Ashtanga Yoga im Mysore Stil: Ein Erfahrungsbericht

Ich bin mir nicht sicher, wie viele verschiedene Yoga-Richtungen es derzeit gibt. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sich in jeder Ausprägung der Praxis ein Zauber findet, der Menschen auf ihren persönlichen und spirituellen Reisen begleitet.

Seit acht Monaten praktiziere ich intensiv Ashtanga Yoga im Mysore Stil.

Ich bin zwar keine Expertin, wenn es um die korrekte Ausführung der Asanas oder die dahinter liegende Philosophie oder Geschichte geht, möchte aber trotzdem meine Erfahrungen mit euch teilen. Letztendlich geht es nämlich bei allen verschiedenen Formen von Yoga um etwas Ähnliches – die innere Reise, den Weg zu Frieden, Gelassenheit, Selbsterkenntnis, Erleuchtung. Unterschiedliche Wege sprechen unterschiedliche Menschen an und ich glaube, meinen Weg vorerst gefunden zu haben.

Was ist denn eigentlich Ashtanga Mysore Style?

Das erste, was neuen Schülerinnen und Schülern beim Besuch einer Mysore-Klasse auffällt ist wohl, dass kein*e Lehrer*in vorne steht und die Gruppe anleitet. Stattdessen üben Schüler*innen für sich ihre Sequenz, während ein/e Lehrer*in bei Bedarf eins zu eins assistiert.

Die Praxis und die gelehrten Serien des Ashtanga Yoga basieren auf einer von K. Pattabhi Jois entwickelten Methodik. Jois war ein früher Schüler Krishnamacharyas, der als Vater des modernen Yoga bezeichnet wird, und gründete 1948 seine eigene Schule in Mysore, das “Ashtanga Yoga Research Institute”, das auch westlichen Schüler*innen offen stand. Er war es, der die Einteilung in Serien vornahm und standardisierte. Mehr Hintergrund über die Methode kannst du hier nachlesen.

Alle Praktizierenden fangen mit der gleichen Sequenz an und üben diese jeden Tag bis zu einem bestimmten Punkt. Mit steigender Ausdauer, Kraft und Konzentration kommen dann über die Zeit hinweg neue Asanas hinzu, die die Sequenz und die tägliche Praxis verlängern. Wann es Zeit für eine neue Asana ist, entscheidet dein*e Lehrer*in. Ist die erste Serie komplett, was durchaus mehrere Jahre dauern kann, denn die Asanas sind extrem anspruchsvoll, kommen weitere Serien hinzu.

Ashtanga Mysore Style wird traditionell sechsmal pro Woche geübt, an allen Tagen außer samstags, bei Vollmond und Neumond. Während der Menstruation kann auch pausiert werden, wie nennen das bei uns im Studio die “Lady Holidays”.  Neben der Asanapraxis folgen später Pranayama (Atemübungen) und optional das Schriftstudium. Für mich besteht die Praxis aktuell nur aus Asanas.

Der Zauber liegt für mich in der Regelmäßigkeit und der Ruhe während der Praxis. Ich gehe jeden Morgen gegen sieben in meine Shala und übe ungefähr anderthalb Stunden, bevor ich dusche und zur Arbeit fahre. So beginne ich nun seit einem guten halben Jahr meinen Tag.

Klingt ein bisschen extrem. Warum tue ich mir das an?

  1. Ich habe einen Bürojob, der mir körperlich fast nichts, geistig und emotional jedoch einiges abverlangt. Jeden einzelnen Tag mit einer schweißtreibenden Praxis zu beginnen sorgt für angenehme Erschöpfung und eine größere Kapazität für innere Entspannung.
  2. Das tägliche nach innen Besinnen: Fast zwei Stunden pro Tag ohne jegliche Ablenkung und nur mit dem eigenen Atem zu verbringen, wirkt sehr meditativ. Genau genommen ist die gesamte Praxis eine einzige Meditation und hilft mir beim Blick nach innen und in einer Verbindung zum Göttlichen.. Für mich ganz persönlich ist die Praxis eine Art Gebet.
  3. Body Positivity –  das große Thema! Oberflächlichkeiten sind in der Ashtanga Shala weniger wichtig als in vielen andere Studios, die ich besucht habe. Viele Frauen üben nur in Shorts und Sport-BH, ohne dass es wie eine Zurschaustellung des Körpers wirkt. Ich finde das sehr befreiend und habe durch den sanften täglichen Blick auf meine Speckrollen, gerade in Positionen wie Urdhva-Padmasana (umgekehrter Lotus) wirklich endlich Frieden mit meinem Aussehen geschlossen. Mein Körper ist außerdem super stark geworden und ich habe ein neues Vertrauen in seine Fähigkeiten gefasst.
  4. Geduld und Sanftheit: Der Fortschritt beim Mysore Style Yoga lässt sich laut erfahrener Anhänger eher in Jahrzehnten messen als in Monaten oder Jahren. Ein wunderbarer Gegensatz zu so ziemlich allen anderen meiner Lebensbereiche, wo es oft sehr zackig zugeht und hinter jede Ecke Veränderungen lauern.  
  5. Stabilität und Struktur kommen durch das allmorgendliche frühe Aufstehen. Ich bin gezwungen, einem sehr geregelten Tagesablauf zu folgen. Mir tut das gut.
  6. Die Lehrer-Schüler-Verbindung. Mein Lehrer Tom ist jeden Morgen da (das ist nicht in allen Shalas gegeben, bei mir aber glücklicherweise der Fall) und kennt meine Praxis mit all meinen Herausforderungen genau. Er unterstützt mich, wenn ich Hilfe brauche und entscheidet, wann ich neue Asanas dazu bekomme. Ich finde es sehr beruhigend, mein Vertrauen in einen Menschen zu legen, der den Weg schon ein ganzes Stück weiter vorausgegangen ist.
Werbung

Contentbanner rechts 3 (neue wege)

Contentbanner rechts 2 (bitonic)

Genug geschwärmt. Gibt es auch Kritik und klare Nachteile?

Auch Ashtanga Mysore Style bleibt von negativer Kritik nicht verschont. Hauptsächlich geht es in der Kritik, die ich kenne, um die Verletzungsgefahr beim Üben. Fast jeder hat irgendwann Probleme mit den Knien oder anderen Gelenken. Soweit ich es bisher verstehe, sind diese Schwierigkeiten immer die Folge des „zu viel Wollens“, also der falschen oder zu starken Belastung aus Ungeduld oder Unwissenheit. Durch die intensive Zusammenarbeit mit einem Lehrer sind meine Zipperlein immer schnell wieder verschwunden.

Wann solltest du Ashtanga Mysore Style ausprobieren?

Wenn es dich irgendwie anspricht. Ich habe über die bekannte Instagram-Yogini Kino McGregor von dieser Methode erfahren und wollte mehr wissen. Die meisten Studios bieten einen vergünstigten Probemonat an. Nach nur wenigen Tagen war damals für mich klar: Hier bin ich richtig.

Der Begründer der Ashtanga Mysore Yoga Praxis K. Pattabhi Jois sagte:

„Anyone can practice. Young man can practice. Old man can practice. Very old man can practice. Man who is sick, he can practice. Man who doesn’t have strength can practice. Except lazy people; lazy people can’t practice Ashtanga yoga.” – S.K. Patthabi Jois

Also, worauf wartest du noch? Los gehts!

Hier übe ich in Berlin Ashtanga Yoga. Solltest du Fragen haben freue ich mich über einen Kommentar oder gerne auch eine private Nachricht.

Das könnte dich auch interessieren:

2 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Nice Post Helena, I love when people understand the true meaning of Yoga. Today’s time people have created a different meaning of yoga, but the way you presented the benefits of doing vinyasa is tremendous. Nice work dear keep it up…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*