Namaste, Beaches!

Ich bin schon immer ein echtes Strandkind gewesen. Schon früher haben meine Eltern mich nur mit Gewalt von der südfranzösischen Mittelmeerküste trennen können und ich hoffe, irgendwann das Ende meiner Tage in Barcelona abzuwarten. Tatsächlich befinde ich mich schon wieder auf dem Weg nach Spanien, während ich diese Zeilen schreibe. Ich stehe einfach drauf, okay? Deshalb bin ich auch Teil der Zielgruppe für SUP Yoga.

SUP oder was?

Eigentlich benutzt man die SUP („Sapp“) Boards um stehend (oder kniend) zu paddeln, wenn zum Beispiel fürs Surfen kein Wellengang ist oder man sich möglichst individuell über den Landwehrkanal durch Berlin-Kreuzberg bewegen möchte. Weil wir Yogis aber wirklich jede Möglichkeit zum Üben nutzen, gibt es konsequenterweise auch SUP Yoga. Logisch. Zum ersten Mal darauf aufmerksam wurde ich vor etwa zwei Jahren durch eine Bekannte, die das in Australien anbietet. Das Ticket dorthin habe ich mir vorerst gespart (ich fahre ja schon nach Spanien) und habe mich auf den Weg nach Berlin-Treptow gemacht, wo der StandUpClub Berlin 90-minütige Hatha/Vinyasa Yoga-Klassen auf dem Brett anbietet. Ahoi!

SUP Yoga Berlin – Gruppe im Wasser

Mehr Berlin geht wirklich nicht.

Die SUP Yoga-Klasse findet direkt am „Badeschiff“ statt und dort erwartet einen am Samstagmorgen eine geballte Ladung Berlin: Strand, Badesteg und Schwimmbecken sind gut besucht, hauptsächlich von Partyvolk, das in einem der benachbarten Clubs offensichtlich die Nacht verbracht hat. Von dort wehen auch noch ein paar Beats rüber, das stört aber nicht, sondern passt eher ganz gut zum Ambiente aus Wasser, Sand, Sonne und jungen, braungebrannten Menschen mit Sonnenbrillen und Kaltgetränken. Am Ende des Badestegs erwarten mich schon die ebenfalls hervorragend ins Ambiente passenden SUP Yoga-Pros. Na dann mal los!

Eine Klasse für sich.

Ich muss zugeben, dass ich etwas Respekt vor meiner ersten SUP Yogaklasse hatte: Ich bin zwar gerne am Strand, falle dort aber ungerne ins kalte Wasser. Vor allem nicht, wenn ich als offizieller Yogablogger ankomme und mir 500 Berliner Hipster dabei zuschauen. Vorsichtshalber habe ich gleich meine Badehose angezogen, sicher ist sicher.

Denn eines ist klar: Beim SUP Yoga geht es in erster Linie um die Balance. Das beginnt beim Besteigen des Boards vom Steg aus und wird mit den ersten Asanas nicht einfacher. Die Yogaklasse war aber – entgegen meiner Erwartungen – durchaus vergleichbar mit einer Klasse auf festem Boden. Einige Asanas haben wir zuerst als spezielle „SUP“-Varianten geübt, etwa Krieger 1 und 2 mit dem Knie auf dem Boden für eine stärkere Basis. Aber nach einigen Minuten hatte ich mich an das Board gewöhnt und konnte schon im Stehen üben.

Was mir besonders gefiel, war dass man die Haltungen besonders präzise ausführen muss, um nicht ins Schaukeln zu kommen. Auf der Matte mache ich schon ab und an mal eine ruckartige Ausgleichbewegung (ich bin ja auch nur ein Mensch), auf dem Wasser wird das sofort von Mutter Natur bzw. der Physik bestraft. SUP Yoga ist also eine richtig feine Alignment-Schule, wenn man so will. Leider gibt es für die Lehrer keine Möglichkeit zu assistieren, wir wurden aber sehr genau beobachtet und bei Bedarf auf Fehlhaltungen aufmerksam gemacht. Ich bezweifle auch, dass eine zweite Person auf dem Brett meiner etwas fragilen Balance wirklich geholfen hätte.

SUP Yoga Berlin – Padmasana

Nah am Wasser. Also wirklich nah.

Ein Aspekt, den ich persönlich unterschätzt habe, ist die direkte Verbindung zum Element Wasser. Denn neben der äußeren Balance, findet man beim SUP Yoga auch innere Balance auf dem Brett. Begriffen habe ich das, als wir nach etwa 15 Minuten zum ersten Mal in Balasana (Haltung des Kindes) verweilten. Gegen meine Stirn auf dem Brett drückte von unten mit sanfter Kraft die Bewegung des Wassers und ich konnte diese Starke Verbindung tatsächlich spüren. Zusammen mit der ruhigen Wellenbewegung in meinem Körper, hatte ich so meine persönliche kleine Erleuchtung und spätestens bei einem wunderbaren Savasana am Ende der Klasse verstanden, dass SUP Yoga mehr ist als „Chillen für Surfer“.

Mein Fazit: Gerne wieder.

Für mich als erfahrenen Yogi war SUP Yoga eine tolle Herausforderung und eine Bereicherung meiner Praxis. Ich liebe das Wasser und mag die Notwendigkeit, die Asanas so exakt wie möglich üben zu müssen. Ich will das unbedingt wieder tun, mal sehen, ob ich in Spanien eine Chance habe, auf dem Meer zu praktizieren. Allerdings hat mich gewundert, dass ich der einzige Mann in der SUP Yogaklasse war, denn ich finde, das ist ein absolutes „Jungs-Ding“ mit dem Board und dem Paddel und allem.

Zu guter Letzt noch ein Experten-Tipp: Auch wenn du nicht (wie ich) am heißesten Wochenende des Jahres zum SUP Yoga geht, ist Sonnencreme absolute Pflicht. Trotz meiner Vorbräune und der großzügig aufgetragenen 50+ Sonnencreme, bin ich nur knapp einer neuen (ungesunden) Hautfarbe entkommen.

Der StandUpClub Berlin bietet noch den ganzen September lang SUP Yoga für Anfänger und Fortgeschrittene an, weitere Informationen und die Online-Buchung findest du auf der Website.

Namaste,

dein Thomas

PS: Trotz gewagter Asanas auf dem Brett ist kein einziger Teilnehmer ins Wasser gefallen.

Hier noch die Kontaktadresse:

StandUpClub Berlin
Arena Berlin
Eichenstraße 4
12435 Berlin-Treptow
Eingang übers Badeschiff

http://www.standupclub.de

Fotos: Liza-Anneth Meinhof

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