Monatsmantra Januar 2021: So findest du mehr Klarheit fürs neue Jahr

“Was nehmen wir denn als Monatsmantra für Januar?” – Schweigen in der Redaktionssitzung. Puh. Also, der Einstieg in ein neues Jahr, der muss schon richtig gut werden. Und möglichst viele Menschen ansprechen. Und positiv stimmen. Und das alles nach diesem absurden Jahr, dessen Ereignisse wirklich auf keine Kuhhaut gehen!

Erstmal: Frohes Neues! 

Wir wünschen dir von Herzen, dass es wieder bergauf geht, falls es dir gerade nicht so gut geht. Dass du trotz aller Herausforderungen im neuen Jahr kreativ sein, dich entfalten und weiterentwickeln kannst. Dass dir deine (Yoga-)Praxis weiter durch diese Zeit hilft. Dass wir uns mal wieder bei einer Veranstaltung sehen und umarmen können. Und vor allem natürlich: Gesundheit!

Aber zurück zum Monatsmantra für den Januar.

Nach einer kurzen Diskussion mit Brainstorming in der Redaktion ist es entschieden und Julia, die gerade mit einer Gruppe Freundinnen einen Visionsprozess für ihr neues Jahr durchläuft, gibt mir, Sheila und sich selbst die Aufgabe, einfach mal auf zwei Fragen zu antworten und zu gucken was passiert. Unsere Antworten fallen natürlich unterschiedlich aus und jede von uns hat einen anderen Schwerpunkt gelegt.

Und weil gerade für uns alle so ein wichtiger Neustart stattfindet, ist dieses Monatsmantra ein wenig anders als sonst. Ich (Ulrike) leite dich, statt dir nur meine Geschichte zu erzählen, durch den Prozess, wie du für dich selbst einen Satz, eine Intention, ein Mantra für den Januar oder fürs ganze neue Jahr finden kannst. Julia und Sheila teilen auch noch ihre Gedanken mit dir.

Erstelle dein eigenes Monatsmantra!

Das ist ganz einfach. Alles, was du brauchst, sind Stift, Papier und ein wenig Zeit. Wenn du derartige Übungen kennst, leg einfach los. Wenn nicht: Einmal ist immer das erste Mal! Falls du dich anfangs schwer tust, bleib einen Moment dran, beurteile nicht, was herauskommt, und ich bin sicher, es wird fließen.

Disclaimer: Manche Artikelserien, u.a. auch dieses Monatsmantra von Ulrike, Sheila und Julia liegen hinter einer sogenannten Paywall. Wieso das so ist, erfährst du hier.

Schritt 1: Brainstorm

Beantworte die folgenden zwei Fragen schriftlich und schreibe ALLES auf, was kommt. Es könnte Kauderwelsch sein. Es könnte dich überraschen. Es könnte sein, dass du erst mit total materiellen oder scheinbar banalen Sachen beginnst, weil dir sonst nichts einfällt. Das ist völlig ok und sogar gut, um tiefer vorzudringen!

Schreibe so lange, bis alles geschrieben ist, was dir einfällt. Es könnten drei Sachen sein, oder 100. Ich habe zum Beispiel gar nicht so viel aufgeschrieben, wie ich vermutet hätte.

Frage 1: Was (aus dem letzten Jahr) möchtest du mit ins neue Jahr nehmen?

Hier die Stichworte, die ich notiert habe (du musst sie nicht lesen, wenn du Bedenken hast, davon beeinflusst zu werden): Bruno, FLGH, Peace Yoga, The Leap, Aktivismus, mich mehr in der Öffentlichkeit trauen, Yogapraxis, Marlene, Edwina, Optimismus, Kontakt zu meiner Familie, Retreats, Zeit für Freund*innen, Marie Kondo Methode, Erinnerungen an Nicaragua, Bücher, Leidenschaft für das was ich tue, Klarheit, Kreativität

Frage 2: Was (aus dem letzten Jahr) möchtest du los- und hinter dir lassen?

Meine Stichworte: Unaufgeräumtheit, Vergesslichkeit, Gegenstände die ich nicht brauche, alte Wohnung, Stress, mir selbst Stress machen, Druck, mich vergleichen, nicht genug sein, nicht alles schaffen und darunter leiden, schlechtes Gewissen, Overthinking, Kopfchaos, zu viele Baustellen auf einmal, immer zu allem ja sagen, zu viel Zeit am Computer/Handy, Perfektionismus, nie nicht an Arbeit denken, Überforderung mit den einfachsten Dingen, getrieben fühlen

Schritt 2: Schau dir an, was du aufgeschrieben hast.

Wie fühlt es sich an, das alles da zu lesen? Wenn du deine “Mitnehm-Liste” liest, wie geht es dir damit? Freust du dich darauf, diese Dinge 2021 weiter dabei zu haben? Wie fühlt sich die Vorstellung an, alles, was auf der “Loslass-Liste” steht, wirklich hinter dir zu lassen? Welche Themen kristallisieren sich (vielleicht gleich auf den ersten Blick) heraus?

Schritt 3: Sortiere.

Wenn sich nichts direkt herauskristallisiert, schau dir die Listen nochmal an: Kannst du die einzelnen Punkte vielleicht in Gruppen mit einem Oberthema stecken? Bei mir beispielsweise:

Gruppe 1: Materielles & Wohnung. Darunter fallen Punkte aus beiden Listen: Marie Kondo Methode, Gegenstände die ich nicht mehr brauche, alte Wohnung. Sie hängen zusammen und lassen sich in den Wunsch umformulieren, dass ich gerne umziehen und mich nur noch mit Dingen umgeben möchte, die mir Freude machen. Mein Partner Bruno und ich finden hoffentlich bald eine neue Wohnung (Wo wir grade dabei sind: Suche drei Zimmer in Kreuzberg oder Schöneberg – falls du was hörst…).

Gruppe 2: Klarheit, Arbeit und Zeitmanagement. Ich erkenne aus meinen Listen, dass das was ich tue und die Menschen/Organisationen, mit denen ich arbeite, total mein Ding sind. Womit ich Schwierigkeiten habe, ist das Jonglieren meiner vielen Projekte, das Getriebensein, das Chaos im Kopf, der Druck, den ich mir zu 100% selbst mache. Es wird klar: Ich wünsche mir, in Zukunft meine Arbeit genauso gewissenhaft und gut zu machen, aber mir meine Zeit besser einzuteilen und auch wirklich off zu sein, wenn ich off bin. Etwas, das mir 2020, unter der coronabedingt ständigen, wenn auch subtilen Existenzangst besonders schwer fiel.

Dies könntest du weiter führen, bis du alle deine Stichworte einsortiert hast. Musst du aber auch nicht. Bei mir wurde gleich klar, dass die zweite Gruppe mir am allerwichtigsten ist, weil dort auch die größten Belastungen liegen. 

Schritt 4: Suhle dich in dem Thema

Wie ein kleines Neujahrs-Glücksschweinchen im Matsch! Vielleicht brauchst du ein wenig Zeit, damit sich die Themen setzen. Es könnte sein, dass sich etwas ganz anderes gezeigt hat, als du dachtest. Darüber muss man erstmal nachdenken.

Schritt 5: Finde dein Monatsmantra

Wenn du dir dein Thema anschaust, welches positiv konnotierte Wort gefällt dir besonders gut? Baue es auf jeden Fall in deinen Satz mit ein. Versuche, gar nicht unbedingt zu formulieren, was du nicht mehr haben möchtest. Hierfür darf man sich ausnahmsweise wirklich nur auf das Positive besinnen. 

Mein Lieblingswort war: Klarheit. 

Ich denke ein wenig darüber nach, in welchem Zusammenhang ich schon Klarheit habe und wo ich noch mehr brauche. Ich habe sehr große Klarheit darüber, wer in meinem Leben sein soll und was ich den lieben langen Tag machen möchte. Mein Vorgehen ist nur manchmal ein wenig schlangenlinienartig und in mir drin durcheinander (auch wenn man das nicht unbedingt merkt). Deshalb lautet mein Monatsmantra:

Ich nehme mir Zeit, um Klarheit zu finden. Ich darf mir Ruhe gönnen.

Wenn es dir gefällt, nimm es dir gern! Oder schreib dein eigenes. Oder du guckst vorher nochmal, was bei Sheila und Julia herauskam…

Sheila: Als ich anfangs über den Fragen brütete, überkam mich das Gefühl, nicht diese eine, mega eye opening Lehre aus diesem Jahr ziehen zu können.

Sondern es fühlte sich eher danach an, als haben die weltweite Pandemie und das vermaledeite 2020 meine persönliche Entwicklung gehemmt. 

Zum Beispiel habe ich endlich die Yoga-Ausbildung gemacht, von der ich seit vielen Jahren träume, doch nun kann ich ja gar nicht unterrichten, weiter lernen und wachsen. Ich konnte kaum neue Freundschaften knüpfen, vielmehr fühlte sich so an, als müsste man aussieben und Freundschaften kategorisieren: Die Corona-Buddies und die, auf die man jetzt wohl verzichten könne. Das war eine der größten Schwierigkeiten für mich in diesem Jahr und eine Frage, die ich gut und gerne in 2020 lasse! 

Meine Aufgaben in diesem Jahr waren, mich in Flexibilität und Geduld zu üben, bewusst Grenzen gegenüber meinen Mitmenschen zu ziehen und mir aktiv die Hilfe zu suchen, die ich brauche – diese neuen Fähigkeiten möchte ich gerne mit ins neue Jahr nehmen.

Je länger ich mich mit den Fragen beschäftigt habe, umso mehr habe ich realisiert, dass  natürlich inneres Wachstum passiert ist. Und sei es nur, zu verstehen, dass man wirklich absolut nichts im Leben planen kann (oder wer hat diese Pandemie vorhergesehen?!). Ich bin stolz auf mich, dass ich trotz der Umstände an meiner täglichen Yogapraxis und Morgenroutine dran geblieben bin. Ich lerne zum ersten Mal in meinem Leben, Gefallen an Sanftheit, Weichheit und Langsamkeit zu finden, in meiner Praxis, aber auch in meinem Alltag.

Meine übergeordneten Themen, die sich mithilfe der Fragen herauskristallisiert haben, sind Begegnung vs. Abgrenzung, Individualität vs Gemeinschaft, Produktivität und Selbstwert. Hoffentlich kann ich mir im neuen Jahr noch besser Zeit für mich einräumen, ohne dabei zwanghaft produktiv sein zu müssen oder jede freie Minute in den Erhalt meiner Freundschaften zu stecken. Ich will Vertrauen in das Bestehen meiner Freundschaften üben, auch wenn man sich nicht regelmäßig sieht. Und für 2021 wünsche ich mir mehr Weichheit in allen Belangen und eine große Portion Leichtigkeit. Deshalb lautet mein 2-in-1- Monatsmantra:

Ich ziehe liebevoll und dennoch klar Grenzen in meinen Beziehungen. Ich muss nichts leisten, um wertvoll zu sein.

Julia: Bevor ich mich bewusst mit 2020 auseinandergesetzt hatte, meinte ich, dass es ja gar nicht so viel Neues gebracht hätte. 

Je länger ich jedoch vor meinem Blatt sitze und einfach schreibe, was mir in den Sinn kommt, zeigt sich: Das einzige Beständige ist – trommelwirbel – die Unbeständigkeit und auch bei mir hat sich Einiges gewandelt und Neues etabliert.

Fangen wir einfach mal damit an, dass ich diese Zeilen hier überhaupt schreiben darf. Ich habe mein Ziel erreicht und gehe nun einem Job nach, hinter dem ich stehe, der mir Spaß macht, nie langweilig wird und für den ich auch noch bezahlt werde. Den nehm ich natürlich mit!

Bei einem weiteren Blick auf meine Liste entdecke ich Einiges, was sich unter “persönlicher Weiterentwicklung und -bildung” fassen lässt: die Themen Radical Honesty, EFT, Retreats, Meditation, Feminismus, Rassismus, Nachhaltigkeit. In diesem Jahr habe ich mir so viele unterschiedliche Meinungen wie noch nie zuvor durchgelesen, angehört und zugehört. Ich bin sogar  in eine Corona-Verleugner*innen-Gruppe bei Telegram eingetreten, um zu sehen, was sie bewegt.

Dabei konnte ich mein Kern-Ich näher kennenlernen und mit den Ansprüchen der Gesellschaft vergleichen. Was will ich wirklich und was trägt die Gesellschaft an mich heran, da ich in der Rolle als Frau agiere? Setze ich mich durch oder gebe ich nach? Solche Erwartungen und Rollenverständnisse können sich in Druck umwandeln.

Und genau diesen Druck – und außerdem noch die Telegram-Gruppe – lasse ich jetzt hinter mir. Den Druck, immer perfekt nachhaltig zu leben und ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn es mal nicht klappt. Den Druck, wissen zu müssen, ob ich mal Kinder haben möchte. Den Druck, immer gute Laune zu haben. Den Druck, andere Bedürfnisse immer über meine eigenen zu stellen. Den Druck, in gesellschaftliche Normen zu passen.

Von diesem Druck möchte ich nicht nur mich selbst befreien, sondern auch mein Umfeld. Ich habe gemerkt, dass ich teilweise rasend wurde, wenn sich meine Familie nicht sofort zu Veganismus bekehren ließ oder ihnen zwei Sätze nicht genügten, um meinen feministischen Standpunkt nachvollziehen zu können. Ich rannte gegen eine Mauer und mir wurde klar: Druck verhärtet im Zweifel nur die Fronten und bringt mehr Schaden als Nutzen. Für 2021 wünsche ich mir von mir selbst für mich und mein Umfeld: mehr leben und leben lassen. Mein Mantra lautet daher: 

Ich nehme mich und mein Umfeld mit liebevoller Gelassenheit. 

Einige unserer Themen überschneiden sich. Andere nicht.

Klar, schließlich setzt sich unsere Erfahrung immer aus dem des Kollektivs und dem des Individuums zusammen. Vielleicht hat es bei dir geklingelt, als du eins unserer drei Mantras gelesen hast. Dann nimm es dir einfach für dich! Vielleicht hast du aber auch so richtig Lust bekommen, jetzt selbst loszulegen. Wir wünschen dir damit viel Spaß!

Wie lautet das Monatsmantra, das du für dich formuliert hast? Ich will es unbedingt lesen, teile es in den comments!

Titelbild © Julia Kicova via Unsplash

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4 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Herzlichen Dank für den tollen Artikel. Ich habe tatsächlich richtig Lust bekommen gleich im Januar mit meinem eigenen Monatsmantra zu starten und es hoffentlich bis Jahresende (oder noch länger) beizubehalten.
    Viele Grüße

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