Tarot Basics #12: Der Gehängte

Herz über Kopf

Eine Figur in roten Strümpfen und blauem Hemd hängt kopfüber an einem mit Blättern berankten, T-förmigen Holzgestell. Das eine Bein aufgeknüpft, das andere angewinkelt, bilden die beiden Beine zusammen so etwas wie eine umgedrehte vier. Manche erinnert es auch an das Symbol des Planeten Jupiter, der für Expansion steht.  

Trotz der eindeutig unangenehmen Situation sieht die Person ruhig, fast selig aus.

Um ihren Kopf leuchtet ein Heiligenschein, ein Strahlenkranz – eine Corona Radiata. Nicht nur diese Wortsymbolik weist darauf hin, dass die #12 sehr geeignet ist, um die Zeit zu beschreiben, in der wir alle gerade leben.

Dazu gehört der Kontrollverlust, die eingeschränkte Beweglichkeit, das Warten, Perspektivenwechsel und die Auseinandersetzung mit dem Tod, der Karte, die im Großen Arkana als dreizehnte auf den Gehängten folgt. Der Gehängte ist der letzte Schritt vor der Transformation, ein Tor, das wir durchschreiten, auf der Reise des Egos zur Seele. 

Hier entwickeln wir uns durch die Unbequemlichkeit der Situation und die Möglichkeit, die Dinge anders zu sehen, völlig anders.

Können wir das annehmen und eine innere Entscheidung für Frieden fällen, nehmen wir unsere Erfahrung in die eigenen Hände und gehen über das hinaus, was wir bisher für möglich gehalten haben. Wir sind nicht unser Körper und nicht mal unser Geist. 

Es braucht Geduld und die im Yoga viel zitierte Hingabe, die Bereitschaft aufzugeben, was wir kennen. Gehen wir durch #12, müssen wir oft abhängen und abwarten. 

Denn solange es kein ‚ja’ ist, ist es ein ‚nein’.

Und einen Zeitplan kriegen wir auch nicht. Der Gehängte beschreibt eine Zeit nicht zu handeln, eine Zeit keine Entscheidungen zu treffen, eine Zeit zu warten. Nichts tun, nicht mal meditieren. Viele von uns haben in den letzten Monaten gemerkt, dass es auch mal gar nicht so schlecht ist, weniger tun zu können. Und wie schwer es uns fällt. 

Wir bereiten uns auf etwas völlig Neues vor.

Dieses gesegnete Rumhängen findet statt, bevor sich der Schmetterling puppt, bevor das Küken schlüpft, bevor das Kind kommt, bevor ein neuer Plan oder ein neues Spiel entsteht. Es ist die Vorbereitung auf eine unumgängliche, organisch vom Leben bestimmte Veränderung. In der Logik des Tarot: die Vorbereitung auf den Tod.

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 Radikale Akzeptanz

Wir können nicht wissen was da kommt und wie es sein wird. Also ist nun die Zeit, die Erwartungen aufzugeben. Das erfordert Durchhaltevermögen, ist aber keine Anstrengung des Kopfes. Denn deine Vorstellungen werden immer andere sein. Jetzt ist die Zeit sich das anzuschauen, dieses ganze Chaos, das Unwohlsein, die Trauer, die Ekstase, den Sanftmut, alles und nichts, das dein Menschsein, diesen Motor der Evolution, umfasst. Das ist die Medizin des Gehängten.

Karten-Legung

Suche dir den Gehängten bzw. die 12 aus deinem Kartendeck heraus und lege sie oben auf. Ziehe drei Karten zu folgenden Fragen:

  • Wo / in welchem Bereich wechsle ich die Perspektive?
  • Wo bin ich im Prozess des Wachstums?
  • Was fordert meine Akzeptanz?
  • Beobachte deine Reaktionen zu den Karten. Freust du dich? Bist du besorgt, verärgert? Verstehst du oder verstehst du nicht?

Wenn du möchtest, schreib deine Eindrücke auf und gib dir Zeit zu beobachten, was dir gesagt wird. 

Deine Nike

Über diese Serie:

In “Tarot Basics” stellt Nike dir nach und nach die einzelnen Karten des Großen Arkana vor. Ihre Symbolik, ihre Message, ihre Licht- und Schattenseiten, welche Energien sie verkörpern und wie du mit ihnen arbeiten kannst. Hier geht’s zur vorigen Karte.

Titelbild © Nike Ritter; Tarot von A.E. Waite © Königsfurt-Urania Verlag

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