So macht Yoga dich zum besseren Liebhaber

Das Dao der Liebe

Wer Ende der 90er-Jahre einen Fernseher besessen hat, erinnert sich wahrscheinlich an „Sex“-Sendungen wie „Wa(h)re Liebe“ oder „Liebe Sünde“. Schon damals konnte ich diese ganzen Formate nicht auseinander halten, ich weiß aber noch, dass es in einer dieser Serien eine Reihe gab, die sich „Das Dao der Liebe“ nannte. Was man damals im Privatfernsehen sah, war in meiner Erinnerung eine Mischung aus Nackt-Yoga und asiatischer Speisekarte. Heute weiß ich, dass dahinter eine alte chinesische Religion, der Daoismus, steckt. Daoisten glauben, dass man durch das Ausüben besonderer sexueller Praktiken bei guter Gesundheit bleibe und letztendlich nichts weniger als die Unsterblichkeit erlangen kann. Na dann mal los.

Im Bettchen nichts Neues

Zum Thema „Yoga und Sex“ wurde schon viel geredet, geforscht, geschrieben, gefilmt und ganz bestimmt auch ganz viel ausprobiert. Quintessenz: Yoga macht dich sexy und attraktiv (stimmt!). Yoga macht dich flexibel (z.B. für Sex im Auto). Yoga gibt dir ein besseres Körpergefühl (vor allem, wenn du nackt bist) und Yoga macht dich empfindsam und geduldig (Stichwort: Vorspiel). Aber: Genau wie Yoga ist Sex viel mehr als körperliche Aktivität. Die anfangs erwähnten Daoisten schwören beispielsweise (ganz grob vereinfacht) auf bewusste Wahrnehmung und Energiefluss, emotionale Ausgeglichenheit, Körperhaltung und Ernährung. Das klingt doch sehr nach dem, was wir Yogis auf der Matte treiben.

It’s a kind of magic

Letzte Woche meinte meine Frau zu mir, sie sei jedes Mal froh, wenn ich zum Yoga ginge. Toll. Allerdings hat sie dann schnell relativiert und gesagt, sie freue sich, weil ich danach jedes Mal übertrieben gute Laune hätte. Das stimmt natürlich und das liegt nicht alleine an der netten Yogalehrerin oder dem körperlichen Workout, sondern an etwas, das in mir drin passiert. Mir persönlich fällt es schwer, zu beschreiben, was das genau ist, aber es ist dasselbe, was Menschen dazu bringt, beim Shavasana zu weinen oder in der Meditation Momente vollständiger Klarheit zu erleben. Theorie hin oder her: Wenn ich schlecht drauf bin, brauche ich Yoga oder Sex (oder Pizza). Denn ich kann auch beim besten Willen nicht erklären, was beim Orgasmus wirklich passiert, aber danach bin ich eben verschwitzt, erschöpft und glücklich. Wie nach einer Pizza.

Aber macht Yoga dich wirklich zu einem besseren Liebhaber?

Okay, die Parallelen sind geklärt, Yoga ist mindestens so gut wie Sex (oder Pizza). Aber jeder gute BWLer würde jetzt Fragen: Wo sind die Synergien? Es gibt einige, zu den offensichtlichsten wurde ja bereits von anderen alles gesagt. In den folgenden Fällen macht Yoga dich aber ebenfalls höchstwahrscheinlich zu einem herausragenden Lover:

Wenn du Zeit hast

Sting (der Rockstar) ist nicht nur überzeugter Jivamukti Yogi, sondern auch offener Fan von Tantra-Sex. Wer das nur aus RTL2 kennt, denkt wahrscheinlich, dass man sich dabei stundenlang auf dem Boden gegenübersitzt und vorstellt, man hätte Sex. In Wirklichkeit werden Körper und Geist in sexuellen Tantra-Ritualen zunächst auf sexuelle Erregung vorbereitet, zum Beispiel mit gemeinsamer Meditation, Massagen oder Atemübungen. In der traditionellen Tantra-Lehre kann das schon mal mehrere Tage dauern, ist also eher was für Geduldige. Die spirituelle Vereinigung beim Tantra nennt sich Maithuna, die zieht sich ebenfalls etwas in die Länge und soll dabei das sexuelle Bewusstsein erweitern. Herausforderung vor allem an uns Männer: Den (körperlichen) Höhepunkt möglichst lange herauszögern. Dafür gibt es im Tantra sogar eine Art Ninja-Move, den Druck auf den Jen-Mo-Punkt, der die Ejakulation unterdrückt. Aha. Tantra-Sex ist also wahrscheinlich   eher was für Fortgeschrittene Paare mit viel Zeit und ohne Kinder.

yoga und sex

Wenn du akrobatisch bist

Wir Yogis sind ja im Normalfall super flexibel und wenn dein/e Parter/in ebenfalls Yoga praktiziert, eröffnet das ganz neue Möglichkeiten. Das Kamasutra (vollständig „Vatsyayana Kamasutra“), die indische Lehre der Liebe bietet mehr als genug Möglichkeiten, frischen Wind ins Schlafzimmer zu bringen. Es entstand vor fast 2.000 Jahren und gilt als der Leitfaden für Erotik und Liebe. Mit seinen ausführlichen Beschreibungen von Positionen beim Geschlechtsverkehr ist es so etwas wie die „Bedienungsanleitung“ des Tantra. Allerdings muss man wissen, worauf man sich einlässt. Einige der Stellungen sind nur etwas für wirklich geübte Yogis und rufen bei „Amateuren“ wohl eher Verwirrung und Schmerzen als Höhepunkte der Lust hervor.

Wenn du einen Fetisch hast

Hast du dich schon mal gefragt, wie viele Typen zum Yoga gehen, um ihren Fetisch auszuleben? Wie inzwischen allgemein bekannt sein dürfte, gibt es ja fetischmäßig nichts, was es nicht gibt und im Yogastudio wird davon sicher so einiges bedient. Es gibt Leute, die stehen auf Yogahosen und/oder die Hinterteile darin. Es gibt natürlich Fußfetischisten, die es in einer ausgebuchten Klasse definitiv besser haben, als Leute, die Füße eher problematisch finden. Es gibt mittlerweile sogar Bondage-Yoga, wobei hier wenigstens von vorn herein klar ist, dass es was mit Sex zu tun hat. Und wenn du auf Schmerzen stehst, gehörst du sicher zu den Yoga-Schülern, die mit Wonne jede Dehnübung maßlos übertreiben. Nicht zu empfehlen, aber in der Praxis schon oft beobachtet.

Wenn du also aus deinem Fetisch einen Lifestyle machen willst, ist Yoga unter Umständen genau das Richtige für dich. Und wer weiß, vielleicht findest du ja beim Yoga eine/n Partner/in, der/die deine Leidenschaft teilt…

Wenn du Erektionsprobleme hast

Nein, hast du natürlich nicht. Aber mal angenommen, du hättest einen Freund und der hätte aus erster Ehe einen Schwager und dessen Arbeitskollege hätte Erektionsprobleme… Dann könnte Yoga ihm tatsächlich helfen, weil er dabei Mula Bandha trainiert, seinen Beckenboden. Für alle, die noch keine Yoga-Pros oder Schwangerschaftsyogis sind: Unter dem Beckenboden versteht man das untere Bindegewebe, das die Organe der Beckenhöhle zum After hin abgrenzt. Beim Yoga spielt der Beckenboden eine große Rolle, während der Praxis bleibt er im besten Falle dauerhaft angespannt. Wenn Frauen ihren Beckenboden trainieren, haben sie angeblich intensivere Orgasmen. Und auch uns Männern wird empfohlen, den Beckenboden in Form zu halten. Das hilft, um den Penis optimal zu durchbluten und wir alle wissen, dass man gar nicht genug Blut da unten haben kann.

Wenn du ein echter Yogi bist

Yoga macht dich natürlich am ehesten zu einem besseren Matratzenhelden, wenn du ein „echter“ Yogi bist. Dann bist du nicht nur physisch sondern auch mental stark genug, sexuell das nächste Level zu erreichen. Denn genau wie in der Yogaklasse ist dir auch beim Liebemachen egal, wie du dabei aussiehst. Dir ist egal, was die andere Person dabei von dir denkt. Egal, wie du riechst. Wie du schwitzt oder welche Geräusche du dabei machst. Ganz egal. Du bist mit Leidenschaft dabei. Mit Hingabe. Du bist offen für Neues und es ist absolut okay, wenn man dabei auch mal lachen oder weinen muss. Denn es geht nicht um Größe, Gewicht oder Geschwindigkeit. Es geht – ganz reduziert – um zwei Menschen, die ihrer Liebe körperlich Ausdruck geben. Es geht um dein Gegenüber und dich, um eure gemeinsames Glück. Und wenn du dir gegenüber ehrlich genug bist, das zu akzeptieren, bist du bestimmt ein hervorragender Liebhaber.

Übrigens: Alle oben genannten Spielarten der Yoga-Liebe sind meiner Meinung nach so etwas wie spannendes „Zubehör“ fürs Liebesleben. Ich finde, dass beim Sex alles erlaubt ist, was allen Beteiligten Freude bereitet und Ausprobieren macht auf jeden Fall Spaß.

Namaste,

dein Thomas

Fotos: Liza-Anneth Meinhof

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Ein Kommentar / Schreibe einen Kommentar

  1. nur ein kleiner Zusatz: ich denke dass es darum geht den Beckenboden elastisch zu halten, also gut zwischen An- und Entspannung wechseln zu können (so wie beim Orgasmus ;-).
    Männer haben zB tendenziell etwas zu viel Spannung, Frauen tendenziell etwas zu wenig.

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