Auf der Suche nach dem inneren Licht mit Gabby Bernstein

Als ich im Foyer des Hamburger Seminargebäudes ankomme, herrscht bereits buntes Treiben. Ich bleibe in der Menge stehen, suche Orientierung und mustere dabei die anderen Seminarteilnehmer. Selbstbewusste, attraktive und hipp gekleidete Frauen zwischen 30 und 40 schlängeln sich um einen Bücherverkaufsstand mit esoterischer Ratgeber-Literatur. Es gibt sie also tatsächlich, die neue Generation spiritueller Frauen, die selbstbestimmt mit beiden Beinen oder vielmehr mit beiden High Heels im Leben stehen.

Für diese Frauen ist Gabrielle Bernstein ein großes Vorbild.

Denn die New York Times Bestseller Autorin lebt vor, dass Spiritualität und Business kein Widerspruch sind und dass Make-Up und Mala-Kette perfekt miteinander harmonieren. Viel wichtiger aber: Mit ihrem eigenen Lebensstil beweist sie, dass eine spirituelle Lebenshaltung dem eigenen Erfolg und Glück einen Extraboost geben kann.

Vielleicht ist das der Grund, warum der Saal, der ein bisschen an ein modernes evangelisches Kirchenhaus erinnert bis auf den letzten Platz besetzt ist. Die Suche nach etwas Größerem, dem wir unseren Erfolg widmen können. Etwas, das uns auch noch strahlen lässt, wenn wir die hart erarbeitete Cartier-Halskette abends ablegen.

Ohne großes Tam-Tam kommt Gabby, wie sie von ihren hauptsächlich weiblichen Fans genannt wird, auf die Bühne.

Gerade mal 1,60 ist die zierliche Powerfrau groß.

Ihrer Präsenz, die gesamten Saal erstrahlt, tut das keinen Abbruch. Sie trägt einen ausgefallenen geblümten Hippie-Poncho mit weinroten Fransen, Röhrenjeans und Pumps mit 10-Zentimeter-Absätzen. Ich stelle mir vor, wie sie den Poncho noch schnell vor ihrem Abflug nach Europa in einer hippen Boutique in Manhattan gekauft hat. Doch bevor ich mich der Geschichte ihres restlichen Outfits widmen kann, löst sich mein Tagtraum in jubelndem Applaus auf.

Du bist das Licht.

Gerührt und voller Freude heißt sie uns willkommen. „Du bist das Licht“ sind ihre ersten Worte und gleichzeitig der Titel des Seminars. Mit ihrer tiefen, energiegeladenen Stimme erzählt sie uns von ihrer Drogenvergangenheit, Co-abhängigen Beziehungsmustern, ihrer überwundenen Essstörung und der lebensverändernden Nacht, in der sie für ein Wunder betete und besagtes Licht in sich wiederfand.Die persönliche Anekdote setzt gleichzeitig den Kurs für das Seminar: Wir sollen lernen uns aus alten Angstmustern zu befreien, unser Ego hinter uns lassen und die eigene innere Führung wiederfinden.

Wunder stehen uns allen zur Verfügung. Wir müssen uns nur für sie entscheiden.

Gabby lädt uns ein, auf eine gemeinsame Reise zu unserem wahren Ich zu gehen. Als Transportmittel dienen Kundalini-Übungen, Meditationen, Gebete und Wunder.

Die Fahrt beginnt mit Löwenpfoten und Tracy Chapman. Unter Gabbys Anleitung formen alle dreihundert Teilnehmer ihre Hände zu Krallen und schlagen sie mit der Einatmung seitlich über dem Kopf zusammen, um sie anschließend mit der Ausatmung wieder in die Ausgangsposition zu bringen. Nach drei Minuten rücksichtsvoller Bewegungen, um der Nachbarin kein blaues Auge zu verpassen, dürfen wir die Hände entspannt in den Schoß legen und nachspüren. Aus den Boxen ruft uns Tracy zu „Don’t you know you’re talking about a revolution“. Die Möglichkeit, mein Leben durch meine innere Haltung revolutionär zu ändern, verspricht eine solche Befreiung, die mich zu Tränen rührt. Ich lasse sie meine Wangen entlang kullern und kümmere mich nicht weiter um die verschmierte Wimperntusche, da sowieso alle Teilnehmer die Augen geschlossen haben.

Einer anderen Teilnehmerin schien es ähnlich ergangen zu sein, als sie Gabrielle Bernstein zum ersten Mal vor drei Jahren traf. Als sie sich meldet, um ihre Geschichte mit uns zu teilen, ist die Luft elektrisiert. Aufgrund ihrer jahrelangen Ess-Brechstörung konnte sie keine Kinder bekommen. Nachdem sie eines von Gabbys Seminaren in New York besuchte, änderte sich ihr Leben um einhundertundachzig Grad. Heute ist sie glückliche Mutter eines einjährigen Sohnes.

Als die Frau ihre Stimme senkt, ertönt anerkennender aber sanfter Applaus, als wolle niemand die heilige Stimmung zerstören. Spätestens jetzt sitzen alle im Bus in Richtung inneres Licht.

Die nächste Übung soll uns darin schulen, zu merken, ob wir ganz bei uns selbst sind oder egobasiert im Außen handeln. Dazu notieren wir auf einem Zettel, wie es sich anfühlt, wenn wir in Verbindung mit uns selbst stehen und wie es ist, wenn wir nicht bei uns sind. Im Publikum werden Papierseiten aus Notizheften gerissen und eifrig weitergereicht. Die Ergebnisse präsentieren wir uns auf Zuruf gegenseitig und fassen zusammen, dass man anhand dieser Gefühle jederzeit überprüfen kann, ob man der inneren Führung folgt oder ob unser Ego mal wieder das Steuer übernommen hat.

Anschließend schreiben wir noch auf, was mit anderen passiert, wenn wir in Verbindung mit uns stehen oder eben nicht. Ich bin begeistert von der Kraft dieser einfachen Übung. Wie Schuppen fällt mir von den Augen, dass es hierbei nicht nur um mich geht, sondern auch darum, wie sehr wir andere mit unserer Energie beeinflussen und fälschlicherweise verurteilen, wenn sie negativ auf uns reagieren. Gabrielle zitiert dazu treffend Yogi Bhajan:

Erkenne, dass die andere Person du bist.

Einige weitere Kundalini-Meditationen und Übungen später plaudert Gabby ganz privat und unter uns aus, welche Probleme sie selbst gerade beschäftigen und wie sie die Übungen und Tools, die sie uns über den Tag hinweg an die Hand gibt, selber nutzt. Fast habe ich das Gefühl, bei einer guten Freundin auf der Couch zu sitzen. Auch die Teilnehmer im Publikum melden sich jetzt und sprechen über ihre Familien und persönlichen Probleme. Gabby hört aufmerksam zu und gibt liebevollen Rat. Und als es gerade so richtig intim und vertraut wird, merke ich, dass sich der Tag dem Ende neigt. Wir beenden ihn gemeinsam mit einer Kundalini-Meditation und schlendern beseelt und zufrieden aus dem Seminar-Saal.

Innerlich geführt finde ich meinen Weg zum Hamburger Bahnhof ganz ohne mich zu verlaufen.

Als ich eine Woche später bei einem spanischen Modelabel in Berlin shoppen gehe und mit meinen Händen die Kleiderstange durchkämme, halte ich plötzlich Gabbys hippen Poncho in der Hand. Sie hat ihn nicht in Manhattan gekauft! Ich erinnere mich an den Tag mit der zierlichen Powerfrau und fühle mich verbunden – mit Gabrielle Bernstein und meinem inneren Licht.

Das nächste Seminar findet am 21. März in Berlin statt.

Alle Infos dazu findest du hier.

Ich werde wieder dabei sein. Kommst du auch?

Wenn du nicht nach Berlin kommen kannst, habe ich hier noch ein paar andere Tipps für dich:

Buchtipp:Du bist dein Guru – 108 Hilfen für ein wunderbares Leben“. Tipp von Gabby Bernstein: Leg deine Hand auf das Buch, schließe die Augen und denke an das Thema, das du lösen möchtest. Dann schlage eine beliebige Seite im Buch auf und vertraue darauf, dass du dort die Antwort findest.

Musiktipp: Folge Gabrielle Bernstein unter ihrem ehelichen Namen „Gabby Rocklin“ auf Spotify und lausche ihrer Auswahl an wunderschönen Kundalini-Mantras.

Dieser Beitrag ist Teil der aktuellen YOGA DEUTSCHLAND Ausgabe. Weitere Artikel von uns und mehr Inspiration für dein Yoga-Leben findest du im Zeitschriftenhandel deines Vertrauens.

Photo credit: Wrage Verlag

4 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Franziska,

    danke für den tollen Beitrag und auch für den Hinweis zu Gabbys Playlists, die ich rauf und runter spiele. :-)

    Ich sehe es ähnlich wie Daniela und denke auch, dass aus Deutschland (oder den Nachbarländer) inspirierende und spirituelle Persönlichkeiten kommen, die es noch zu entdecken gibt. Würde mich sehr freuen, wenn Ihr darüber auch berichten würdet. :-)

    Liebe Grüße
    Evelyn

  2. Liebe Franziska,
    ja ich teile deine Begeisterung für Gabby Bernstein. Dennoch denke ich, dass ganz viele *deutsche* Autoren ähnlich wertvolle Impulse schenken – aber der „amerikanische Auftritt* ist natürlich perfekt :-)

    However .. ein neues Bild von *spiritueller Frau* vermittelt sie allemal und davon profitieren wir auch alle.

    Liebe Grüße aus Tirols Bergen zu dir …
    Daniela

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