ich die Frage selbst oft genug gestellt bekomme, und die in mir ein komisches Gefühl hervorruft, möchte ich einfach danke sagen. Dafür, dass Du darüber geschrieben hast und so jede*r sich Gedanken machen kann und entscheiden, wie er*sie damit umgehen möchte.

  2. Liebe Rebekah,
    ich hab einige Zeit in den USA gelebt, dort ist es ganz normal, dass man nach der Herkunft gefragt wird. Nicht nur wenn jemand meinen deutschen Akzent mitbekommen hat. Jeder fragt jeden, auch nach dem Beruf. In Deutschland haben Fragen immer einen negativen Touch. Entweder es wird einem Neid unterstellt und/oder Neugier. Und im Job bloss nichts Privates erzaehlen oder Fotos aufstellen, die Kollegen koennten ja denken usw. Schade, dass unsere Welt so unverbindlich geworden ist. Ich finde, dadurch entsteht (auch) Isolation und Einsamkeit.

  3. Liebe Rebekah,

    danke für Deinen Artikel. Er löst einiges in mir aus.
    Erstens mal möchte ich Dir sagen, dass ich verstehen kann, dass in einer wunderschönen Nacht, wo grad alles gut ist und Du Dich zugehörig fühlst, so eine Frage das Gefühl der Zugehörigkeit plötzlich zunichte macht. Dabei ist mein Eindruck, dass vor allem verletzend/grenzüberschreitend ist, dass Deine erste Antwort nicht akzeptiert wird, sondern das Gegenüber sich einbildet, mehr zu wissen als Du, “offensichtlich” ablesen zu können an Deinem Äußern, dass da doch noch eine weitere Herkunft sein müsse als die von Dir genannte.

    Ich habe Ähnliches auch schon von einer Frau gehört, die brüskiert auf die Frage reagiert hat und dann auch meinte, dass diese Frage eben je nach Geschichte eine heikle Frage sein könne.

    So weit so gut, ich verstehe diesen Punkt.

    Dennoch macht mich der Artikel als ganzer irgendwie wütend. Ich versuche das zu verstehen. Ich denke, es liegt daran, dass ich meine, Du nimmst ganz viele Unterstellungen vor.

    Ich würde mal behaupten: derjenige oder diejenige die fragt, ist einfach nur NEUGIERIG. Das ist der eigentliche Antrieb. Und der Rückschluss: Du siehst anders aus als die Leute, die seit zwanzig Generationen in Frankfurt leben, wie kommt es zu diesem Aussehen, woher kommen Deine Vorfahren.
    Ich denke, genau so würde man fragen, wenn jemand offensichtlich in einer Ballrobe in eben der Bar auftaucht oder mit einem gebrochenen Arm.

    Dass diese Frage nun aber für manche Leute, für Dich zum Beispiel, unangenehme Gefühle weckt, kann in meinen Augen der Fragende nicht wissen. Da ab jetzt ein Tabuthema drum zu machen oder ganz vorsichtig zu fragen finde ich genau so unangenehm, wie ich nicht weiß, ob ich hier und jetzt noch “schwarz” schreiben darf oder nur noch BIPoC. Es führt dazu, dass ich mich unwohl fühle, unsicher, gehemmt reagiere, “komisch” werde. Das finde ich schade. Ich würde lieber jederzeit jeden Menschen, dem ich begegne, fragen dürfen “Wo kommst du her?” – und wenn es für das Gegenüber in irgendeiner Weise ein schmerzliches Thema ist, möchte ich diese Verantwortung gerne demjenigen überlassen, dass er oder sie mir dann sagt: “Du, das ist ein intimes Thema für mich, darüber möchte ich nicht mit dir reden.”

    Den Vergleich, den Du ziehst zu den ausgestellten BIPoCs seinerzeit, finde ich absolut unangebracht. Ich finde, zu fragen, wo jemand her kommt, hat nichts mit Schaulustigkeit, Gaffertum, Exostismus, den anderen “anders” machen zu wollen etc. etc. zu tun.

    Ich würde zum Beispiel jemand mit einem auffälligen Dialekt, den ich nicht zuordnen kann, auch fragen, wo er oder sie denn herkommt. Natürlich, der Punkt ist nicht die erste Frage, sondern das Nachfragen. Und ja, in den USA würde wahrscheinlich kein Schwarzer (ich wage es jetzt, mir ist dieses Buchstabenkonstrukt so fremd) gefragt, wo er denn wirklich herkomme. Ja, in Deutschland ist es “normal”, weiß zu sein! Ich würde doch in China auch ständig gefragt werden, wo ich denn wirklich herkomme, selbst wenn ich da aufgewachsen wäre und mich zu hundert Prozent chinesisch fühlte. Ich finde es seltsam, diesen Schmerz dann andern Personen zu überantworten oder sie gar zu bezichtigen, sie wollten die eigene Zugehörigkeit in Frage stellen oder eine Legitimation für das Dasein herausfordern.

    Ja, ich finde es spannend, ob jemand aus Portugal oder aus dem Libanon kommt. Ja, es macht einen Unterschied im Hinblick auf vielerlei Dinge. Und in ganzem Vielem macht es auch keinen Unterschied. Aber indem ich nach der Herkunft frage, frage ich doch nicht danach, ob ich es richtig finde, dass er oder sie hier ist! Das ist nun wirklich grobe Unterstellung und ich meine, dass die Frage nach der Zugehörigkeit eine ist, die in jedem Menschen selber gelöst werden muss. Das von außen kann lediglich etwas auslösen. Und natürlich wäre es schön, wenn wir allesamt achtsamer miteinander wären. Aber es verlangen, finde ich, kann man nicht.

    Das ist auch die Sache, die mich an der ganzen Diskussion irgendwie ärgert: so eine Art Anspruch, was ich nun tun soll, wie ich mit BIPoC umgehen soll. Weißt Du, wie oft ich mir wünsche, die Leute würden anders mit mir umgehen? Ich gehöre aber zu keiner Gruppe, mit der ich mich verbünden kann und sagen, bitte geht ab jetzt so und so mit uns um. Ich weiß nicht, ob mein Punkt klar wird.

    Mir scheint, dass vieles an der Art, wie zur Zeit über das Thema diskutiert wird, eher dazu beiträgt, genau “das Anderssein” zu verstärken – und ich würde mir einen umbefangenen Umgang von Mensch zu Mensch, von Frau zu Frau wünschen bei dem ich intuitiv handeln und sprechen kann und die Frage nach der Herkunft nur eine beliebige von unzähligen weiteren ist, wo es darum geht, einem Menschen zu begegnen und ihn kennenzulernen.

    Andersrum muss ich Dir doch auch wieder recht geben: Niemand würde zum Beispiel auf die Idee kommen, eine andere Person gleich im Smalltalk nach einer Narbe zu fragen. Und vielleicht ist es so, dass bei manchen Leuten die Frage nach der Herkunft der nach einer Narbe gleichkommt. Und doch muss es doch einen Weg geben, solche Themen freimütig ansprechen zu können und dann nicht unbeholfen zu stottern, schweigen, sich verlegen abzuwenden – Offenheit von allen Seiten scheint mir, wäre da das beste Mittel.

    Im Übrigen kenne ich es auch, dass ich gefragt werde, woher ich komme, und wenn ich antworte, aus der Schweiz, gleich die Folgefrage kommt: aber warum bist Du dann hier? Dort ist es doch viel besser, was machst du hier? Und manchmal ist es auch so, dass ich merke, ohje, jetzt wird hier ein Thema angeschnitten, das für mich eine viel tiefere Bewandtnis hat als es sich für einen Small Talk eignet und das ich für mich selbst vielleicht noch gar nicht abschließend verhandelt habe und die Frage reißt jetzt genau wieder etwas auf. Ja. Stimmt. Ist aber dann mein Thema, eine Antwort zu finden, mit der ich mich abgrenzen und vielleicht auch schützen kann.

    Liebe Grüße,
    Doris

  4. Liebe Rebekah, danke für den Artikel und Deine Sicht und Perspektive !! Ich hab ihn jetzt mehrfach gelesen, weil ich es ein wichtiges Thema finde und niemanden verletzen will.
    Ich habe dazu allerdings eine Art Gegenfrage: Du sagst, es ist verletzend auch wenn es nicht verletzend gemeint ist. Und das soll natürlich nicht so ein. Ich war allerdings unlängst bei einem Gespräch anwesend, da wurde auch jemand nach “wo kommst Du her, ich kann Deinen Dialekt nicht einordnen gefragt”. Der jemand war ein weißer Mann. Es wurde ein Akzent gehört, den wir nicht zuordnen konnten, letztendlich war die Antwort Australier. Ich werde auch oft gefragt ob ich aus Belgien bin, weil mein Vor- und Nachname selten sind und ich zufällig flämisch kann (bin ich nicht). Und die Gespräche sind oft spannend und man lernt mehr über den anderen als “ich bin Rina”. NATÜRLICH verstehe ich, was Du meinst. Meine Frage lautet aber: Wenn das (ich zitiere Dich) “und was machst du hier” eben nicht gemeint ist, sondern Du nur empfindest. Macht das für die ganze Kommunikation einen Unterschied ?? Oder eben nicht. Für mich ist dennoch immer die Frage wie ist es gemeint. Und mehr über den anderen wissen zu wollen fände ich im Zweifelsfall immer gut. Die Gratwanderung zwischen “zu dreist gefragt, macht doch für Dich eigentlich keinen Unterschied die Antwort” und “ich will mehr über DIch wissen” ist da oft dünn. Ja natürlich auf einer Party als Smalltalk vielleicht nicht ideal. Aber beruflich die Fragen, “wo hast Du früher gearbeitet, warum bist Du jetzt hier beruflich, wie kam es dazu” sind ja auch kein Tabu, und auch da kann es unangenehme Background geschickten geben (Bankrott, Eltern rausgeschmissen, 3x Lehre abgebrochen?). Ich schweife so aus, weil ich a) verdeutlichen will ich respektiere was Du sagst und wie Du das empfindest. B) würde es aber gern besser verstehen warum es so schmerzt. Ich frage zB wirklich nicht mehr nach der Herkunft weil ich eben schon öfter gehört hab, dass das ungut sein kann. Dann hatte ich aber auch ein Gespräch mit einer asiatischen Freundin die es eigenartig fand, dass alle so auf rohen Eiern gehen und sie niemand fragt wie eigentlich ihre Story ist und warum sie jetzt hier in Wien ist, wie es dazu kam.
    Wäre es nicht erst recht seltsam (“rassistisch”?) wenn ich nur weiße Menschen nach ihrem Background frage, aber alle anderer nicht?
    Frage 2 lautet also – ohne Zynismus ganz serious:
    Wie ist die Gratwanderung? Nie wieder wen fragen? Erst wenn ich ihn “gut” kenn. Erst wenn der andere von sich aus erzählt? Kann ich natürlich so handhaben, aber wird dann offenbar doch manchmal als Desinteresse ausgelegt.
    Hoffe ich konnte meine Fragen so formulieren, dass ich jetzt nicht erst recht, respektlos war. Alles Liebe, Rina.

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