Tarot Basics #10: Rad des Schicksals

Uhhhh, da kommt was! Aber was bloß?

Vor blauem Himmel mit perfekten Schäfchen-Wolken prangt das orangene Rad geschmückt mit sakralen Symbolen und umgeben von seltsamen mystischen Wesen: eine Sphinx, eine Schlange, der Schakal Anubis und die geflügelten Symbole der fixen Tierkreiszeichen Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann.

Bildlich herrscht hier plötzlich ein anderer Ton: Die Symbole überschlagen sich und es wird sehr geheimnisvoll.

Auch deswegen ist die Karte 10 im Tarot eine, die schon im Hermetic Order of the Golden Dawn in Zeremonien genutzt wurde, um den Ritualen magische Energie zuzuführen. Die lateinischen Buchstaben um die Mitte des Rades können wir zu dem Satz ‘Rota Taro Orat Tora Ator’ zusammenfügen: Das Rad des Tarot spricht das Gesetz von Hathor, der Mutter-Göttin.

Das Tarot als Lehr-System erzählt uns also von der Natur der Realität.

In diesem Sinne fasst das Rad des Schicksals alles zusammen: leben, sterben, Wiedergeburt, die Chance aufzusteigen und das Risiko zu fallen.

Die 10 markiert den Punkt der Verwandlung, wenn das Ego auf das Unbekannte trifft und etwas Neues entstehen kann. Wenn wir eine Lektion zur Genüge durchexerziert haben und bereit sind, einen neuen Twist zu probieren.

Tarot Basics #10: Rad des Schicksals 5

So kann uns das Rad des Schicksals in eine ganz neue Spur verhelfen.

Jetzt haben wir die Chance, aus der Konstruktion unserer Wirklichkeit die besten Möglichkeiten zu erschaffen. Hier geht es nicht um Zufälligkeiten, sondern um Expansion und Wissen. Dieser wichtige Moment im Tarot und im Leben lädt uns ein, ganz in der Gegenwart anzukommen, um nicht vom Auf und Ab des Lebens aus der Bahn geworfen zu werden. Wir müssen nicht wissen was kommt, um in unserer Mitte zu bleiben.

Die Begegnung mit dem Rad des Schicksals kann verwirrend sein.

Gibt es etwas zu tun? Und wenn ja, was? Oder müssen wir nur zuschauen, wie Fortuna uns beschenkt, als hätten wir ein Los in der Tombola des Lebens gezogen? Um verwirrend zu bleiben lautet meine Antwort: Sowohl, als auch. Die große Lehre des 10. Schlüssels besteht, frei nach Seneca, darin, zu verstehen, dass Glück sich ergibt, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft.

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Wir können nichts kontrollieren und müssen uns doch voll für unsere Wünsche einsetzen.

Wir haben Entscheidungen zu treffen, ohne das Ergebnis diktieren zu können. Und sollten überprüfen, ob wir uns zu gerne von Aberglauben und “Alles-passiert-aus-einem-Grund”-Gerede leiten lassen, weil es bequem ist. Oder ob wir uns tatsächlich dem Timing des Lebens anvertrauen und die Geduld für den langen Lauf aufbringen.

Das Rad bietet uns an zu akzeptieren, dass gut und schlecht oft von der Perspektive abhängt.

Und dass wir innerhalb des Unkontrollierbaren nur (aber immerhin!) uns selbst steuern können, um für die Energie, die wir in eine Situation bringen, Verantwortung zu übernehmen. Dafür braucht es einiges an Selbstkenntnis, denn:

“Solange Unbewusstes nicht bewusst gemacht wird, lenkt es dein Leben und du nennst es Schicksal.” – Carl Gustav Jung

Lassen wir uns auf diesen Weg ein, fällen wir damit die Entscheidung, unsere Zukunft selbst zu gestalten.

Denn nicht die falsche Entscheidung ist ein Problem, sondern die fehlende.

Obwohl das Tarot immer wieder und immer noch mit Divination und Zukunftsweissagungen assoziiert wird, lehrt es uns im Grunde, dass es die Zukunft gar nicht gibt, sondern immer und immer wieder nur diesen einen Moment, aus dem alles erwächst. Mit jeder Entscheidung, die du fällst, setzt du eine Bewegung in Gang. Es gibt kein Ende für die unendlichen Wirkungen, die sich im Orchester des Lebens miteinander verweben. Und du selbst stehst in der Mitte dieses Netzes aus Möglichkeiten und Konsequenzen in unfassbar weitreichender Koordination.

Das ist die Wahrnehmung des Wunders, dass alles Leben gemeinsam atmet.

Was im Ganzen ist, ist auch im Einzelnen; und auch wir sind nur eine Spezies, die den Gesetzen der Natur folgt. Niemand steht über den Dingen. Das Rad markiert einen Moment in dem wir, fluide und fest zugleich, uns bewegen und bewegt werden und freien Willen und Schicksal miteinander verweben, ohne dass überhaupt irgendwer wirklich wissen kann, wie das alles zusammen spielt. Und wenn uns dann das geplante Leben um die Ohren fliegt, werden wir aus dem Denken in die Erfahrung katapultiert.

Je mehr wir unseren Kopf aus der Zukunft nehmen, desto besser wird es uns damit ergehen.

Denn im Flow zu sein heißt nicht, dass es so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben, am besten noch ganz nach den DIN-Leitlinien von Effektivität und Effizienz. Zu akzeptieren, dass die Zukunft ein Ungewisses ist, bedeutet, dass wir uns ganz auf die gegenwärtigen Aufgaben konzentrieren können. Aufräumen, den Abwasch machen, das Bild zuende malen, ein gutes Essen kochen, die Steuererklärung abgeben.

Denn wer im Gestern hängt, kann nicht ins Morgen schreiten.

Aber wenn wir wach bleiben, wird uns die Einladung zuteil, in unserem Studium von Zeit, Entwicklung und Evolution etwas über die geheimen Mechanismen des Universums zu lernen. Über Zusammenhänge im großen Spielraum von Zeit und Raum. Und wenn du genau hinsiehst, gibt Fortuna dir ein weiteres Stück im bunten Mega-Puzzle, das die evolutionären Intentionen deiner Lebenszeit abbildet.

Viel Glück!

Über diese Serie:

In “Tarot Basics” stellt Nike dir nach und nach die einzelnen Karten des Großen Arkana vor. Ihre Symbolik, ihre Message, ihre Licht- und Schattenseiten, welche Energien sie verkörpern und wie du mit ihnen arbeiten kannst. Hier geht’s zur vorigen Karte.

Titelbild © Nike Ritter; Tarot von A.E. Waite © Königsfurt-Urania Verlag

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