Gute Entscheidungen treffen – 5 Quick-Steps für den Alltag

Du hast eine Entscheidung getroffen – und hältst Dich nicht daran? Du kannst Dich gar nicht entscheiden und haderst mit den vielen Optionen, die sich Dir bieten? Du kennst sowohl Inkonsequenz als auch Entscheidungsnöte zur Genüge? Willkommen im Club! Denn Entscheidungen haben immer mit Veränderung zu tun; und Change mögen wir Menschen halt grundsätzlich nicht so gern – Babys in nassen Windeln vielleicht mal ausgenommen.

Die reinste Form des Wahnsinn ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

(Albert Einstein)

Woran liegt das? Die Neurowissenschaft untersucht, was in Entscheidungssituationen in unseren Hirnen abläuft. Wie triffst Du Deine Entscheidungen? Z.B. eher rational oder emotional, eher intuitiv oder spontan-affektiv? Je nachdem, auf welche Art und Weise wir entscheiden, sind in unserem Gehirn unterschiedliche Areale beteiligt, werden andere Erfahrungen und Prozesse aktiviert.  Es ist ein Forschungsziel, künftig zumindest besser zu verstehen, warum z.B. die Yoga-Session um 6 Uhr morgens ausfiel – entgegen unserem festen Vorsatz. Das ist gut zu wissen und kann uns eines Tages vielleicht auch dabei unterstützen, im Alltag nachhaltigere Entscheidungen zu treffen.

Doch wie gehen wir in der Zwischenzeit vor? Die folgenden 5 Quick-Steps könnten helfen.

Quick-Step 1: Problemlösung oder Entscheidungsfindung?

Manchmal meinen wir, zügig eine Entscheidung treffen zu müssen – und merken nur allmählich, dass es dafür noch zu früh ist. Warum? Weil es noch gar nicht darum geht, etwas zu entscheiden, sondern ein Problem zu lösen. Diesen Unterschied wahrzunehmen, kann entscheidend sein, um weiter zu kommen. Denn wenn wir ein Problem haben, gilt es erst einmal herauszufinden, was genau die Ursache dafür ist. Warum ich mich ärgere, mich unwohl fühle, mit einer Situation unzufrieden bin etc.

Wenn z.B. einfach der kaputte Wecker die Ursache dafür ist, dass ich die Yogaklasse um 6 Uhr verpasst habe, nützt es wenig, entschieden an meiner Willenskraft zu arbeiten. Erst wenn ich die Ursache des Problems entdeckt habe, kann ich zu sinnvollen Entscheidungen kommen. In diesem Fall: Erst einmal den Wecker reparieren lassen.  Und dann auch aufstehen, wenn er klingelt.

Quick-Step 2: Was ist mir wichtig?

Klarheit bezogen auf die Ursachen unserer Probleme, ausreichend Informationen über die vielen bunten Optionen, die sich uns bieten – das ist schon mal eine gute Basis. Nun wartet das nächste Level der Entscheidungsfindung: Wissen wir, was wir wollen?

Ich kann unzählige Fakten über unterschiedliche Yoga-Praktiken sammeln, alles über deren jeweilige Geschichte lesen und viel Zeit damit verbringen, mir die Fotos der netten Lehrer/innen auf den Seiten unterschiedlicher Yoga-Studios anzusehen. Auf dem Sofa, versteht sich.

Wie entscheide ich mich, gerade wenn mir sehr viele Informationen zur Verfügung stehen? Ich muss erst einmal wissen, was mir wirklich wichtig ist. Wenn ich weiß, was ich für mich mit meiner Praxis erreichen möchte, ist auch ein passendes Yoga-Studio zielsicher gefunden. Das gilt analog für meinen nächsten Urlaub, Job, Lover – was auch immer. Wenn mir nicht intuitiv klar ist, was ich möchte, was ich brauche, kann es helfen, die für mich zentralen Kriterien aufzuschreiben und dann (gewichtet) zu bewerten, welche Option meinen Vorstellungen am ehesten entspricht.

Für alle, die auf Tools stehen: Es gibt zahlreiche Vorlagen für eine solche Entscheidungsmatrix im Web, z.B. [themecolor]hier[/themecolor].

Quick-Step 3: Ratio versus Gefühl – wer entscheidet?

Eine Entscheidungsmatrix ist ein wirklich hilfreiches Tool, nicht nur für private Fragestellungen, sondern auch in beruflichen Zusammenhängen. Und doch tritt manchmal, kaum liegt das Ergebnis der intensiven Matrixarbeit vor Dir, ein misslicher Effekt ein: Die Option A, B oder C, die nach den von Dir selbst aufgestellten Kriterien, ganz rational betrachtet, eindeutig die beste ist – sie gefällt Dir nicht! Ein Grummeln geht durch Deinen Bauch, ein lang gezogenes „Neeee“ füllt den Kopf. Was ist geschehen? Möglicherweise sind die Emotionen bei der Zusammenstellung der Kriterien auf der Strecke geblieben, und das ist hinderlich. Denn in Entscheidungssituationen handeln wir auf Basis unseres emotionalen Erfahrungsgedächtnisses (genauer nachzulesen bei dem Neurowissenschaftler António R. Damásio).

Kurzer Selbsttest für alle, die genauer wissen wollen, wie das Erfahrungsgedächtnis wirkt: Eiskugeln und Hörnchen kosten 1,10 Euro. Das Eis kostet einen Euro mehr als das Hörnchen. Wie viel kostet das Hörnchen? Bist Du sicher, dass Deine Lösung die richtige ist? Sonst frag gern [themecolor]nach[/themecolor]. (Der Test stammt, mit anderem Text, von dem Psychologen Daniel Kahneman)

Emotionen sind also an jeder unserer Entscheidungen beteiligt; sie lassen sich auf lange Sicht nicht „wegrationalisieren“. Möglicherweise geraten sie einige Zeit aus dem Blick oder werden in einen alten Schrank gestopft. Sicher ist: Sie melden sich zurück! Insofern ist es besser, sie gleich angemessen zu würdigen.

Wie das gehen soll? Es kommt, wie so oft, auf die richtige Mischung an, in diesem Fall von Ratio und Emotion. Das klingt vielleicht etwas langweilig, hilft aber.

Quick-Step 4: (Ent-)Scheiden tut weh?

Nun stehe ich schon kurz davor, mich zu entscheiden, doch die nächste Herausforderung lässt nicht auf sich warten: Denn wenn ich eine Entscheidung treffe, verabschiede ich mich schließlich von so vielen anderen attraktiven Möglichkeiten. Wenn ich zum Yoga gehe, kann ich nicht: ausschlafen, gemütlich frühstücken, etc. Wenn ich mich für die Festanstellung X entscheide, sollte ich – so empfehlen Karriereberater/innen – zumindest mal rund 2 Jahre dabei bleiben; eine lange Zeit, in der ich nicht wirklich flexibel bin, wenn andere interessante Angebote auf mich zukommen. Einigen Menschen fällt es ja sogar schwer, sich im Restaurant für ein Gericht zu entscheiden: Die Nr. 44 klingt verlockend, bei der Nr. 7 sind Erdnüsse drin – oder sollte ich doch die Nr. 30 probieren? Wie ist diesem freudlosen Hin-und-Her zu entkommen?

Klar ist, dass auch die scheinbare Nicht-Entscheidung eine Entscheidung ist: nämlich für das Hadern. Stattdessen kannst Du Dich aber auch bewusst mit einer Option verbinden, im Hier und Jetzt.  Du kannst „Ja!“ sagen zum Moment. Und diesen Moment so präsent wie möglich zu erleben, dürfte wertvoller sein, als unsere Zeit damit zu verbringen, uns all das vor Augen zu halten, was wir in dieser Sekunde nicht erleben. (Zumal es auf der Welt sowieso immer noch unzählige weitere Optionen gibt, als wir überhaupt erahnen – und auch die „verpassen“ wir schließlich laufend.)

Quick-Step 5: Sich nicht zu entscheiden, kann auch eine (gute) Entscheidung sein!

Change, Veränderung, Selbstoptimierung –buzzwords wie diese schallen kontinuierlich auf uns ein. Manchmal gibt es aber vielleicht gar nichts zu verändern. Nur weil ich schon 5 Jahre bei einer Firma bin, muss es z.B. nicht schlecht sein, dort zu bleiben – vielleicht fühle ich mich dort einfach wohl, sehe durchaus noch Entwicklungschancen nach oben oder finde für mich persönlich einen „Aufstieg“ sowieso nicht wichtig. In einem solchen Fall kann es gut sein, sich einfach mal zurück zu lehnen, festzustellen, dass es einem gut geht – und sich zu freuen. Schließlich muss die Entscheidung für das, was ist, nicht immer so tragisch enden wie in Melvilles „Bartleby“.

“I would prefer not to.” (Herman Melville: Bartleby, the Scrivener)

Ich wünsche Dir vergnügte Entscheidungen!

Sabine

[highlight] Autorin

Dr. Sabine CofallaDr. Sabine Cofalla ist Business Coach, Trainerin und Unternehmensberaterin ([themecolor]www.cofalla-consulting.de[/themecolor]). Zuvor war sie rund 15 Jahre in der Medienbranche tätig, 8 Jahre davon als Führungskraft in unterschiedlichsten Unternehmenskonstellationen. Heute berät sie Unternehmen in den Bereichen Organisationsentwicklung und Strategie und ist als Interims-Managerin aktiv. Ihre Seminare richten sich vor allem auf die Themen Selbst-, Zeit- und Stressmanagement sowie Führungskräfte- & Teamentwicklung. Als Coach begleitet sie ihre Klienten dabei, dass diese ihre Potentiale entfalten und ihre Ziele erreichen können. Um bei all dem geerdet zu bleiben, meditiert Sabine täglich und praktiziert regelmäßig Yoga. [/highlight]

 

 

Photo Credit Titelbild: Steve Webel via [themecolor]Flickr[/themecolor], [themecolor]cc[/themecolor]

 

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