Dein Mantra für mehr Pünktlichkeit

Das heutige Montagsmantra liegt mir besonders am Herzen. Ich habe es von meiner Yogalehrerin Julia Moton, zu der ich mich sehr verbunden fühle. Und es hat mir eine große Baustelle in meinem Leben gezeigt.

Wie ich zu dem Mantra kam

Als Julia im Mai für einen Workshop aus Los Angeles nach Berlin angereist kam, nutzte ich die Gelegenheit, um ihr meine Kundalini-Yoga-Fragen, die mir als Yogalehrerin auf der Seele brannten, zu stellen. Als ich das kleine Café in Prenzlauer Berg mit meinem High-Speed-Bike genau auf die Minute erreichte, saß Julia schon draußen entspannt auf einer Bank, trank genüsslich einen L.A. Coldpress Juice und strahlte mich an.

Wir begrüßten uns, kamen ins Plaudern und ich stellte ihr alle Fragen, die mich so beschäftigten. Dabei vergaßen wir total die Zeit. Als ich zwei Stunden später auf die Uhr schaute, stellte ich mit erschrecken fest, dass ich gerade meine Anschluss-Verabredung warten ließ! Als ich gerade in Aufbruch-Stress verfallen wollte, nahm Julia meine Hand und sagte mir mit ruhiger Stimme: „Weißt du, ich habe da so ein Mantra, dass mich immer begleitet. Es heißt:

You are always perfectly on time.

Sie erklärte mir, dass das, was gerade passiert, immer einen Sinn ergibt, auch wenn wir ihn jetzt noch nicht erkennen können. Als notorische Zuspätkommerin hatte ich viele Fragezeichen dazu im Kopf, wie zum Beispiel „Dann bin ich immer pünktlich, obwohl ich immer zu spät komme und Leute warten lasse?“

Im Vertrauen darauf, dass sie Recht behalten sollte, nahm ich das Mantra trotzdem an und radelte nun ganz gemütlich zu meiner nächsten Verabredung. Auch sie saß ganz entspannt draußen vor dem verabredeten Café und strahlte mich an. Als ich mich für meine zwanzig! minütige Verspätung entschuldigte, reagierte sie nur mit „Alles gut“ und so brauchte ich gar keinen großen Erklärungstext ableiern.

Was daraufhin bei mir passierte, war spannend! Ich begann mich nicht mehr zu stressen, wenn ich mal wieder knapp dran war und setzte meine Anreise ganz entspannt und gelassen fort. Wenn ich zu Fuß unterwegs war, setzte ich meine Breathwalk-Meditation ein.

Und dann geschah ein Wunder

Mir wurde mir klar, dass ich regelmäßig Stress-Situationen in meinem Leben inszeniere. Der alte Glaubenssatz dahinter: „Es gibt nie genug Zeit“ und vor allem nie genug Zeit für mich. Und so schaffte ich mir (teilweise immer noch) Situationen, in denen das tatsächlich so ist, allerdings nicht, weil etwas Dringendes dazwischengekommen ist, sondern weil ich noch schnell Abwaschen „musste“ oder Wäsche aufhängen „musste“ oder einen Anruf annahm, obwohl es an der Zeit war loszugehen.

Durch dieses Zuspätkommen verschaffte ich mir regelmäßig einen Adrenalin-Kick, der meine Energie hochhielt.

Es ist wie eine Fehlprogrammierung:

Gesund wäre es, extra früh zu kommen, sich schon mal zu setzen, durchzuatmen und sich auf den Gesprächspartner vorzubereiten. So machen es Menschen, die sehr bei sich sind und aus der Kraft der Ruhe schöpfen.

Menschen wie ich schaffen sich unbewusst Stress-Situationen und holen sich ihre Kraft nicht durch Selbstzentrierung und Ruhe, sondern durch Hetzen und damit verbundenen Adrenalin-Ausstoß.

Solche Verhaltensweisen entstehen durch erlebten Stress. Wenn Körper und Geist nicht genug Ruhe und Zeit bekommen, suchen sie sich andere Mittel, um an Energie zu gelangen. Sie zapfen die Nebennieren an, die uns eigentlich nur für Fluchtsituationen das „Redbull-Hormon“ Adrenalin produzieren.  Der Geist schafft die Situation, damit der Körper das benötigte Adrenalin ranschaffen kann.

Wenn du auch zu diesen Duracell-Hasen gehörst, darfst du dein Stressmuster jetzt wieder verlernen.

Hier sind konkrete Tipps für dich:

1. Wenn du zu spät dran bist, sag dir dein Mantra „Ich bin immer genau pünktlich“. So nimmst du deinem Stressmechanismus die Grundlage.

2. Bitte deinen Termin um Verzeihung und sage, dass du ein Pünktlichkeits-Thema hast und daran arbeitest. Keine Ausreden mehr! Das Aussprechen von Problemen zeigt deinem Geist, dass sie da sein dürfen und jetzt gelöst werden können.

3. Respektiere  deine eigene Zeit und du wirst die Zeit deiner Termin-Partner respektieren. Nimm dir mehr Zeit für dich und halte dich daran. Sag deinem Chef, dass du nicht länger arbeiten kannst, weil deine Yogastunde wichtig für dich und deine Erholung ist. Verabrede dich mit dir selbst zum Abendessen und mach dafür besonders pünktlich Feierabend, damit du die Zeit mit dir in Ruhe genießen kannst. Starte eine konsequente Morgenroutine und nimm deine Bedürfnisse nach „Me-Time“ ernst!

4. Plane utopisch! Mach dich für deine Verabredungen und Termine extra früh auf den Weg und nimm dir vor, noch vor Ankunft des anderen einen Tee zu trinken oder wenn du zum Beispiel ein Bewerbungsgespräch hast, geh vor Ort in ein Café und genieß ein Getränk. Auch hier gilt, keine Ausreden. Mach dir die Zeit! Sage etwas anderes ab, wenn du sonst hetzen müsstest.

5. Mach Zu-Früh-Kommen zu deinem Zen-Ritual. Für mich war es das Wichtigste, Freude am Zu-Früh-Kommen zu entwickeln. Ich musste die wahrgenommene Langeweile in Freude umprogrammieren; die Ruhe in ein Kraft-Ritual verwandeln. Inzwischen liebe ich diese kleinen Zeitfenster am Tag, in denen ich kurz Zeit für mich habe. Manchmal zelebriere ich es auch einfach, in der Wartezeit durch mein Instagram zu scrollen.

Auch wenn du kein Zuspätkommer bist, kann dir das Mantra etwas Großartiges für diese Woche geben.

Vielleicht fühlst du dich zu alt, um etwas Neues anzufangen oder du ärgerst dich, dass du ein Sache nicht schon viel früher getan hast, oder du bist Single und fragst, ob du Mr. Perfect schon verpasst hast. Vergiss es!

You are always perfectly on time

Alles hat seine richtige Zeit. Vertraue darauf, dass auf dieser Welt alles in perfekter Ordnung ist. Ich habe einen ganz tollen Kunden, der sich erst nach einer tödlichen Krebsdiagnose im Alter von 60 Jahren selbstständig gemacht hat. Heute ist er kerngesund, erfolgreich und glücklich. Er brauchte seinen Prozess. Er war genau pünktlich!

Starte gut und pünktlich in die Woche,

Deine Franziska

Photocredit: Sonja Langford

4 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Franziska-daaaaanke! Das war gerade eine genaue, aufschlussreiche Erklärung warum ich immer zu spät dran bin.. toller Artikel!

  2. Liebe Franziska, liebe Rebecca,

    Danke für eure tollen Montagsmantras. . Sie sind immer so wundervoll geschrieben. Ich habe beim Lesen so lachen müssen, denn auch ich bin immer in Eile und oft zu spät. Eben eine notorische Zuspätkommerin. Wenn der Tag 36 Stunden hätte, würde ich auch diese voll bekommen. Ich werde das Mantra gleich morgen testen. Und freue mich schon darauf, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
    Ich wünsche Euch beiden eine wundervolle, entspannte und schöne Woche,

    Herzlichst Christina

  3. Oh mann, Franziska…ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll…!

    Das ist echt mein Thema! Meine Mutter war IMMER unpünktlich und ich habe es gehasst…und heute, ähem…

    Ich möchte das sooo gerne hinbekommen, also: Just in time. DANKE, DANKE, DANKE!

    Catalina

  4. Eure Montagmantras sind mittlerweile ein fester Bestandteil meines Lebens! In der Tat war ich heute morgen etwas enttäuscht, als nicht, wie gewöhnlich, pünktlich um sieben Uhr das Montagsmantra für diese Woche in meiner Mailbox war. Aber umso mehr freue ich mich jetzt:-) Komme gerade vom Joggen und Schwimmen am Meer (Meia Praia in Lagos, Algarve) und auch dieses Mal triffst du genau ein Thema, das mich beschäftigt und noch immer viel Energie kostet: Unpünktlichkeit und im allgemeinen die Frage „Zeit“. Deshalb lese ich zur Zeit MOMO, so aktuell und einfach nur gut geschrieben. Michael Ende ist ein Visionär. Ich lese das Buch langsam ohne Druck und Muss…
    Ich wünsche dir und Rebecca einen guten Start in die neue Woche und gebe die Idee nicht auf, dass ihr vielleicht früher oder später einen Workshop hier in der Algarve organisiert. Ich habe Kontakte.
    Beijinos, Verena

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