Tarot Basics #4: Der Herrscher

Taking Up Space

Nach dem spontanen Fool, dem potenten Magier, der mystischen Hohepriesterin und der sexy Naturgöttin Empress folgt in den großen Arkana der Herrscher. Da möchte man ein bisschen gähnen, wenn man ihn so sitzen sieht in seinem Thron, alt, starr, imposant und, wie es scheint, ein bisschen ärgerlich.

Alles schreit nach Bluthochdruck. Selbst der Himmel ist rot und vor der Felswand strömt kein Fluss, sondern nur ein dünnes Bächlein. Der fühlt sich abweisend und steif und kratzig an und doch lohnt es sich zu ihm zu halten, dem Missverstandenen. Denn auch dieser Robert Baratheaon ist wie alle Bilder des Tarot eine Einladung für uns und keine Strafe.

Tarot Basics #4: Der Herrscher 1

Come to Daddy

Dass der Herrscher uns vielleicht nicht mit spontaner Liebe und Freude erfüllt, ist verständlich, steht er doch für eher einschränkend anmutende Prinzipien der Gesellschaft wie Recht und Gesetz, Strategie und systemische Macht.

Seine Omnipräsenz macht uns seit Jahrhunderten zu schaffen und seine fehlgerichtete Ausprägung scheint klarer als seine gesunde Manifestation. Abuse of power comes as no surprise, seufzen wir mit Jenny Holzer, aber wären doch so gerne mal überrascht es anders zu erleben.

Dieses Andere, dieses Gesunde ist so still und zurückhaltend, so selbstverständlich unterstützend, dass wir es gerne übersehen. Die Nummer Vier als Sinnbild für Festigkeit und Struktur symbolisiert die Grundlage, in deren Schutz wir in Frieden handeln können.

Der Herrscher gibt uns den Raum, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren

Ohne die Frequenz des Herrschers kommt dein Bild niemals in die Galerie, dein Buch nicht in den Druck und deine Musik findet nicht den Weg zu denen, die sie trösten und erfreuen soll. Ohne ihn wirbeln wir ziellos im Kreis. Das kann Spaß machen, aber wir bleiben dabei doch, wo wir sind.

Die Musiker von Godspeed you! Black Emperor haben den Kaiser auch nicht zufällig im Namen und zeigen uns seine Qualitäten, wenn sie nicht in strenger Autorität verankert sind, sondern in freier Rebellion. Die haben angefangen, auf der Bühne stundenlang nur eine Note zu spielen und sind schließlich reingewachsen in ihre eigene Epik. Die nehmen es sich raus, groß und monumental zu klingen, ihr Ding zu machen, ohne zu fragen. Wahre Eroberer ihrer eigenen Kreativität, wie man hier hören kann.

#RelationshipGoals

Nun sind die Typen auf den Karten drei und vier auch nicht zufällig ein Paar und die offensichtlichste Zusammengehörigkeit zweier unabhängiger Kräfte des ganzen Tarot (anders als die Lovers, die auf derselben Karte abhängen oder gemeinsam beim Teufel rumkrepeln). Sie bedingen einander, wie Farbe und Leinwand.

In der Natur zeigt sich diese Ehe in beeindruckenden Wasserfällen, weiten Himmeln, erhabenen Landschaften und majestätischen Bäumen. Hier ist der Emperor in Kontakt mit seiner kreativen Leading Lady und macht was er soll: Raum einnehmen, sich zeigen und Gehör verschaffen, ohne andere zu überrennen. Im Gegenteil, alles was dieses Power Couple berührt, steigt mit ihnen auf.

Bist du schon ein Boss oder spielst du noch?

Der Herrscher als Kaiser über allen Königen spricht auch den Teil in uns an, der mit den Mitteln Abstraktion, Logik, Geduld und Disziplin ganz neue, eigene Wege finden muss. In der Logik der Reise durch die großen Arkana ist der Emperor eine Reifeprüfung. Es geht darum, Regeln, Traditionen und Glaubenssätze verstanden zu haben und kritisch zu prüfen, um einen persönlichen Kodex zu finden. Und zu lernen, welche Form der Rebellion wirklich effektiv sein kann.

  • Veränderst du etwas, wenn du allen den Mittelfinger zeigst und dein fünftes Studium abbrichst?
  • Wenn du nun aber schon mal dabei bist, alles niederzureißen: Was möchtest du aufbauen und wie?
  • Wie möchtest du das Zusammenleben mit anderen gestalten?
  • Mit wem möchtest du die Arbeit teilen, von welchen Lehrern lernen?
  • Was ist Gerechtigkeit in deinen Augen und wie funktioniert Sicherheit ohne Unterdrückung?
  • Auf was hast du dich zu konzentrieren und wie kannst du ein echtes Vorbild sein ohne anderen dein Weltbild aufzuzwingen?

Mit Herrscher-Vibes hilfst du anderen, indem du selbst deinen Weg verfolgst und zeigst, dass es möglich ist, Boss zu sein.

Dazu braucht es solide Strukturen, die dich durch den Tag tragen. Die aber sind für dich da und nicht du für sie. Wenn du deinem Zeitplan hinterher rast und am Ende des Tages ein Wrack bist, fühlt sich das wahrscheinlich nicht sehr empowered an.

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Herrsche um zu dienen, diene um zu herrschen.

Fehlt es an dieser vitalen Anpassung, ist der Emperor fucked. In einer überkommenen, rigiden Struktur wird der Herrscher zum Despoten oder zu einem lächerlichen Clown.  

Im Kontext unserer yogischen Praxis arbeiten wir stetig daran zu verstehen, dass wir nur frei sind, zu wachsen und zu gedeihen, wenn die anderen das auch können. Etwa indem wir unsere Bemühungen anderen widmen.

Es ist zuweilen ein großer Schritt, wenn wir beschließen, anderen zu geben, was wir brauchen. Etwa die Entschuldigung, auf die du selbst so lange schon wartest. Das ist nicht einfach. Wenn dir diese Selbstlosigkeit abgeht oder du dich zu verletzt fühlst, handele eigennützig, denn was du gibst wird den Weg zu dir zurück finden.

Der Herrscher also lädt uns ein, systematisch zu denken und möchte, dass wir uns das Leben erobern.

Aber er fragt auch, wo wir andere verletzen, wo uns das System verletzt hat und wo wir das System dabei unterstützen, unsere Verletzungen zu perpetuieren. Wo wirst du zum Täter, bloß um nicht mehr Opfer zu sein? Respekt und Verantwortung gehören zu seinen wichtigsten Eigenschaften und wer kein Teenager mehr ist, versteht auch, warum.

Der Herrscher erinnert uns: Ich habe etwas zu sagen, ich definiere meinen Bereich, ich wende meine Regeln an und erwarte auch, sie von anderen befolgt zu sehen.

Mit der Bereitschaft, es in deren Sphären genauso zu halten. Der Motivator ist nicht Lust an der Macht, sondern Lust daran, etwas auf die Kette zu kriegen. Die Welt möchte deine Arbeit sehen, dann musst du die Schritte gehen, jeden Tag, mit Disziplin, mit Commitment, mit Engagement, mit Demut, mit Zeitplan. Das sind die Steine, mit denen du dein Königreich erbaust.

Tarot Basics #4: Der Herrscher 3

Wenn der Herrscher deine Aufmerksamkeit sucht, frage dich:

  • Wo und wie kann ich mehr Raum einnehmen?
  • Welchen Raum lasse ich ungenutzt?
  • In welchen Räumen halte ich mich gedanklich auf, ohne physisch dort zu sein und was bringt mir das?
  • Wo kann ich jemanden einladen, der wenig Raum hat, sich zu entfalten?
  • Was sind die wichtigen Dinge, die ich zu sagen habe? Zu wem?
  • Was hält mich zurück?
  • Welche Unterstützung braucht mein gesunder Ehrgeiz?
  • Warte ich auf Erlaubnis?

Also, Kings and Queens, lasst euren inneren Strategen los, um zu herrschen, was das Zeug hält.

Große Visionen brauchen Resilienz, Initiative und Unverschämtheit.

Wenn du dabei bist deine Umgebung zu prägen, statt nur beeinflusst zu werden, dann arbeitest du bereits an deinem Vermächtnis.

Auf dass die Königreiche der Zukunft frei und voller Freude sind.

Über diese Serie:

In “Tarot Basics” stellt Nike dir nach und nach die einzelnen Karten des Großen Arkana vor. Ihre Symbolik, ihre Message, ihre Licht- und Schattenseiten, welche Energien sie verkörpern und wie du mit ihnen arbeiten kannst. Hier geht’s zur vorigen Karte.

Titelbild © Lydia Hersberger

Für die Fotos haben wir Karten aus dem Fountain Tarot (Titel), dem Waite/Smith (Close-Up) und dem She Wolfe verwendet. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. So erhalten wir eine kleine Provision, wenn du ein Produkt kaufst, und FLGH kann für dich kostenlos bleiben.

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