Ich muss zugeben: Wenn es um Thai Massage geht, bin ich kritisch. Denn gefühlt bietet inzwischen jeder Zweite, der auch nur im entfernstesten mit Yoga zu tun hat, Thai Massagen an. Und das obwohl es sich um einer sehr komplexe Massage Technik handelt, bei der es mit dem Kennen von ein paar knackigen Griffen noch lange nicht getan ist. Da ich dann doch mehr darüber wissen wollte, habe ich bei dem Thai-Massagen-Dreamteam-Duo meines Vertrauens Rat gesucht.

Neus und Till habe ich im meinem Teacher Training am Chiemsee kennenlernt, wo mir Neus eine mindblowing Massage verpasst hat. Seitdem treffe ich die Beiden regelmäßig auf den einschlägigen Yoga Events, bei Patrick Broome, den sie oft auf Retreats begleiten, oder einfach so zum Kaffee.

Demnächst bietet Till eine Thai-Massage-Ausbildung in München an. Deshalb haben wir geplaudert. Über die Kunst der Berührung, tanzende Seelen und was das Ganze eigentlich mit Yoga zu tun hat.

Jeder kennt Thai-Massagen und keiner weiß, was dahinter steckt. Erklär uns, was das eigentlich ist.

Thai Massage ist eine Form von Yoga Massage. Deshalb wird sie oft auch Thai Yoga Massage genannt. Sie ist circa 2500 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Indien und entspringt der Tradition des Ayurveda. Jivaka Kumar Bhaccha, ein großer ayurvedischer Arzt und guter Freund des leiblichen Buddha wird als der Vater der Thai Massage verehrt. Durch die Verbreitung der buddhistischen Lehre durch Mönche und Nonnen, sowie ayurvedische Ärzte, gelang die Massageform letztlich auch nach Thailand, wo sie ihre heutige Form erhielt. Doch das nur zum Hintergrund.

Viel wichtiger: In der Thai Massage geht es in aller erster Linie um den energetischen Körper.

Darum das Lebensenergie, also Prana oder Chi frei fließen kann. Ziel der Thai Massage ist es, Balance in das energetische System zu bringen und Gleichgewicht zwischen Polaritäten herzustellen: Zum Beispiel Weiblichkeit und Männlichkeit, Mond und Sonne, Feuer und Wasser, Tag und Nacht, Bewusstem und Unbewusstem, Intuition und Rationalität, Lebendigkeit und Stille…

Till Thai Interview 2

Also doch Yoga für Faule?

Es stimmt natürlich, dass einige Dehnungen den Asanas im Yoga sehr ähnlich sind und auch ihre Namen tragen. Die wirkliche Ähnlichkeit besteht aber viel mehr im Gefühl. Der Ausgeglichenheit, des Friedens, der Lebendigkeit, der Harmonie und dem Vollständigsein nach einer tiefen und vollständigen Thai Massage.

Jeder der das schon mal erfahren hat, weiß von was die Rede ist. Es ist vergleichbar mit dem Zustand, den man nach einer intensiven Yogapraxis in Savasana erleben kann. Dieser Schwerelosigkeit, ja Glückseligkeit, aus der man nicht schon (oft zu schnell) wieder aufstehen möchte.

Woran erkenne ich einen guten Lehrer?

Das ist von außen schwer zu beurteilen, denn wie auch beim Yoga kommt es immer auf das Zusammenspiel von Masseur und dem zu Behandelnden an. Meistens hilft es nur, auszuprobieren und sich auf das eigene Bauchgefühl zu verlassen.

Thai Massage ist ein heiliger Tanz ist von zwei Seelen. Es geht darum Liebe zu geben und zu empfangen und ist eine Form der Selbstheilung für Gebenden und Empfangenden. Wird die Berührung, die Technik mit einem offenem und reinem Herzen praktiziert, erfährt der Gebende eine Bewusstseinserweiterung und dringt Stück für Stück tiefer in die feinstoffliche Substanz seines Selbst vor.

Ein guter Lehrer ist selbst tief in seiner eigenen spirituellen Praxis verankert, steht seinen „Patienten“ beiseite, begleitet sie in ihrem Heilungsprozess und stellt sich selbst dabei vollkommen zurück.

Klingt sehr persönlich. Wie gelingt es dir, die fremden Energien nach der Behandlung abzustreifen?

Erst einmal ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass man Energie nicht einfach so vom Patienten aufnimmt. Wenn Gefühle wie Müdigkeit, Gereiztheit oder auch körperlicher Schmerz nach der Behandlung auftreten, zeigt das eher, wo die Persönlichen Schwachpunkte sind. Daran kann man natürlich langfristig selbst arbeiten.

Wichtig ist außerdem eine gute eigene Praxis. Wenn ich Yoga übe, meditieren, gut schlafe und esse, belasten mich die Behandlungen kaum. Direkt nach der Behandlung wasche ich mir immer erst mal gründlich die Hände, oft bis zu den Schultern nach oben und auch mit kaltem frischen Wasser. Eine Dusche wirkt da auch oft Wunder, aber noch besser ist der Sprung in das Meer oder ein fliesendes Gewässer! Natur ist sowieso das A und O, da kann man wieder aufladen und durchatmen. Es macht auch Sinn, den Raum immer wieder gut zu lüften und zu räuchern. Das gibt ein gutes Arbeitsklima.

Wie kann ich Thai Massage lernen?

Thai Massage kann man heute fast überall lernen. In verschiedenen Formen, manchmal nur für wenige Stunden bis zu mehreren Tagen. Wenn du etwas tiefer gehen willst – und das macht für Yogalehrer zum Beispiel viel Sinn – dann ist es gut, einen Lehrer zu finden, der einen anspricht, der einem das geben kann, was auf dem persönlichen Weg gerade nötig ist.

Mittlerweile habe ich verschiedene Lehrer, die mich in unterschiedlichen Gebieten der Massage und meiner persönlichen Entwicklung weiter bringen. Aber ich habe auch über ganz viele Jahre immer wieder mit meinem Freund und Lehrer Krishnatakis lernen dürfen, der meinen Weg stark geprägt hat.

Mein Tipp: Find jemanden, dem du vertraust und der auch weiß, wovon er spricht. Heute gibt es viele Lehrer, die nie wirklich praktiziert haben. Das ist aber für mich die Basis, damit ein tiefes Verständnis von der Ganzheitlichkeit der Massage weiter gegeben werden kann.

Das nächste Thai Massage Training mit Till bei Patrick Broome Yoga können wir dir uneingeschränkt empfehlen.

Titelbild: Wari Om Yoga Photography