Eine spirituelle Praxis zu haben ist ein Segen. Ganz egal, ob du lieber meditierst, ein paar Mantren trällerst oder mit schweißtreibenden Asanas in den Tag startest – die Praxis, vor allem wenn sie regelmäßig stattfindet, hilft den Hochs und Tiefs des Lebens mit mehr Gelassenheit zu begegnen.

Das Gefühl, das die intensive Praxis mit sich bringt, kommt oft mit einer Verlockung daher: Dem Wunsch, sich ganz darin aufzulösen. In der rosaroten Wolke zu wohnen, es sich ein paar Zentimeter über dem Boden nett einzurichten und unbequeme Themen oder Altlasten aus der Vergangenheit einfach wegzumeditieren.

In den 80er Jahren prägte der Psychologe und Autor John Welwood einen Begriff für dieses Phänomen: Spiritual Bypassing.

Auf Deutsch könnte man es „spirituelle Vermeidung“ nennen. Oder ganz salopp: „Scheinheiligkeit“. Es bedeutet, bestimmte Aspekte der Realität zu vermeiden, um direkt ein paar Stufen höher in Richtung Göttlichkeit zu hüpfen.

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Das funktioniert. Zumindest für eine Weile. Doch Störfaktoren treten zwangsläufig auf: Der Arbeitsalltag und die lästige Sache mit dem Geldverdienen zum Beispiel. Oder Freunde, die beim gemeinsamen Grillen beherzt eine Großpackung Fleisch auf den Grill werfen. Oder Fahrten in der U-Bahn zum Berufsverkehr, wo einem andere Vibes als im Yogastudio begegnen.

Damit die rosarote Wolke bleibt, hilft also nur eines: Rückzug.

Die eigene Welt kleiner machen, außen vorlassen, was schwierig anmutet und vielleicht die eigenen Schatten spiegeln könnte. Nur leider glaube ich: Zum Vermeidungsprofi zu werden, ist nicht Sinn und Zweck der Sache.

Die spirituelle Praxis soll uns freier, glücklicher und offen für Verbindung machen.

Aus meiner Erfahrung geschieht das ganz automatisch, wenn wir in gutem Kontakt mit uns Selbst, dem göttlichen Kern in uns sind. Das Ding ist nur: Um dorthin zu gelangen, müssen wir uns durch allerhand körperliche und energetische Blockaden, Gefühle wie Ängste, Trauer oder Neid, und komplizierte Gedanken graben

Für mich bedeutet das: Wer ein ernsthaftes Interesse an der Verbindung mit dem großen Selbst hat, kommt um das kleine nicht drumherum.

Yoga is the journey of the self through the self to the Self*

Selbsterfahrung in allen Facetten anstelle von Selbstvermeidung.

Und natürlich: Auf diesem Weg kommt einem jede Menge Mist entgegen. Es bringt nichts, den Mist in eine Kiste zu packen, in die Ecke zu stellen und mit sanftem Lächeln so zu tun als wäre alles super. Der Aufprall auf dem harten Boden der Tatsachen kommt bestimmt – und die Mist-Kisten drohen zu explodieren.

Anstelle dessen können wir uns den Mist, unsere Lebensthemen und Erfahrungen mit allem, was dazu gehört, auch ansehen. Sie sortieren, anschauen, fühlen, betrauen, bestaunen und lösen oder akzeptieren. Das ist oft schmerzhaft und ein langer Weg. Manchmal brauchen wir Unterstützung, um uns nicht aufzulösen im eigenen Drama und zu lernen die eigenen Gefühle zu steuern.

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Doch die Belohnung, die hinter einem gelungenem Prozess wartet, könnte sich lohnen: Eine tiefe Spiritualität, die durch nichts so schnell zu erschüttern ist und das Gefühl tiefer Verbundenheit mit sich selbst und anderen.

Mit extraviel Liebe,

Unterschrift XOXO Rebecca_pink

 

 

 

 

 

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*Zitat wird vermutlich fälschlicherweise der Bhagavad Gita zugeschrieben. Sachdienliche Hinweise willkommen.