Das kannst du aus zwanzig Jahren Yogalehrer-Erfahrung über Asanas und Sequenzen lernen

„Nicht jede Asana ist für alle zur gleichen Zeit die richtige!“

[themecolor]Mark Stephens[/themecolor] ist ein renommierter Yogalehrer aus Kalifornien, Autor vieler systematischer Yogalehrbücher und Ausbilder zahlreicher Yogalehrender. Er lehrt bereits seit über zwanzig Jahren Schüler auf der ganzen Welt. Unsere Gastautorin Janna Aljets hat ihn zwei Tage lang bei seinem ersten Workshop in Berlin bei [themecolor]Spirit Yoga Zehlendorf[/themecolor] begleitet.

Sie nutzte die Gelegenheit und hat ihn nach seinem Wissen aus über zwanzig Jahren Lehre und die perfekte Anordnung von Asanas und Sequenzen  gefragt:

Was war deine größte persönliche Veränderung durch die Praxis von Yoga?

Auf jeden Fall, dass ich ehrlicher mit mir selbst geworden bin und eine klarere Vorstellung davon bekommen habe, wer ich bin. Daraus haben sich eine kreative Klarheit und Offenheit und auch gesündere Beziehungen zu anderen Menschen entwickelt. Natürlich wird man durch Yoga auch stärker und gesünder, aber sehr viel wichtiger ist das tiefe Selbstverständnis.

Wie kam es dazu, dass du dich mit Sequencing, der Anordnung von Asanas, beschäftigt hast? Was fasziniert dich an der strukturierten Anordnung von Asanas?

Ich denke, dass Sequencing wichtig ist, weil unser Körper sich auf bestimmte Arten besser öffnet als in anderen. Als Lehrer möchte ich, dass Yoga für meine Schüler nachhaltig wirkt und der Schlüssel dazu liegt darin, die Yogapraxis sicherer und machbarer zu gestalten. Mit den Methoden des Sequencing können wir Klassen gestalten, in denen Yogaübende Asanas wirklich verstehen und tiefer in sie eintauchen können.

Was sind die wichtigsten Prinzipien für die Anordnung von Yoga-Sequenzen?

Das Hauptprinzip lautet: Sich vom Einfachen zum Komplexeren bewegen. Innerhalb dessen sollten die konstituierenden Elemente einer Asana berücksichtigt werden. Der Lehrer muss also wissen, was nötig ist, um in eine bestimmte Asana zu kommen und was eine natürliche Art und Weise sein kann, sich auf diese vorzubereiten.

Dann ist es wichtig, die natürliche Dynamik des Körpers als Instrument zu benutzen, um in der Klasse mehr Stabilität zu erreichen. Das heißt, dass Asanas so angeordnet werden, dass sich die Schüler vom Dynamischen zum Stabilen bewegen.

Ist es denn gefährlich, wenn Schüler oder Lehrer diese Prinzipien des Sequencing nicht kennen?

Ich finde es wunderschön, wenn die eigene Praxis absolut zufällig und willkürlich zusammengesetzt ist, besonders wenn die Übenden sich so bewegen, wie es sich gut anfühlt. Aber als Lehrer respektierst du deine Schüler durch das gezielte und organisierte Planen einer Klasse mehr, denn davon werden sie sehr viel mehr haben.

Wenn jede Klasse nach besonderen Bedürfnissen ausgerichtet ist, widerspricht das nicht dem Anspruch, dass eine Yogaklasse für alle Menschen möglich sein soll?

Es ist sehr herausfordernd in einer Klasse, besonders wenn diese einfach nur „Yoga“ heißt. Deshalb finde ich es hilfreich zwischen Klassen zu unterscheiden. Das Yoga, das ich meiner Großmutter unterrichte ist ein anders als das, was ich meiner Enkeltochter unterrichten würde.

Ich glaube daran, dass jeder Yoga üben kann, aber es sollte an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden. Es kommt tatsächlich auf den Lehrenden und seine/ihre Erfahrung und Wissensschatz an, um sich auf individuelle Bedürfnisse einzustellen und verschiedene Optionen anzubieten. Zum Beispiel könnte an einer Stelle einer Klasse von Einigen Handstand geübt werden, während andere Adho Mukha Shvanasana üben und wieder andere in Balasana ausruhen. So kann ein Yogalehrender viele Klassen in einer einzigen unterrichten.

Was hast du beim Unterrichten von mental Kranken und jungen Kriminellen in Gefängnissen gelernt?

Es hat mir die Augen für die Notwendigkeit von klaren Anweisungen und Hilfestellungen geöffnet. Als ich anfing im Jugendgefängnis zu unterrichten, war ich mit zahlreichen Zuständen der Schüler konfrontiert, auf die ich nicht vorbereitet war. Viele Schüler waren depressiv, voller Sorgen und traumatisiert und so musste ich die Klassen auf diese sehr speziellen Bedürfnisse und Situationen anpassen. Das ist auch Teil meiner Motivation gewesen, ein [themecolor]Buch über Sequencing[/themecolor] zu schreiben.

Als Yogalehrende haben wir die Möglichkeit einen Raum in der Klasse zu schaffen, in der Schülerinnen ihre Gefühle erleben können. Auch wenn die tatsächliche Yogapraxis ganz ähnlich sein mag, muss sie an besondere Bedürfnisse angepasst werden.  Zum Beispiel habe ich sehr gute Erfahrungen mit beruhigenden Asanas und Meditation im Jugendgefängnis gemacht, da die jungen Menschen selten Gelegenheiten des Rückzugs und der Stille hatten.

Und was ist deine persönliche Lieblings-Yogasequenz?

In meiner eigenen Yogapraxis mache ich immer das, was sich in dem Moment am besten anfühlt: Und das ist immer etwas anderes! Auch wenn ich unterrichte, ändert sich das immer. Ich versuche meine Sequenzen so angenehm wie möglich zu machen. Es kann nie darum gehen, wie schön eine Sequenz aussieht, sie muss für meine Schüler funktionieren.

Wenn ich aber eine Sequenz wählen müsste…Ich mag die Sonnengrüße, besonders Surya Namaskar B, denn er bezieht den gesamten Körper mit ein und beinhaltet alles außer Twists. Die Sonnengrüße erwecken den Atem und jeden Teil meines Körpers. Daher sind sie immer noch ein großer Lehrer für mich.

Die perfekte Kurz-Sequenz: Welche Asanas sollte man üben, wenn man nur 20 Minuten Zeit hat?

Das kommt wieder auf die Bedürfnisse und die Situation des Yogaübenden an. Aber wenn man allgemein fit und gesund ist, würde ich 5 bis 10 Minuten Sonnengrüße üben. Dann können auf dem Boden ein paar Rückbeugen geübt werden, um die Vorderseite des Körpers zu strecken und im Anschluss ein paar einfach Twists zur Neutralisierung. Die Praxis ist komplett, wenn dann noch ein paar Vorbeugen geübt werden und zum Schluss in Shavasana geruht wird.


Mark Stephens Buch „[themecolor]Yoga-Workouts gestalten[/themecolor]“ bietet 67 Asana-Übungssequenzen für die Gestaltung von eigenen Klassen und für die unterschiedlichsten Konditionen. Er bietet hier Yoga-Sequenzen für Kinder, Senioren und Schwangere, für bestimmte emotionale Zustände und auch für die Abstimmung auf Chakren und Ayurveda-Typen. Ganz besonders wertvoll ist der ausführliche Anhang, in dem unter anderem Vorbereitungen für viele bekannte Asanas benannt werden. Ein Muss für alle Yogalehrenden und ein Motivations-Kick für die eigene, ganz persönliche Praxis zu Hause.

Das Buch gibt es zum Beispiel über [themecolor]Amazon[/themecolor] für 24,99 Euro.

[highlight] Über Janna

Janna AljetsJanna Aljets hat Politikwissenschaften und Spanische Philologie in Berlin studiert und arbeitet als Projektleiterin bei einer Umweltschutz-NGO. Zwischendurch muss sie immer wieder ihren kleinen Rucksack samt Yogamatte schnappen, um in die Welt zu reisen. Am Yoga fasziniert sie das Finden ohne Suchen, der Frieden ohne Kampf und das Gegenwärtige der uralten Schriften. Nicht zuletzt sieht sie Yoga auch als aktive politische Praxis, um das Leben anderer etwas harmonischer zu gestalten. Sie ist zertifizierte Jivamukti-Lehrerin und unterrichtet bei Peaceyoga Berlin. Und obwohl sie Yoga liebt und lebt, misstraut sie allen zu strengen Dogmen und sagt manchmal auch Fuck it! zur täglichen Meditation, um den Kater von letzter Nacht auszuschlafen. Om Miau! [/highlight]

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