Die Macht ist in der Hand

Es ist nicht so überraschend, dass sich die junge Generation, die so sehr auf gesundes Essen achtgibt, so leidenschaftlich mit dem Thema des Verdauens beschäftigt. Verdauen ist ein Prozess der Macht. Der Appetit wird gestillt, indem wir eine (tote) Substanz ergreifen, zermalmen, einverleiben, von ihr das Beste behalten und den unbrauchbaren Rest ausscheiden. Die Konsequenz: Je besser wir verdauen, desto stärker, gesünder, schlanker und wohler fühlen wir uns. Und das ist doch das Ziel von jedem von uns, oder? Fit, glücklich und stark zu sein.

Das Fett gilt heute nicht mehr als ein Statussymbol der Reichen, sondern als ein Zeichen der Armut. Ein Topmanager kann sich heutzutage nicht erlauben dick zu sein. Übergewicht, die Epidemie unserer Zivilisation und ein wesentliches Merkmal schlechter Verdauung, ist etwas geworden, wovor man Angst hat. Mir genügt nur ein Blick nach draußen und ich sehe es überall bestätigt. „Selbst schuld“, kommentiert eine junge, selbstbewusste und muskulöse Dame in der U-Bahn, als ein übergewichtiger Arbeitsloser, der zufällig noch ein Ausländer ist, an ihr vorbeigeht. „Hätte er wirklich nichts zu Essen, wäre er auch nicht dick. Außerdem, kostet das Joggen gar kein Geld.“ Der Körper dieses Mannes repräsentiert alles, wovor sich das Mädchen fürchtet: Leistungsunfähigkeit, Kohlenhydrate, Armut und so weiter. Die Migrationsthematik hat die junge Dame möglicherweise auch nicht richtig verdaut.

Zu dem mächtigen Akt des Verdauens gehören nicht nur unsere inneren Organe, von denen heutzutage so oft die Rede ist.

Der Darm ist in der Tat ein charmantes Organ. Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken, wenn wir uns auch den anderen Spielern der Macht zuwenden. Dazu gehören beispielsweise Augen, Zähne, Nase, Fingernägel usw. Schauen wir uns unsere Hände genauer an:

Hände benutzen wir unter anderem für die materielle Kommunikation. Geschenke, Essen, Waren, etc. werden gewöhnlich mit der Hilfe der Hände ausgetauscht. Daher liegt es auf der Hand, woher das Wort „Handel/handeln“ kommt. Auch wenn sie ganz entspannt sind, sind unsere Handflächen nie ganz offen und die Daumen sind immer Einzelgänger. Diese fortentwickelten (oder eben zurückentwickelten?) Krallen brauchten wir nicht nur dafür, um uns an Ästen festzuhalten oder auf Bäumen bewegen zu können, sondern auch zum Ergreifen der Beute. Dieser Griff musste fest, manchmal auch tödlich sein, sonst wäre der Hungrige ohne Essen geblieben.

Zwischen dem Essen und der Hand steht heute in meisten Fällen ein Instrument. Konkret: Das Besteck. 

Der Löffel ist wohl das älteste Medium, das das Essen von außen nach innen transportiert hat. Die schöpfende Hand, aus der man ursprünglich Wasser geschlürft hat, ist der erste Löffel. Dieses Werkzeug wurde zunächst aus Knochen oder aus Holz gebaut. Jeder von uns hat einen Holzlöffel zuhause. Die Mehrheit in unseren Schubladen bilden die modernen Löffel aus Metall, doch ein Kochvorgang ohne einen Holzlöffel ist nicht zu denken. Mit einem Metalllöffel im Topf umzurühren, fühlt sich doch unnatürlich an, oder?

Unser Essen ist nicht nur von den bio-klimatischen Einflüssen gekennzeichnet, bestimmt und weiterentwickelt worden.

Auch wenn wir natürliche Lebensmittel und ihre Zubereitung in unseren Alltag zu integrieren versuchen, benutzen wir weiterhin verschiedene Küchengeräte, um die Speisen einzunehmen. Weißkohl mit einem Holzmesser zu schneiden, wäre eine Herausforderung für die Nerven. Spagetti ohne Gabel ein Alptraum. Dabei darf nicht vergessen werden, dass alle Besteck- Utensilien, die uns ständig im Alltag begegnen, zur Verteidigung des eigenen Essens und als mächtige Waffen benutzt werden (können).

Diese Suppe ist die Verbindung der Epochen und deshalb auch zeitlos. Sie ist mit einem Holzlöffel selbstgekocht. Ihre Grundzutaten sind traditionelle Gemüsesorten, kombiniert mit einer modernen Gewürzfusion. Kartoffel und frische Erbsen, die Basis des Geschmacks der Suppe, erinnert an die Kindheit, als wir keine feste Nahrung zu uns nehmen konnten. Rosen, Limetten, Jogurt, Kardamom stehen für die schönsten Momente unseres Lebens. Der Löffel aus Metall assoziiert die Zukunft. Und die ganze Komposition dieser Suppe steht für das Hier und Jetzt. Diese Suppe entwaffnet eine ganze Armee. Und fördert das Verdauen!

Deine Nikolina

Rezept: Erbsensuppe mit Limetten-Kardamom Joghurt und Rosenblüten

www.ritual-cuisine.com

Zutaten für die Erbsensuppe (für 2 Personen/ 4 Teller):

  • 2 EL Ghee (oder Kokosnuss Fett)
  • 2 Schalotten, grob gehackt
  • 2 Knoblauchzehen, grob gehackt
  • 1 mittelgroße Stande Lauch, geputzt, in 1 cm dicke Scheiben geschnitten
  • 2 kleinere, oder 1 große Kartoffel, geschält und in 2 cm große Würfel geschnitten
  • 1 l Gemüsebrühe
  • 400 g frische Erbsen (geschält. Gefrorene würden auch gehen, aber frisch ist frisch.)
  • grobes Meersalz und weißer Pfeffer

Zubereitung:

  1. Das Ghee (oder Kokosnuss Fett) in einem großen Topf bei mittlerer Temperatur erhitzen. Die Schalotten und den Knoblauch darin 4-5 min. anschwitzen, bis sie weich sind, dabei ab und zu umrühren.
  2. Den Lauch zugeben, weitere 2 min. anbraten, dann die Kartoffel hinzufügen. Gut umrühren, nach weiteren 5 min. die Gemüsebrühe angießen. Bei starker Hitze zum Kochen bringen und anschließend bei mittlerer Temperatur ca. 10 min. garen, bis die Kartoffel weich sind, aber nicht zerfallen.
  3. Die Erbsen dazugeben und 2 min. Mittwochen. Vom Herd nehmen, 2 TL Salz und 1 TL weißen Pfeffer untermengen und die Suppe mit einem Stabmixer fein pürieren.

Zutaten für den Limetten- Kardamom Joghurt mit Rosen:

  • 4 EL Joghurt (deiner Wahl: griechisch oder Soja)
  • 1 EL Rosenwasser
  • Saft von 1/2 Limette
  • geriebene Schale von 1/2 Limette
  • 1/2 TL Kardamom
  • einige getrocknete Rosenblätter (nicht irgendwelche, sonder die essbaren)
  • 2 Cashewnüsse, fein gehackt

Zubereitung:

  1. Alle Zutaten außer getrockneten Rosenblüten und Cashewnüsse in einem kleinen Schüssel vermengen und gut umrühren.
  2. Die Suppe in die Teller verteilen und jeweils 1 EL Limetten-Joghurt hineingeben und mit Rosenblättern und gehackten Cashewnüssen garnieren. Sofort servieren.

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