Dies ist der erste Fuck Lucky Go Happy Artikel, den ich nicht in meiner Frei-, sondern in meiner Arbeitszeit im Home Office schreibe. Und es fühlt sich unglaublich an. Seit 1. August – übrigens auf den Tag genau 5 Jahre nach Rebecca! – bin ich raus aus dem Angestelltendasein, leite die Redaktion von Fuck Lucky Go Happy und bereite meinen offiziellen Start in die Selbstständigkeit vor. Jaaaa, ich weiß: Ich wollte ja auf keinen Fall das Klischee bedienen und habe deshalb vor ein paar Monaten noch behauptet, man könne nach Indien fahren, Yogalehrerin werden und trotzdem Full Time Manager sein. Kann man auch. Will man aber vielleicht nicht mehr.

Eine ehemalige Kollegin von mir scherzte neulich, dass unsere Firma schon drei Mitarbeiterinnen “ans Yoga verloren” hätte: “Meldet sich eine Kollegin zur Yogaausbildung an…” Was dann folgt, ist allerdings kein Witz, sondern eine lange, komplizierte Geschichte, die sich hauptsächlich im Kopf der Protagonistin abspielt.

Der Stein rollt

Als ich im März aus meinem fünfwöchigen Indienaufenthalt nach Berlin zurück kam, war eigentlich alles wie vorher. Sogar der Winter war noch da… – außer ich. Meine Wohnung war immer noch schön und sauber. Aber wieso habe ich so viel Zeug? Wer braucht denn so viel ZEUG?! Statt normaler Plastikverpackungen im Supermarkt sah ich nur noch indische Müllberge vor mir. Die Bürosprache in meiner Firma war weiterhin Englisch, ich verstand aber nur noch Bahnhof.

Magic is a shift in perception.

Den Satz habe ich in meiner Ausbildung oft von meiner Lehrerin Sharon Gannon gehört. Ja, meine Wahrnehmung war verändert. Aber ganz so magic hat sich das alles eher nicht angefühlt. Außer man bezeichnet allgemeine Verwirrung und Grundüberforderung als Magie.

Zuerst kann man das auf spirituelle Umnachtung nach wochenlangem Ashram-Aufenthalt schieben. Aber nach einiger Zeit waren alle angesammelten Mails gelesen. Kaffee hat kein Herzrasen mehr ausgelöst, statt “Danke” habe ich nicht mehr aus Versehen “Hare Krishna!” gesagt und ich war auch nach einem halben Glas Wein nicht mehr total betüdelt. Trotzdem war alles anders.

Und ich wollte raus, obwohl ich es gar nicht wollen wollte.

Aber ich hatte so viel vor: Yoga unterrichten und Projekte umsetzen, die mir schon lange im Kopf herumschwirren. Der Job, das Blog, das Unterrichten, meine Praxis, Privatleben, Familie… ziemlich bald setzte die Erschöpfung ein.

Rebecca ex machina

Rebecca gehört generell zu den Menschen in meinem Leben, die Dinge über mich wissen, bevor ich sie selber weiß. “Ach Mensch Uli, echt? Duuuu willst die Yogalehrerausbildung machen? Waaaas du nicht sagst!”

Rebecca gehört auch zu den Menschen, die nicht locker lassen, wenn sie wissen, wo der Schuh drückt. Deshalb hat sie sich nicht nur meine Ängste und Unsicherheiten angehört, sondern auch die vielen Ideen, was ich mit meiner Zeit so anfangen könnte. Und dann hat sie mir den letzten Schubs gegeben und einen Job angeboten, der mir genau die richtige Kombi aus Sicherheit und Freiheit gibt. Ich habe also Worst-Case-Szenarien aufgeschrieben, mich von einer Freundin coachen lassen (fragt mich gern nach ihrer Nummer!), geplant, recherchiert, diskutiert, auf meinen Bauch, mein Herz und meinen Kopf gehört und am Ende mit einem lachenden und einem weinenden Auge meinen Job verlassen.

Jetzt sitze ich dreimal die Woche mit Rebecca und Jule im Fuck Lucky Go Happy Büro und kann es noch kaum glauben.

Im Ernst: Du packst das!

Nun hat leider nicht jeder eine Rebecca ex machina. Aber jeder hat Intuition, Träume, ein Hirn und einen Willen. Falls du dir also selbst gerade wünschst, etwas Grundlegendes an deinem Leben zu ändern, kommen hier ein paar Dinge, die ich aus meinem langen Entscheidungsprozess gelernt habe.

  • Lass deinen Ideen Raum und artikuliere sie, besprich sie mit Freund*innen. Ich wette, sie unterstützen und inspirieren dich, sie in Angriff zu nehmen
  • Schau dir deine Ängste genau an und überlege, was wirklich das Worst-Case-Szenario ist. Ich zitiere (mal wieder) Rebecca: “Alles geht. Im Zweifel geht es halt nach hinten los.“
  • Das Universum liebt dich und hilft dir; aber wenn du keinen Finger rührst, kann auch kein Butterfly Effect entstehen. Gib dir Zeit zum Jammern und Träumen, aber dann leg echt los
  • Deine Freund*innen und Familienmitglieder werden dich nur zu gerne unterstützen, wenn du es wirklich ernst meinst
  • Such dir bei komplizierten Sachverhalten aktiv Rat über dein persönliches Netzwerk oder investiere in ein Coaching – es lohnt sich!
  • Keine falsche Scheu vor kleinen Herausforderungen auf dem Weg. Eine gesunde Dosis Spontaneität hilft, sie zu meistern

Meine erste Woche als freier Vogel ist noch nicht vorbei. Ich bin total euphorisch und übrigens auch total busy. Kann schon sein, dass sich das auch mal ändert. Für jetzt gilt aber: Magic is a shift in perception. Und an einem Donnerstag um 16:30 ein Yogastudio von innen sehen zu können, ohne Urlaub zu nehmen, das ist gerade meine ganz persönliche Magie.

Wie ergeht es dir mit solchen großen Entscheidungen? Ich freue mich sehr auf deine Nachrichten und Kommentare!

Dieser Text ist für meine Eltern und meine Freund*innen, die mich einfach immer unterstützen. Und für meine Kolleg*innen von JUNIQE. Ich hoffe ihr vermisst mich so wie ich euch.

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