#Montagsmantra: Ich stehe zu mir selbst

Findest du, dass du zu wenig Geld verdienst? Und hast du es deinem Chef oder Auftraggeber schon gesagt? Und wie viele Zusagen hast du für diese Woche schon getroffen, die du eigentlich gar nicht treffen wolltest? Hier der Freundin ein Ohr leihen, da den Business-Plan für einen guten Freund prüfen und am Wochenende zum Yoga-Workshop, weil du es zugesagt hast.

Das heutige #Montagsmantra soll dir helfen, mehr zu dir selbst zu stehen. 

Ich schätze, dass achtzig Prozent von uns nicht nach ihren eigenen Bedürfnissen handeln, sondern danach, was von anderen erwartet wird. Vom Chef, von den Freunden, von der Familie etc.

Wir Yogis sind besonders anfällig für dieses Verhaltensmuster:

Schließlich laufen wir mit einem besonders weit geöffnetem Herzen herum und haben das Wort Egoismus längst aus unserem Wortschatz gestrichen. Dazu gesellen sich weitere Werte wie Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit plus deine zig ganz persönlichen Werte.

Werte sind wichtig – keine Frage. Sie geben unserer Gesellschaft eine gemeinsame Handlungsbasis und jedem einzelnen Orientierung dafür, was gut, schlecht, richtig und falsch ist. Leider stehen sie aber oft im Konflikt mit unseren Bedürfnissen. Also fordern wir aus gelernter Zurückhaltung und Über-Geld-Spricht-Man-Nicht-Mentalität kein besseres Gehalt beim Chef aus obwohl wir finden, dass wir es wert sind. Und statt zur Yin-Yoga-Klasse zu gehen, die für unser Wohlbefinden so wichtig wäre, setzten wir uns hin und prüfen den Business-Plan.

Was ist wichtiger? Werte oder Bedürfnisse?

In den letzten Wochen hat das Leben mich diesbezüglich auf eine harte Probe gestellt.

Am 26. Januar fliege ich für sechs Wochen nach Indien, um eine Yogalehrer-Ausbildung zu machen. Die Reisevorbereitungen erwiesen sich wesentlich zeitintensiver, als ich dachte. Impfen, Visum beantragen, Wohnung untervermieten, Lehrbücher bestellen, Flüge und Hotels buchen und noch tausend andere Dinge, die es zu tun gibt.

Parallel sagte ich einen journalistischen Auftrag zu, den ich spannend fand. Nun kamen mehrere Dinge zusammen: Nachdem ich mehr Informationen zum Auftrag gesammelt hatte, war er für mich nicht mehr so attraktiv. Gleichzeitig wurde die Zeit ihn zu erfüllen, immer knapper. Mein Bauchgefühl kratzte verzweifelt und im wahrsten Sinne an meiner Magenwand und schrie: tu es nicht! Mein Kopf antwortete: „Es gibt kein zurück. Absagen ist unzuverlässig und damit ein No-Go“. Dann mischte sich noch meine Angst ein und sagte: „Der Kunde wird dir böse sein und dich nicht weiterempfehlen, solltest du doch absagen. Damit verbrennst du dir gute Kontakte“. Jetzt hatte ich die Wahl:

Entweder ich handele nach meinen Werten (und meiner Angst!) oder ich stehe zu mir und sage ab.

Eine Magen-Darm-Grippe entschied, dass ich zu mir stehen muss und jetzt gut für mich sorgen muss, damit Indien nicht ins Wasser fällt.

Ich rief den Kunden an, war ganz ehrlich und erklärte meine Situation: Indien, meine Krankheit und, dass ich mir den Auftrag eingangs anders vorstellte und dem Auftraggeber nicht das geben kann, was er sich wünscht. Er dankte mir für meine Ehrlichkeit, zeigte vollstes Verständnis, ich empfahl ihn an eine Kollegin weiter und alles war gut. So einfach! Seitdem begleitet mich das Mantra:

Ich stehe zu mir selbst, komme was wolle.

Und prompt spielte mir das Leben weitere Proben zu: Das nächste verlockende Jobangebot kam. Statt es anzunehmen und mir die Nächte um die Ohren zu schlagen, rief ich an, bekundete wie gerne ich den Job machen würde und ob es irgendeine Möglichkeit gäbe, bis Mitte März zu warten. Und siehe da: Der Auftraggeber kann und möchte warten, weil er das Projekt bevorzugt mit mir angehen möchte.

Mein Learning:

Wenn ich zu mir selbst stehe, erfahre ich viel mehr Wertschätzung und weniger Konflikte, als wenn ich das tue, was sich gehört. In allen Situationen, in denen ich Entscheidungen treffen muss oder nicht weiß, was ich machen oder sagen soll, spule ich mein Mantra im Kopf ab: Ich stehe zu mir selbst, komme, was wolle.

Der Clou an der Sache: Werte und Bedürfnisse müssen keine Entweder-Oder-Entscheidung sein, sondern du kannst die Treue zu dir selbst einfach zu deinem höchsten Wert erklären. Andere Werte wie Ehrlichkeit leiten sich daraus automatisch ab. Aber eben auch, dass es okay ist dem Freund abzusagen oder mit dem Chef über Geld und Wertschätzung zu sprechen.

Probiere es diese Woche mal aus und berichte in den Kommentaren, wie es dir damit geht. Ich freue mich drauf!

In allen Situationen, in denen du nicht weißt, was du sagen sollst oder wie du handeln sollst, sag dir:

Ich stehe zu mir selbst, komme, was wolle.

Shine bright,

Deine Franziska

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12 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Ach toll! Sehr tregfend und schön geschrieben und auf den Punkt gebracht. In jüngeren Jahren liebte ich Es, nach Lustempfinden spontan zu entscheiden. Mit mehr Verantwortung und reifender Strukturierung von mir und meinem Umfeld, nun doch auch schonmal in der Bredouille, Dinge vorschnell verabredet und geplant zu haben, wo kurzfristig Widerstände auftreten. Ich wäge dann immer nochmal ab, ob es wer verzeihen würde, wenn ich’s im letzten Moment negiere. Das klappt relativ gut.
    …oder mein Körper entscheidet. :-D
    Eine lange vor mich her geschobene, weil mittlerweile unwichtig gewordene Fortbildung stand letztes Wochenende an. Hinzu kamen die schönsten Alternativ-meeting-Angebote. Ich wollte aber endlich diese leidige Fobi abhaken,weil bezahlt. Resultat Virusinfekt. ;-)

  2. Hallo Franziska,

    wie wahr das doch ist!
    Gerade heute morgen ist es wieder passiert: mein Nachbar bat mich um einen Gefallen.
    Und ich konnte wieder nicht „nein“ sagen.
    Obwohl ich weder den Nachbarn noch den Gefallen wirklich mochte.

    Habe mich hinterher geärgert – nach einer Weile aber innerlich zum Nachbarn gesagt:
    Danke, ich habe ´was gelernt!

    Dir viel Freude in Indien – Sabine

  3. Hi Franziska,

    voll ins Schwarze getroffen. Eine gute und in dieser Welt so notwendige Entscheidung, zu sich selbst zu stehen.
    Ich lerne das irgendwie auch gerade noch alles und finde es wahnsinnig befreiend und zufriedenstellend, wenn ich wirklich meinem Gefühl folge und ganz ehrlich zu mir und meinen Entscheidungen stehe.
    Das ist am Anfang nicht immer ganz leicht gewesen, aber immer richtig.

    Alles Liebe, Sabrina

  4. Wenn ihr wüsstet, wie sehr ihr mir seit 8-9 monaten weiterhelft…. =)
    therapie, yoga und eure (unbewusste) unterstützung haben mich endlich glücklicher gemacht.
    auch wenns oft schwierig ist und etwas mut kostet, aber man selbst zu sein ist schon ein tolles gefühl ;) es baut auf und bestätigt, das richtige getan zu haben.

    DANKE <3

  5. Wie wahr!
    Ich habe mir interessanterweise unabhängig davon (kam gerade erst dazu, es zu lesen) für diese Woche dasselbe vorgenommen „Achte auf Dich und sei Dir selbst am Wichtigsten!“
    Das ist doch ein Zeichen :0)))
    Ich werde es mir auch definitiv als Foto aufhängen!

    1. Yes! Das ist doch ein perfekter Start in die Woche. Ich habe mir heute morgen auch einfach mal zwei stunden mehr für mich gegönnt und erst am Mittag angefangen zu arbeiten. Alles Liebe, Franziska

  6. Danke für den schönen Artikel!
    Der innere Druck es allen Recht zu machen, hindert mich öfter daran ich selbst zu sein. Ich werde mir das Mantra sehr zu Herzen nehmen!
    LG und eine schöne Woche!
    Tina

    1. Liebe Tina,

      das kenne ich nur zu gut! Und solange wir allen gefallen wollen, erreichen wir immer das Gegenteil. Go for it! Shine bright, Franziska

  7. Vielen Dank für diesen wunderbaren und wahren Artikel. Ich selbst tappe immer wieder in die „Allen-gefallen-wollen“-Falle und stelle dabei fest, dass ich es schlussendlich allen ausser mir selbst recht mache. Das Bild werde ich mir auf jeden Fall ausdrucken und gross aufhängen.

    Liebe Grüsse
    Ariana

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