Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom: So findest du wirklich grüne Anbieter

[Werbung] Den letzten Freitag im November haben wir im Fuck Lucky Office unsere Winterstiefel geschnürt, uns in zahlreiche Schichten und dicke Jacken gehüllt, und haben uns auf den Weg zum vierten globalen Klimastreik am Brandenburger Tor gemacht. Natürlich waren wir am Ende ordentlich durchgefroren – hat ja auch niemand behauptet, es wäre einfach, die Welt zu retten. 

Trotz kritischer Gegenstimmen, die behaupteten, es sei unmöglich, an einem kalten Novembertag genügend Leute zu mobilisieren, gingen deutschlandweit wieder mehr als eine halbe Million Menschen für das Klima auf die Straße. Ob der Auftritt der Berliner Kultband Seeed seinen Teil dazu beigetragen hat? Das sei mal dahingestellt. So oder so hat jede*r Einzelne mit seiner*ihrer Anwesenheit dazu beigetragen, den Regierungen der Welt zu zeigen, dass es uns ernst ist mit dem Neustart Klima.

Ich glaube fest daran, dass wir als Einzelpersonen einen Unterschied machen können.

Ganz besonders auch damit, wie wir konsumieren. Während es mir in den Bereichen Lebensmittel und Kleidung total klar ist, dass wir möglichst grün, nachhaltig und transparent konsumieren sollten, gibt es andere Bereiche, über die ich mir bisher nur peripher Gedanken gemacht habe. 

Anders ausgedrückt habe ich das Thema Energieversorgung bisher erfolgreich ausgeblendet.

Es ist ja auch nicht gerade besonders sexy. Aber klar, auch das Licht, der Saft für den Duft-Diffuser und der Strom fürs abendliche Netflixschauen müssen irgendwo herkommen. 

Spätestens seit der Katastrophe in Fukushima 2011 ist Ökostrom massentauglich geworden.

Fast jeder Stromanbieter hat neben herkömmlichem Strom auch einen Ökotarif verfügbar. Und die unterscheiden sich preislich nicht einmal großartig voneinander. So bestellt man sich doch gerne ein grünes Gewissen. Ich habe jedenfalls vor Jahren kopf- und planlos irgendeinen Anbieter ausgewählt, der billig ist und wo grün draufsteht.

Aber wie öko ist Strom vom Discounter wirklich?

Der Witz an der Sache ist, dass der Begriff Ökostrom nicht gesetzlich geschützt ist und es keine eindeutige Definition gibt. Laut dem Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. reicht es für die Nutzung des Begriffs Ökostrom aus, wenn nur die Hälfte der Strommenge aus regenerativen Energien stammt. Die Hälfte!

Ökostrom hat aber nur dann einen Nutzen, wenn er konventionellen Strom vom Markt verdrängt, indem der Anbieter den Ausbau erneuerbarer Energien fördert. 

Und was ist, wenn mein Geld letztendlich doch an ein Unternehmen fließt, das auch Atom- und Kohlestrom verkauft?

Ich möchte meine Macht als Verbraucherin nutzen, und zwar für eine echte Energiewende! Deshalb habe ich mir trotz mangelnden Sexappeals ein Herz gefasst und mich mit dem Thema auseinandergesetzt, sodass du es nicht tun musst.

Ich habe mit Anna vom Ökostromanbieter Polarstern Energie darüber gesprochen, woran man echten Ökostrom erkennt, was genau ein Social Business macht und warum wechseln viel einfacher ist, als ich dachte. Einige Energiespartipps gibt’s obendrauf.

Anna, wer seid ihr?

Wir sind der etwas andere Energieversorger. Wirklich! Polarstern wurde im Frühjahr 2011 als Social Business gegründet. 

“Unser Ziel ist es, mit Energie die Welt zu verändern. Das ist nicht größenwahnsinnig, sondern höchste Zeit!”  – Anna Zipse

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom: So findest du wirklich grüne Anbieter + Energiespartipps 3
© Polarstern

Wir müssen uns nur anschauen, welche Bedeutung Energie für Gesellschaft, Wirtschaft und ganz konkret für unseren Alltag hat und dann ist klar: Ohne Energie läuft nichts! Aber Energie auf Kosten unserer Zukunft zu erzeugen, ist selbstzerstörerisch. Deshalb macht es auch aus eigenem Interesse einfach nur Sinn, auf Nachhaltigkeit zu achten. 

Und genau dafür entwickeln wir mit Polarstern ehrlich nachhaltige Angebote rund um die erneuerbare Energieversorgung. Doch das reicht nicht. Davon sind wir überzeugt. Die Wirtschaft an sich muss sich ändern. Alles andere ist nicht nachhaltig, sondern kurzsichtig. 

Woher kommt eure Energie?

Unser Strom kommt aus bayerischer Laufwasserkraft und unser Ökogas wird aus  organischen Abfällen hergestellt, genauer gesagt aus Zuckerrübenschnitzeln. Egal welchen Tarif oder welches Produkt man bei uns bezieht, wir machen keine halben Sachen. Wir setzen immer auf 100 Prozent erneuerbare Energien.

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Wasserkraftwerk Feldkirchen © Polarstern

Welchen konkreten Beitrag leistet ihr zu einer nachhaltigeren und grüneren Wirtschaft?

Für uns ist Nachhaltigkeit mehr als ein Produkt. Es ist eine Frage des Wirtschaftens. Als Social Business und Unternehmen der Gemeinwohl-Ökonomie fördern wir ein alternatives Wirtschaften. Eines, bei dem soziale und ökologische Ziele die gleiche Wertigkeit haben wie finanzielle Erfolgskennzahlen. Daran messen wir uns selbst und lassen es auch regelmäßig von unabhängigen Expert*innen bewerten.

Als Ökoenergieversorger investieren wir außerdem nicht nur in den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland und Europa, sondern auch in Entwicklungsländern. Wenn ein*e Kund*in zu Polarstern wechselt, bekommen auch Familien in Kambodscha und Mali Zugang zu sauberer Energie. Richtig wirkungsvoll ist die Energiewende erst, wenn sie weltweit greift. 

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom: So findest du wirklich grüne Anbieter + Energiespartipps 1
© Polarstern

“Das Klima kennt schließlich keine Grenzen.” – Anna Zipse 

Genauso wichtig ist es, neue Technologien wie Wärmepumpen, Elektroautos Photovoltaikanlagen zu fördern. Denn ohne Ökostrom sind auch diese Technologien am Ende dreckig statt grün.

Wäre es nicht am nachhaltigsten, keine Energie mehr zu verbrauchen?

Absolut, aber das ist schlichtweg nicht realistisch. Energie zu sparen, sie effizient zu nutzen ist der erste Schritt. Aber weil wir etwa durch neue, zusätzliche Anlagen und Geräte oftmals immer mehr Energie brauchen, ist der Wechsel zu echtem Ökostrom so wichtig.

Warum ist Öko-Energie besser als Standard-Strom?

85 Prozent der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland sind auf energiebedingte Emissionen zurückzuführen, sprich auf Energieerzeugung und Co. 

“Wer das Klima schützen will, der kommt um Ökostrom nicht herum.” – Anna Zipse

Und dass wir hier mehr tun müssen als bisher, das zeigen verschiedenste Studien. Erst kürzlich haben 11.000 Wissenschaftler weltweit in einer gemeinsamen Erklärung vor einem Klima-Notfall gewarnt, wenn wir nicht unser Verhalten ändern. Statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, fängt man am besten bei sich selbst an.

Menschen finden ja, dass Windräder die Landschaft verschandeln. Was sagst du dazu?

Für mich sind sie ein Ausdruck der Energiezukunft. Sie sind deutlich schöner als die Stellen des Kohleabbaus. Natürlich können Windräder stören, wenn man es übertreibt. Wir sind fester Überzeugung, dass wir die Energiewende nur mit einem Mix an Technologien schaffen, dazu gehören Wasser-, Wind- und Solarkraft genauso wie Biomasse.

Ist Ökostrom teuer? Und wenn ja, warum?

Ökostrom muss nicht teuer sein. Ökostrom von Polarstern ist beispielsweise fast immer günstiger als der Grundversorgertarif, den ein Großteil der Haushalte noch bezieht. 

Aufgrund der Investitionen in erneuerbare Energien und der Ansprüche an eine umweltfreundliche Energieerzeugung kann es aber auch logischerweise nicht der günstigste Strom sein. 

Was ist der Unterschied zwischen Discount-Ökoenergie und echter Ökoenergie?

“Gute Qualität zum Schnäppchenpreis? Das passt bei Energie genauso wenig zusammen wie bei der Mode oder bei Lebensmitteln.” – Anna Zipse

Wenn alles darauf ausgerichtet ist, günstigen Strom anzubieten, können strenge Qualitätskriterien nicht eingehalten werden. Zusätzliche Investitionen in erneuerbare Energien etwa werden nicht getätigt, sondern nur der Status Quo zementiert. 

Dass das nicht reicht, ist klar. Hochwertig zu produzieren bedeutet für uns, Ressourcen und Lieferanten zu nutzen, die nachhaltig sind – und auch selbst in die Zukunft zu investieren. 

Auch locken Discounter oft mit Paketangeboten oder Wechsel-Prämien. Das bezahlt man in der Regel durch längere Laufzeiten, erhöhte Preise nach dem ersten Jahr und lange Kündigungsfristen. Verschenken tun auch Discounter nichts, sonst wären sie schnell pleite. Als Verbraucher*in hat jede*r von uns eine große Macht: Unterstützt man das schnelle Geld oder die Zukunft?

Welche Zertifikate und Siegel sind vertrauenswürdig und sinnvoll?

Die strengsten Siegel sind das Grüner-Strom-Label und das ok-power-Siegel. Stromtarife, die damit ausgezeichnet sind, tragen über zusätzliche Investitionen zur Energiewende bei.

Gib uns ein paar Tipps. Wie erkenne ich “guten” Ökostrom?

  • Das Angebot sollte zusätzlich den Ausbau erneuerbarer Energien fördern. Dabei hilft die Orientierung am Grüner-Strom-Label oder am ok-power-Siegel.
  • Der Stromanbieter sollte ausschließlich Tarife aus erneuerbaren Energien anbieten, nicht auch konventionelle. Der Ökostromtarif soll schließlich kein Feigenblatt sein.
  • Der Anbieter sollte keine Vernetzung zu Atom- und Kohlekraftwerken aufweisen. Hier geht es darum, dass der Stromanbieter aufrichtig die Energiewende unterstützt und nicht hintenrum sein Geld doch mit fossiler Energie verdient.
  • Den Stromanbieter direkt anschauen. Welchen Eindruck macht er? Wie ehrlich, echt und nahbar ist er? Ist es ein anonymer Konzern oder sehe ich, wer dahintersteckt und was die machen?
  • Auf Kundenfreundlichkeit achten. Das hat jetzt nichts direkt mit der Ökostrom-Qualität direkt zu tun, wohl aber damit, wie fair und serviceorientiert der Anbieter ist.

Hinweis: Die ersten drei Kriterien prüft auch das Magazin ÖkoTest regelmäßig in seinem Ökostrom-Test, genau wie die Organisation Robin Wood. Um die letzten beiden Kriterien anzuschauen, reicht ein Blick auf die Webseite des Anbieters und auf Bewertungsportale wie eKomi oder die Google-Bewertungen!

Wie kann ich nun meinen Stromanbieter wechseln?

Ganz einfach online. Alles was du dazu brauchst, steht auf der Rechnung deines bisherigen Energieversorgers. Hast du sie nicht parat, kannst du die Infos auch nachreichen. Das Online-Wechsel-Formular ist in fünf Minuten ausgefüllt. 

Den ganzen restlichen Papierkram, wie die Abmeldung bei deinem bisherigen Versorger, übernimmt der neue. Ach und wichtig zu wissen: Deine Stromversorgung ist beim Wechsel jederzeit gesichert. Das ist sogar gesetzlich garantiert! 

Hast du noch ein paar allgemeine Energiespartipps für uns?

Da gibt es ehrlich gesagt eine ganze Menge. Wichtig ist vor allem, einfach mal anzufangen. 

Spartipp 1:

Bevor es daran geht, den Stromverbrauch zu senken, ist es hilfreich zu wissen, wo überhaupt die großen Stromsparpotenziale liegen. Oft verschätzt man sich da – geht vielleicht besonders sparsam mit Licht um, verprasst aber Strom beim Kühlen. Mit einem günstigen Messgerät für die Steckdose findest du schnell heraus, welche Haushaltsgeräte einen besonders hohen Stromverbrauch haben. Die kleinen Strommessgeräte gibt es schon ab ca. 10 Euro im Baumarkt. Stecke es einfach zwischen Steckdose und Stecker und es zeigt dir den Verbrauch des Geräts an. 

Auch mit Smart Metern lassen sich Stromsparpotenziale im Haushalt aufdecken – der Stromverbrauch lässt sich sekundengenau grafisch darstellen. Durchschnittlich konnten Haushalte nach der Installation eines Smart Meters ihren Stromverbrauch um ca. 15 % senken. 

Spartipp 2:

Ausschaltbare Steckdosenleisten werden in ihrem Stromsparpotenzial konsequent unterschätzt. Dabei ist es so einfach. Wenn beispielsweise der Computer nicht mehr benötigt wird, schaltest du mit der Steckerleiste Scanner, Drucker und Schreibtischlampe gleich mit aus. So senkst du in deinem Haushalt den Stromverbrauch ganz einfach. 

Spartipp 3:

Zieh Ladegeräte ab. Ladegeräte sind Strom-Vampire. An der Dose saugen sie immer Strom, auch wenn Smartphone, Tablet oder Laptop gar nicht angeschlossen sind. Ein Klassiker sind Ladegeräte von elektrischen Zahnbürsten. In vielen Haushalten werden sie nie von der Steckdose getrennt. In einem 4-Personen-Haushalt können schon 15 Euro Stromkosten im Jahr zusammenkommen. 

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom: So findest du wirklich grüne Anbieter + Energiespartipps 6
© Elena Bunk

Spartipp 4:

Zieh die Vorhänge zu. Wenn du den Rollo runterlässt oder die Vorhänge zuziehst, sparst du Wärme, die sonst über die Fenster nach draußen verloren geht. 

Danke Polarstern für die Tipps und das tolle Gespräch!

Ich bin nun etwas peinlich berührt, dass ich dachte, das Thema Ökoenergie aus purer Bequemlichkeit außen vor lassen zu können. Nach diesem Gespräch lege ich jedem Faulpelz ans Herz, einen Wechsel zu einem unabhängigen Ökostromanbieter zu vollziehen. Wenn du Polarstern für genauso sympathisch und unterstützenswert hältst wie ich, guck doch hier vorbei.

Ich mache mich jetzt ans Ausfüllen des Online-Formulars. Echt jetzt!

Alles Liebe

Deine Sheila

Titelbild © Elena Bunk 

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Polarstern entstanden. Wir sind dankbar, dass wir über die Arbeit mit ausgewählten Partnern, deren Produkte uns überzeugen, FLGH weiter betreiben und für dich kostenfrei halten können. 

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