Food-Yoga: Essen als spirituelle Praxis

Ihr habt es ja schon mitbekommen. Langsam aber sicher stellen wir ein Team aus großartigen Autoren zusammen, die auf Fuck Lucky Go Happy regelmäßig ihre Weisheit teilen. Der neuste Zugewinn ist die zauberhafte Bloggerin Maria von ganzherzig. Ihr Debut gibt sie mit der Frage, ob Essen eigentlich auch Yoga sein kann. Vorhang auf für Maria. 

***

Wir leben in einer Zeit, der tausend Möglichkeiten. Es gehört ganz selbstverständlich zu unserem Leben, dass wir unseren Beruf, unseren Wohnsitz, unseren Partner und auch das, was wir täglich essen wollen, wählen können. Dies ist ein besonderer Luxus, der uns allerdings schnell überfordern kann und viele Unsicherheiten mit sich bringt. Denn jede Entscheidung, die wir treffen, wird letztlich auf uns zurück geworfen.

Vor allem die Diskussionen zum Thema Ernährung sind mittlerweile sehr pikant und emotional geworden und führen oft zu noch mehr Verunsicherung und einer verkopften Nahrungsaufnahme.

Warum ist das so?

In unserer heutigen Überflussgesellschaft beeinflussen zu viele Gedanken und Ängste unser Essverhalten. Die vielen Möglichkeiten sind Segen und Fluch zugleich. Ansprüche und Erwartungen von außen, oder innerlicher Druck, den wir uns in Bezug auf unser persönliches Ernährungskonzept machen, haben einen unmittelbaren Einfluss auf unsere Nahrungswahl und Folgen für unsere Energiekörper.

Orientieren wir uns verbissen an Schönheitsidealen und haben Angst davor zuzunehmen, essen wir diese Ängste mit. Dies verursacht innerlichen Stress und ein Gefühl der Unzulänglichkeit, welches durch diesen Prozess genährt wird und uns nur weiter von unseren wahren Wesenskern entfernt.

Als Yogi macht es durchaus Sinn beim Essen Ahimsa (Prinzip der Gewaltlosigkeit) zu praktizieren, also darauf zu achten, tierleidfreie Nahrung und möglichst fair produzierte Nahrung zu sich zu nehmen. Ahimsa bedeutet aber auch einen gewaltlosen Umgang mit uns selbst zu praktizieren. Wenn du gedanklich nur noch mit den Produktionswegen deiner Nahrung beschäftigt bist und sofort ein schlechtes Gewissen bekommst, wenn du mal etwas unregionales gegessen hast, artet das Essen in Stress aus und ist wenig liebevoll.

Die gute Nachricht: Du kannst Essen zu einer spirituellen Praxis machen.

Genau wie alle anderen alltäglichen Handlungen kann es zu Yoga werden. Nahrung ist etwas Heiliges und die Art und Weise, wie wir sie zu uns nehmen kann viel verändern. Die Fülle, in der wir leben ist nicht selbstverständlich. Sie ist ein Geschenk, an das wir uns immer wieder erinnern sollten.

In vielen Ashrams in und außerhalb von Indien wird vor dem Essen das Brahmarpanam rezitiert. Diesem Mantra wird eine sehr reinigende Wirkung nachgesagt. Es reinigt nicht nur energetisch unser Essen, sondern auch auf subtile Weise unseren Geist und macht die Nahrungsaufnahme somit zu einer besonderen Zeremonie.

Das yogische Tischgebet

Bénédiction et purification de la nourriture / Mantra Brahmarpanam

(Bhagavad Gita IV.24)

Übersetzung des Mantras:

Brahman ist die Opfergabe.
Brahman ist der Brennstoff des Opferfeuers.
Durch Brahman wird die Opfergabe in das Feuer Brahmans gegossen.
Wer allezeit das Wirken Brahmans sieht, wird wahrlich Brahman erreichen

Bedeutung des Mantras

Das Essen wird in diesem Vers mit einem Yagna (Feuerritual) verglichen. Das bedeutet, dass die Nahrungsaufnahme eine Opferung darstellt. Jeden Bissen, den wir machen, geben wir ins Feuer ab. Unser Verdauungsfeuer heißt Agni, genau in dieses Feuer opfern wir die Nahrung, die wir zu uns nehmen. Dieses Mantra soll uns daran erinnern, dass alles letztlich Brahman – das Absolute ist. Alle Prozesse des Essens, die Nahrung selbst, der Zubereitende und das Verdauen ist Brahman.

Essen im spirituellen Sinne hat also nichts mit Kalorienzählen zu tun, sondern ist eine meditative Praxis und Erinnerung, dass alles von Brahman durchdrungen ist. Es steht dafür, dass hinter allem eine höhere Wirklichkeit steht und wir alles unserem höheren Selbst darbringen können.

Und jetzt? Aus Angst wird Dankbarkeit

Wenn wir mit dieser Haltung anfangen das Mantra vor dem Essen zu chanten, hat dies eine sehr heilende Wirkung auf unsere Beziehung zu unserer Nahrung. Aus Ängsten und einer Selbstverständlichkeit wird Dankbarkeit und Wertschätzung, die sich in unserem Inneren wohlwollend widerspiegelt.

Falls du mit Sanskrit-Mantras eher wenig anfangen kannst hier eine ganz einfache Idee.

Sag Danke!

Vor und nach dem Essen. Nur durch die Kraft dieses Wortes und einen kleinen Moment der Dankbarkeit, lässt du so Fülle in dein Leben fließen.

Kleiner Tipp: Es ist nicht notwendig, dass du das Brahmarpanam-Mantra in deiner nächsten Mittagspause laut vor dich hinrezitierst, während dich deine Kollegen im Büro irritiert anschauen. Wiederhole es einfach still im Geiste und schließe mit 3 x Om Shanti.

In diesem Sinne: Guten Appetit!

Deine Maria

7 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Hey Mädels,

    danke für eure Kommentare. <3

    Liebe Doreen, ich habe vor 5 Jahren angefangen beim Essen NUR noch auf mein Bauchgefühl zu hören. Zuvor habe ich auch jahrelang sehr verkopft gegessen. Wenn wir anfangen und uns trauen unsere inner Stimme wahrzunehmen, werden wir nach und nach wahrnehmen, was wir wirklich brauchen und was uns gut tut. Dann finden wir von ganz allein unsere authentische Ernährungsform.

    Alles Liebe
    Maria

  2. Maria, Danke für diesen Beitrag. Ich verfolge auch schon eine Weile den healhy lifestyle. Gerade versuch‘ ich es paleo. Dabei merke ich oft selber, dass Essen absolut verkopft daher kommt und man irgendwie die Freude verliert, weil man erstmal innerlich abklärt, ob das jetzt gut/nicht gut ist, statt (zumindes hin und wieder) auf seinen Bauch und vllt auch sein Herz zu hören, wonach einem gerade ist. Jedenfalls danke, dass Du diese Gedanken geteilt hast. Hat mir gut gefallen!

  3. Ein ganz toller Artikel zum Thema Essen. Wir machen uns einfach immer viel zu viele Gedanken darüber, das sieht man ja an den zahlreichen Ernährungsratgebern und Diäten, die es so gibt. Dabei ist es so viel entspannter, wenn man gelassen mit dem Thema Essen umgeht.
    LG!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*