Die Kraft des Singens: Warum ich Bhakti Yoga liebe

Bhakti Yoga? Ist das der neue urbane Yogatrend oder ein neuer Ernährungshype? Nein, ganz im Gegenteil, die Traditionen des Bhakti Yoga sind älter als jeder herabschauende Hund.

Bhakti Yoga – der Yoga der puren Hingabe

Neben Raja Yoga, Karma Yoga und Jnana Yoga ist der vierte große Yogapfad Bhakti Yoga.

Bhakti können wir mit Hingabe, Anteilnahme, Anbindung oder auch Liebe, Ergebenheit und Frömmigkeit übersetzen. Gemeint sind damit Rituale oder Praktiken, die Hingabe an das Göttliche symbolisieren oder verstärken.

Im Hinduismus gibt es zahlreiche Stränge der Bhakti Traditionen, welche oft bestimmte Gottheiten besonders verehren. Besonders bekannt sind die Krishna-Devotees, die ihr hare krshna bereits in die letzten Winkel der Welt getragen haben. Dabei muss das Göttliche nicht unbedingt in Form von Shiva, Krishna, Jesus oder Allah symbolisiert sein, sondern kann deine ganz eigene und persönliche Form haben.

Zu den Bhakti Yoga Ritualen zählen Rezitationen von Mantren in der Japa-Meditation, Rituale wie Puja (Feuer- und Reinigungszeremonien), die Verehrung von Gottheiten in Form von Altären, die selbstlosen Dienste (Seva oder Karma Yoga) aber auch das Singen von Mantren. Gerade letzteres erfreut sich immer größerer Beliebtheit auch in westlichen Yogastudios. Und ich muss sagen: Meine Hingabe an das Göttliche drückt sich wohl am besten aus, wenn ich laut singe.

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Nada Yoga- wir sind alle Sound

Nada beschreibt den Klang und Nada Yoga ist die Idee, dass wir letztlich alle aus Klangwellen bestehen. Schaut man sich die kleinsten Moleküle und Quarks an, so finden wir nur Wellen von Sound – wir bestehen also aus Klängen.

Musik ist die wohl internationalste Sprache der Welt. Klänge berühren uns alle auf eine ganz ähnliche Weise und „sprechen“ zu uns. Sound ist auch eine unglaublich inklusive Sprache, weil sie über Grenzen und Klassen hinweg funktioniert und wir nicht viel können oder tun müssen als zu hören.

 

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Von allen Sinnen würde mir der Hörsinn wahrscheinlich am meisten fehlen. In so gut wie allen spirituellen Traditionen spielt Musik und der gemeinsame Gesang eine zentrale Rolle. Es scheint mir deshalb wenig zufällig, dass Westler*innen außerhalb von Kirchen und Yogastudios am ehesten in Clubs und auf Festivals ekstatisch tanzen und sich dabei selbst finden – nun ja, die bewusstseinsverändernden Substanzen verstärken den Effekt von Klang dann eben.

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Insofern finde ich es sehr naheliegend, auch mit Musik Yoga zu üben und Klänge, Singen und Musizieren zu nutzen, um Yoga, also Einheit und Verbundenheit, zu erfahren.

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Sanskrit – Heilige Klänge

Im Bhakti Yoga wird genau das getan, meist in Kombination mit Sanskrit. Sanskrit ist nicht nur eine der ältesten Sprachen der Welt und gilt als Ursprungssprache der indo-europäischen Sprachen, sondern ihm wird auch eine heilende Wirkung durch die besonderen Klänge nachgesagt.

Das moderne Sanskrit ist immer noch die heilige Sprache vieler Hindus, schließlich wurden ihre religiösen Schriften (wie die Veden, die Upanishaden und die Bhagavad Gita) auf Sanskrit verfasst und werden auch heute noch so vorgetragen.

Die heilende und beruhigende Wirkung lässt sich aber auch damit erklären, dass in den meisten Bhakti-Yoga-Songs Mantren oder die Namen von Gottheiten gesungen werden. Diese sollen unseren „Geist durchschneiden“ (man = Geist; tra = durchschneiden) und damit Ruhe und Klarheit herstellen.

Auch bei der Japa-Meditation wird sich diese Technik zu Nutze gemacht. Wer Japa als Praxis hat, wiederholt das Mantra bei jeder Ein- bzw. Ausatmung. Zum Beispiel: Einatmen Om Namah, Ausatmen Shivaya und so weiter. Meistens benutzt man dazu eine Mala, die man während des Rezitierens langsam durch die Finger gleiten lässt. Eine Perle, ein Mantra, eine Ein- und Ausatmung.

Wenn die Sanskritlaute gesungen werden, verstärkt sich dieser Effekt noch. Wirklich wissenschaftliche Erklärungen zur Wirkung von Sanskrit gibt es meines Wissen nicht. Dennoch kann ich aus eigener Erfahrung und Beobachtung nur sagen: Irgendwie geht da was ab…

तस्य वाचकः प्रणवः
tasya vācakaḥ praṇavaḥ
Chante allzeit OM, denn Gott ist OM, höchste Musik.

Patanjali Yoga Sutra I.27

Was das Singen mit dir macht

Manchmal denke ich ja, ich bin ein bisschen schizo. Denn ich steh schon auch sehr auf elektronische Klänge und harte Bässe – Berlinerin eben. Aber auch die Weichheit von Klassik und Mantra-Musik geht mir einfach sofort unter die Haut.

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Ich kann es eigentlich gar nicht genauer erklären – aber Bhakti Yoga tut einfach gut!

Bei Bhakti geht es ums Fühlen, nicht so sehr ums Denken. Wenn ich manchmal auch nur einen Song mit vollem Herzen mitsinge, geht es mir instant-mäßig gut. Gerne spiele ich dazu auch Harmonium, Gitarre oder Cello. Ich fühle mich freier, entspannter und zufrieden. Wohl weil die Klänge in uns resonieren und wir uns ganz hingeben.

Inzwischen ist es mein Geheimrezept bei akutem Stress oder wenn ich Ärger verspüre. Einmal laut mit Liebe singen und ich kann die Dinge gleich von einer etwas liebevolleren Seite betrachten. Zur Not auch auf dem Fahrrad auf dem Weg zum nächsten Termin – so haben gleich viele was davon. Dann passiert Magie oder eben der „Wechsel der Perspektive“ (Sharon Gannon).

Anders ausgedrückt: Während du hingebungsvoll Mantren singst, kann dein Geist eigentlich nicht mit Ärger, Frust oder Hass beschäftigt sein.

Beim Bhakti Yoga ist es übrigens völlig egal, ob du glaubst, dass du gut singen kannst oder nicht. Deine Stimme wird umso wohlklingender, je freier und offener du sie zulässt. Dann ist sie immer schön. Deshalb: Sing lauthals mit“

Ich habe dir auf Spotify meine Lieblinge des Bhakti Yoga zusammengestellt. Hör unbedingt in Bhakti Love rein und lass deine Stimme mitgehen. Hast du weitere Lieblingssongs? Dann lass es mich wissen und ich nehme sie gern in die Playlist mit auf.

Tipp: Jannas Playlist ist eine Fundgrube für tolle Mantren. Anhören!

Viele Yogastudios bieten übrigens regelmäßig einen Satsang mit Chanting oder Kirtan an, in der Regel ist das auch kostenlos. Zum Beispiel immer sonntags bei Peace Yoga Berlin, dem Yogastudio, indem Rebecca, Ulrike und ich unterrichten. In Gemeinschaft mit anderen geht Bhakti Yoga oft noch viel tiefer, weil wir uns über die Musik verbinden. Und worum geht es im Yoga, wenn nicht um die Verbindung?

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Auch auf der Yogamatte kannst du mitsingen. Zwar ist ein regelmäßiger Ujjayi-Atem dann nicht mehr möglich, dein Atemapparat ist aber umso entspannter. Sing it out!

LOVE,
Janna

Bilder: Lydia Hersberger
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