Tarot Basics #2: Die Hohepriesterin

Priestess, you dance, you dance, you dance!

Auf der Karte mit der Nummer 2 sehen wir eine Frau zwischen zwei Säulen sitzen. Sie trägt ein fließendes Gewand und eine Krone, die die drei Mondphasen symbolisiert. Ein Vorhang, bedruckt mit Granatäpfeln, hindert uns daran, in den Tempel zu sehen, doch wir ahnen dahinter die Weite des Himmels und das tiefe Wasser des Ozeans.

Die Frau zwischen den zwei Säulen ähnelt einer erwachsenen Version von Mathilda aus Leon der Profi. Wie Mathilda ist sie eine Lernende und dabei alterslos, kompromisslos und furchtlos. Mit der Nummer 2 kommt zusammen, was zusammen gehört, sprich:

Tarot Basics #2: Die Hohepriesterin 1

Willkommen in der allumfassenden Dualität der menschlichen Existenz.

Die Hohepriesterin ist das Yin zum Yang, das Nutella zur Stulle, die Zaubertinte zum Bügeleisen und die Kehrseite der Medaille, auf der der Magier die Welt erschafft. Sie ist die Tiefe zu seiner Tatkraft, denn ohne sie ist er nur ein eitler Trickster, der Karnickel aus dem Hut zieht.

Als Verbündete aller unermüdlichen Seelenfoscher, Selbstversteher und Weltverbesserer gibt die Hohepriesterin dem ganzen Spiri-Treiben Wahrheit und Sinn. In Pumarosa’s Song Priestess singt Isabel Munoz-Newsome: Elecricity flows through your spine and it shows in the night when we’re alone. Wir bitten die Priesterin um Audienz, wenn wir Antworten auf unsere Fragen suchen, die die Nacht erleuchten, wie ein Neon-Laser

Denn das ist ihr Ding: Die Hohepriesterin weiß!

Ihre Weisheit ist mystisch und tief und so alt wie das Universum selbst. Im Takt der Expansion des Kosmos erweitert sich auch ihr Wissen stetig und bis in die Unendlichkeit.

Wir alle kennen dieses Verstehen jenseits von Sprache: Wir nennen es Bauchgefühl und Intuition.

Oft ist unser Verhältnis dazu gestört und nicht selten abschätzig. Intuition wird in unserer Gesellschaft mit irrationaler Weiblichkeit assoziiert. Das hat hier und jetzt ein Ende, denn:

Intuition ist die Musik deiner Seele.

Dieser Musik zuzuhören ist die wichtigste Aufgabe deines Lebens. Du hast niemandem sonst irgendetwas zu beweisen, du hast in niemandes Auftrag etwas zu schaffen. Was die Gesellschaft von dir denkt ist nicht deine Priorität. Deine Priorität ist zu wissen, wer du bist und was dieses Ich benötigt, um gesund und mutig das eigene Leben zu gestalten.

Die Hohepriesterin interessiert sich nicht für äußere Erfolge. No fucks given. In einer Diktatur der ständigen Aktivität bleibt sie ruhig. Passivität bedeutet hier, dem Geist die Möglichkeit zu geben, die Komposition der Seele zu hören und zu verstehen, mit welchen Handlungen du aus deinem Leben einen Konzertsaal für diese Klänge bauen kannst.

Die Hohepriesterin zettelt die Revolution an

In einer Gesellschaft, die sich nahezu ausschließlich an einem geradlinigen Erfolgsmodell orientiert, ist es radikal, aus diesem Erwartungskontext auszusteigen und sich nur um der Weisheit willen einer inneren Arbeit zu widmen.

Die Schuld abzulegen, die aus der Erwartung gespeist wird ‘etwas aus sich zu machen’, das unter Umständen mit unseren innigsten Bedürfnissen nicht mehr viel zu tun hat, ist revolutionär.

Die Hohepriesterin steht für das heilige Studium des Lebens, sie weiß alles und sie versteht die Mysterien des Universums, weil sie jede Vibration spüren kann.

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Situationen, in denen unbestimmte Vibes zum Tragen kommen, kennt jeder:

Du unterschreibst einen Mietvertrag, weil die Konditionen sich so einmalig anhören, aber irgendwas fühlt sich doch falsch an. Zwei Monate später wird das Haus an dänische Investoren verkauft und deine Wohnung ist unbezahlbar. Wärest du bloß deiner Eingebung gefolgt.

Oder der Moment als du scheinbar grundlos die Straßenseite wechseltest, nur um dann von gegenüber den Terrakottatopf auf dem Asphalt zerschellen zu sehen, der dich sonst erschlagen hätte.

Oder als du nach einem scheinbar zufälligen Gespräch einfach wusstest, dass dieser dreckige Raver dein bester Freund fürs Leben werden würde.

Die Wege, die das Leben anbietet, sind oft mysteriös und unser hohepriesterliches Girlfriend erinnert daran, dass es Wahrheiten jenseits unseres Verständnisses gibt.

Aber diese okkulte Lady ist auch nicht ohne:

Wenn du aus dem Tarotdeck die Hohepriesterin ziehst, wird von dir wirklich verlangt, zu vertrauen, dass du die Lösung schon kennst. Ihr Vibe verhindert knallhart, dass du Antworten im Außen findest. So sehr du dir wünscht, jemand würde dir die Entscheidung abnehmen, ob du das Studium schmeißen, den Job annehmen oder mit dem Typen ins Auto steigen sollst – du musst es selbst entscheiden, ohne äußeren Segen.

Mehr zu wissen, als wir denken, das ist ihre Frequenz. Uns selbst vertrauen. Die Wahrheit kennen, ohne sie beweisen zu müssen. Intuition schlägt Intellekt, kosequent und schambefreit.

Das kann auch bedeuten, für eine Weile keine Antwort zu haben. Wichtiger ist, die Autorität über deine Erfahrung zu bewahren. Du bist der/die weltbeste Experte*in im Du-sein.

Gib niemandem die Ehre, schlauer zu sein als du selbst, wenn es um deine Belange geht.

Die Hohepriesterin arbeitet nicht mit dem Kopf, sie entscheidet nicht mit dem Intellekt. Sie lernt die Symbole zu deuten und liest auf einem subtileren Level. Das Schriftstück auf ihrem Schoß ist zusammengerollt, denn sie erklärt uns nichts mit Hilfe von Worten.

Das, was wir Intuition nennen, ist kein Hokuspokus.

In der Neurowissenschaft wird es in Konzepten wie der limbischen Resonanz-Theorie verarbeitet. Kurz gefasst geht es darum, dass der älteste Teil unseres Gehirns mit inhärenten Instinkten arbeitet, vergleichbar mit der Fähigkeit eines Hundes, über die Wahrnehmung deines Geruchs zu wissen, was du zu Mittag hattest – mit zero Neid auf dein veganes Süßkartoffelsandwich. Oder dem Navigationstalent von Zugvögeln, die den Verlauf der Erdmagnetfelder sehen können. Ja tatsächlich, optisch!

Die menschliche Superpower ist es, über reinen Blickkontakt intimste Geheimnisse des Typen, der uns in der U-Bahn gegenüber sitzt, zu erfahren. Das Problem ist, dass der Teil des Gehirns, der diese Intelligenz besitzt, keine Sprache kennt und schlecht mit unseren verbalen Zentren kommuniziert.

Deswegen haben wir Überzeugungen ohne Logik und Ahnungen ohne Begründung. Und steigen trotzdem lieber bei der nächsten Station aus.

Über diesen dunkleren Bereich unseres Bewusstseins Klarheit zu gewinnen ist eine hohe Kunst.

Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass hier irgendwo ein neurologischer Schlüssel zur sogenannten Erleuchtung zu finden ist.

Wir können uns genauso wenig willentlich erleuchten, wie wir unser Gehirn dazu zwingen können plötzlich fließend Mandarin zu sprechen. Takes time, Lovers. Der Tempel, den die Hohepriesterin auf der Karte bewacht, ist dieser geheimnisvolle, ursprünglichste Teil unseres Gehirns.

Der Schleier, der die Bewusstseinszustände Intellekt und Intuition voneinander trennt ist zwar dünn, aber hindurch können wir trotzdem nicht. Viele von uns stehen statt vor einem Schleier auch eher vor einer Betonwand, die nach lebenslanger medialer Konditionierung und gesellschaftlicher Einschüchterung den Zugang zu unserer Intuition verbaut.

Wie können wir lernen, die Nachrichten der mystischen Mathilde zu entschlüsseln?

Eigentlich läuft es wie beim Tanzen: Wenn man der Musik zuhört, synchronisiert sich die Bewegung. So ist auch das Mantra in Pumarosa’s Priestess: You dance, you dance, you dance!

Tarot Basics #2: Die Hohepriesterin

Lifehacks der Hohepriesterin zum Erlernen ihrer hohen Kunst aka neurologische Sensibilisierung:

  1. Träume, Sehnsüchte, spirituelle Zustände und unsichtbare Verbindungen ernst nehmen: Es sind die Noten deines Songs.
  2. Allein sein, ruhig sein, Telefon ausmachen. Produktivitätswahn, Stress und die damit einhergehenden hohen Cortisol-Level sind der natürliche Feind der Hohepriesterin: Meditation oder eine halbe Stunde zwischen Bäumen rumlaufen regulieren die Hormonlevel.
  3. Gedanken, Gefühle und Sinneswahrnehmungen voneinander unterscheiden lernen: Bevor etwas im Intellekt ist, ist es immer in den Sinnen. Immer. Gefühle wiederrum scheinen oft unlogisch – erlaube ihnen das.
  4. Selbstgespräche: Sei freundlich zu dir selbst und bitte dein schönes Gehirn um Lösungen.
  5. Freiräume schaffen, ohne genau festzulegen, was zu passieren hat: Wenn du die Grundlage anbietest und den Rest geschehen lässt, kann etwas Neues um die Ecke biegen.
  6. Türen, die sich schließen oder gar nicht erst aufgehen: Auch wenn Zurückweisung als Form selten erfreulich ist, mache dir – nach angemessener Trauer oder Wut – die unendichen Varianten klar, in der dies gerade für und nicht gegen dich geschieht.

Was das alles bringt, konkret und im Leben?

Es verhilft uns zu Entscheidungen, die ein neues, ein gutes und einfacheres, glücklicheres und reicheres Leben unterstützen. Und daraus erwächst Stärke: Niemand kann unsere Mathilde fangen oder binden, sie steht für die mentalen und emotionalen Projektionen anderer nicht zur Verfügung. Sie lässt sich nicht instrumentalisieren.

Wenn deine Überzeugungen deinen inneren Wegweiser kalibrieren, dann ist das eine Form von Aktivismus für eine bessere und sensiblere Welt.

Und natürlich ist die Auseinandersetzung mit Tarot und den Karten an sich ein full on High Priestess Move. Eine Rocky Trainingssequenz für Intuition in 78 Einheiten. Go Darlings, go.

Über diese Serie:

In “Tarot Basics” stellt Nike dir nach und nach die einzelnen Karten des Großen Arkana vor. Ihre Symbolik, ihre Message, ihre Licht- und Schattenseiten, welche Energien sie verkörpern und wie du mit ihnen arbeiten kannst. Hier geht’s zur vorigen Karte, und hier zur nächsten.

Fotos © Lydia Hersberger

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Ein Kommentar / Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe mir letztes Jahr ein Tarotset gekauft und finde es unglaublich spannend, das ihr das Thema nun auch hier aufnehmt. Als erstes habe ich mir aus meinem Geburtstag meine Geburtskarte errechnet und herausgekommen ist die Hohe Priesterin. Wie kann ich diese als „Lebenskarte“ deuten? Oder wie siehst du generell die Geburtskarte auf Sicht des Lebens?

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