#slowtravel: Wie und wo wir jetzt Urlaub machen

Während ich diesen Artikel schreibe, sitze ich zum ersten Mal in diesem Jahr in der Deutschen Bahn. Leider handelt es sich bei meinem Gefährt nicht um den Orient-Express und ich werde am Ende meiner Reise auch nicht in einem fremden Land voll exotischer Gerüche, leuchtender Farben und fremder Sprachen aussteigen. Bei meiner Fahrt handelt sich lediglich um einen schnöden Trip zu den Eltern. Hey, nichts gegen Zeit bei den Eltern, aber meine Ferien habe ich mir schon anders vorgestellt – eben in fernen Ländern, unter tropischer Hitze und mit abenteuerlichen Unternehmungen.

Das Corona-Virus hat meinen Urlaubsplänen einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht.

Während Uli kurz vor Corona noch länger Pause gemacht hat, ist mein langersehnter Urlaub direkt in die erste Woche des Lockdowns und damit ausgefallen. Und dennoch ist gerade jeder Ort besser als Berlin. 

Ich habe die Enge, die ich zunehmend empfand, nicht mehr länger ausgehalten. In den letzten Wochen habe ich zwar gelernt, wie man im Home Office ordentlich Feierabend macht – eigenes Profil für die Arbeit auf dem Computer, Kalender und Notizen in eine Schublade außerhalb des Sichtfelds, Feierabendspaziergang – habe meine Yogapraxis zuhause aufgebaut, mich durch die bunte Welt der Livestream Workouts geturnt und die obligatorische Grundreinigung vollzogen. Aber mir fällt zunehmend die Decke auf den Kopf und zuhause abzuschalten fällt mir schwer.

Ich bin urlaubsreif! Aber wie kann Urlaub und Verreisen in diesen Zeiten aussehen?

Ich sehe diesen Sommer inzwischen als eine Möglichkeit an, die lang ersehnte Langsamkeit zurück in unser Leben zu holen, und zwar auch durch die Art, wie wir reisen. Statt ins Flugzeug einzusteigen und einige Stunden später, schwups, an einem anderen Ort ausgespuckt zu werden, ist nun vielleicht der Weg das Ziel. Außerdem bietet uns dieser Sommer die Chance, unsere Region genauer zu erkunden, anstatt mit immer mehr Exotik auftrumpfen zu wollen. 

Ich habe mir Gedanken dazu gemacht, wie der diesjährige Sommerurlaub aussehen kann. Zwar öffnen die Grenzen der europäischen Nachbarländer nach und nach, dennoch habe ich mich bei meiner Recherche fast ausschließlich auf Deutschland beschränkt – man weiß ja nie. Natürlich erhebe ich mit diesem Artikel keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, er soll vielmehr dazu dienen, dir trotz Einschränkungen Inspirationen für einen magischen Sommer zu liefern.

Hier kommen meine slow and local travel Tipps für den Sommerurlaub 2020.

Life On Boat

Glücklicherweise habe ich zu meinem Geburtstag eine Bootstour geschenkt bekommen. Der Tag auf dem Boot verschaffte mir das dringend benötigte Freiheitsgefühl, das ich seit Corona vermisst habe! Entspannt auf dem Wasser herumdümpeln, die eigene Playlist spielen, jede Menge Leckereien schnabulieren und das ganz abseits von Menschenmengen – so schnell kann ein einziger Tag zu ganz viel Erholung führen. 

Viele Boote sind an den Wochenenden schon bis September ausgebucht – vielleicht kannst du dir ja unter der Woche einen Tag frei nehmen? Oder du machst es wie Uli und mietest direkt für mehrere Tage ein Hausboot. Die gibt es in verschiedenen Kategorien von Holzfloß bis Luxus-Ausstattung. Die Crew von Mit Vergnügen hat für Berlin und Brandenburg einen Guide zu den besten Hausbooten und Flößen erstellt. 

Wenn es günstiger sein soll, kann ich dir den Kauf eines Schlauchboots* ans Herz legen – ich liebe meines heiß und innig. In Berlin sind die Teile schon stadtweit bekannt und zahlreich auf dem Landwehrkanal vorhanden, aber sie machen sich bestimmt auch gut auf dem Rhein oder der Isar. In Berlin würde ich nur in Betracht ziehen, ob ich meine Füße auch wirklich in die Spree stecken will…

Apropos Füße im kühlen Nass: Die Wochenenden eignen sich jetzt besonders gut, um die Seen in der näheren Umgebung zu erkunden. Take Me To The Lakes haben wunderschöne Bücher sowie Online Guides über Seen und Ausflüge rund um Berlin, München, Hamburg, Leipzig und in NRW erstellt.

Auf Mit Vergnügen findest du eine Übersicht über die schönsten Strände für einen ausgiebigen Badeurlaub und auch das Hamburger Abendblatt hat die besten Ziele an Nord- und Ostsee vorgestellt, von Amrum und Büsüm bis hin zu Dangast. Eine super Gelegenheit, der Großstadt den Rücken zu kehren und Meeresluft zu schnuppern.

Outdoor action mit Fahrradtouren und Wanderrouten

Wenn du im Homeoffice zu viel Zeit im Sitzen verbracht hast und du dich nach Bewegung sehnst, kannst du innerhalb Deutschlands wunderbar wandern gehen, eine ausgiebige Fahrradtour machen oder campen. 

Da kommt das frisch gelaunchte slow travel Magazin Draussen Magazin gerade recht! Die Seite ist nicht nur toll designed, sondern präsentiert heimische Ziele in einem ganz anderen Licht. Wer hätte gedacht, dass Deutschland so märchenhaft aussehen kann? Auf dem Magazin werden ausschließlich Ausflugsziele und fancy Unterkünfte vorgestellt, die per Bus, Bahn oder Drahtesel erreichbar sind. Außerdem gibt es dort anregende Reisegeschichten und Interviews zu lesen, falls es dieses Wochenende noch nichts mit dem Urlaub wird. Bei Liebling Brandenburg finden Interior-Fans die schönsten Häuser und Wohnungen zum Urlaubmachen.

Für alle Berliner*innen und Brandenburg-Interessierten kann ich die Seite wecyclebrandenburg empfehlen. Dort kannst du verschiedene Strecken und Tagestouren auswählen, je nach Fitnesslevel. Gründerin Daniela Pensold stellt dir Touren zusammen, die viel Raum dafür lassen, die Natur, verwunschene Gebäude und die heimische Tierwelt zu erkunden, Fotos zu machen und die Seele baumeln zu lassen. Daniela kümmert sich sogar um die richtige Zugverbindung und den besten Picknickplatz. In Danis Tourenguide hat sie die schönsten Touren frei zum Download zur Verfügung gestellt. Los auf den Drahtesel und fahren, was das Zeug hält!

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© Andreas Büttner

Ansonsten hat Natours die besten Wander Apps herausgesucht. Die App komoot eignet sich in meinen Augen super zur Planung von Fahrradtouren und Wanderrouten. Die Handhabung ist um einiges easier, als sich mit den voreingestellten Karten-Apps auf dem Smartphone herumzuschlagen. Zielgenaue Sprachnavigation begleitet deine Routen, die du nach Untergrund, Fahrradtyp und Fitnesslevel aussuchen kannst. Auf Camping Info kannst du dann, passend dazu, eine Vielzahl an Campingplätzen in ganz Deutschland ausfindig machen. 

Vielleicht ist jetzt auch die Zeit, um surfen zu lernen? Dann könntest du zu unseren Freund*innen von Meermoment nach Sylt reisen. Zum Surfen muss man nämlich nicht an eine ferne Küste reisen. Sand zwischen den Zehen, Meer im Haar und eine fette Portion Yoga gibt’s auch in Deutschland. Klingt nach Traumurlaub ganz ohne Jetlag, oder? 

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Du brauchst endlich wieder Yoga?

Ich habe eine unglaubliche Sehnsucht nach dem Yogastudio und dem damit verbundenen, gemeinsamen Singen und dem Gemeinschaftsgefühl. Aber, ein Glück, Yogaretreats können wohl doch stattfinden! 

Victoria Larsson und ihr Swanmountain Yoga Kollektiv hosten in Italien ein Retreat. Dort kannst du von München aus ganz bequem mit der Bahn anreisen. Bei ihrem Let the sea set you free Retreat Ende September kannst du dein Telefon zuhause lassen und an der Amalfi Küste auf einem Biobauernhof mit Gleichgesinnten Yoga üben und meditieren – ganz brav mit Abstandsregeln und in kleiner Gruppe. 

Das Yoga-Hotel Kubatzki in St. Peter Ording hat zum Beispiel seit dem 18.05.2020 wieder geöffnet. Dort kannst du dir dein überarbeitetes Hirn vom Nordseewind durchpusten lassen und kreatives, undogmatisches Yoga üben. Fließende Sequenzen und länger gehaltene Asanas wechseln sich ab, immer ergänzt mit Pranayama- und Meditationseinheiten. Dort finden auch zahlreiche Retreats mit Gastlehrer*innen statt.

Bei unseren Freund*innen von Neue Wege Reisen, deren Mission umweltverträglicher Tourismus und nachhaltiges Reisen ist, gibt es Reisegutscheine im Rahmen der Stay Home & Travel Later Aktion zu kaufen, mit denen du den Anbieter unterstützen kannst und gleichzeitig sicherstellen kannst, dass dein geplanter Urlaub auch stattfindet. Außerdem kannst du regulär Yoga- und Ayurveda Urlaube innerhalb Deutschlands und Österreichs buchen.

Wenn du dich schonmal auf eine Auszeit im Winter freuen möchtest, haben wir aus der FLGH-Redaktion noch etwas für dich.

#slowtravel: Wie und wo wir jetzt Urlaub machen
Nonna Hof © Janine Sametzki

Uli hostet zusammen mit Karen wieder ihr Yin & Jivamukti Yoga Retreat  im Dezember in der Nähe von Berlin. Mit Sheila kannst du Ende November auf den wunderschönen Nonna Hof in Mecklenburg-Vorpommern kommen und dort neben ordentlich schweißtreibendem Power Vinyasa Yoga an Workshops zum Thema Selbstliebe und Beziehungen mit ihrer enger Freundin, der Psychologin Eva Ryschka teilnehmen. Community feeling, Raum um hinein zu spüren und gute Stimmung gibt’s oben drauf.

Ich finde es jetzt gar nicht mehr so schlecht, auf Fernflieger und Orient-Express zu verzichten.

Warum in die Ferne schweifen? Das Gute liegt so nah. Denn Sonne, Yoga und Freiheitsgefühl gibt’s glücklicherweise auch bei uns. 

Hallo, Langsamkeit! Schön, dass du da bist. 

Ich wünsche dir einen zauberhaften Sommer.

Deine Sheila

Titelbild © Jonas Kühne

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