Grün vor Neid? So wirst du das Beziehungsgift los

“Sie ist ja meine Freundin, aber warum muss ihr immer alles so leicht fallen? Wieso trifft immer nur sie diese spannenden Menschen und warum bin ich nicht mit so einer wahnsinnig schönen Haut gesegnet?”

Neid ist eins der fiesesten Gefühle, die ich kenne.

Das einen von innen auffrisst. Das man dummerweise selten durch ein klärendes Gespräch oder einen Wutausbruch loswird. Das Gefühl, nicht genug vom Kuchen abzubekommen, weil jemand anders das hat, was man selber will.

Und es bleibt nicht dabei: Neid kommt immer mit seinen kleinen Schwestern Missgunst und Genugtuung daher, wenn die Person, die man beneidet, mal einen Rückschlag erfährt. Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass die drei nicht gerade gute Begleiter auf dem Weg zur besten Version unseres Selbst sind.

Selbstmitleid, Selbstverachtung und Co.

Als ich ihn zum letzten Mal deutlich empfunden habe, ging es bei dem Neid nicht um Kleinigkeiten, sondern um ganze Lebensentwürfe. Ich wollte nicht nur das, was die anderen hatten, sondern ich fand gleichzeitig, dass ich es wahrscheinlich nicht wert bin, es zu bekommen.

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Ich landete in einer Spirale aus Selbstmitleid und Selbstverachtung. Das Gefühl war so überwältigend, dass ich einen Abend lang komplett durchgeheult habe. Ich hatte ein riesengroßes Bedürfnis nach Bestätigung von Außen, die ich in dem Moment nicht bekam.

Die Heftigkeit dieses Anfalls brachte mich anschließend immerhin dazu, im Urschleim zu wühlen. Ich wollte mich endgültig von solchen Gefühlen lösen, die meine Beziehungen vergiften und gleichzeitig selbstzerstörerisch sind. Dafür musste ich dem Ursprung des Neides auf den Grund gehen.

Durch einige wertvolle Erkenntnisse wurde ich nicht nur zufriedener, sondern auch quasi neidfrei. Und ja, ich habe einiges an meinem Leben geändert.

Neid ist ein Wink mit dem Zaunpfahl

Wenn du merkst, dass du ständig auf das Leben anderer schaust, dich ausgeschlossen fühlst und Dinge denkst wie “Ich würde ja auch gern XY machen, aber ich muss für mein Geld halt arbeiten. Kann ja nicht jeder so reiche Eltern haben“, dann frag dich:

Hast du nichts Schöneres zu tun, als andere zu beneiden oder ist der Neid vielleicht ein fettes Signal dafür, dass du etwas an deinem eigenen Leben ändern solltest?

Wer mit sich und seinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden ist, hat keinen Grund, andere mordsmäßig zu beneiden. Frag dich also, was dir Neid und Eifersucht über deine eigene Lebenssituation sagen und wie du sie gegebenenfalls ändern kannst. Ich musste zum Beispiel meinen Job kündigen und endlich das machen, was mich wirklich erfüllt. Eine Yoga-Ausbildung, für FLGH arbeiten und mir obendrein meine Zeit selbst einteilen. 

Man muss nicht immer alles komplett über den Haufen werfen, aber meiner Erfahrung nach kommt das Neid-Gefühl nicht auf, wenn man selbst ganz zufrieden ist mit sich und dem eigenen Leben.

Mehr Liebe und Freundschaft statt Eifersucht

Wer eifersüchtig ist – beispielsweise auf den neuen Freund der besten Freundin – hat Angst, nicht genug Liebe zu bekommen, nicht liebenswürdig zu sein. Rational weißt du natürlich, dass die Liebe deiner Freundin zu dir sich nicht verringert, wenn jemand Neues in ihr Leben tritt. Trotzdem kann es schwer sein, das vorübergehende Aufmerksamkeitsdefizit nicht persönlich zu nehmen.

Mein Tipp: Sprich über deine Ängste mit deiner Freundin. Meistens hilft alleine das schon, um zu wissen, dass sie zwar verliebt ist, dich aber trotzdem in ihrem Leben haben will.

Außerdem: Zeig echtes Interesse an der Person, auf die du irgendwie eifersüchtig bist, statt von vorneherein Angst zu haben, ersetzt zu werden. Lerne sie*ihn kennen und du wirst feststellen: Er*sie ist eine Bereicherung für dich. Und du für ihn*sie.

Freue dich mit anderen

Mitfreude – ein Wort, das wir selten benutzen. Sich für und mit jemandem zu freuen ist eine Übung, die du oft trainieren kannst; denn wahrscheinlich hat irgendwer in deinem Freundes- und Bekanntenkreis immer etwas zu feiern. Sich mit zu freuen, erhöht den Glücksfaktor in deinem Leben, auch wenn du selbst gerade vielleicht eher im Stress versinkst oder krank im Bett liegst.

Wie das konkret geht? Benutz den „Love“-Button auf Facebook öfter. Versetze dich in die glückliche Lage deiner Freund*innen, statt zu überlegen, warum du dadurch einen Nachteil hast. Versuch Menschen nicht als Konkurrenz zu sehen (leider auch in der Welt der Yogalehrer*innen ein bekanntes Phänomen…), sondern unterstütze sie, lass dich von ihnen anspornen und inspirieren. 

Das Beste daran: Mitfreude ist eine unbegrenzte Ressource. Freu dich, soviel du kannst – und die Quelle wird immer stärker sprudeln, nicht versiegen.

Und wenn du merkst, du kannst dich nicht mitfreuen: Neben dem Love-Button gibt es auch einen Hide-Button auf Facebook. Abstand nehmen ist durchaus erlaubt.

Stell dein Licht nicht unter den Scheffel

Die einen sind begnadete Musiker, die anderen stehen frei im Handstand. Sei nicht missgünstig, wenn du den Erfolg anderer verfolgst – auf Social Media oder anderswo. Sie reiben ihn dir nicht unter die Nase, um dich zu ärgern.

Auch du kannst irgendwas besonders gut und du solltest dir erlauben, das zu genießen und mit anderen zu teilen. Das hat nichts mit Selbstbeweihräucherung zu tun. Eher damit, zu seinem Licht zu stehen. Mit falscher Bescheidenheit ist auch keinem geholfen. Zeig dich und deine Perlen, die Welt braucht dein Licht, nicht deinen Schatten. Wenn mehr Leute das so sehen würden, gäbe es weniger Konkurrenzdenken.

Social Media sind trügerisch

Wo wir gerade bei “im Erfolg sonnen” sind, ein kleiner Reminder: Was du auf Social Media mitbekommst, ist nur ein Teil der Wahrheit. Jeder Mensch, egal wie schön, erfolgreich und beliebt, hat auch Probleme. Denk also nicht, dass das Schicksal nur dir eins ausgewischt hat.

Instagram und Co. zeigen immer nur eine Facette. Was nach Erfolg und dicker Kohle aussieht, kann auch aus einer kleinen Rumpelkammer heraus von dauergestressten Pleitegeiern produziert werden. Ein Vorurteil übrigens, mit dem viele Blogger*innen zu kämpfen haben.

Das Glück anderer ist nicht dein Pech

Nur weil jemand anders Erfolg hat, wird dir nichts weggenommen.

Mit der Zufriedenheit ist es wie mit der Mitfreude: Sie ist keine begrenzte Ressource. Nur weil jemand anders Glück oder Erfolg hat, bedeutet das nicht, dass für dich weniger Erfolg übrig bleibt. 

Du hast besondere Gaben, einen ganz bestimmten Auftrag, den du auf der Welt zu erledigen hast. Dieses Geschenk kannst nur du allein der Welt geben. Niemand wird es dir je gleich tun. Andere haben andere Gaben, die sich mit deinen möglicherweise wunderbar ergänzen. Deine Aufgabe ist es nur, herauszufinden, was du zum Gelingen des Großen Ganzen beisteuern willst.

Möglicherweise musst du dafür nochmals zurück zu Punkt 1. Du weißt doch, dein Neid ist ein wichtiges Signal auf dem Weg zur Erfüllung.

Sei dir deines Neids bewusst

Nicht immer gelingt es, solche kleinlichen Gedanken komplett aus dem eigenen Gefühlsleben zu verbannen. Doch wie immer gilt: Schon ein gesteigertes Bewusstsein dafür wird dir helfen, den Neid in den Griff zu bekommen.

Was machst du dagegen, wenn dir der Neid übel zusetzt? Ich bin gespannt auf deine Kommentare!

Alles Liebe,

deine Uli

Titel by Pro Church Media on Unsplash

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