Warum deine Bindungsangst völlig ok ist

Wo ist die Liebe und wie fühlt sie sich an?

Das ist die zentrale Frage meiner Seele. Eine zentrale Frage, die sich wie eine „Neverending Story“ durch mein Leben zieht und den Bereich zwischenmenschlicher Verbindung zum spannendsten Lernfeld meiner Entwicklung macht.

Es gab viele ziemlich schmerzvolle Lektionen auf diesem Weg, die ich zu lernen hatte. Vieles an emotionalem Drama, das ich fälschlicherweise mit Liebe verwechselt hatte. Und einen hochaktiven inneren Kritiker, der stets mahnend den Zeigefinger hob, wenn ich mich mal wieder nicht binden, nicht einlassen wollte und so das Liebesmärchen, das für mein Ego so vielversprechend begonnen hatte, wieder zum Platzen brachte.

„Wie kann das nur sein?“, fragte ich mich dann zweifelnd. „Wie kann ich mich so sehr nach Liebe sehnen und es trotzdem nie hinkriegen mit einer engen konstanten Bindung, die sich zu einer erfüllten Beziehung entwickelt?“

Ich hielt mich für beziehungsunfähig und schob all das auf eine akute Bindungsangst, die mich darin zu blockieren schien, endlich, endlich jenes Walt-Disney-Märchen zu leben, das nach wie vor wie ein Überbleibsel der Vergangenheit in meinem Kopf herumspukte.

Mit der Diagnose „Akute Bindungsangst und Beziehungsunfähigkeit“ hatte mein Ego ein gefundenes Fressen gefunden. Die positive Auswirkung davon war, dass ich mich hochambitioniert von Heilungssession zu Heilungssession trieb, um jeglichen Liebesschmerz aus der Vergangenheit zu heilen. Denn darin sah ich den Schlüssel dazu, mich offenen Herzens auf eine Beziehung einlassen zu können, ohne Panik zu schieben, wieder verletzt zu werden.

Die negative Auswirkung: Ich verurteilte mich dafür, es einfach nicht hinzukriegen mit einer Beziehung. Weil ich, der beziehungsunfähige und bindungsängstliche Freak, mich schon wieder klangheimlich aus dem Staub zu machen schien und die Verbindung zu diesem tollen Menschen, die ich anfangs noch spürte, schon wieder arg am Bröckeln war. „Es tut mir leid“, sagte ich meinem verdutzten Gegenüber dann ein wenig in Selbstmitleid versinkend. „Das wird nichts mit uns. Doch das liegt an mir. Ich habe einfach zu große Angst, mich fest zu binden.“

Es kam der Zeitpunkt, da nahm ich mir diese Ausrede selber nicht mehr ab. Speziell ab dem Zeitpunkt, wo ich bemerkte, dass mein Herz mittlerweile sperrangelweit offen stand und die emotionalen Beziehungswunden aus der Vergangenheit größtenteils geheilt waren. Dazu kamen wunderbare magische Begegnungen, die mich lehrten, was wahre, bedingungslose Liebe wirklich bedeutet.

Ja! Ich durfte mit wunderbaren Menschen im Vibe einer Liebe baden, die loslässt, Freiheit schafft und Ganzheit nur in sich selber findet. Keine dieser Begegnungen führte zu einer festen Beziehung, doch sie hinterließen magische Spuren der Liebe in meiner Seele. Ich hatte eine Erkenntnis, die meine Einstellung zu Liebe und Partnerschaft ziemlich auf den Kopf stellte.

Ich bin weder bindungsängstlich noch beziehungsunfähig. Meine Seele sehnt sich nach einer Form von Liebe, die mit dem, was die Gesellschaft, was unser konditioniertes Ego unter Bindung versteht, oft nicht kompatibel ist.

Auch wenn unser sicherheitsbedürftiges Ego hin und wieder noch massiv dagegen protestiert: Für viele erwachte Spiris geht es auf tiefster Ebene nicht mehr um die klassische Partnerbeziehung der alten Schule. Es geht um die Erweckung einer Liebesfähigkeit, die diese Strukturen sprengt, bei der es nicht darum geht, sich einzulassen und Kompromisse einzugehen. Bei der es nicht darum geht, im klassischen Sinne beziehungsfähig zu sein.

Versteh mich nicht falsch! Wenn du merkst, dass dich große Ängste davon abhalten, dich der Magie zwischenmenschlicher Verbindung hinzugeben und dein Herz zu öffnen, solltest du in dieser Hinsicht unbedingt Schritte in Richtung Heilung unternehmen.

Doch oft zeigt uns das Leben durch das Zerplatzen der Beziehungsbubble nur, dass unser Weg in Sachen Liebe nicht mehr damit kompatibel ist. Dass wir uns auf dem Weg in die eigene Ganzheit befinden und aus tiefstem Herzen nicht mehr dazu bereit sind, uns in Beziehungen zu begeben, in denen wir uns in unserer Selbstverwirklichung, in unserer  Selbstermächtigung, ja in unserem Streben nach Seelenfreiheit eingegrenzt fühlen. Weil wir unser Gegenüber dadurch nur verletzen würden. Und vor allem uns selbst verletzen würden, wenn wir in dieser Hinsicht faule Kompromisse eingehen.

Ja. Vielleicht sehnst du dich nach Beziehungen, in denen es nicht darum geht, dich zu binden und auf eine fixe Beziehungsstruktur einzulassen. Vielleicht sehnst du dich nach Beziehungen, in denen du eine Liebe leben kannst, die sich nicht einlassen muss sondern einfach ist. Aus ihrer eigenen Ganzheit heraus, die keine Ego-Projektionen mehr zulässt. 

Von dieser Perspektive aus betrachtet ist deine Bindungsangst ein wunderbarer Wegweiser, um dir zu zeigen, was du wirklich in Beziehungen willst. Und um dich von Konzepten fern zu halten, die vielleicht seitens der Gesellschaft und seitens deines Egos noch schwärmerisch romantisiert werden, doch längst nicht mehr das sind, was deine Seele erfüllt.

Ich wünsche dir alle Liebesfähigkeit der Welt! Und eine bunte Vielfalt an magischen Erfahrungen, in denen du diese Liebesfähigkeit so zum Ausdruck bringen kannst, das sie dich wirklich glücklich macht.

Dein Seelenrave-Ludwig

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