Kristalle: High Vibes oder Humbug?

Ich habe eine ganz besondere Beziehung zu Steinen.

Zu Kristallen aus den Alpen genauer gesagt. Diese schillernden rauen Wesen haben für mich, wie Bäume und Pflanzen auch, ein Bewusstsein.

Jenseits von verstaubten Geburtssteinkategorien oder dem Glauben, ein Stein würde Krankheiten für jemanden heilen, erfahre ich immer wieder persönlich und mit anderen Menschen die Heilkräfte der Natur und wie Kristalle ganz konkret die eigene Persönlichkeitsentwicklung boosten.

Kristalle haben durchaus ihr eigenes Herz. Kein physisches so wie wir, jedoch eine energetische Signatur, die von uns nur mit einem offenen Herz zu lesen ist.

Vibes sind immer irgendwie spürbar.

Wenn eine Person den Raum betritt, spüren wir oftmals, welche Laune sie gerade hat. Wir bemerken die Atmosphäre in einer Gruppe. Jeder Mensch und jeder Raum tragen eine energetische Signatur, die sich erspüren lässt.

Je empathischer, sensitiver und intuitiver du bist, desto eher wirst du andere Menschen und Tiere verstehen und mit ihnen fühlen können. Wenn du in dir eine emotionale oder anderweitig energetische Blockade hast, hat auch dies eine gewisse Schwingung.

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Und wie wirken Kristalle?

Alles im Körper und in unserer Welt ist über ein unsichtbares quantendynamisches Feld verbunden und trägt somit seine eigene Vibration. Alle Kristalle bestehen aus speziellen Atomformationen von Mineralien, die immer die gleichen Muster und somit eine fest angeordnete Geometrie einnehmen.

In der spirituellen Szene wird deshalb daraus geschlossen, dass Kristalle Prana (Lebensenergie) weiterleiten, speichern und durch die geometrische Anordnung heilende Schwingungen verbreiten. Diese Vibrationen wirken sich auf unseren Körper und auch unsere Psyche direkt aus, wenn wir dafür sensibel sind.

Man nennt diesen Ansatz „vibrational healing“, weil Kristalle unsichtbare, aber häufig sehr spürbare Impulse senden. Dies regt unsere Selbstheilungskräfte dahingehend an, dass unser Körper die Zellen neu ordnet, was wiederum zu Heileffekten führen kann.

Wie die Kristalle zu mir kamen

Kristalle: High Vibes oder Humbug? 1

Alles begann vor 2,5 Jahren mit relativ wenig Ahnung über Steinkunde. Ich wusste, dass mein Stein wohl Amethyst wäre, weil ich im März Geburtstag habe. Ich hatte einige Trommelsteine (polierte runde Handschmeichler), die ich ab und zu auch in die Wasserkaraffe legte und merkte, ähm, genau: nichts.

Nach meinem Studium, in dem ich auf Nachhaltigkeit und new economy getrimmt wurde, flog ich dann nach Brasilien in den Urlaub um auf einer längeren Reise herauszufinden, was ich nun mit meinem Leben bis zur Rente anstellen würde.

Kristalle aus Kinderarbeit? Eine spirituelle Krise

In einem Kristall-Shop, der sich gleich neben einer Mine für den Kristallabbau befand, wurde ich dann mit einem Paradox konfrontiert, das mich in eine spirituelle Krise beförderte: Warum noch mal kaufen all die Spiris bei dem Hype um Kristalle gerade diese ganzen bearbeiteten Steine, die auf extrem unromantische Art und Weise dem Bauch der Erde entrissen werden?

Häufig von Kinderhänden ausgebuddelt, bei schlechter Bezahlung und kaum existenten Sicherheitsstandards mit Chemikalien durchwaschen, dann noch geschnitten, geschliffen und poliert, oft gefärbt, erhitzt und manchmal radioaktiv bestrahlt, werden die Kristalle um die halbe Welt geflogen, um schließlich als „gute Energie“ hier in Deutschland verkauft zu werden.

Wir veranstalten dann im Wald mit diesen Steinen aus Brasilien, China & Co. Erdheilungszeremonien.

Und das, während in Uruguay wieder mal die millionste Amethystdruse mit dem Bagger aus dem Tunnel herausgefahren wird. Die immer gleichen Minenmafiosis machen Reibach.

Ich fühlte mich wie eine Löwin und suchte Alternativen.

Ich setzte all meine starrsinnigen Kräfte in Bewegung, um eine Alternative zu schaffen. Die Idee: fair-trade Kristalle. Während ich dachte, ich rette gerade die Welt, musste ich zähneknirschend feststellen, dass die existierenden Anbieter meinen Anforderungen an soziale und Umweltstandards nicht erfüllten.

Das sogenannte GKS-Siegel zertifiziert die Echtheit eines Edelsteins und ist schon mal ein Fortschritt für die Verbraucher*innen, sichert aber noch lange nicht die Transparenz der Wertschöpfungskette oder ein hohes Energiepotenzial.

So hatte ich die Idee, komplett rohe, naturbelassene Kristalle von Bergsteigern aus den Alpen zu beziehen.

Ich fuhr in die Schweiz, um mir ein Netzwerk aufzubauen und die Welt der Kristalle kennenzulernen. Wie im Flug hatte ich eine Menge Kristalle angesammelt, die ich geschäftstüchtig verkaufen wollte. Nur hatte ich keine Abnehmer*innen.

Ich dachte da an alle Heilpraktiker*innen und Schmuckhersteller*innen, die ich nicht kannte. Und als ich so da saß mit all den Kristallen, schnappte ich mir einen der Bergkristalle und meditierte mit ihm, weil ich das bei jemand anderem mal gesehen hatte.

Kaum schloss ich meine Augen, passierte irgendwas.

Kristalle: High Vibes oder Humbug?
© Sophie Wolter

Kaum schloss ich meine Augen in der Meditation, starteten die Bilder in meinem Kopf, es kribbelte in meinem Körper und irgendwas passierte, was sich extrem gut anfühlte.

Die Tränen liefen mir die Wangen herunter, weil ich einfach nur Liebe spürte. Innerhalb weniger Wochen kamen in der Meditation unterschiedliche Themen hoch, die ich auf einmal aus einer anderen Perspektive betrachten konnte.

Ich beobachtete auch, dass jeder Kristall etwas anderes in mir auslöste und seine ganz eigene Botschaft für mich hatte. Auch andere Menschen durften bald erfahren, wie eigen und individuell jede dieser Kristallkräfte ist.

Wo Kategorien aus den Heilsteinbüchern Bergkristall, Achat und Co. in Schubladen schoben, bemerkte ich, dass dieser Ansatz so grob war, wie zu sagen, dass alle Eichen die gleichen Bäume sind. Es ist die gleiche Art, ja, aber trotzdem ist jede Eiche anders gewachsen und trägt somit auch einen anderen energetischen Fingerabdruck.

Low vs. High Energy: Welche Kristalle soll man kaufen?

Außerdem gibt es große Qualitätsunterschiede in der Wirkung der Kristalle. Je mehr Menschen den Kristall bearbeitet und in der Hand gehalten haben und je brutaler der Kristall der Erde entrissen wird, desto schwerer ist die energetische Signatur zu lesen und desto schwacher ist die Lebenskraft im Kristall. Irgendwie logisch, oder?

Du kannst dich beim Kauf also zwischen weniger und mehr Energie entscheiden, die mit der Reinheit eines Kristalls verbunden ist. Jedoch musst du bedenken, dass du natürlich mit deiner Kaufentscheidung maßgeblich dazu beiträgst, ob große Minen weiter betrieben und damit Umwelt und Arbeiter*innen ausgebeutet werden oder nicht.

Auch hier merkst du schnell: Kristalle, die besonders günstig sind, können zu großer Wahrscheinlichkeit nicht aus legitimen Quellen stammen. Es ist wie mit der Mode… Auch die Echtheit der Steine solltest du immer prüfen, weil hier häufig nachgeholfen wird.

Wir müssen Kristallheilung in einem neuen Licht betrachten.

Unsere Bücher und die Online-Beschreibungen beiseite legen und hinein spüren. Was ist wirklich authentisch und echt? Was brauchen wir?

Einen Kristall, der zum Beispiel Trauer weg zaubert, gibt es meiner Meinung nach nicht.

Aber du kannst einen Kristall finden, der dir hilft, deine eigenen Schritte zu tun, um Glück und Sinn zu spüren. Diese perfekten Formationen der Natur können, ganz unbearbeitet, eine große Inspiration und Quelle der Kreativität für uns sein.

Sie aktivieren einen Teil in uns, der ganz verborgen ist. Erkennen wir das Herz eines Kristalls, hilft er uns, unsere Intuition zu trainieren und uns ein Stück weit mehr zu erkennen. Im Anerkennen ihrer Perfektion und in der Demut zu Natur, erfahren wir mehr über unsere unberührte Essenz und unsere wahre Fähigkeit, Realitäten zu erschaffen.

Hier setzt die Kristallarbeit in der Persönlichkeitsentwicklung an.

Sie unterstützt uns über Meditation, Selbstreflexion, Hinspüren und die Heilung durch Schwingung, Bewusstsein und ein weites Herz zu erfahren.  Es ist die Rückbesinnung auf die Kraft der Natur, der größten Heilerin, die uns rau und roh liebt, die wir ehren dürfen, ohne sie als Instrument für unsere Bedürfnisse zu missbrauchen. Ist das nicht yogi-like?

Titelbild © Grit Siwonia

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