Sandra Winkens: „Yoga ist ein Instrument fürs Leben“

Ich erinnere mich tatsächlich noch an meine erste Begegnung mit Sandra Winkens. Auf der Weihnachtsfeier von yogafürdich, dem Yogastudio, indem ich übte und sie gerade frisch unterrichtete, stellte uns eine gemeinsame Freundin vor. Wir konnten uns gleich gut leiden und unterhielten uns über den damals gerade aufkommenden Trend, sich roh zu ernähren.

Raw Foodies wurden wir beide nicht, dafür aber gute Freundinnen. Außerdem halte ich Sandra für eine der besten Yogalehrerinnen Berlins. Ihre Klassen sind thematisch wahnsinnig gut konzipiert, setzen sich aus sinnvollen Sequenzen zusammen und fühlen sich energetisch toll an.

Seit Sandra auch online unterrichtet, schaffe ich es sogar wieder öfter, selbst bei ihr zu üben. Weil es immer wieder eine Wohltat ist, wollte ich es mal genauer wissen und habe sie mir zum Interview geschnappt.

Yoga, Ayurveda, Pranayama, Kundalini, Meditation, Thai Massage… Du kannst ja fast alles. Wie kam es dazu?

Ayurveda und Yoga sind für mich die Bausteine für ein glückliches Leben in Harmonie mit der Natur. Meine erste Yoga-Ausbildung habe ich 2009 bei Spirityoga gemacht. Innerhalb der Ausbildung hat sich herauskristallisiert, dass ich Yoga unbedingt als ganzheitliches Konzept weitergeben möchte. Eines das Körper, Geist und Seele gleichermaßen einbezieht.

Als ich hauptsächlich Asana übte, fühlte ich mich zwar besser, aber um die Sache abzurunden, fehlte etwas. Meine Praxis war mechanisch, ich wollte es richtig machen und fühlte keine liebevolle Verbindung zu mir.

Ein tieferer Frieden stellte sich erst ein, als ich entdeckte welch große Kraft im Atem liegt. Mein Geist ist sehr aktiv und entwickelt am laufenden Band neue Ideen. Der Atem holt mich immer wieder zurück in den Moment. Er bringt Klarheit, Liebe und Ruhe in mein Wesen.

Genauso wie Ayurveda. Ich kenne meine Konstitution. Mit Ritualen und der geeigneten Nahrung, sorge ich für Balance.

Kundalini Yoga ist ein spannendes Thema. Seit meiner allerersten Stunde bin ich zutiefst berührt von dieser Technik. Es ist sicher nicht für jeden ein Highlight, da die Wirkungen energetisch intensiv sein können.  Man trifft auf mentale Widerstände, wenn man beispielsweise für elf Minuten die Arme hochhalten muss und diese sich schwer wie Blei anfühlen. Diese Zeitspanne durchzuhalten und nicht aufzugeben stärkt nicht nur die Nerven, sondern die Person in ihrer Ganzheit. Ich liebe diese Praxis. Sie klärt mich auf tiefster Ebene und zeigt mir die Kraft, die in mir steckt.

Allerdings ist mir das System an manchen Stellen zu eng. Es erlaubt aus meiner Sicht zu wenig Raum für Individualität und Weiterentwicklung.

Die Thai Massage wollte ich lernen, weil sie eine schöne Ergänzung zum Yoga ist. Auch hier geht es um die Entfaltung von Prana und Heilung durch Berührung.

Was bedeutet Yoga für dich?

Es ist ein Instrument für das Leben. Yoga ist Stille, Verbindung, Hingabe und Liebe.

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Viele Yogalehrer sind in einer Methode zuhause. Hast du dir manchmal gewünscht, du wärst nicht so vielseitig interessiert?

Ja, oft sogar. Es verleiht eine gewisse Sicherheit. Ich denke, man gewinnt immer tiefere Erkenntnisse, wenn man einer Methode treu bleibt. Für mich funktionierte das bisher noch nicht. Mein Geist, hinterfragt gewisse Ansätze und ich habe das unstillbare Bedürfnis, Antworten zu finden.

Ich bin vielseitig interessiert und lasse mich gerne von Musik, Natur und den Menschen die mich umgeben inspirieren. Dadurch finde ich geeignete Themen für meine Klassen, Workshops und Reisen. Ich genieße die Freiheit, eigene Vorstellungen zu integrieren. Dazu muss ich sagen, dass ich schon wahnsinnig viel und intensiv Yoga geübt habe. Es braucht eine Zeit des intensiven Studiums, Disziplin und Hingabe an die Lehre. Wenn man eine solide Basis geschaffen hat, kann daraus eine wundervolle intuitive Arbeit entstehen.

Wie gelingt es dir all diese Einflüsse unter einen Hut zu bringen?

Das ergibt sich meist ganz gut, wobei ich nicht immer alles in eine Klasse packe, sondern spezielle Themen lieber bei unseren Urban Retreats unterrichte. Bei einem längeren Retreat hat man dafür noch mehr Zeit.

Bestimmte Elemente spielen eher im Einzelunterricht eine Rolle. Meine Klassen beginnen immer mit einer inneren Sammlung. Dazu nutze ich Pranayama, oder Stille. Anschließend wird der Körper mit leichten Dehnungen auf die Praxis vorbereitet, die sich in ihrer Intensität steigert. Mir ist wichtig, dass der Atem sich entfalten kann und die Teilnehmer sich wieder mehr spüren. Ich nehme bewusst das Tempo raus, reduziere meine Worte und setze manchmal Musik ein. Je schlichter umso besser, wir haben im Alltag schon so viel Input. Dann gehen wir fließend durch einige Sonnengrüße, die den Körper aufwärmen und das Herz-Kreislaufsystem aktivieren. Danach kommen stehende Haltungen, für Stabiltät und Selbstvertrauen. Je nachdem welchen Fokus ich für die Klasse setze, folgen darauf Rückbeugen, Vorwärtsbeugen, Umkehrhaltungen, oder Hüftöffner.

Wenn nach der Tiefenentspannung noch Zeit ist, leite ich eine Kundalini Meditation an. Die Leute lieben es zu singen, es hat etwas Befreiendes und schüttet Unmengen von Serotonin aus.

Wie würdest du deinen Stil in einem Satz beschreiben?

Ich unterrichte Asana, Pranayama und Meditation mit größtmöglicher Klarheit, sodass ein Raum der Selbsterfahrung für jeden Einzelnen entsteht.

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Du unterrichtest online, privat und in offenen Klassen. Außerdem gibst du viele Retreats und Workshops. Was bringt dir die größte Freude?

Mir macht alles gleich viel Spass. Was mir keine Freude bringt, lasse ich auch schnell wieder sein, dafür ist mir die Zeit zu kostbar. Die Retreats sind ein besonderes Highlight. Ich mag es mit Personen über einen längeren Zeitraum zu arbeiten. Die Menschen die mit auf unsere Retreats kommen, haben meist schon ein gewisses Vertrauen zu Nicole, mir, oder uns beiden, aufgebaut. Das ist sehr schön. Ich liebe es mehr über die Leute zu erfahren, die in meinen Unterricht kommen.

Stichwort Homepraxis: Wie sieht deine tägliche Praxis aus?

Ich habe keinen festgelegten Plan. Lieber entscheide ich spontan wonach mir ist. Wenn ich morgens viel Zeit habe, übe ich zuerst Asana und danach Pranayama, oder Meditation. Ich habe ein Repertoire von stehenden Haltungen, Hüftöffnern, Rückbeugen und Umkehrhaltungen, die mir besonders gut tun. Wenn die Zeit morgens knapp ist, übe ich eine buddhistische Meditation, oder ein kurzes Kundalini Set. Am Abend liebe ich es, den Tag mit einer wohltuenden Yin Position ausklingen zu lassen. Und tagsüber, wenn ich viel am Rechner sitze, lege ich zwischendurch die Beine an der Wand hoch. In Viparita Karani kommt alles zur Ruhe. Ich baue mir gerne kleine Inseln, so wie ich es brauche. Es soll Freude bereiten und nicht in Zwang ausarten.

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Was würdest du übungswilligen Yogis raten, die gerne mehr zuhause üben wollen?

Um eine gesunde Selbstdisziplin aufzubauen, plant man am besten eine feste Zeit ein. Zwischen Tür und Angel die Matte auszurollen, ist nicht sonderlich einladend. Der Platz an dem geübt wird, sollte schlicht, sauber und warm sein. Eine kleine Kerze erinnert daran, dass du übst, um deine Innenwelt zu erkunden und dein eigenes Licht raus in die Welt zu tragen.

Jede Yogaklasse hat einen energetischen Aufbau. In der Home Practice sollte man nicht wild alles durcheinander würfeln, was man jemals gelernt hat. Nach Möglichkeit lässt man sich ein Programm erstellen, das auf die jeweilige Konstitution abgestimmt ist. Das zahlt sich langfristig aus. Eine weitere Möglichkeit sind Online Yogastudios. Ich unterrichte zum Beispiel für Yogaia. Das Besondere ist, dass ich die Leute vor ihrem Bildschirm live sehen kann, wenn sie ihre Kamera einschalten. So entsteht ein direkter Kontakt und ich kann Hinweise zur Ausrichtung geben.

Danke Sandra, ich komme bald wieder vorbei. Live oder online!

Wenn du auch in den Genuss von Sandras Unterricht kommen möchtest, dann kannst du das von überall auf der Welt. Sandra unterrichtet nämlich online bei Yogaia. Mit dem Code FUCKLUCKYGOHAPPY kannst du alle Funktionen von yogaia sogar einen Monat lang kostenlos nutzen.

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Photos: Caroline Pitzke
Disclaimer: Der Beitrag ist in Kooperation mit Yogaia entstanden.

3 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Yoga ist einfach das Leben! Yoga ist das perfekte Instrument für uns, in einer Zeit, in der es nur noch heißt:
    Immer höher
    Immer Weiter
    Immer schneller
    Vielen dank für diesen ganzwunderbaren Artikel!

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