Pray For Paris: was jetzt dein wichtigster Job ist

Dieses Montagsmantra hat eine ganze Woche gebraucht, um zu reifen, denn ich habe darin die Terroranschläge in Paris verarbeitet, um dich heute mit meinen Learnings zu inspirieren. Kein leichtes Thema! Fassungslos von den Attentaten verbrachte ich mehrere Tage und fragte mich, welche Antwort ein spiritueller Lifestyle zur aktuellen Weltlage hat.

Wie soll Beten und Meditieren eigentlich die Welt retten?

Können wir mit einem erhöhten Bewusstsein tatsächlich zum Frieden in der Welt beitragen?

Und wenn ja, wie soll das funktionieren?

Die Antwort, die durch zwei Jugendliche Jungs und eine Kundalini-Yogastunde zu mir kam ist nur ein erster Schritt, aber ein entscheidender.

Warum du wichtig bist und was jetzt dein wichtigster Job ist.

Vergangene Woche lief ich am späten Abend eine dunkle Seitenstraße entlang. Vor mir liefen zwei pubertierende Jungs, die sich lautstark halb auf arabisch halb auf deutsch Sprüche hin und her warfen.

Als sie sich umdrehten und mein Gesicht im Lichte meines Smartphone-Displays hinter sich entdeckten, fragte der größere Junge seinen Pöbel-Kumpel „Ey, wollen wir der Frau das Handy abziehen?“

In diesem Moment checkte ich in sekundenschnelle in mich ein, wie diese Situation zu bewerten sei und antwortete wie aus der Pistole geschossen: „Nein, das würdet ihr nicht tun, ihr Lieben.“ Mein Gefühl war eindeutig – „Die wollen mir nur Angst machen“.

Leicht verdattert von meiner Furchtlosigkeit legte der andere nach.

Und wenn wir Isis Terroristen wären?

Sie rückten mir mit aufgestellten Schultern näher. Es stellte sich heraus, dass die Jungs in direkter Umgebung des Hauptbahnhofes wohnen und sich wegen aktueller Anschlagswarnungen sorgten. Mit diesem Wissen wirkte ihr Einschüchterungsversuch auf mich, wie der verzweifelte Akt ihre Angst zu verarbeiten.

Diese Situation verdeutlichte mir einmal mehr, was der Terror mit uns macht.

Auf der Suche nach Antworten auf die virale Verbreitung der Angst, beschloss ich, mich mehr über das politische Geschehen und die Hintergründe des Terrors zu belesen. An den folgenden Tagen konnte ich zusehen, wie mit jedem Artikel, jedem Bericht und jedem Interview meine eigene mentale Verfassung eine Abwärtsspirale entlang glitt.

Zu erkennen, dass wir uns zwar alle Frieden wünschen, doch niemand einen Weg dorthin sehen kann; dass es keine klare Lösung gibt, für die wir uns einsetzen können, dass „make love not war“ keine Bedienungsanleitung mitliefert, ließ mich in ein Gefühl von Ohnmacht und Sinnlosigkeit gleiten.

Ich fragte mich, was kann ich hier eigentlich ausrichten?

Die Antwort offenbarte sich in einer Kundalini-Yoga-Klasse. Yogi Bhajan, der diese Yoga-Technologie in der westlichen Welt verbreitete, prophezeite bereits in den 60er Jahren dass die Welt so stark aus dem Gleichgewicht geraten würde und die Polaritäten so stark werden würden, dass wir zu unserer jetzigen Zeit Tools brauchen würden, um in diesem Wahnsinn nicht selbst verrückt zu werden.

Als ich während der schweißtreibenden Kundalini-Übungen fühlte, wie sich meine angestauten Ängste und Hoffnungslosigkeit lösten und sich eine innere, meditative Kraft aufbaute, war mir klar:

Meditation und Beten allein wird die Welt nicht retten, aber es ist der erste Schritt!

Wenn wir selbst in der Schwingung der Angst verharren, sind wir der Welt keine Hilfe. Nur, wenn wir jederzeit aus einer tiefen inneren Klarheit heraus erkennen können, dass zum Beispiel der pubertierende Junge arabischer Herkunft kein Terrorist ist und wenn wir überall dort unsere Geschütze ablegen können, wo sie nicht gebraucht werden, haben wir eine Chance, die Angst zu überwinden.

Albert Einstein prägte die Formel

Probleme kann man niemals auf derselben Ebene lösen, auf der sie entstanden sind.

Und genau das ist der Lösungsansatz, den wir verfolgen, wenn wir beten und meditieren. Wir erheben uns über die Ebene des Hasses, auf der wir uns bekriegen und Grenzen schließen und machen uns bereit, die Lösung fernab unseres eigenen beschränkten Horizontes zu „empfangen“ und aus einer größeren Klarheit heraus zu handeln.

Ich glaube, dass wir überhaupt erst eine Chance haben, die Lösungen zu erkennen, wenn wir kollektiv unser Bewusstsein anheben.

Die New York Times Bestseller-Autorin Marianne Williamson schrieb nach den Anschlägen in Paris in ihrem Blog.

„This is not an operable cancer that we are dealing with; simply suppressing and eradicating symptoms will not be enough to heal the sickness. What we are dealing with is a cancer that has already metastasized, and we need an holistic, integrative approach to deal with it.

Think of yourself, in your own life, as an immune cell in the body of humanity. Every thought you think, every prayer you pray, every time you meditate, think of yourself as pouring forth into the body politic the medicine that will heal the world.“

Beten und Meditieren allein wird die Welt nicht retten, aber es ist der erste Schritt, um die Probleme von einer Ebene anzugehen, die das große Ganze erfasst.

Mein tiefer Wunsch für dieses Montagsmantra ist, dass wir anfangen uns selbst, wie Marianne Williamson es nennt, als Immunzelle der Menschlichkeit zu verstehen.

Dass wir unsere eigenen Ängste und inneren Konflikte heilen, dass wir den Krieg in unseren Herzen, in unseren Familien, Firmen und Co. heilen. Und dass wir aus dieser tiefen inneren Liebe, Kraft und Klarheit heraus allen Religionen, Hautfarben, Nationalitäten mit Offenheit begegnen können, dass wir politische Entscheidungen aus dem Blickwinkel des Großen Ganzen mitverfolgen und unsere Wahrheit sprechen, wenn sie gehört werden muss.

Die Kundalini-Mantra-Sängerin Jai Jaghdeesh schrieb kürzlich auf ihrem Facebook-Profil

„There’s a lot I don’t understand. I don’t understand why people kill each other in the name of God. I don’t understand why people kill each other, period. But since I can’t personally mediate the entire planet’s conflict resolution process, I promise to do my very very very best to be the change I wish to see. Everywhere I go. All the time.“

In diesem Sinne, lasst uns selbst die Veränderung sein, die wir uns wünschen. Nimm für diese Woche und für immer dein Montagsmantra zur Hilfe:

Ich selbst werde die Veränderung sein, die ich mir im Außen wünsche.

Von den beiden Jungs erhielt ich übrigens noch einen Heiratsantrag. Die Angst war verflogen und sie begleiteten mich noch ein ganzes Stück, um mich mit Fragen zu löchern. Als wir uns mit einem „High Five“ verabschiedeten, versprachen sie mir, keine religiösen Unterschiede bei der Wahl ihrer Freunde zu machen und verschwanden kurze Zeit später in ihrem Hauseingang.

Liebe für alle, Frieden für alle, Freiheit für alle.

Zränf-Klaue-pink

13 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Wow, was für ein schöner Artikel! Spricht mir vollkommen aus der Seele; hab einen ganz ähnlichen Beitrag zu dem Thema gemacht, ein Youtube Video mit dem ich vor allem junge Leute ansprechen will. Ich finds wunderschön wie du mit den Jungs umgegangen bist, wie schön zu sehen, dass „gelebte Spiritualität“ eben doch einen Unterschied macht… dass das was wir ausstrahlen Einfluss auf die Menschen um uns herum hat. Einen besseren Beweis dafür, dass wir damit etwas bewegen, hättest du ja gar nicht geben können. Bei jemand anderem hätten die zwei vielleicht anders gehandelt.. aus Angst, natürlich. Danke, Alles Liebe, Daniela.

  2. Liebe Franziska, das Montag Mantra ist immer ein schöner Start in die Woche, aber heute habe ich eine ganz wunderbare Botschaft verstanden und dafür sage ich Danke! Namaste und schöne Woche!

  3. Liebe Franziska,
    danke für deinen Artikel, beim Lesen hab ich immer wieder nur gedacht „yes!“.Was für eine tolle Begegnung mit den Jungs! Toll, wie du es geschafft hast, so angstfrei mit ihnen umzugehen.. Mit deinem Artikel, deiner Erfahrung und deinen Gedanken machst du sicher vielen Menschen Mut und stärkst ihre Liebe.

    Ich bin davon überzeugt, dass die Dinge im Aussen nur ein Spiegelbild unseres Inneren sind und insofern Meditation und die liebevolle Begegnung mit all unseren ungeliebten, terrorisierenden Anteilen pure Heilungsarbeit für die ganze Erde ist.

    Mit herzlichen Friedensgrüßen,
    Sarah

  4. Liebe Franziska,
    wunderschön – und ja, es geht darum unsere eigenen Schatten anzuschauen, nur so kann Heilung und Frieden für uns und unsere Erde geschehen. Friedensarbeit beginnt bei uns selbst.
    Dazu gehört nicht nur das Mitgefühl für die Opfer, sondern auch für die Täter! Denn nur wenn wir ihnen vergeben können, ihnen Mitgefühl und Liebe zusenden und nicht mit Hass und Wut reagieren, kann sich etwas verwandeln.
    Von Herzen,
    Susanne

  5. Liebe Franziska.
    Vielen Dank für Dein Montagsmantra. Es verdeutlicht mir so stark, dass wir alle Eins sind: In aufwühlenden Tagen wie diesen haben sich so viele mit den Themen „Frieden“ und „Liebe“ beschäftigt, auch wenn der Anstoß dafür Gewalt, Hass und Zerstörung war.

    Und ich kam zu dem Schluss, dass ich zuerst bei mir beginnen werde, um tief in mir, mit mir meinen Frieden zu suchen und ich wünsche mir, ihn zu finden, um ihn dann von ganz allein in die Welt tragen zu können.

    Alles Liebe,
    Bärbel

  6. Wow…liebe Franziska, du sprichst ein Thema an, dass uns alle bewegt, auf das viele momentan sehr emotional reagieren…mich mit eingeschlossen. Unsere Angst ist so groß. Und ich glaube, dass ist momentan das größte Dilemma. Aus dieser Angst entstehen Zweifel, Widersprüche und wir fangen an zu urteilen. Es ist schwer, dass große Ganze zu begreifen weil es bestimmt noch viel komplexer ist, als wir denken. Aber den Mut zu haben, auch aus der Angst heraus, Menschen offen zu begegnen, sie wertfrei anzunehmen, dass wünsche ich mir für mich und für uns alle.

  7. Liebe Franziska,

    Danke für ein mal wieder gelungenes Montagsmantra <3
    Dass es Frieden bringt, nicht nur anderen Religionen, sondern auch anderen Generationen mit Offenheit und Akzeptanz zu begegnen, hast du dir ja bei deinen 'zukünftigen Ehemännern' selbst bewiesen.
    Love and Peace is an inside Job!
    Liebe Grüße und Namasté
    Anja

  8. Liebe Franziska,
    Dein Montagsmantra hat mir soeben meine heute Frage ans Unsiversum beantwortet; bei mir selbst anfangen!
    Wir sind alle eins, wir müssen uns nur immer wieder daran erinnern. Danke dafür ???
    Namaste,
    Ramona

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