Tarot Basics #8: Kraft

Mit der Karte “Kraft” beginnt die mittlere Reihe der großen Arkana, auf deren Reise wir unsere in Anpassung an die Welt entstandene Persona hinterfragen. Auf diesem Abschnitt machen wir Erfahrungen, die uns mit neuen Formen von Wissen ausstatten.

Wer ist hier der Stärkere?

Eine Frau in weißem Gewand und mit Blumenranken geschmückt streichelt einen Löwen, der ganz zahm zu ihr aufschaut. Über ihrem Kopf schwebt die liegende Acht, das Zeichen für Unendlichkeit, das uns zum ersten Mal im Magier begegnet ist.

Alle Achten im Tarot bringen Veränderung mit sich:

Veränderung auf energetischer Ebene, Veränderung durch unser eigener Hände Arbeit und Commitment, Veränderung unserer Gefühle, Veränderung unserer Denkmuster.

Mit Kraft sind wir eingeladen, etwas anders zu machen als bisher.

Stärke drückt sich hier nicht durch Dominanz, sondern durch Zärtlichkeit und Präsenz aus. Die Frau auf dem Bild tut etwas scheinbar Unvernünftiges und kommt so zu einem unvorhersehbaren Ergebnis: Der Annäherung an ein wildes Tier.

Angst ist ein Gefühl, vor dem wir uns häufig verstecken.

Anders als instinktive Angst, die uns schützt, hält psychologische Angst uns dauerhaft gefangen. Persönliche Macht heißt hier nicht, die Angst zu besiegen oder zu unterdrücken, sondern mit ihr umzugehen.  

Im Crowley Tarot heißt diese Karte “Lust”

Auch mit dieser Note geht es um den Tanz von Instinkt und Vernunft. Um die Dinge, die uns im Verborgenen bewegen und die Art der Aufmerksamkeit, die unser animalischer Teil von uns verlangt. Und auch darum, was passiert, wenn uns das zweite und vierte Chakra – unser Sex- und unser Herz-Zentrum – in die gleiche Richtung lenken.

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Was können wir tun, um die Bedürfnisse unseres wilden Selbst zu befriedigen?

Gibt es Seiten an uns, denen wir mutig begegnen müssen, um zu verstehen, wer wir sind? Können wir uns auch mit den Anteilen befreunden, die nicht freundlich, fleißig, familiär oder kollegial sind, sondern arrogant, unnütz und unfähig? Können wir unsere Sehnsüchte, Gelüste und Triebe offen betrachten? Wer sich seiner Gefühle bewusst wird, versteht auch die Gefühle anderer besser und kann angemessene Formen des Ausdrucks finden.

Die Karte kann ein Hinweis darauf sein, dass es an der Zeit ist, Abwehr als Vorsichtsmaßnahme aufzugeben.

Fangen wir an, uns im Angesicht von Kritik oder Überforderung zu verteidigen? Kratzen und beißen wir, wenn wir uns in die Ecke gedrängt fühlen? Wie kommt es, dass der Löwe sich auf die Berührung der Frau einlässt?

Die spirituelle Lehrerin Byron Katie bezeichnet Verteidigung als erste Kriegshandlung.

Eine ganz schön provokative Aussage, die selbst Abwehr auslösen kann. Werden wir zu Opfern, wenn wir uns nicht wehren? Was passiert, wenn wir aufhören uns zu verteidigen?

Wer sich an die Proteste von Standing Rock in North Dakota erinnert, bekommt ein Bild davon, was passiert, wenn Verteidigung zu Schutz und Protest zu Zeremonie wird. Es ist eine kleine, aber entscheidende Verschiebung: Sich für etwas einzusetzen, statt gegen etwas anzugehen. Gerechtigkeit wird uns nicht garantiert, aber diese Verschiebung als Möglichkeit wahrzunehmen, ist ein Sieg.

Und möglicherweise verändern wir dadurch auch die materielle Realität.

Indem wir uns erlauben, ein seltsames und eigenartiges Wunderwesen zu sein, das gewillt ist, die herrschenden Gesetze von Macht und Unterwerfung aufzuheben. Die Klarheit unserer Bedürfnisse und die Sichtbarkeit unserer Verletzlichkeit können alle, die uns so erleben dürfen heilen. Das Herz-Gehirn nimmt dem Kopf-Gehirn das Denken ab und löst damit unsere Probleme schon, bevor sie auftreten.

Auf diese Weise ist Spiritualität niemals getrennt von sozialer Gerechtigkeit.

Weil wir uns die Welt teilen und jeder von uns hier ist. Der Philosoph Thomas Metzinger* definiert Spiritualität als eine radikale, individuelle Praxis, die nicht auf Glauben beruht, sondern auf Erkenntnissen des eigenen Bewusstseins und auf Wahrhaftigkeit uns selbst gegenüber.

In dieser Wahrhaftigkeit geht es nicht um gute Gefühle und Wellness.

Tarot Basics #8: Kraft

Vieles ist unheimlich, lauf nicht weg.

Apathie ist gefährlich. Jede*r einzelne hat einen Anteil daran, die bestehenden Ungerechtigkeiten aufzulösen. Du kannst die entscheidende Person sein, weswegen sich das Blatt wendet. Jede und Jeder von uns kann es sein. Wir alle sind es.

Dagegen zu sein, reicht nicht aus.

Zu hassen, was scheiße ist, reicht nicht aus.Vielmehr sollten unsere Handlungen einen Baustein zum Gebäude der neuen Ordnung darstellen, ein Gebäude, wo nicht mehr nur einigen wenigen die schönsten Räume gehören. Das Bewusstsein um unseren individuellen Beitrag zu allem, was ist, ist der erste Schritt.

Liebenswürdigkeit führt zu Intimität mit allen Dingen, auch denen, die uns gefährlich erscheinen.   

Es ist eine Entscheidung, andere nicht als Konkurrenz oder Gegner zu sehen. Es ist eine Entscheidung, unser eigenes Überlegenheitsdenken zu entlarven. Mit Kraft kommen wir zu der Einsicht, dass wir alle zusammengehören, dass wir alle Kinder der gleichen Mutter sind. Mit Mut und Geduld und Softness dem zu begegnen, was uns Angst macht, setzt die heilenden Kräfte des Kosmos in Bewegung.

Über diese Serie:

In “Tarot Basics” stellt Nike dir nach und nach die einzelnen Karten des Großen Arkana vor. Ihre Symbolik, ihre Message, ihre Licht- und Schattenseiten, welche Energien sie verkörpern und wie du mit ihnen arbeiten kannst. Hier geht’s zur vorigen Karte.

Titelbild © Lydia Hersberger

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