In Sachen Hartnäckigkeit ist unser Ego nicht zu überbieten.

Da wurden wir vom Leben wachgerüttelt, haben uns auf den spirituellen Weg begeben und viele Themen in die Heilung gebracht. Wir haben gelernt, jene 1000 Stimmen in unserem Kopf, die uns unaufhörlich erzählen wollen, wer wir sind und wie wir zu sein haben, durch Yoga oder Meditation zu bändigen und dadurch viele angstbasierte Ego-Muster geknackt. Und dann das.

In Momenten, wo wir uns der Erleuchtung näher denn je fühlen, präsentiert sich unser Ego in aufgehübschtem Spiri-Look – zuweilen vegan, vermeintlich in Selbstliebe ruhend, ja durch und durch fromm in all seinen Absichten – als pseudospirituelle Moralinstanz, die mehr denn je fordert und verurteilt.

Es ist das spirituelle Ego, das sich verkleidet als Guru in unser Bewusstsein schleicht und uns einen knallharten Beweis liefert:

Wir sind vieles. Aber nicht erleuchtet.

Also, lasst uns innehalten. Die ganze Arbeit kann ja nicht umsonst sein. Mit diesem kurzem Test, kannst du den Schnell-Check machen.

An diesen 4 Symptomen erkennst du, dass dein spirituelles Ego gnadenlos zugeschlagen hat:

1. Dein Ziel ist die Instant-Erleuchtung. Wie war das nochmal mit der Selbstoptimierungs-Falle, vor der jeder Selbstlieberatgeber so sehr warnt? Wo du früher schöner und erfolgreicher sein wolltest, willst du dich nun durch deine spirituelle Praxis in den Zustand der Erleuchtung emporschwingen? Ups. Einmal kräftig durchatmen und affirmieren: „Ich bin ok so wie ich.“

2. Dich packt der spirituelle Hochmut. Beim Lunch mit Kollegen ziehst du dezent deine Augenbrauen hoch, wenn sie sich den Bauch mit saftigem Steak vollstopfen und als Dessert Tiramisu aufgetischt wird – mit Ei, Kuhmilch und weißem Rohrzucker versteht sich. Und wenn dich deine beste Freundin mit ihren Alltagsproblemen zutextet, fühlst du dich den Dramen der „Normalos“ so erhaben, dass du nur noch müde vor dich hin lächeln kannst. Hochmut kommt vor dem Fall. Leider gilt dies auch für das spirituelle Ego.

3. Du wirst zum Missionar. Wundervoll, wenn du für die Welt da draußen eine Inspiration sein kannst. Wenn du in der Lage bist, aus deiner Perspektive heraus liebevolle Ratschläge zu erteilen und dich durch ein großes Mitgefühl auszeichnest. Wenn allerdings das spirituelle Ego dem Glauben verfällt, es habe die Weisheit mit hölzernen Öko-Löffeln gefressen und müsse diese nun allen möglichen Leuten aufzwingen, bist du nicht liebevoller Ratgeber sondern besserwisserische Nervensäge.

4. Du erlaubst dir keine negativen Gefühle mehr. Da sitzt du ganz friedlich auf deinem Meditationskissen und wirst plötzlich überwältigt von einem Sturm negativer Emotionen, von denen du längst glaubtest, sie endgültig hinter dir gelassen zu haben. Neid, Wut, Hass, Angst – die ganze Palette. Schock! Speziell für das spirituelle Ego, das dich nur noch im Zustand stoischer Gleichmut und bedingungsloser Liebe als gerade gut genug empfindet. Lass dir davon nicht die Hölle heiß machen. Negative Gefühle sind völlig in Ordnung, wenn du sie dir ehrlich eingestehst und ihnen liebevolle Aufmerksamkeit schenkst. Das Drama und schlechte Gewissen deines spirituellen Egos hingegen ist in dieser Hinsicht absolut kontraproduktiv.

Na, hast du dich irgendwo wiedererkannt und dein spirituelles Ego entlarvt?

Ich wollte dich nicht vor den Kopf stoßen. Und wenn mir das doch unabsichtlich gelungen ist, habe ich wohl einen wunden Punkt getroffen.

Wir sollten uns immer die Frage stellen, was wir damit ausdrücken wollen, wenn wir uns als spirituell bezeichnen. Und uns daran erinnern, dass wir keine besseren Menschen sind, wenn wir Yoga praktizieren oder meditieren.

Nein, wir sind keine spirituelle Elite. Wir sind Menschen, die sich auf den Weg zu sich selbst, auf den Weg in die Liebe und die Einheit gemacht haben, wo wir alle gleich wertvoll sind. Mit all unserem Licht und all unserem Schatten. Normal halt.

Alles Liebe,
Dein Ludwig

PS: Mehr von mir und all dem, was mein Herz bewegt, findest du auf meinem spirituellen Hipster-Hippie-Naturburschen-Blog www.seelenrave.de. Mit sexy Texten, Bildern und der alltäglichen Portion Männerspiritualität für zwischendurch.

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