Spirituelle Balance: wieviel Mensch darfst du sein?

Es gab Zeiten in meinem Leben, da dachte ich, dass Spiritualität, Beten und Yoga die Antwort auf all meine Probleme sei. Und tatsächlich hat mir der spirituelle Blick über den Tellerrand und eine regelmäßige Meditationspraxis viel Bewusstheit für mein Handeln beschert, so dass ich inzwischen weniger erschrocken bin, wenn Herausforderungen anstehen. Mir ist klar, dass jede Schwierigkeit in Wahrheit ein Geschenk für mich ist, an dem ich wachsen kann.

Doch genau in diesem tieferen Sinn liegt Fluch und Segen. Denn wenn dein drittes Auge all dein Handeln und das der anderen mitscannt, kann das zuweilen sehr anstrengend sein.

Natürlich hat jede Geste, jeder Windstoß, jede Zahl, die uns ins Auge fällt eine tiefere Bedeutung, doch wenn sich jemand nur noch dieser überirdischen Ebene verschreibt, dann klingeln bei mir die Alarmglocken. Ganz einfach deshalb, weil ich das von mir selbst kenne. Und zwar immer dann, wenn ich eigentlich die Hosen voll habe und etwas sehr sehr unangenehmes gefühlt werden will.

Ich nenne das Überspiritualisieren und ich erkenne es bei mir, wenn ich mir nur noch Sinn-Fragen stelle und nicht mal mehr über einen schlechten Deine-Mudda-Witz lachen kann.

Spiritualität ist ein super Fluchtmittel, auch für mich. Raus aus den Emotionen und dem Körper, rein in die ätherischen Sphären von denen aus alles Sinn macht und weniger bedrohlich ist – easy.

Doch ich stelle dann immer wieder schnell fest, dass ich dort oben keine Freude empfinden kann. Kein Gespräch, keine Feier, keine Berührung ist mehr so intensiv, wenn ich im Spiri-Kosmos festhänge. Ist ja auch logisch, denn ich mache mit meinem Leben ja keine geistige Erfahrung, sondern eine menschliche.

Meine Zauberformel für weniger Überspiritualisieren und mehr Freude am Mensch-Sein lautet Balance.

Wie alles im Leben will auch unsere spirituelle Seite in Balance sein. Wenn du das Gefühl hast, dass deine Spiritualität deinen gesamten Alltag überstrahlt und du in allem und jedem ein Zeichen siehst, dann wird es höchste Zeit dich mal wieder um deine anderen Anteile zu kümmern: deine Emotionen und dein physischer Körper!

Wie wär’s mit Wandern, Tanzen, Singen und anderen spaßigen Dingen, die wir Menschen so tun? Mir helfen diese Dinge in solchen Phasen ungemein.

Wenn du zur Zeit in anderen Sphären unterwegs bist und es dir schwer fällt, deine menschlichen Seiten zu leben, dann nimm dein Montagsmantra zur Hilfe:

Ich entscheide mich für meine menschliche Seite. 

In diesem Sinne wünsche ich dir eine aufregende menschliche Erfahrung in dieser Woche mit allen Emotionen, die gefühlt werden wollen.

All meine Liebe für dich, deine

Zränf-Klaue-pink

 

 

 

2 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Schön geschrieben und mit Mut zur Selbstreflexion! Ich beobachte das Überspiritualisieren häufig und beobachte, dass manche vor lauter Warten auf das richtige Zeichen das tägliche Leben nicht mehr leben sondern wegmeditieren…

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