Mittsommer: Ein Ritual für die kürzeste Nacht des Jahres

Mittsommer: der längste Tag des Jahres und damit gleichzeitig die kürzeste Nacht. Dies ist der Moment, indem traditionell die Fülle des Lebens und das Licht gefeiert wird, bevor ab August die Ernte eingeholt wird und die dunkle Jahreszeit anbricht. Mittsommer findet am 21. Juni statt und wird in fast allen Kulturen der gemäßigten Breiten seit undenklichen Zeiten als besonderes Fest gefeiert. Viele alte Kultstätten sind nach dem Sonnenstand dieses Tages ausgerichtet, so auch die Felsengrotte auf dem Gipfel der Externsteine, einem der kraftvollsten Plätze in Europa.

Der Tod des Sonnengottes

Bei den Kelten war die Sommersonnenwende mit dem Schicksal Baldurs, des strahlenden Sonnengottes, verknüpft. Wie die Sonne stirbt auch er in der höchsten Blüte seines Lebens und wird zur Wintersonnenwende wiedergeboren. Der kirchlich geprägte Geist könnte jetzt ein Trauerfest vermuten. Dies ist jedoch falsch, denn die Menschen haben damals die Momente im Jahreskreis geehrt und gefeiert und ein Kreis hat bekanntermaßen kein Ende, sondern ist immerwährend. Erst durch die Kirche wurden Idee von Endlichkeit propagiert.

Bei den keltischen Druiden existierte das Konzept einer wandernden Seele, wobei es nur eine Welt gab, die aus verschiedenen Teilen, wie Asgard und Midgard – bestand. Es war ein Miteinander, ein Zusammenspiel. Durch das kirchliche Konzept von Himmel und Hölle, welche von unserer Welt getrennt sind und in die wir je nach betragen aufgeteilt werden und wo wir dann bleiben, kam die linear trennende Komponente ins Spiel.

Feuerfunken für die Sonne

Noch heute gibt es in einigen Regionen Teile der ursprünglichen Mittsommer-Rituale in Form von Volksbräuchen. Nicht ohne Grund feiern die Schweden das Fest so ausgelassen, denn auch wenn die Sonne zu Mittsommer nicht untergeht, so geht sie im Winter auch fast nicht auf. Traditionellerweise wurden bei uns als Symbol für den Lauf der Sonne Feuerräder die Berge und Hügel hinab gerollt. Dabei wurden Opfergaben in Erwartung einer guten Ernte verbrannt. Und es gab ein „Ernte-Orakel“: zog der Rauch der Feuer über die Felder, bedeutete dies, dass die Ernte besonders gut wurde. Der Sprung über das Feuer diente ebenfalls als Orakel: Je höher der Sprung ausfiel, desto höher wuchsen Lein und Hanf.

In dem Land meiner Vorfahren, in Estland, ist Mittsommer neben Weihnachten (Mittwinter) das wichtigste Fest. Die Menschen verbringen diese Zeit auf dem Land in der Natur – ähnlich wie in allen baltischen und skandinavischen Ländern. Und selbstverständlich gehört auch ein Feuer dazu, wobei auf den Inseln nach alter Tradition oft ausgediente Boote verbrannt.

Die langen Nächte sind eine Zeit des Feierns, des Feuerns und der Liebe. Paare sprangen gemeinsam über das Feuer, um die Liebe ewig zu bewahren. Und Kinder, die in dieser Nacht gezeugt sind, verfügen über großes magisches Potenzial.

Wenn du diese Nacht für dich nutzen willst, kannst du dein Sonnwend-Feuer entzünden und dabei drei Dinge tun. Das Feuer kann dabei eine Kerze sein oder aber ein richtiges Feuer im Freien.

Schritt 1: Schau zurück

Wie ist das Jahr bisher für dich gewesen? Was hat dir Freude gebracht und was lief anders als geplant?  Ist noch etwas ungelöst oder möchtest du dem Feuer etwas zur Wandlung übergeben? Dann sprich dies laut aus – puste es in ein Stück Papier und gebe es dann ins Feuer. Bedanke dich für die Erfahrungen der 1. Jahreshälfte.

Schritt 2: Sei absolut ehrlich

Bevor es zur Vereinigung kommt ist es immer gut ehrlich zu sein. Sei also total ehrlich zu dir. Was willst du wirklich? Welches „Baby“ willst du in die Welt setzen? Du kannst diesen Moment als Kick-Off nehmen, für die entscheidende Nacht in der es passiert. Spüre also vorher gut in dich rein, was du wirklich willst. Und dann mach es größer, bunter und mächtiger. Lass dich dabei auch auf Gefühle ein.

Schritt 3: Setze deine Intention

Dinge aufzuschreiben hilft uns dabei, sie nicht zu vergessen. Und es sorgt dafür, dass der Verstand sie uns nicht so leicht wieder austreibt. Schreibe, male, gestalte deine Vision. Richte deinen Fokus dabei auf das „Was“ anstatt aus das „Wie“. Wenn du bereit bist, kannst du einen Schritt in die zweite Jahreshälfte gehen. Das kann in einer Meditation oder physisch sein. Dabei kannst du dir und den Leben etws versprechen. Zum Beispiel: Was kannst du tun um in der Freude zu bleiben oder zu wachsen und deinen eigenen Raum und deine Größe vollständig anzunehmen? Versprich dir nur, was du halten kannst, auch wenn es ein kleiner Schritt ist. Und dann spring über das Feuer.

Und dann heißt es geduldig sein. Fokus halten und großen Visionen mit kleinen Schritten entgegen gehen. Diese besondere Mittsommernacht ist wie die Möglichkeit zur Neugeburt. Alles ist möglich, wenn du es die vorstellen kannst.

Die Tradition hinter Mittsommer

Die Nacht der Sommersonnenwende war traditionell eine, in der die Menschen zusammen kamen, weiß trugen, feierten, Feuer entzündeten und gemeinsam speisten. Es wurden Blumen gepflückt und Liebschaften gebildet. Mittsommer ist traditionell ein Tag, an dem die Menschen zusammenkommen um gemeinsam zu speisen. Zum Fest zieht man sich fein an, die Mädchen und Frauen haben meist weiße oder blumige Kleider an; viele tragen zu dieser besonderen Gelegenheit auch ihre Trachten. Einige binden Kränze aus Blumen oder Birkenzweigen und setzen sie sich oder ihren Kindern auf.

Außerdem sammelten die Frauen Kräutersträußchen. Diese werden als Schmuck für Haus und Hof genutzt und können später als Rauchwerk ihren Einsatz finden. In so einen Kräuterstrauß gehört  Johanniskraut, Schafgarbe, Arnika, Kamille, Baldrian, Beifuß, Eisenkraut, Holunder, Klee Rose, Ringelblume, Margarite, Farn oder Klette. Deine Auwahl darf aber ruhig davon abhängen, was eben gerade in voller Blüte steht. Aus neun Kräutern wird dann ein Strauß geflochten, welchen an die Tür gehängt wird. Wenn du ein Feuer machst, kannst du ihn noch kurz ans Feuer halten, um den Strauß aufzuladen und um Schutz und Heilkräfte bitten.

Ich werde den Tag und vor allem den Abend im Kreise von tollen Frauen verbringen, wir kommen zusammen, tauschen uns aus, teilen unsere Wünsche, und entzünden das Feuer zusammen.

Ich habe einfach einen tragbaren Grill in eine mobile Feuerschale umgewandelt – so kann ich quasi mit dem Feuer gehen. Früher glaubte man, dass die Natur in der Mittsommernacht magisch sei. Elfen tanzten und Trolle standen hinter den Bäumen. Ein wunderbarer Anlass also, um die Nacht gemeinsam zu verbringen, sich am Feuer von den Visionen zu berichten und diese mit der Kraft des Feuers ins Leben zu bringen.

Verliebe dich in das was kommt, öffne dein Herz und traue dich auszusprechen, was zu groß erscheint. Spüre in dich hinein und teile, was du wirklich willst. Egal was du tust: Tue es aus vollem Herzen!

Alles Liebe,

KAJA

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Titelbild: Maike Egger-Hädler

3 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Und ich habs verpennt… Um kurz vor 21:30 bei beinahe-Tageslicht eingeschlafen. 2 Baustellen (echte, mit Maurern, Installateuren, Elektrikern und ganz viel Dreck) schlauchen wirklich. Bis auf Weiteres existieren bei mir nur Putz-Rituale…
    LG Marion

  2. Liebe Katja,
    ich mag Deine spirituellen Beiträge auf dieser Seite sehr. Leider kommen Sie in letzter Zeit immer so kurzfristig vor den entscheidenden Ereignissen, das ich oft keine Zeit mehr finde die Rituale vorzubereiten. Das ist eigentlich sehr schade. Vielleicht geht es anderen auch so…
    Liebe Güsse Marianne.

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