Jules Febre: „Riskiere es, glücklich zu sein!“

Jules Febre ist einer der erfahrensten Lehrer der Jivamukti Yoga Tradition. Der Neffe von Sharon Gannon und David Life kombiniert Yoga gerne mit Hip Hop und ist neun von zwölf Monaten im Jahr unterwegs. Gerade treibt er sich in Berlin rum und OPEN Klassen bei Peace Yoga und Jivamukti Yoga Berlin.

Wir wollten ein bisschen mehr über den Mann erfahren, der oft als der Jivamukti Stammhalter bezeichnet wird, und haben ein wenig mit ihm geplaudert.

Hi Jules, du bist der Neffe von zwei der bekanntesten Yogalehrer der westlichen Welt, deine Mutter, Julie Kirkpatrick ist auch Yogalehrerin. Wie war es in einer Yoga-Hippie-Familie aufzuwachsen?

An dieser Stelle dürfen wir meinen Vater nicht vergessen, der das Gegenteil eines Hippies ist. Und meine Mutter wurde erst 2003 Yogalehrerin.

Ich würde sagen, als Kind hatte mein Leben zwei sehr interessante, aber auch gegensätzliche Seiten: Die eine waren die Straßen von New York’s Lower East Side. In den 80er Jahren war das eine recht heftige Gegend. Die andere Seite war Jivamukti Yoga auf der 2nd Avenue und David und Sharons Wohnung.

Am Ende war das Ganze doch nicht so gegensätzlich, denn mein Leben in der Lower East Side hatte viel mit künstlerischem Ausdruck zu tun, genauso wie mein Leben im Yogastudio. Ehrlich gesagt, ergänzen sich die beiden Seiten bis heute sehr gut.

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Als du 13 warst, hast du zwei Monate mit dem großen Meister Patthabi Jois in Indien verbracht. Erzähl uns von dieser Erfahrung!

Ich wollte unbedingt nach Indien und fragte David, ob er mich mitnehmen würde. Er sagte ja. Als ich in Indien ankam, merkte ich, dass ich Yoga überhaupt nicht leiden konnte.

Trotzdem: Zwei Monate lang stand ich jeden Tag um 4 Uhr morgens auf, um zu praktizieren. Ashtanga Mysore. Jeden Tag beschwerte ich mich aufs Neue, wie fürchterlich alles war und dennoch ging ich immer wieder hin. Vor allem kann ich mich daran erinnern, dass Patthabi Jois mich nicht schonte, weil ich noch fast ein Kind war. Zum Beispiel stellte er sich in Baddha Konasana (gebundene Winkelhaltung) mit einem Fuß auf mein rechtes Bein mit den anderen auf mein linkes – das fühlte sich an, als würde er mich in zwei Hälften brechen.

Irgendetwas passierte dort mit mir, glaube ich, aber als ich aus Indien zurückkam, brauchte ich erst einmal eine Yogapause.

Du unterrichtest Yoga im Rahmen von Jugendförderungs-Programmen und arbeitest mit kriminellen Jugendlichen. Was können wir uns darunter vorstellen?

An diesem Programmen nehmen Jugendliche teil, die vor Gericht müssen oder schon auf Bewährung sind. Als ich 17 war, war ich selbst ein Teil dieses Programms. Allerdings nicht als  Yogalehrer.

Ich war selbst fünf Jahre lang auf Bewährung und das für ein relativ schweres Verbrechen. Damals wurde mir gerade klar, was Yoga für positive Auswirkungen auf mein Leben hatte – und trotzdem hatte ich eine so bescheuerte Entscheidung getroffen.

Aber später gab mir Yoga dann die Kraft und die Möglichkeiten, das Ganze zu reflektieren und aufzuarbeiten, was ursprünglich eine sehr negative Erfahrung war. Die Chance, auf diese Art mit der Vergangenheit umzugehen, möchte ich auch anderen geben. Deshalb ist mir die Arbeit an den Plätzen meiner Jugend sehr wichtig.

Unterrichtest du dort auch deine Hip Hop Yoga Klassen?

Ja, klar. Ich kann den Kids dort keine Yoga Musik vorspielen, das funktioniert nicht für sie. Ich bin in der Hip-Hop-Community aufgewachsen, ich liebe Hip Hop, er ist Teil meines Lebens, also warum soll er nicht auch zum Yoga passen? Solange die Musik keine negativen Elemente enthält, kann man eigentlich alles spielen.

Genauso Breakdance. Breakdance und Yoga passen deshalb so gut zusammen, weil auch Breakdance ein Weg ist, durch Bewegen des Körpers raus aus dem Kopf in den Körper zu kommen und das angesammelte Karma aufzulösen. Das gibt Kraft.

Wenn Menschen diese Kraft spüren, lernen sie, dass sie etwas alleine schaffen können. Das ist ein großes Geschenk, wie ich finde. Ich selbst habe gelernt, dass ich aus eigener Kraft etwas ändern kann und dieses Geschenk möchte ich gerne weitergeben.

Nimm das Risiko auf dich, ein glücklicher Mensch zu sein!

Was ist dein Rat an Yogaschüler?

Haha, das hängt davon ab, was sie fragen. Aber es gibt eine Sache: Ich finde, das Leben an sich ist ein großes unglaublich tolles Experiment, an dem wir alle beteiligt sind. Unabhängig davon, ob negative Dinge passieren, sollten wir versuchen unsere Aufmerksamkeit auf die guten Seiten zu richten. Es braucht viel Mut, sich immer wieder auf die schönen Seiten dieser Welt einzulassen und daran zu arbeiten, sie sehen zu können.

Also, wenn ich einen Rat habe: Nimm das Risiko auf dich, ein glücklicher Mensch zu sein!

Vielen Dank, Jules und eine gute Zeit in Berlin. Wir freuen uns auf die Workshops, Satsang und Klassen mit dir!

Also dann guys and girls, beherzigt Jules Rat, seid „happy persons“ und kommt eine Runde Yoga mit uns üben. Wann Jules wo unterrichtet, erfahrt ihr auf den Stundenplänen von Peace Yoga Berlin bzw. Jivamukti Yoga Berlin.

Bildquelle Titelbild: Jules Febre & Karen Yeomans

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