Entscheidungs-Schwierigkeiten: The Struggle is Real

Mein Smartphone vibriert. In der Onlinebörse für Second-Hand-Klamotten, bei der ich angemeldet bin, möchte mir jemand etwas abkaufen. Wir treten über die Messengerfunktion in Kontakt und nach wenigen Nachrichten meldet sich mein Bauchgefühl. Es sagt:

„Dieses Geschäft wird Ärger geben.“

Mein Kopf wirft ein schlagendes Gegenargument ein und überzeugt mich, dem Verkauf zuzustimmen: Ein ungenutzter Gegenstand weniger und ein paar Euro mehr. Drückend bietet mir mein Bauch nochmal eindringlich seinen Rat an, aber ich ignoriere ihn und verkaufe.

Mit einem schlechten Gefühl, das Recht behält: Die Käuferin meldet mich aus nicht nachvollziehbaren Gründen den Systemadministratoren und schreibt mir eine unterirdische Bewertung. Die erste unter 60 anderen auf Fünf-Sterne-Niveau. Ich ärgere mich, dass ich meinem Bauchgefühl nicht vertraut habe. Es hatte mich gewarnt!

Jeden Tag stellt uns das Leben vor Entscheidungen.

Kennt man alle verfügbaren Möglichkeiten, kann man die Sache rational angehen. Wenn wir ausgehungert nach Nahrung suchen und die Pommesbude links von der T-Kreuzung liegt, ist rechts abbiegen keine Option.

Was aber, wenn die Menge aller Entscheidungsmöglichkeiten viel zu groß ist, um sie zu kennen und sorgfältig abzuwägen? Verwirrung, Verzweiflung, Verweigerung.

Und zwar dadurch, dass wir auch derartige Entscheidungen allein mithilfe der Vernunft treffen wollen. Aber je komplexer sich eine Entscheidung gestaltet, desto eher sollte man seinem Unbewussten eigentlich Vertrauen schenken.

Die drei größten Entscheidungskiller

Das Trio Infernale in Entscheidungsfragen besteht aus der Erhaltung des Status Quo, der Prokrastination und der Verantwortungsscheu. Der besserwisserische Kopf zeigt uns gerne auf, dass es doch am einfachsten wäre, wenn alles beim Alten bleibt (Status Quo). Man weiß, woran man ist und vermeidet, unbekannte Risiken einzugehen. Man vermeidet aber auch, unbekanntes Glück zu finden.

Kontraproduktiv in der Entscheidungsfindung ist auch die Prokrastination. Der Kopf rät zu Aufschub, um Zeit dafür zu gewinnen, mehr Informationen über die Entscheidungsfrage einzuholen. Wenn wir mal ehrlich sind, stiftet das doch in den meisten Fällen noch viel mehr Verwirrung, weil mit der Menge der Informationen auch die Anzahl der Entscheidungsmöglichkeiten steigt.

Entscheidungskiller Nummer 3 ist die Scheu vor Verantwortungsübernahme: Aus Angst, die falsche Entscheidung zu treffen, wird gänzlich von ihr abgesehen. Wer dir in derartigen Dilemmas aus der Patsche helfen kann, ist – na klar – der Bauch: Dein subtiler Ratgeber in Entscheidungsfragen.

Deine Intuition ist allwissend.

Nenn es Bauchgefühl oder Intuition – Namen sind Schall und Rauch. Es ist jedenfalls unser emotionales Erfahrungsgedächtnis und es macht seine Sache richtig gut. Es weiß, was wir gesehen, gehört, gefühlt, gerochen oder geschmeckt haben. Unbewusste oder bewusste Erfahrungen: Es merkt sich alles! Im Moment der Entscheidungsfrage wühlt es dann in seinem Erinnerungsschatz, um uns Antworten bereitzulegen. Meist sogar schon ganz am Anfang eines Entscheidungsprozesses.

Aber warum hören wir so selten darauf?

Das Schwierige an der Sache mit dem Bauchgefühl ist, einen Zugang zu ihm zu finden. Vielen von uns stehen einerseits Stress und andererseits Erziehung und Glaubenssätze im Weg.

Stress ist sowas wie der Endgegner der Intuition. Ausgelöst durch Zeitknappheit oder gefühlsbedingt durch Angst koppelt er uns vom Gefühl in der Körpermitte einfach ab. Schnipp schnapp, Verbindung gekappt. Die Schwierigkeit der Connection mit dem Bauchgefühl liegt aber wohl auch in unserer Erziehung begründet, die den Verstand als Messias der Moderne feiert und alles andere als Esokram abtut.

Sesam, öffne dich! In der Ruhe liegt die Entscheidungskraft.

Die gute Nachricht ist: Der Anfang ist gemacht, denn jeder von uns besitzt Intuition. Die Schwierigkeit liegt darin, diese innere Stimme (wieder) hörbar zu machen. Und das geht am besten in Ruhe.

Um zur Ruhe zu kommen, findet jeder seinen eigenen Weg. Mach einen Waldspaziergang, meditiere, übe eine ruhige Yogapraxis wie Yin Yoga. All das kann dabei helfen, der inneren Stimme das Wort zu erteilen. Und natürlich: Atmen. Ruhiges, bewusstes Atmen.

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Erfolg durch Intuition

Studien haben gezeigt, dass rein analytische Entscheidungen nicht in jedem Fall die besten sind. Der Heidelberger Psychologe Henning Plessner belegte dies in einem Experiment, in dem er Proband*innen bat, die Kursverläufe von fünf verschiedenen Aktien von einem Nachrichtenticker laut vorzulesen.

Gleichzeitig, und das war die vorrangige Aufgabe, sollten sie Werbespots einschätzen, die ihnen auf demselben Bildschirm gezeigt wurden. Keiner der Teilnehmer konnte im Anschluss konkrete Fragen zu den Wertpapieren richtig beantworten. Erst, als sie frei darüber reden durften, wurden sie redselig und stuften die meisten Aktien sogar richtig ein.

Unbewusst nahmen die Proband*innen also zahlreiche Informationen auf, die ihnen zu richtigen Entscheidungen verhalfen. Rational erklären konnten sie die getroffenen Einschätzungen zu den Wertpapieren jedoch nicht. Für die meisten Fragen liegt also irgendwo in uns die Antwort parat. Im Unbewussten, weit weg von Verstand und erlernten Glaubenssätzen.

Mut zum Mut!

Wenn der Zugang zum Bauchgefühl (wieder-)hergestellt ist, brauchen wir eines ganz dringend: Mut! Mut, auf die Intelligenz des Unbewussten, die sich im Bauchgefühl zeigt, zu hören.

Da aller Anfang ja bekanntlich schwer ist, sollte man die Abwägung des 5 Millionen Euro Kredits vielleicht nicht als Versuchskaninchen wählen. Mut zur Bauchentscheidung lässt sich aber auch ganz einfach im Alltag trainieren: Nimm deinen Atem wahr, sei bei dir selbst und beginne am besten mit kleinen Entscheidungen: Rock oder Hose, Party oder Badewanne, Tee oder Kaffee? In der Regel meldet sich unser Bauchgefühl mit dem ersten Impuls.

Je öfter du diese Zusammenarbeit trainierst, desto wohler wirst du dich mit der Intuition als Ratgeber fühlen: Teamwork makes the dream work! Möchtest du dich an größeren Entscheidungsfragen versuchen, probier es mal mit Visualisieren und Fühlen. Zum Beispiel bei der Frage: „Job kündigen oder lieber nicht?“ Wie würde das im Detail aussehen und welches Gefühl nimmst du dabei wahr?

Es gibt viele verschiedene Wege, die eigene Intuition durch innere Ruhe hörbar zu machen. Dem einen helfen stille Orte in der Natur oder Meditationstechniken, die andere baut die Verbindung leichter in Bewegung auf und geht laufen oder findet sich auf der Yogamatte wieder.

Wenn du deinen persönlichen Weg zum Bauchgefühl gefunden hast, wirst du feststellen, wie gut es tut, seinem Rat zu folgen.

Welche Erfahrungen hast du mit Bauchentscheidungen gemacht? Kannst du dich auf dein Gefühl verlassen? Ich freue mich über deine Kommentare!

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