Sarah Bachmair: “Wenn ich eines hasse, dann ist es Stillstand!“

Sarah Bachmair ist eine Granate. Als ich sie letzten Sommer zum ersten Mal persönlich traf, stand sie telefonierend auf der Straße. Bedrucktes Shirt, bunter Rock, die blonde Mähne wild nach oben gesteckt und ihre Hündin Lucy locker an der Leine. Als ich ihr ein Kompliment für ihren guten, farbenfrohen Style machte, antwortete sie ganz trocken: „Ja, ich trage nie schwarz. Schwarz ist keine spirituelle Farbe.“

Schwarz kommt Sarah Bachmair nicht in den Schrank, mit der Spiritualität meint sie es aber todernst.  

Sie schwört auf Basenbäder, verlässt ohne ihre Steine nicht das Haus und hat mehrere Astrologinnen, die sie zu persönlichen wie zu geschäftlichen Entscheidungen befragt.

Auf der anderen Seite ist Sarah eine knackige Businessfrau. Ihr Credo heißt nicht reden, sondern machen.

Mit ihren 33 Jahren hat sie bereits eine beachtliche Karriere hingelegt: In den USA hat sie als Retail Store Manager gelernt, wie Kund*innen funktionieren, hat als Head of Buying den E-Commerce bei Westwing aufgebaut und schließlich bei Ebay gemerkt, dass die Arbeit im Konzern sie nicht glücklich macht: “Ich war zu laut, zu schnell und zu edgy. Etwas anderes musste her, etwas, wo ich meine Kreativität mit dem Tempo, das ich aus der Startupwelt gewohnt war, verbinden konnte.”

Heute ist Sarah die Geschäftsführerin von soulzen.de, ihrem eigenen Onlineshop für Spiritualität und Design. Ein Job, in dem alles zusammenkommt, was ihr wichtig ist: Schönheit, Spiritualität, Bewegung und ständige Weiterentwicklung.

Nach unseren ersten Treffen stand für mich fest: Diese Frau will ich besser kennenlernen. Diese Kombi aus erfolgreicher Geschäftsfrau und supersanftem Eso findet man in der Szene selten. So hat Team FLGH Sarah zuhause besucht, Fragen gestellt und Antworten bekommen.

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Du sagst selbst, du bist sehr spirituell. Was heißt das für dich?  

Spirituell zu sein, bedeutet für mich, an etwas Größeres zu glauben. Manche Dinge geschehen zu lassen, anzunehmen, aber auch loszulassen.

Schöne Definition. Aber mit Produkten hat das erstmal wenig zu tun, oder?

Natürlich nicht, aber ich bin ein absoluter Schöngeist. Und ein bisschen faul. Wenn ich eine hübsche Yogamatte habe, benutze ich sie lieber. Sie bleibt in der Wohnung an ihrem Platz liegen, ich stolpere automatisch drüber und bleibe fünf Minuten.

Ähnlich ist es mit Edelsteinen – ich liebe sie schon immer. Mein Onkel ist Geologe und hat mir schon als Kind viel über Steine beigebracht. Für mich sind die Steine Begleiter, die ich dabei haben will. Wenn sie zudem schön sind, benutze ich sie öfter und sie unterstützen mich in meiner spirituellen Praxis. Sie erinnern mich daran, dass alles, was ich suche, schon da ist.

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Okay, das musst du uns erklären.

Ich habe an meinem Schreibtisch ganz viele verschiedene Steine liegen. Gerade ist der Moosachat wichtig für mich. Der fiel mir letztens bei einem Shooting in die Hände und ich wusste: Du bleibst jetzt bei mir. In wichtigen Meetings habe ich ihn in der Hand und spiele damit. Der Moosachat ist gut für das Herzchakra und hilft mir Entscheidungen vom richtigen Ort aus zu treffen.

Opal und Citrin trage ich gerade in Schmuckform, hier die Kette zum Beispiel. Wenn ich sie trage, fühle ich mich geschützt und in meiner Mitte.

Und dann sind da natürlich noch meine Götter: Durga, die Statue einer sehr kraftvollen Hindu-Göttin, steht in meiner Wohnung. Manchmal schauen wir uns so an und ich denke: Yeah, läuft bei uns.

Apropos kraftvolle Frau. In dir steckt ja neben dieser weichen Seite auch ordentlich Kraft. Das braucht man auch als Chefin…

Ich finde Chefin sein super. Denn einerseits kann ich alle Entscheidungen selbst treffen, aber ich kann auch nur auf mich selbst sauer sein. Klar, manchmal ärgere ich mich auch über andere, aber am Ende liegt der Fehler bei mir; wahrscheinlich habe ich meine Leute dann nicht gut genug gebrieft, war nicht geduldig oder schlau genug.

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Alles richtig zu machen ist auch anstrengend, oder?

Auf jeden Fall. In dieser Hinsicht habe ich noch einen weiten Weg vor mir. Ich komme aus einem sehr straighten Elternhaus, in dem gerne der Imperativ benutzt wurde. Diesen Ton habe ich selbst auch drauf und da muss man sich erstmal dran gewöhnen. Wenn ich zum Beispiel zack, zack sage, will ich zwar die Dringlichkeit einer Sache betonen, meine es aber überhaupt nicht böse.

Und natürlich, es ist viel Arbeit. Ich mache die Augen auf und denke an Soul Zen und ich mache die Augen zu und denke an Soul Zen. Aber dadurch, dass ich mich jeden Tag selbst verwirkliche, liebe ich es trotzdem.

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Wie schaffst du es, deine Akkus zwischendurch aufzuladen?

Mittlerweile habe ich meine Wege gefunden und weiß, wo ich Kraft schöpfen kann.

Samstags mache ich gar nichts, was mit meinen Job zu tun hat, beschäftige mich nur mit anderen Themen. Ich gehe regelmäßig zur Massage, gönne mir Privatstunden mit meiner Kundalini-Yogalehrerin und mindestens einmal die Woche habe ich einen Abend für mich.

Abends um 21 Uhr ist das Handy aus, ich lasse mir ein Basenbad ein und gehe früh schlafen. Mit meinem Hund bin ich täglich an der frischen Luft, das hilft auch den Kopf freizukriegen.

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Klingt, als würdest du wissen, wie du dich gut um dich selbst kümmerst.

Ja, das musste ich aber erst lernen. Mein Körper ist eine fiese Sau. Wenn es ihm zuviel ist, schaltet er einfach ab und nichts geht mehr: Er schläft nicht mehr, hat Magenschmerzen oder weist mich mit anderen Zipperlein auf mehr oder weniger freundliche Weise darauf hin, dass ich jetzt doch bitte mal Pause machen möge.

Früher war ich stinksauer auf meinen Körper, dass er nicht mitgemacht hat, aber mittlerweile bin ich sehr dankbar, dass er mir mit seiner Weisheit immer wieder den richtigen Weg weist.

Das ist wichtig. Besonders, wenn man so viel unterwegs ist wie du. Magst du das bewegte Leben?

Ja, wenn ich eines hasse, dann ist es Stillstand. Das Reisen mag ich. Persönlich – ich habe schon viel im Ausland gelebt – aber auch im Sinne der Qualitätskontrolle: Unsere Produkte kommen aus der ganzen Welt. In jeder Fabrik, in der wir produzieren, stand ich schon persönlich. Ich will wissen, wer unsere Produkte fertigt, wo sie herkommen und wie sie hergestellt werden.

Am Ende bin ich aber eine deutsche Kartoffel. Ich liebe unsere Grummeligkeit, die Genauigkeit, die Zuverlässigkeit und die Sicherheit, in der wir hier leben. Umso besser finde ich, dass andere Kulturen hier so präsent sind: Ayurvedische Ernährung zum Beispiel, schamanische Zeremonien oder Zen-Meditation im Schweigekloster – ich bin sehr dankbar, dass es das alles hier gibt.

„Von A bis Z, also von Ayahuasca bis Zen, gibt es alles in dieser Welt. Man muss einfach für sich herausfinden, was im Moment gerade das Richtige ist.” – Sarah Bachmair

Auf soulzen.de gibt es neben tollen Produkten deshalb jede Menge Guides, Tests und Hintergrundwissen über spirituelle Praktiken und Traditionen. 

Wie drückt sich deine Spiritualität in deiner Art Business zu machen aus?

Mir geht es nicht darum, viel zu verkaufen. Ich möchte Menschen mit unseren Produkten unterstützen, mehr bei sich anzukommen.

Bis heute beantworte ich Mails oder Anrufe von Kund*innen, die Rat suchen oft selbst. Letztens gab es eine Frau, die schwangerschaftsbedingt heftige Stimmungsschwankungen hatte. Ich riet ihr zu Bergkristall. Ein paar Wochen später meldete sie sich und sagte, ihre Kette würde ihr total helfen und es ginge ihr viel besser. Natürlich klingt das total woowoo, aber unser Gehirn, unsere Gedanken sind sehr kraftvoll. Wenn die Kristalle helfen, sie zu beruhigen, ist das doch toll. Ich glaube da wirklich dran.

Dann bist du nebenbei auch noch spirituelle Lehrerin?

Nein, soweit würde ich nicht gehen. Ich teile gerne, was mir geholfen hat und die Leute können für sich ausprobieren, was für sie funktioniert.

Ich glaube ganz simpel, wenn ich einmal am Tag, jemandem ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann, dann habe ich was richtig gemacht.

Ich möchte, dass die Menschen sich gut fühlen, dass sie zu sich selbst finden. Jeder ist so sehr damit beschäftigt, andere kennenzulernen. Ich sag immer: Schau doch erstmal bei dir selbst!

Wenn man weiß, was man will und was man nicht will, kann man Grenzen aufzeigen und gleichzeitig großzügig sein. Das führt zu innerer Zufriedenheit, Ruhe und einem glücklicheren Leben.

Würdest du sagen, du hast dein Calling gefunden?

Ja. Im Moment ja. Das kann sich aber immer ändern, wie gesagt, wenn ich eines hasse, dann ist es Stillstand.

In diesem Sinne: ein Hoch auf die Entwicklung, danke für das schöne Gespräch.

Das Interview führte Rebecca.
Fotos © Lydia Hersberger
Dieser Beitrag ist Bestandteil einer Werbekooperation zwischen Fuck Lucky Go Happy und  Soul Zen. Wir sind sehr dankbar, so spannende Partner im Boot zu haben und so FLGH für dich kostenlos zu halten.

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  1. Wow, das ist ein inspirierender Artikel. Danke!
    Besonders wie Sarah beschreibt, dass sie kleinere Wehwehchen (und vielleicht sogar auch kleine Misserfolge ;) immer als dezenten Hinweis annimmt, einen neuen, vielleicht anderen Weg zu suchen. Einfach dran zu bleiben. Nur eben anders. Dankeschön für den tollen Start in die Woche!
    Bunte Grüße, Anne

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