Yoga. Retreat.

Zwei magische Worte und jeder Yogi hat automatisch ein Bild im Kopf: Absolute Ruhe und Entspannung, volle Hingabe an die Yogapraxis, ein paar Tage dem Alltagsstress entfliehen und die Seele baumeln lassen. Schon der Gedanke an ein Retreat setzt im Yogi-Hirn mindestens zehn verschiedene Glückshormone frei, im Yogi-Eltern-Hirn noch mal 90 weitere. Denn besonders Mütter und Väter jüngerer Kinder sind für jede Möglichkeit, richtig abzuschalten mehr als dankbar.

Unser dreijähriger Sohn schläft zwar mittlerweile ganz gut durch, trotzdem fordert es meiner Frau und mir eine Menge Energie ab, ihn zu versorgen, zu unterhalten und manchmal sogar zu erziehen. Ein Yoga-Retreat ist ziemlich genau das Gegenteil dessen, was wir Eltern Alltag nennen und das ist auch der Grund, warum wir bisher noch nie an einem Retreat teilgenommen haben.

Einmal ist immer das erste Mal

Wenn man die Sache durchrechnet (in Lebensjahren, nicht in Euro) und wartet, bis das zweite (und vielleicht letzte) Kind alt genug ist, um ein paar Tage ohne Eltern zu verbringen, kann man ungefähr ein Jahrzehnt seines Lebens kein Retreat als Paar besuchen. Und wenn ich dann 50 bin, ist Yoga vielleicht mega-out und alle gehen lässig kegeln.

Also beschlossen wir, total verrückt im Hier und Jetzt zu leben und mitsamt dem Erstgeborenen und dem Ungeborenen (wir sind gerade ziemlich schwanger) ins Hotel Schwarzschmied in Lana/Südtirol zu fahren. Dort erwarteten uns drei Tage Yoga, Wellness, Berge und lecker Rundumverpflegung – die perfekte Auszeit für unsere kleine Yogi-Familie. Abzuwarten war allerdings, wie das mit unserem Sohn funktionieren würde. Irgendwie kann man sich kleine Kindergarten-Jungs nicht so richtig in der Gruppenmeditation vorstellen und seine „Yogapraxis“ ist eine Mischung aus „Drunk Vinyasa“ und Freistilringen.

Aber gesagt, getan und schließlich stiegen wir in München in den Zug in Richtung Bella Italia! Und im Laufe unserer Reise stießen wir auf einige Herausforderungen, die es zu meistern galt…

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Herausforderung Nr. 1: Reisegepäck

Auch wenn wir keine Yoga-Fashion-Victims sind, wollten wir auf der Matte nicht mehrmals dieselben Outfits vollschwitzen und packten dementsprechend so ziemlich alles ein, was die Yoga-Sektion unseres Kleiderschranks hergab. Außerdem die obligatorischen Birkenstocks, Badesachen sowie „richtige“ Klamotten fürs Wandern und die Dinners im Hotel-Restaurant „La Fucina“. Ach so, und natürlich mehrere Garnituren Kinderkleidung, die Lieblingskuscheltiere, eine ausreichende Auswahl Spielsachen, Puzzles, Ball, Schwimmflügel, die mobile Kinderbuchbibliothek und die Wandertrage („Kraxe“).

Unsere Lösung: Um das Gepäck in einen halbwegs beherrschbaren Zustand zu bekommen, haben wir unter anderem auf die Eltern-Wanderschuhe verzichtet (nein, das im Titelbild ist nicht meine Frau). Das war allerdings ein großer Fehler, Wandern in Sneakers ist witzlos und gefährlich. Besser hätten wir uns die Wandertrage gespart, die hätte man nämlich kostenlos im Hotel ausleihen können. Yogamatten mussten ebenfalls nicht mitreisen, die waren im Schwarzschmied quasi omnipräsent.

Herausforderung Nr. 2: Yoga

Immerhin waren wir schlau genug, keine eigenen Yogamatten mitzunehmen, im alpin-minimalistisch eingerichteten Yogaraum gab es natürlich alles, was das Yogiherz begehrt. Inklusive Yogaklassen mit wechselndem Fokus (unter anderem Klang-Yoga mit Live-Performance) jeden Morgen und Abend.

Unsere Lösung: Nach unserer Ankunft entschieden wir, uns die Klassen entsprechend unseres Biorhythmus aufzuteilen: Ich war gleich am ersten Morgen um 8:00 dran, meine Frau „bekam“ dann die Abendklasse. Diese Regelung hat zwar etwas von einer Yoga-Scheidung, anders geht es mit Kind aber nicht, außer man übt außerhalb der Klassen – was im stets geöffneten Yogaraum, dem Hotelgarten oder auf dem Zimmerbalkon kein Problem war.

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Herausforderung Nr. 3: Kein Yoga

Außer Yoga gab es natürlich noch jede Menge andere tolle Aktivitäten für die spirituell geprägte Kleinfamilie. Eine geführte Wanderung mit Open-Air-Meditation und Asana-Praxis auf dem Berggipfel gehörte dazu. In unserem Fall eine echte Herausforderung, Dreijährige haben kein Konzept von innerer Ruhe und Hochschwangere sind nicht so richtig mobil (vor allem ohne Wanderschuhe).

Unsere Lösung: Die Wanderung war auch ohne Yoga eine tolle Erfahrung für unseren Sohn, bei Meditation und Asanas, hat meine Frau ihn in „sicherer“ Entfernung betreut. Sie durfte im Gegenzug dafür im Hotel die Rebalancing-Massage genießen, in ihrem Fall speziell auf ihre „Umstände“ adaptiert. Der Sohn und ich haben diese Zeit dann im Pool verbracht. Nachträglich noch mal an alle anderen Hotelgäste: Sorry, aber Kinder sind im Schwimmbad einfach so. Aber dank intensiver Yogapraxis konntet ihr das sicher locker wegstecken. Shanti.

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Herausforderung Nr. 4: Essen

Streng genommen war das Essen bei unserem Aufenthalt mehr als eine Herausforderung. Eher vier: 1. Abendessen mit einem überdrehten, müden Kind in einem Restaurant-Kontext ist wie beim Fahrradfahren betrunken mit zwei Flaschen brennendem Fusel zu jonglieren. Es kann gut gehen. 2.-4. Was soll man bei den drei täglich angebotenen Mahlzeiten NICHT essen, damit man anschließend noch in die Leggings passt?

Unsere Lösung: 1. Gute Nerven. 2.-4. Leggings mit extrem hohem Stretch-Anteil. Der kulinarische Teil der Reise war fantastisch und es war für jeden was dabei, da konnte man eigentlich auf nichts verzichten. Weil das Schwarzschmied kein reines Yogahotel ist, wurde übrigens auch Fleisch angeboten, Vegetarier und Veganer müssen sich dort aber keinesfalls mit Beilagen zufriedengeben. Absoluter Favorit (auch für unseren Sohn): Die vegane, hausgemachte Pasta, die wir selbst (zusammen mit dem Koch) zaubern durften.

Herausforderung Nr. 5: Hotelzimmer

Zimmer in Hotels waren in meinem Leben schon häufiger eine Herausforderung, zum Beispiel als Student in Paris (Sind das Wände?), als Tourist in Barcelona (verbucht!) oder als Familie auf der Durchreise in Lyon (OMG!). Und etwas Raum braucht man zu dritt dann doch, auch im Urlaub.

Unsere Lösung: Unser Retreat-Zuhause ließ keine Wünsche offen: Platz war mehr als genug vorhanden, das „Zimmer“ (Garden Suite) war mega-ruhig und mit viel Liebe und Verstand eingerichtet, inklusive der obligatorischen Yogamatte im Kleiderschrank. Unser Sohn brachte es auf den Punkt: „Papa, dieses Bad ist schöner als unseres.“ Oha. Die schlechte Nachricht für ihn: Das wird auch bestimmt für immer so bleiben. Aus Gründen.

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Unterm Strich zähl ich. Ein bisschen.

Wenn es um die Frage geht, ob man mit der Familie ein Yoga-Retreat genießen kann, lautet die Antwort ganz eindeutig: Ja. Man darf natürlich nicht mit der Erwartung hingehen, dass es nur für einen selbst ist und man die ganzen 100% davon abbekommt. Aber Eltern wissen: Das ist bei allem so. Wir haben uns fest vorgenommen, ab jetzt jedes Jahr ein Retreat zu besuchen, am besten wahrscheinlich zusammen mit einer anderen Familie.

Wichtig ist, dass jeder Elternteil Zeit für sich hat und sich zwischendurch auch Mikro-Auszeiten gönnen kann. Ich war z.B. morgens vor dem Yoga eine halbe Stunde alleine im Garten, meine Frau hatte öfter mal ein Päuschen am Nachmittag. Und unser Sohn kam bei allem auch nicht zu kurz, im Hotel und außenrum gab es viel zu erleben und sogar eine Eisdiele war in Laufentfernung. Jackpot.

Beim Yoga gilt aber wie im richtigen Leben: Das Wichtigste, wirklich Allerwichtigste ist und bleibt der Mittagsschlaf des Dreijährigen. Sonst kannst du Yoga üben, wie du willst, an Erholung ist dann nicht zu denken.

Wir sehen uns auf der Matte!

Dein Thomas

PS: Hast du selbst schon Erfahrungen mit der Familie im Retreat gemacht? Dann lass es mich gerne wissen!

Das Schwarzschmied in Lana bietet verschiedene Yoga-Aufenthalte und Retreats an, weitere Infos und die Möglichkeit zu buchen, gibt es beim Hotel direkt:

HOTEL SCHWARZSCHMIED
Schmiedgasse 6
I – 39011 Lana – Südtirol / Italien
+39 0473 562800 

www.schwarzschmied.com
info@schwarzschmied.com

Bilder: Alle Fotos von Liza Meinhof
Disclaimer: Thomas und seine Familie wurden vom Hotel Schwarzschmied auf die Reise eingeladen.

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