Ashram in Indien: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Essen. Beten. Lieben.

Spätestens seit dem Erscheinen des Bestsellers Eat, Pray, Love* gelten Aufenthalte im Ashram als ein Muss unter den Suchenden. Auch ich ließ mich von den Erzählungen der Autorin Elizabeth Gilbert inspirieren und wagte den mutigen Schritt:

Inmitten einer Sinnkrise zog ich 2015 mit all meinem Hab und Gut in einen Ashram nach Südindien.

Eine tiefgreifende Erfahrung, die ganze acht Monate andauern sollte.

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Ein Ashram ist eine klosterähnliche Einrichtung, in der Lehrer*innen (Gurus) und Lernende unter einem Dach leben und lernen. Das Besondere an diesen spirituellen Orten: Eine klare Tagesstruktur. Die dient der Stärkung der individuellen sowie kollektiven Energie.

Unsere liebe Janna hat vor mehreren Jahren bereits einen Erfahrungsbericht zum Thema veröffentlicht, deshalb werde ich darauf an dieser Stelle verzichten. Da jedoch dort und diesbezüglich immer wieder viele Fragen aufkommen und auch ich mir damals eine Art Ratgeber zum Thema gewünscht hätte, habe ich mich der Sache angenommen.

Q&A: Die häufigsten Fragen & Antworten zum Thema “Ashram in Indien”

Kurz vorweg: Natürlich gibt es keine pauschalen Antworten, da jeder Ashram seine ganz eigenen Regeln und Gepflogenheiten aufweist. Nachfolgend findest du eine Auswahl an Informationen, die auf meinem persönlichen Erfahrungsschatz basieren (Stand April 2019). Meine Angaben sind demnach ohne Gewähr.

Anreise: Wie komme ich zum Ashram?

Die meisten spirituellen Einrichtungen befinden sich abseits von Großstädten oder Touristenhochburgen. Schaue dich auf der jeweiligen Internetseite um, ob dort bereits eine Wegbeschreibung hinterlegt ist. Ansonsten informiere dich explizit vor deiner Anreise über Möglichkeiten zur Anfahrt. Es kann nämlich gut sein, dass du dir vorab ein Taxi, Airport Shuttle, etc. organisieren musst. Um unnötigen Stress zu vermeiden, würde ich von der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zumindest bei deinem ersten Aufenthalt absehen. Die meisten Haltestellen befinden sich nämlich nicht immer in unmittelbarer Nähe der spirituellen Einrichtungen.

Wie viele Mahlzeiten erwarten mich? Und welche Art von Essen wird angeboten?

In den meisten Ashrams werden zwei bis drei Mahlzeiten pro Tag bestehend aus vegetarischer, sattvischer Kost angeboten. Sprich: eine bunte Mischung aus leichten Gemüsecurrys mit Reis oder auch indischem Brot. Als Zwischenmahlzeit werden meist Chai (Schwarzer Tee oder Milchtee) mit Obst oder auch Keksen gereicht.

Hinweis zur veganen Ernährung: Auch wenn viele indische Speisen anmuten lassen, vegan zu sein, so wird in Indien doch viel auf Ghee-Basis (geklärte Butter) zubereitet. Falls dies für dich ein absolutes No-Go sein sollte, dann schau dich explizit nach Einrichtungen um, die auf vegane Gäste eingestellt sind. Ein tolles Beispiel: Der Anand Prakash Yoga Ashram in Rishikesh.

Kann ich mit Lebensmittelallergien anreisen?

Ein Ashram ist kein Fünf-Sterne-Restaurant, das auf jeden Wunsch eingehen kann. Behalte im Hinterkopf, dass die Speisen sehr einfach gehalten sind, da sie sich aus den geringfügigen Einnahmen der Einrichtung finanzieren. Du wirst also in den seltensten Fällen auf “teurere” Ersatzprodukte ausweichen können. Stelle dich bei besonderen Ernährungsformen darauf ein, kleine Kompromisse einzugehen oder vorzusorgen.

Das Aufbewahren von Lebensmitteln in den Zimmern ist meistens verboten, da sich unerwünschte tierische Gäste aus dem Dschungel schnell angezogen fühlen. Schreibe den Ashram deiner Wahl in Ausnahmefällen also lieber an, welche anderweitigen Möglichkeiten bestehen.

Welche Übernachtungsmöglichkeiten gibt es?

Die meisten Einrichtungen bieten eine Vielzahl an Zimmerkategorien an. Angefangen bei größeren Schlafsälen (bis zu 30 Personen pro Dorm) und Zeltplätzen (Zelte müssen meist selbst mitgebracht werden) reichen die Optionen über einfache Doppelzimmer mit geteiltem Badezimmer bis hin zu luxuriösen Doppelzimmern mit Badezimmer und Klimaanlage (AC). Beachte hierbei jedoch, dass du bei einfacher Belegung eines Doppelzimmers mit großer Wahrscheinlichkeit eine*n Zimmernachbar*in zugewiesen bekommen wirst.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Die Preise variieren je nach Zimmerkategorie und Saison. Im Preis mit inbegriffen sind in der Regel alle Mahlzeiten und Aktivitäten (Satsang, Asana Stunden, etc.).

Preisbeispiel Sivananda Ashram Neyyar Dam (Nebensaison): Schlafsaal oder Tent-Space ab ca. 10 €; Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad pro Person ab ca. 13 €; Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad inkl. Bad pro Person ab ca. 17 €; Doppelzimmer inkl. Bad und AC pro Person ab ca. 27 €. In der Hochsaison unterscheiden sich die Preise pro Kategorie um ca. + 2 €.Manche Einrichtungen finanzieren sich auch auf Spendenbasis.

Welche Krankenversicherung benötige ich?

Eine gängige Auslandskrankenversicherung sollte normalerweise ausreichend sein. Informiere dich jedoch vor Abflug bei deiner Versicherung, für welchen Zeitraum sie gültig ist. Solltest du mit dem Gedanken spielen, zeitweise in einem Ashram als Yogalehrer*in mitzuwirken, dann erkundige dich, ob diese Tätigkeit in deinem Versicherungsschutz mit inbegriffen ist.

Kann ich nach Indien mit einem gängigen Touristenvisum einreisen?

Seit Anfang 2019 gibt es für Aufenthalte zu Tourismuszwecken bis zu einem Jahr das sogenannte eVisa (Achtung: maximal 90 Tage am Stück!). Solltest du einen Aufenthalt länger als 90 Tage am Stück planen, dann benötigst du ein reguläres Visum, das du bei den zuständigen Behörden ca. drei bis vier Wochen vor deiner Einreise beantragen musst. Wichtig: Ein Touristenvisum ist ausschließlich für einen Yogaurlaub im Ashram gültig. Im Falle einer Yogalehrerausbildung oder gar eines Langzeitaufenthaltes als Yogastudent*in benötigst du entweder ein X-Visa (auch entry Visa genannt) oder ein Student Visa.

Allgemein gilt: Dein Visum hängt von deinen Aufenthaltsabsichten ab. Informiere dich also rechtzeitig bei dem Ashram deiner Wahl, welche Auflagen es hierbei zu beachten gibt.

Welche Sprachkenntnisse benötige ich?

Größere Einrichtungen bieten ihre Stunden gerne auf Englisch an, um dem internationalen Publikum gerecht zu werden. Basiswissen in Englisch ist also definitiv von Vorteil. Bei kleineren Institutionen kann es schon mal passieren, dass auch in der einheimischen Sprache des jeweiligen Bundesstaates gelehrt wird.

Solltest du gar kein Englisch sprechen, dann empfiehlt es sich, eventuell mit einer Begleitperson zu reisen, die dir dabei hilft, die Sprachbarriere zu überbrücken. Wobei du in den namhaften Ashrams, wie beispielsweise dem Sivananda Ashram in Neyyar Dam in der Regel keine Probleme haben dürftest, dich auch ohne Englischkenntnisse zurechtzufinden. Alternativ könntest du auch einen Aufenthalt in einem deutschsprachigen Ashram anvisieren.

Sollte ich als Yogaanfänger*in in einen Ashram gehen?

Viele der Einrichtungen sind heutzutage darauf eingestellt, dass Interessierte aus der ganzen Welt anreisen, um der Yogapraxis zum ersten Mal in einem Ashram zu begegnen. Die meisten Ashrams bietet deshalb mehrere Yogaklassen pro Tag an, um den unterschiedlichen Vorerfahrungen der Übenden gerecht zu werden (Anfänger- und Fortgeschrittenen-Yogaklassen).

Gibt es einen Mindestaufenthalt?

Da jeder Yoga-Gast mit administrativem Aufwand verbunden ist – in Indien muss jede*r Tourist*in den örtlichen Behörden gemeldet werden- legen manche Ashrams eine Mindestaufenthaltsdauer fest. In der Regel beträgt diese drei Tage. Natürlich kannst du den Ashram aus triftigen Gründen auch vorzeitig wieder verlassen. Informiere dich jedoch vorab, wie die individuellen Regelungen hierfür aussehen.  

Welche Aufenthaltsdauer empfiehlt sich?

Abgesehen von dem zuvor erwähnten Mindestaufenthalt gibt es nach oben hin keine Grenze für deinen Aufenthalt. Da es jedoch oft ein wenig Zeit bedarf, um in den strikten Tagesrhythmus reinzukommen und davon zu profitieren, empfiehlt sich ein Besuch von mindestens ein bis zwei Wochen. Solltest du einen längeren Aufenthalt von mehreren Monaten bis hin zu Jahren anpeilen, dann hör dich bei deiner favorisierten Einrichtung nach sogenannten Staff Programmes um.

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Was erwartet mich in einem Ashram?

Nachfolgend findest du einen typischen Tagesablauf (entnommen aus dem Sivananda Ashram Neyyar Dam, India):

  • 05:20 Satsang (Gruppenmeditation, Chanting & Vorträge)
  • 06:00 Tee
  • 08:00 Asana Class (getrennte Klassen für Anfänger*innen und  Fortgeschrittene)
  • 10:00 Brunch (vegetarisches Indian Meal)
  • 11:00 Karma Yoga (selbstloser Dienst)
  • 12:30 Asana Coaching (freiwillige “Asana-Nachhilfe”)
  • 13:30 Tee & Snack
  • 14:00 Lektüre (Vorträge)
  • 15:30 Asana Class (getrennte Klassen für Anfänger*innen und  Fortgeschrittene)
  • 18:00 Dinner
  • 20:00 Satsang (Gruppenmeditation, Chanting und Vorträge)
  • 22:30 Schlafenszeit

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Ist das angebotene Programm verpflichtend?

Kurz und knapp: Ja! Die einzige Ausnahme bildet die Teilnahme an Programmen wie beispielsweise “Panchakarma” (Ayurveda-Reinigungskur). Hierfür gelten Sonderregelungen. Davon abgesehen ist das Programm jedoch streng verpflichtend. Das Missachten der Tagesstruktur kann mitunter sogar einen Rauswurf nach sich ziehen.

Kann ich meinen Aufenthalt auf eigene Faust organisieren oder muss ich mich an eine Organisation wenden?

In den meisten Fällen kannst du ohne jegliche Voranmeldung anreisen. Sprich: Dein Aufenthalt muss nicht zwangsläufig über eine Organisation geplant sein. Viele Anbieter von Rundreisen bzw. Yogareisen integrieren jedoch einen Aufenthalt in einem Ashram als Teil des Reiseplans. Überlege dir einfach, was dir mehr zusagt: Reisegruppe oder Solo Traveler?

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Wie sicher sind Ashrams?

Auch wenn ein Ashram eine spirituelle Einrichtung darstellt, solltest du nicht außer Acht lassen, dass sich die Gemeinschaft nicht aus Heiligen zusammensetzt. In der Regel wird beim Check-In direkt darauf hingewiesen, Wertgegenstände vor allem in den Schlafsälen nicht achtlos herumliegen zu lassen. Auch mir sind schon einige Dinge abhanden gekommen (zum Beispiel teures Parfüm). Deshalb: Lass deine Wertsachen wie große Summen an Bargeld, elektronische Geräte und Reisepass lieber im Tresor einschließen. Die meisten Rezeptionen der Ashrams haben hierfür vorgesorgt.

Alleine reisen als Frau in Indien?

Ich selbst lebe nun seit fast fünf Jahren in diesem bezaubernden Land und habe bisher keinerlei negativen Erfahrungen gemacht. Halte dich an respektvolle, der Kultur angepasste Umgangsformen und sei aufmerksam für deine Außenwirkung: Verzichte auch bei noch so hohen Temperaturen in bestimmten Regionen auf kurze Kleidung (Dekolleté, Schultern und Knie sollten stets bedeckt sein), sieh vom Baden im Bikini ab und vermeide zu spätes Ausgehen ohne Begleitung.

Und solltest du ein mulmiges Gefühl dabei haben, nachts allein mit dem Bus oder Zug zu reisen, dann schau dich nach Tagfahrten um. Meist lässt sich hier eine angenehmere Alternative finden. Wenn du noch nie in Indien warst und Respekt vorm Alleinereisen hast, würde ich dir empfehlen, lieber mit einem/einer Freund*in zu reisen und vielleicht dann beim nächsten Mal auf eigene Faust!

Allgemein gilt: Je größer und bekannter die Einrichtung, desto mehr kann auf die Bedürfnisse von Yogatourist*innen eingegangen werden. Stell dich jedoch eher darauf ein, deine Extrawünsche zu minimieren, um Enttäuschungen vorzubeugen. Denn:

Ein Ashram ist ein sehr einfacher Ort, der uns unter anderem lehrt, mit niedrigen Ansprüchen ein erfülltes Leben zu leben.

Ashram in Indien: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Für mich steht fest: Obwohl mich der strikte Tagesablauf manchmal an meine Grenzen gebracht hat, möchte ich keine Sekunde meiner Zeit als Karma-Yogi missen. Neben der intensiven Auseinandersetzung mit spirituellen Praktiken, waren es vor allem auch die tollen Begegnungen mit anderen Menschen, die meinen Aufenthalt zu einer unvergesslichen Erfahrung gemacht haben.

Du hast noch weitere Fragen, die oben nicht aufgelistet sind, oder auf der Homepage deines auserwählten Ashrams nicht geklärt wurden? Dann pack sie gerne unten in die Kommentare. Ich freue mich, im Rahmen des Möglichen darauf einzugehen. Habe aber bitte dafür Verständnis, wenn ich nicht auf alle individuellen Nachfragen eine Antwort geben kann.

Fotos © Franziska Krusche

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2 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

    1. Liebe Larissa,

      die richtige Einrichtung zu finden ist gar nicht so easy, denn es gibt tatsächliche viele Anlaufstellen. Ein paar Tipps, die dir die Suche jedoch erleichtern können:
      1) Werde dir zunächst über ein paar grundlegende Eckdaten im Klaren: Land / Klima / Anreise / finanzielles Budget, etc. Sprich: Wo möchtest du hin und was darf es kosten? Denn hier gibt es weltweit große Unterschiede. Die oben genannten Preise beziehen sich beispielsweise nur auf Indien.
      2) Du hast Freunde / Bekannte, die bereits in einem Ashram waren? Lass dir berichten, welche Erfahrungen sie gemacht haben und ob die Angebote deinen Bedürfnissen entsprechen.
      3) Schau dich im Internet nach Einrichtungen in deinem Zielland um. Manchmal lassen sich zu bestimmten Ashrams sogar Videos auf Youtube oder gar individuelle Erfahrungsberichte auf Blogs finden. Spür hinein, ob sich der Ort für dich „richtig“ anfühlt.

      Grundsätzlich würde ich dir ans Herz legen: Plane ein wenig Zeit für die „Recherche“ ein und lass dann dein Bauchgefühl entscheiden, welcher Ort für dich geeignet und stimmig ist.

      Von Herzen,
      Franzi

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