108 Sonnengrüße, der Amazonas und was das Ganze mit dem Ego zu tun hat

Am 10.8. werden 108 Yogis 108 Sonnengrüße machen. Um 10.08 Uhr. In Berlin. Warum?

Weil sie den Amazonas retten wollen… und weil sie Bock auf eine fette Yogaparty haben.

Die Idee zur 108×108 Aktion stammt von meiner Yogalehrerin Frauke Schroth: Jeder Yogi sucht sich drei bis fünf Sponsoren, die willig sind, ein paar Groschen pro Sonnengruß springen zu lassen. Ziel ist es, pro Yogi 144 Euro und insgesamt 15.500 Euro zu sammeln, die dann zum Schutz des Amazonas eingesetzt werden.

Ich mache auch mit. Als Yogi a.k.a. Wahnsinnige.Es dauert 90 Minuten 108 Sonnengrüße zu machen!!!

Das Ding an der Sache ist allerdings: Über den Amazonas habe ich mir in der letzten Zeit nur sehr am Rande den Kopf zerbrochen. Der Gedanke aber, gemeinsam mit 107 anderen Yogis zu Beats von Ena Lind die Sonne zu grüßen, lässt mich ganz kribbelig werden.

Natürlich finde ich es auch schrecklich, dass der Lebensraum im Amazonas bedroht ist. Dass wir Menschen im Sekundentakt und hektarweise den Regenwald abholzen – aus rein wirtschaftlichen Interessen. Aber das hat mich ehrlich gesagt nicht zum Mitmachen bewogen. Kaum hatte Frauke mir von der Aktion erzählt, war klar: „Ich will auch!“ Nicht, weil ich ein so wahnsinnig guter Mensch bin und schon immer den Regenwald retten wollte. Sondern weil ich mich schon jetzt wie ein Schnitzel auf den 10.8. freue.

Ich will die Vibrations spüren.
Ich will die Aufregung genießen.
Ich will den Mut aufbringen.
Ich will die Herausforderung annehmen.
Und ich will dazu beitragen, dass die Aktion gelingt.

Ich, ich, ich, ich, ich! Ego, Ego, Ego!

Ist das nicht total unyogisch? Bin ich ein selbstsüchtiger Spiritjunkie auf der Suche nach dem nächsten Kick? Ist es verwerflich, vor allem wegen des tollen Events mitzumachen?

Nein ist es nicht.

Wir nutzen unsere Egos, um etwas Größeres zu erreichen. Mein Ego, dein Ego, unser aller Ego zusammen. Alles eins.

Und plötzlich ist der Amazonas wieder wichtig.

Ohne den ursprünglichen Wunsch, sich gemeinsam für eine Sache stark zu machen, gäbe es 108×108 nicht. Es gäbe keine euphorischen Yogis, keine Yogaparty, keine Spenden für den Regenwald.

Denn am Ende ist es doch das übergeordnete Ziel, dass uns zusammenkommen lässt. Wir wollen, dass unser Geld und unsere Energie bei einem Teil der Erde ankommen, der viel Unterstützung braucht. Wir wollen spüren, dass wir mit Yoga mehr bewirken können, als einen knackigen Hintern und schöne Arme. Das gibt uns Kraft und macht uns Mut. Und das lässt uns 108 Sonnengrüße am Stück durchhalten.

Genau deshalb ist es aus meiner Sicht auch ganz egal, was uns zum Mitmachen bewegt. Jeder trägt einen ganz persönlichen Teil zum Gelingen der Aktion bei und sorgt damit dafür, dass Yoga auch jenseits der Matte stattfindet.

Und ist es am Ende nicht doch eher die Sehnsucht nach Gemeinschaft als die Hoffnung auf eine geile Party, die uns das Event so reizvoll erscheinen lässt?

Was denkst du? Wir freuen uns auf deine Gedanken in den Kommentaren.

Anmerkung:

Für das Happy Mind Magazine habe ich ein Interview mit Frauke geführt. Wenn dich die Aktion interessiert, solltest du mal reinschauen.

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