Was ist The Work nach Byron Katie?

Im Yoga hören wir es öfter: Du bist nicht deine Gedanken. Und deine Gedanken sind nicht die Realität. 

Danke, dachte ich mir dann schon oft, das ist ja ein tolles Konzept, aber irgendwie ziemlich abstrakt. Wie hilft mir das, wenn ich immer wieder auf die gleichen Probleme stoße, in einer Gedankenspirale festhänge, ständig überfordert bin oder mich endlos über etwas ärgere, was jemand zu mir gesagt hat? 

Oft verwechseln wir einen Gedanken oder eine Situation mit den Gefühlen, die der Gedanke/die Situation in uns auslöst, und nehmen die Gefühle dann als Wahrheit. Sprich, wir ärgern uns zum Beispiel über etwas oder nehmen etwas sehr schwer, weil wir in der Situation (unbewusst) eine vergangene, schmerzhafte Situation erneut durchleben. Dabei ist die neue Situation eine ganz andere, und das Gegenüber kann nicht wissen, dass wir aufgrund unserer Vergangenheit sensibel sind. 

Es ist so schwierig, sich darüber klar zu werden, dass das, was wir denken, eben nicht unbedingt der Realität entspricht. Die Erkenntnis, dass wir unsere eigene Sicht oft nur verändern müssen, um glücklicher zu sein, ist das eine. Die Sicht tatsächlich verändern zu können, ist das andere – und scheint verdammt schwierig.

Die Methode The Work hilft uns dabei, schädliche gedankliche Programmierungen loszulassen.

Die US-Amerikanerin Byron Katie entwickelte diese einfache Selbsterfahrungsmethode in den 1980ern aus einer eigenen schweren Krise heraus, um sich und anderen zu helfen, Stress, Überforderung und schädliche Verhaltensmuster zu überwinden. Seither schreibt sie darüber Bestseller und gibt Workshops und Trainings auf der ganzen Welt. 

Eine der bekanntesten The Work Coaches im deutschsprachigen Raum ist Ina Rudolph, mit der ich mich für diesen Artikel unterhalten habe. Ina war ursprünglich Schauspielerin und Musikerin und arbeitet jetzt seit über 20 Jahren als Coach, seit 2005 verstärkt mit The Work. Sie hat mehrere Bücher darüber geschrieben, Hörbücher aufgenommen, bietet tolle Online-Audioprogramme* zu verschiedenen Schwerpunktthemen und gibt regelmäßig Seminare. Gerade ist ihr neuestes Buch Loslassen – Dein Arbeitsbuch für ein ganzes Jahr* bei Goldmann erschienen. 

Was ist The Work?

The Work ist eine einfache Methode, die jeder Mensch erlernen und anwenden kann. Ihr Ziel ist es, mithilfe einfacher Fragestellungen jede Art von Problem, Herausforderung oder Glaubenssatz zu verbalisieren, in Frage zu stellen und umzukehren:

  • Zuerst formuliert man die Überzeugung, die die Ursache des Ärgers oder Stresses ist
  • Dann stellt man sich vier Fragen dazu 
  • Anschließend verkehrt man diesen Glaubenssatz in seine Gegenteile und schaut, ob diese nicht auch wahr sein könnten

Das Resultat ist, dass die eigene Wahrnehmung sich enorm weitet und die belastenden Überzeugungen abgelöst werden können. 

Schritt 1: Überzeugung formulieren

Nimm dir eine konkrete Situation vor, anhand derer du The Work machen willst. Zum Beispiel:

 “Ich habe eine Aufgabe erledigt und meine Chefin will jetzt alles ändern. Ich ärgere mich, weil meine Chefin mich für inkompetent hält.”

Aus dieser Situation heraus formulierst du nun eine Überzeugung bzw. einen Glaubenssatz, der dich belastet und den du überprüfen möchtest, und zwar, indem du zunächst die Situation, das Gefühl und den Glaubenssatz voneinander trennst.

Dass deine Chefin deine Arbeit kritisiert hat, ist die Situation. Dass du dich ärgerst, ist dein Gefühl. Deine Überzeugung ist: “Meine Chefin hält mich für inkompetent.”

Schritt 2: Vier Fragen beantworten

Du hast dir deine Überzeugung notiert. Anschließend stellst du dir folgende Fragen, die immer dieselben sind:

  1. Ist das wahr? 
  2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass es wahr ist?
  3. Wie reagierst du, wenn du diesen Gedanken glaubst?
  4. Was wärst du ohne diesen Gedanken?

Die Antworten auf diese Fragen laden dich ein, dich mit deiner Überzeugung zu beschäftigen und neue Aspekte darin zu finden. Du hinterfragst, ob du wirklich sicher wissen kannst, ob deine Chefin dich für inkompetent hält, du identifizierst die Gefühle, die du damit verbindest (Ärger, Wut, sich klein fühlen…) und überlegst, wie du dich fühlen könntest, wenn du diesen Gedanken nicht glauben würdest.

Schritt 3: Wahrheit in der Umkehrung bzw. mehreren Umkehrungen finden

Anschließend formulierst du die Überzeugung so um, dass genau das Gegenteil da steht, also zum Beispiel: “Meine Chefin hält mich für kompetent.” 

Jetzt ist deine Aufgabe, Wahrheit in dieser Aussage zu finden. Denk an die Situation, die dich zu der Überzeugung gebracht hat und finde eine Version davon, in der die Aussage “Meine Chefin hält mich für kompetent” wahr ist. 

Hat sie dir vielleicht einfach ausführliche Kritik gegeben, weil sie weiß, dass du gut bist? Hast du dich vielleicht bei der Arbeit sehr beeilt und weißt selber, dass du es hättest besser machen können? Wahrscheinlich wirst du erkennen, dass deine Reaktion auf eine Situation immer von der Sichtweise abhängt und dass deine ursprüngliche “Überzeugung” nicht unbedingt wahr ist. 

Du kannst auch für deinen Glaubenssatz mehrere Umkehrungen finden und darin mehrere Wahrheiten finden.

Das klingt alles immer noch sehr abstrakt… wie lerne ich das?

Tatsächlich muss man es einmal geübt und verstanden haben, aber dann lässt sich The Work auf jegliche Situation anwenden. Erlernen kann man die Methode am besten in der Arbeit mit einem The Work Coach wie Ina. Ich habe mit ihr gesprochen, um etwas mehr über The Work, Inas Arbeit und darüber herauszufinden, warum sie so sehr an die Methode glaubt.

Glaub nicht alles, was du denkst: “The Work” nach Byron Katie 1
© Ina Rudolph

Liebe Ina, was ist der Grundgedanke, der hinter The Work steht?

“Das, was wir glauben, wovon wir überzeugt sind, bestimmt, was wir von uns selbst und anderen wahrnehmen. Es bestimmt, was wir uns zutrauen, was wir für möglich halten und letztendlich auch, wie wir handeln. Wie wir die Welt interpretieren und erleben – also auch, welche Gefühle wir fühlen. 

The Work bietet uns die Chance, unsere gedanklichen Programmierungen, die wir von zu Hause mitbekommen haben, zu entdecken und zu hinterfragen. Diese Programmierung kann auch im Unbewussten liegen. Im Prozess der Überprüfung mit The Work bemerke ich, welche Gedanken und Überzeugungen wirklich zu mir gehören, welche mich unterstützen und welche es sind, die mich immer wieder einengen, ängstigen, Stress auslösen. 

Habe ich eine Überzeugung als „unwahr“ erkannt, kann ich sie nicht mehr glauben. Und glaube ich sie nicht mehr, löst sie auch die dazugehörigen, unangenehmen Gefühle nicht mehr aus.”

Basiert die Methode auf einer bestimmten spirituellen Schule?

“Soweit ich weiß, hat Byron Katie, bevor sie The Work entwickelt hat, keine spirituelle Praxis gehabt. Sie konnte schlichtweg immer wieder die Erfahrung machen, dass sie leidet, wenn sie ihren Gedanken glaubt und dass das Leiden verschwindet, sobald sie bemerkt, dass ihre Gedanken ja nur Geschichten sind und, wie die yogische Idee sagt, nicht real sind. 

“I discovered that when I believed my thoughts, I suffered, but that when I didn’t believe them, I didn’t suffer, and that this is true for every human being. Freedom is as simple as that. I found that suffering is optional. I found a joy within me that has never disappeared, not for a single moment.” – Byron Katie

Jede*r kann sich das bewusst machen, in dem er*sie sich fragt: “Jetzt hier gerade: Was ist real und was stelle ich mir nur vor?“ Real kann ich etwas spüren, sehen, hören, schmecken und riechen. Alle Interpretationen davon sind schon Vorstellungen – nur eine Möglichkeit, wie es sein könnte.”

Du sprichst in einem Video darüber, dass es wichtig ist, auch “negative” Gefühle zulassen zu können. Warum ist das so?

“Ich selber habe in meinen 20 Jahren Coachingerfahrung immer wieder bemerkt, dass die meisten Menschen nur die angenehmen Gefühle fühlen möchten. Die, die sie als „unangenehm“ einstufen, sollen weg oder möglichst gar nicht erst auftauchen. 

Damit eröffne ich ein Schlachtfeld. Bin ich nicht bereit, bestimmte Gefühle zu fühlen, bin ich im Kampf mit ihnen, oder auf Abwehr. Ich muss auf der Hut sein oder bestimmten Ereignissen oder Menschen ausweichen, die diese „unangenehmen“ Gefühle in mir auslösen könnten.

So wird meine Welt immer kleiner und gefühlt auch verletzlicher und angreifbarer. Daraus könnte ich schlussfolgern, dass ich mich noch mehr schützen muss. Ein Kreislauf entsteht, in dem ich immer schwächer werde und vorwiegend Bedrohungen wahrnehme. 

Und es ist gar nicht so schwer, auch die Gefühle zu fühlen, die uns nicht angenehm sind. Viele Klient*innen staunen und fragen sich, wieso sie so lange vermieden haben zu fühlen. Ich gebe eine Anleitung dazu in meinem kostenlosen 1. Hilfe Koffer!”

Es ist in The Work oft von “Glaubenssätzen” die Rede. Was ist ein Glaubenssatz und warum kann er so viel Macht über uns ausüben?

“Ein Glaubenssatz ist einfach ein Gedanke, den man für wahr hält. Durch unseren Verstand laufen pro Tag ca. 60.000 bis 80.000 Gedanken und nicht alle davon halten wir für wahr. Die, die wir glauben, können biochemische Prozesse in Gang setzen, was wir Gefühle nennen.

Die anderen ziehen ohne nennenswerten emotionalen Ausschlag vorbei. Alles, was wir interpretieren, bewerten, befürchten und mit einer Meinung versehen, sind Glaubenssätze. Angefangen von welchen, die sich vielleicht harmlos anfühlen bis hin zu solchen, die Panikattacken auslösen, Essstörungen, soziale Phobien o.ä.”

Wie bist du zu dieser Methode gekommen? 

“Als ich dreißig war, hatte ich eine heftige Krise. Ich war auf der Suche nach Hilfe, konnte meinen Beruf nicht mehr richtig ausüben und wurde plötzlich von Ängsten geplagt. Verzweifelt habe ich nach einem Strohhalm gesucht und bin jahrelang von Pontius zu Pilatus gelaufen, habe viel Geld ausgegeben, bis ich nach drei Jahren zur Work kam. Schon in meiner allerersten Work war mir klar: Es ist alles eine Frage der Sichtweise, wie ich auf etwas schaue, wie ich es bewerte. 

Als ich dann anfing, meine Überzeugungen zu überprüfen, ging es bergauf. Meine Beziehungen haben sich verbessert, ich musste nicht mehr Druck ausüben, wurde mit mir selber freundlicher und konnte überhaupt erstmal spüren, wer ich bin. Jenseits von allen Überzeugungen. Seit dem werde ich getragen und muss mich nicht mehr abstrampeln.”

Kannst du ein Beispiel für eine Alltagssituation geben, in der dir The Work sehr geholfen hat?

“In meiner letzten Partnerschaft war ich z.B. der Idee aufgesessen, dass ich es schaffen müsste, zufrieden zu sein. Ich dachte, es müsste doch möglich sein, mit dem, wie mein Partner ist, glücklich zu sein. In der Realität war ich das aber nicht. Immer wieder saß ich am Küchentisch und habe mich gefragt, wieso ich mir das antue und hatte darauf keine Antwort.

Mein Glaubenssatz lautete:
Wenn ich es schaffe zufrieden zu sein, gibt es keine Probleme mehr.

In der Überprüfung mit The Work konnte ich erfahren, dass dieser Gedanke zwar gut gemeint war, in meinem Alltag aber sehr viel Stress ausgelöst hat. Diese Überzeugung hat dazu geführt, dass ich versucht habe, an Stellen zufrieden zu sein, wo ich aber nicht zufrieden war. Ich habe mich mächtig angestrengt und es hat dennoch nicht funktioniert. Ich habe gegen meine echten Impulse gekämpft und war traurig und verzweifelt, dass ich es nicht schaffen kann. 

Ein Gegenteil dieses Gedankens hat mich dann gerettet:
Wenn ich es schaffe unzufrieden zu sein, gibt es keine Probleme mehr.

Mir ist es wie Schuppen von den Augen gefallen: Ich konnte mich nicht unzufrieden sein lassen. Das war mir zu unspirituell. Ich hatte mich so heftig dagegen gewehrt, dass ich lieber versucht habe, an mir herumzubasteln.

Als ich mich endlich unzufrieden sein lassen konnte, in den Momenten, wo ich auch unzufrieden war, hat sich alles wie von selbst geklärt. Wir gehörten nicht als Paar zusammen und konnten uns trennen. Heute hat er eine passende Partnerin und ich den passenden Partner. Wenn ich heute mal unzufrieden bin, erlaube ich mir das und zeige es auch. Kommt aber nicht oft vor!”

Wer kann davon profitieren, mit dieser Methode zu arbeiten? Wer nicht?

“Jeder Mensch, der irgendeine Art von Stress spürt, kann davon ausgehen, dass er oder sie Gedanken glaubt, die für das eigene Leben so nicht wahr sind. Alle, die mehr bei sich ankommen möchten, das echte Leben spüren möchten, sich nicht fremdgesteuert fühlen möchten, profitieren davon. 

Alle, die dauernd gestresst, ärgerlich, wütend sind. Die, die darunter leiden, ständig Anerkennung von anderen zu brauchen. Alle, die das Gefühl haben, Mangel zu leiden oder mit ihrer Geschichte aufräumen möchten. Alle, die ohne Vorbelastung in eine Beziehung gehen möchten. 

Wer nicht? Hm… jede*r, der*die nicht hinschauen möchte, der*die nichts verändern möchte. Und natürlich alle, die keine Probleme haben.”

Kann man The Work auch auf die großen Probleme der Welt anwenden oder wäre das eher Realitätsverleugnung? Anders gefragt: Hat The Work auch Grenzen?

“Aus meiner Erfahrung hat die Arbeit mit The Work jeweils die Grenzen desjenigen, der damit arbeitet. Die Grenzen, die das System der jeweiligen Person aufzeigt, wie weit sie bereit ist, mitzugehen. 

Ich habe mit The Work verstanden, dass nichts bewegt wird, wenn ich mich zum Beispiel am Stammtisch über Politiker*innen aufrege, debattiere, diskutiere, ohne Taten folgen zu lassen. The Work führt mich immer dorthin, wo ich tatsächlich handlungsfähig bin und meine Kräfte gut einsetzen kann und will.”

Was überzeugt dich an dieser Methode so sehr? Warum hältst du sie persönlich für so machtvoll?

“In den letzten zwanzig Jahren habe ich es in meinem eigenen Leben und natürlich an unzähligen Klient*innen erlebt, wie das Leben freier wird, Stress aufhört, Panikattacken weggehen, Menschen aufhören können mit Druck und Härte zu agieren, wie das schöne Selbst zum Vorschein kommt und sich frei entfalten kann. Diese Kraft erlebe ich einfach immer wieder und so häufig – und jede*r kann es lernen.

Vielen Dank, liebe Ina! 

Du hast Lust bekommen, dich mit The Work zu beschäftigen? 

Dann empfehlen wir dir, gleich mit Inas gratis 1. Hilfe Koffer anzufangen. Außerdem hat sie eine Reihe an geführten Audioprogrammen namens “Problemlöser” gestaltet, die dich Schritt für Schritt durch The Work führen, jeweils bezogen auf bestimmte Lebensthemen, zum Beispiel:

Wenn du sie herunterlädst, hast du lebenslang Zugriff darauf und kannst immer wieder damit arbeiten.

Weitere Websites zu The Work:

Buchtipps zu The Work (Auswahl):

Titelbild © Ava Sol via Unsplash

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