Endlich haben wir es schwarz auf weiß: Das Geheimrezept für ein erfülltes Leben. Die Daten aus der Grant and Glueck Study, einer auf 75 Jahre angelegten Harvard Studie, bestätigen:

Auf die Liebe kommt es an.

Einer der leitenden Wissenschaftler bringt den Kern der Forschungsergebnisse erfrischend simpel auf den Punkt: „The clearest message that we get from this 75-year study is this: Good relationships keep us happier and healthier. Period.“ Je besser unsere Beziehungen, desto glücklicher und gesünder sind wir. Bähm. Was wir vielleicht schon aus eigener Erfahrung bereits wissen, ist nun auch wissenschaftlich bewiesen.

Obwohl ich schon öfter von dieser Studie gelesen hatte, blieb mir dieser Artikel, der vor einigen Wochen in meinem Facebook-Feed auftauchte, besonders in Erinnerung und brachte mich zum Nachdenken. Denn er stellt noch weitere Aspekte in den Vordergrund, die vielleicht erst einmal nicht so offensichtlich sind.

Es geht nicht um die Anzahl an Freunden oder ob wir in einer festen Partnerschaft leben, sondern um die Qualität der engen Beziehungen.

Wie tragfähig sind diese Beziehungen? In echten Krisen? Wie viel Nähe können wir zulassen? Wie verletzbar machen wir uns? Wie viel von unseren Innersten können wir zeigen? Wem zeigen wir auch Schattenseiten? Wem können wir uns mit allen Facetten zeigen und zumuten?

Hand aufs Herz: Da bleiben nicht so viele. Ich habe zum Bespiel einen sehr großen Freundes- und Bekanntenkreis, einen festen Platz in meinem Herzen haben aber nur wenige. Und die sind im Übrigen sehr beständig. Das klingt vielleicht krass, aber ich glaube, dass es anders gar nicht möglich ist. Wer kann sich schon ständig neuen Menschen in aller Tiefe offenbaren? Gute Beziehungen brauchen Zeit zu reifen. Vertrauen entsteht nicht einfach von heute auf morgen.

Wer jetzt allerdings denkt, damit wäre es getan, hat sich geschnitten: stabile Beziehungen und Liebe alleine reichen nicht.

Wer ein erfülltes Leben will, muss auch dafür sorgen, dass die Liebe nicht weggeht.

„One is love. The other is finding a way of coping with life that does not push love away“, erklärt George Vaillant, der Psychiater, der die Studie von 1972 bis 2004 leitete. Denn bei aller Liebe kommt das Leben mit vielen Höhen und Tiefen daher. Und unsere individuelle Fähigkeit, mit den Tiefen umzugehen, hat einen maßgeblichen Einfluss auf unsere Beziehungen. Für mich heißt das ganz klar:

Um Selbsterfahrung kommen wir nicht herum, wenn wir glücklich sein wollen.

Keine Beziehung ist immer rosarot, kein Leben aus Konfetti und Zuckerwatte. Wir müssen mit Trennungen umgehen, verlieren Jobs, begegnen dem Tod und entwicklen uns in Richtungen, die plötzlich nicht mehr passen oder stehen vor Herausforderungen, die wir meinen nicht bewältigen zu können.

Lebenskrisen passieren. Die Frage ist nur: Wie gehen wir damit um?

Denn auch gesunde Beziehungen halten nicht alles aus. Vielleicht verzeiht einem die Partner*in mal den Ausbruch schlechter Laune und ungerechter Anschuldigungen, passiert das aber täglich, geht das definitiv auf Kosten der Liebe. Wilde Party-Phasen als Kompensation für Job-Frust sind vielleicht eine Weile okay, irgendwann werden sie sich aber auf das Familienglück auswirken. Liebeskummer-Geplagte dürfen sich bei Freund*innen ausheulen, irgendwann müssen aber auch wieder andere Themen Platz haben, damit die Beziehung nicht bröckelt.

Also: Geh zum Yoga oder zur Dynamischen Meditation, such dir eine Therapeut*in, melde sich für ein Vipassana an, besuche eine Selbsterfahrungs-Gruppe oder ein Yoga-Retreat. Verschieb deine Lebensthemen nicht auf später, sondern schau hin, wenn es nötig ist und wo es vielleicht weh tut. Die Belohnung wird kommen. Vielleicht ein bisschen später, aber mit Sicherheit: Denn dann können wir so leben, dass die Liebe bleiben kann.

Die Ergebnisse der Studie sind eine gute Erinnerung an uns selbst.

Im Rückblick wird niemand sagen: „Yeah, ich habe an sechs Tagen die Woche bis 22 Uhr gearbeitet!“ Oder: „Ich war täglich fünf Stunden auf Facebook.“ Oder: „Ich habe es bis an die Spitze des Unternehmens geschafft.“ Selbst in Selbsterfahrungs-Gruppen mit hochkarätigen Führungskräften geht es an Ende selten um die Karriere, sondern Familie, bzw. weiter gefasst Beziehungen sind die Ereignisse, die wirklich zählen.

1705_monatsmantra 1mai

Die Autorin bei der aktiven Beziehungspflege. Und der Grund, warum das Mantra ein bisschen spät ist.

Für mich persönlich heißt das konkret: Meinen Weg werde ich weiter gehen. Mir neben dem Unterrichten und viel Arbeit für Fuck Lucky Go Happy wieder mehr Zeit für Selbsterfahrung und Praxis nehmen.

Doch auch im Alltag gibt es kleine Veränderungen, die viel bewirken können: Ich werde meine wichtigen Beziehungen besser pflegen. Mich mehr mit Freunden treffen. Auch mit denen, die nicht im Yoga-Studio rumhängen. Das Handy öfter mal in der Tasche lassen. Gemeinsam kochen oder mal spontan einen Wein trinken. Ein bisschen netter zu meinem Freund sein und abends den Rechner früher ausmachen, auch wenn das heißt, dass Artikel vielleicht ein paar Tage zu spät online geht. Mehr Platz für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Denn auch ich werde am Ende meines Lebens kaum sagen: „Yeah, das Mai-Monatsmantra ist pünktlich am 1. Mai online gegangen.“

Wenn dir dieser Gedanke gefällt, dann ist mein Vorschlag an dich gleichzeitig das Mantra für diesen Monat:

Ich mache Platz für mich selbst und meine Liebsten.

Auf die guten Beziehungen!

Unterschrift XOXO Rebecca_pink

 

 

 

 

 

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