Ein Montagsmantra über das beste Heilmittel der Welt

Eigentlich hatte ich eine wunderbare Idee für das heutige Montagsmantra. Eine Idee, die ich die ganze Woche über mit mir herumgetragen hatte und die nur noch darauf wartete getippt zu werden. Als ich mich am Samstagnachmittag ausgestattet mit Tee und Decke auf die Couch setzte, um das Montagsmantra in den Tiefen des Netzes zu verewigen, tauchte ein Video in meinem Facebook-Feed auf, das innerhalb von 2:35 Minuten meine Idee über den Haufen werfen sollte.

Du musst wissen: Ich bin nicht so der YouTube-Typ. Es ist selten, dass ich ein Video wirklich von Anfang bis Ende ansehe. Vor allem, wenn es länger als zwei Minuten ist. Doch dieses Video von der Autorin und Forscherin Brené Brown über Empathie mochte ich so sehr, dass ich es ein Montagsmantra wert fand. Es spricht ein Thema an, das sicherlich viele sehr gut kennen.

Wenn wir merken, dass es jemandem schlecht geht, versuchen wir sofort es besser zu machen.

Kennst du das? Deine Freundin klagt dir ihr Leid und du suchst sogleich nach aufmunternden Worten. Du versuchst mit aller Kraft das Positive in der verzwickten Situation zu finden? Vielleicht fühlst du dich in der Situation sogar unwohl, weil du merkst, dass all dein Reden nichts hilft. Oder weil dich der Kummer der anderen Person Gefühle in dir auslöst, die dir gerade nicht in den Kram passen. Manchmal taucht in solchen Situation auch Wut auf, ausgelöst durch Gedanken wie „Jetzt mach ich schon so viel und du kuckst immer noch so traurig.“

Na? Hast du dich wiedererkannt? Dann schau dir am besten erst einmal das Video an.

Ich muss zugeben: Ich habe mich ein wenig ertappt gefühlt, als ich das Video wieder und wieder angesehen habe. Obwohl mir theoretisch völlig klar ist, dass ich niemandes Leid durch gutes Zureden auflösen kann, so sind mir sofort einige Situationen eingefallen, in denen ich genau das ganz praktisch versucht habe. Ich muss zugeben: Ich war sehr erleichtert, dass offensichtlich nicht nur ich in diese Falle tappe. Ich zitiere Brené: „We do that all the time.“ Puh!

Fragt sich nur: Warum kleben wir so gerne Trostpflaster auf die Wunden anderer?

Weil wir den Schmerz des anderen in uns spüren. Ganz besonders die Sensibelchen unter uns. Etwas in uns möchte den Schmerz des anderen einfach wegmachen. Nicht nur, weil wir wollen, dass es dem Gegenüber besser geht, sondern auch, weil wir das Gefühl, das der Andere in uns auslöst, nicht aushalten können. Mutiger – und die empathische Lösung – wäre: „Hey, ich weiß, der Ort, an dem du gerade bist, ist nicht schön. Du bist nicht allein.“

Das heißt, du hast immer verschiedene Möglichkeiten:

  1. Du reagierst und beginnst Argumente zu finden, die den Schmerz des anderen (hoffentlich) lindern. Hilft meistens nicht.
  2. Du brichst den Kontakt ab. Manchmal ist das eine sinnvolle Variante, wenn du dich selbst schützen willst.
  3. Du schaffst eine Verbindung zu deinem Gegenüber, indem du seinen Schmerz anerkennst und dich auf die Gefühle einlässt, die der Schmerz des anderen in dir auslöst. Das nennt man dann Empathie.

Ich glaube, dass Nummer 3 in den meistens Fällen eine gute Idee ist. Sich im Mitgefühl – im Gegensatz zu Mitleid (!) – zu üben bedeutet zwar, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und gegebenenfalls Themen zu konfrontieren, die unangenehm sind. Doch mal ehrlich: Wie wohltuend ist es, wenn dich jemand in den Arm nimmt, einfach nur zuhört und Verständnis für deine Situation zeigt? Das ist meistens heilsamer als alle Mittelchen und Tipps zusammen.

Die Wahrheit ist: Ratschläge machen selten etwas besser. Was wirklich hilft, sind echter Kontakt und Verständnis.

In dem Video wird außerdem erklärt, welche Faktoren bei Empathie eine Rolle spielen. Wenn du also mehr Mitgefühl in deinen Alltag bringen willst, bist du gut beraten, wenn du diese vier Punkte versuchst umzusetzen.

  1. Wechsel den Blickwinkel und versetze dich in die Position des anderen hinein. Wenn es mit dem Verständnis nicht klappt, versuche seine Sicht der Dinge als für ihn wahr anzuerkennen.
  2. Urteile nicht. Ahhhhh, das ist so schwer. Wir alle haben Schubladen für alles. Nimm das Nicht-Urteilen entspannt und als Herausforderung, dein Bewusstsein zu schärfen. Das ist ein guter Anfang.
  3. Erkenne die Emotionen anderer als wichtig an.
  4. Und sprich aus, was du wahrnimmst. Ohne zu analysieren.

Wichtig: Pseudo-Mitgefühl aka. Mitleid braucht keiner. Wenn du nicht empathisch reagieren kannst, ist das okay. Manchmal hilft es dann Abstand zu halten anstatt mit Rat um sich sich zu schlagen.

Dein Montagsmantra: Ich stelle mich meiner eigenen Verletzlichkeit und öffne mich für eine echte empathische Verbindung.

Ich nehme mich diese Woche mal wieder selbst ernst und werde mein eigenes Verhalten beobachten. Du auch? Berichte gerne von deinen Erfahrungen. Ich bin gespannt.

Unterschrift XOXO Rebecca_pink

 

 

 

 

 

 

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10 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Rebecca,

    Danke für das tolle Montagsmantra. Ich konnte mich selbst in vielen Punkten wiederfinden und auch meine Freunde und das, was ich mir eventuell in verschiedenen Situationen von ihnen wünschen würde. Ich finde dieser Beitrag bringt es gut auf den Punkt. :)

  2. Ich war heute Nachmittag in einer Situation, in der ich vermutlich zum ersten Mal aufrechtig und tiefgründig Empathie gezeigt und empfunen habe. Eine Bekannte hat moch beim trampen mitgenommen und wir kamen nach kurzer Zeit auf ihr Leben zu sprechen und wie schlecht es ihr im Moment geht. Ich habe nur einfach nur zugehört und hatte ein enormes Gefühl von Verbundenheit. Das war fantastisch!

  3. Dieses Montagsmantra passt sehr gut zu meiner momentanen Situation.. Meiner Freundin geht is sehr schlecht und ich bin die einzige der sie sich öffnet. Sie gesteht mir, dass sie sich selbst hasst und sich nie lieben kann und dass sie regelmäßig Nächte durchweint. Wenn sie mir das erzählt belastet mich das und ich habe lange nicht gewusst was ich machen soll. Mich hat das runtergezogen. Ich glaube ich bin jetzt auf dem Weg zu erkennen, dass ich ihr nicht helfen kann und auch nicht soll und, dass das nun mal so ist. Ich trage dafür keine Verantwortung. Aber ich kann bei ihr sein. Ich kann einfach die sein, die ihr zuhört, Diejenige, die sagt, dass sie verstanden wird. Ich hoffe, dass wir beide das hinbekommen; dass es ihr bald besser geht und, dass ich ihr eine gute Freundin sein kann ohne mich runterziehen zu lassen und trotzdem mit ihr zu fühlen

  4. Sehr gutes Montagsnantra. Vielen Dank dafür.

    Mir sind auch sofort einige Situationen eingefallen, in denen ich vermutlich zu sehr versucht habe alles gutzureden wenn es jemandem schlecht ging, das ist so eine Angewohnheit von mir… Dein Beitrag und das Video sind eine gute Inspiration in Zukunft zu versuchen mehr auf Empathie zu setzten.

    Ich denke das allerwichtigste ist wirklich das zuhören und dem gegenüber zu vermitteln, dass Mann es ernst nimmt. Ich denke aber auch, dass es Situationen gibt in denen man zumindest den ein oder anderen Impuls geben kann und vielleicht etwas von einem selbst erzählen kann. Ich würde dass individuell entscheiden, besonders abhängig davon, ob ich schon in ähnlichen Situationen gewesen bin.

    Man sollte da jedes Mal aufs Neue einen gewissen Mittelweg finden vermute ich.

    Liebe Grüße

  5. Liebe Rebecca.
    Vielen Dank für das Montagsmantra. Ich ordne mich den Sensibelchen zu, da ich sofort mit anderen mitfühlen kann und helfen möchte wo ich nur kann. Sich in Mitgefühl und Empathie zu üben ist manchmal gar nicht so einfach. Vor allem dann nicht, wenn man schon mal in einer ähnlichen Situation war. Am Liebsten möchte man alle Tipps und Tricks teilen und vergisst dann, dass man nur noch von sich selbst redet, anstatt dem anderen zu zuhören. Schnell gerät der andere in den Hintergrund. Dabei weiß man gar nicht, ob dem anderen diese Tipps und Tricks wirklich helfen, schließlich sind wir alle anders. Es ist nicht einfach, aber wenn man es versucht, ist die Dankbarkeit des anderen und die daraus entstehende Verbindung UNBEZAHLBAR.

    Vielen Dank für deine schönen Worte.
    Eine schöne Woche wünsch.
    Liebe Grüße,
    Marisa

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