Tarot Basics #13: Tod

Wir sind im Herbst angekommen, der Saison des Zeichens Skorpion. 

Und damit der Saison des 13. Arkanas, dem Arkana ohne Namen oder dem Tod, der mit dem Zeichen Skorpion korrespondierenden Tarot-Karte.

In der patriarchalen christlichen Kultur wird die 13 als schlechtes Omen gehandelt, vermutlich weil sie in den matriarchalen Urreligionen als Glückszeichen gefeiert wurde.

13 ist die Zahl der Göttin, der Mondzyklen, die Zahl der Spirale.

Das Jahr hat 13 Monde, der Zirkel hat 13 Hexen und der Tag von Hekate, griechische Göttin der Magie und Wächterin der Tore zwischen den Welten, ist ein 13. Fällt der auf einen Freitag, den Tag der Venus, umso besser.

In der Abbildung des Waite-Smith Tarot reitet der Tod als Skelett in schwarzer Ritterrüstung ein weißes Pferd.

Die weiße Rose auf der schwarzen Flagge in seiner Hand erinnert an die weiße Rose des Narren in Arkana 0 und ist ein weiterer Hinweis auf die Spirale, auf die Gleichzeitigkeit von Anfang und Ende. Genau wie die Sonne, die entweder auf oder unter geht, aber jedenfalls im Übergang ist:

An der Schwelle des immerwährenden Kreislaufes von Tag und Nacht, Leben und Sterben.

Der König liegt tot am Boden und sein fließendes Gewand ist nun kaum unterscheidbar vom Fluss, der im Hintergrund strömt. Der Tod wird eingebettet in die Natur, ist die Natur, ist organisch und unvermeidlich, statt brutal und ungewöhnlich. Die Blätter schweben zu Boden, die Früchte lösen sich vom Ast, die Schlange schlüpft aus ihrer Haut. 

In der Natur und im Tarot werden wir von der Linie zur Spirale geführt.

Was stirbt, wird zu Dünger neuen Lebens. Wenn wir den Tod ziehen, geht es um eine kompromisslose Veränderung und das nicht verhandelbare Ende von etwas. Von einer bestimmten Seins-Form, von Gewohnheiten, Identitäten, Strukturen, Beziehungen. Das kann willkommen sein, das kann schmerzhaft sein. Einen Trauerprozess braucht es fast immer. 

Die gute Nachricht: diese Energie trifft uns mitten im Leben. 

Und oft wird das Lebendige durch das Auftreten dieser Karte befreit. Von dem, was an uns hing, ohne Kraft zu spenden, von allem, was wir mitgeschleppen, ohne dass es uns nährt, von starren Verpflichtungen und alten Verträgen. Der Tod ist nicht die letzte Karte des Tarot und viele Geschenke sind zu bekommen, wenn der Tod durchlebt wurde, ohne die notwendigen Prozesse zu übergehen.

Wenn wir hingeben, was in uns verwest, kann frischer Wind einkehren.

Somit eröffnet der Tod – gemeint ist die Energie, die das Tarot an dieser Stelle beschreibt – die Möglichkeit zur größten Erweiterung. Er ist keine Strafe, er ist Entwicklung. Alle großen Arkana bewegen uns. Und mehr als dass wir wirklich etwas mit ihnen tun, können wir zulassen, von ihnen geöffnet zu werden. Die 13 ist eine Einladung, am Leben zu sein, den eigenen Weg zu würdigen in seiner Unordnung, Schwere, Leichtigkeit, Überforderung, Langeweile, Ekstase… 

Werbung

Contentbanner links alone

Wir alle gehen gerade durch einen Todesprozess, individuell und kollektiv.

Darin sind wir aufgefordert zu erkennen, was unsere Seelen vergiftet. Nicht unbedingt weil es schlecht war, sondern weil es uns in den Aufgaben der Selbsterkenntnis, Liebe, Wachstum und Verbindung nicht gut unterstützt. Die Arbeit, die Fürsorge, die Zärtlichkeit, die du investiert hast, ist nicht verloren. Im Gegenteil. Wird der Kreis zur Spirale, ist er befreit, wie Vladimir Nabokov erkannt hat: „The spiral is a spiritualized circle. In the spiral form, the circle, uncoiled, has ceased to be vicious. It has been set free.“

Das Geschenk: eine neue Wahrnehmungsebene.

Wenn du herausfinden möchtest, was im Moment deine mit dem 13. Arkana assoziierten Prozesse sind, suche dir den Tod bzw. die 13 aus deinem Kartendeck heraus und lege sie oben auf. Ziehe drei Karten zu folgenden Fragen: 

  1.   Was löst sich?
  2.   In welchem Bereich oder auf welche Art transformiere ich?
  3.   Womit beginne ich neu? Inwiefern erweitert sich meine Wahrnehmung?

Beobachte deine Reaktionen zu den Karten. Freust du dich? Bist du besorgt, verärgert? Verstehst du oder verstehst du nicht?

Wenn du möchtest, schreib deine Eindrücke auf und gib dir Zeit zu beobachten, was dir gesagt wird. 

Über diese Serie:

In “Tarot Basics” stellt Nike dir nach und nach die einzelnen Karten des Großen Arkana vor. Ihre Symbolik, ihre Message, ihre Licht- und Schattenseiten, welche Energien sie verkörpern und wie du mit ihnen arbeiten kannst. Hier geht’s zur vorigen Karte.

Titelbild © Nike Ritter; Tarot von A.E. Waite © Königsfurt-Urania Verlag

Das könnte dich auch interessieren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*