Am 31. Oktober ist Samhain – der Tag an dem früher der Beginn des neuen Jahres gefeiert wurde, der Vorhang zwischen den Welten sich hebt und wir uns besonders gut öffnen und mit unseren Ahnen verbinden können. Samhain ist damit nicht das letzte der vier großen Jahreskreisfeste – nach Imbolc, Beltane und Lughnasadh – sondern das erste. Heutzutage ist uns dieses Fest als Halloween oder Allerheiligen bekannt, in seinem Ursprung bedeutet es aber „Vereinigung“ und birgt ein besonderes Potential. Dazu gibt es in Hamburg auch eine Sacred Samhain Ceremony.

Um die alten Rhythmen und Feste besser zu verstehen hilft es, den eigenen Blick von dem Kalender, so wie wir ihn heute kennen zu lösen und ein wenig in die Vergangenheit zu blicken. Unser Kalender, der gregorianische Kalender, wurde erst 1582 eingeführt. Silvester wie wir es kennen existiert also erst seit gut 400 Jahren, relativ kurz, im Vergleich zum Verlauf der Menschheit.

Samhain steht für Neubeginn

Der traditionelle Jahreskreis orientierte sich noch am Verlauf des Mondes und 13 Zyklen. Wir haben zu Mabon, zur Tagundnachtgleiche im September, die Ernte eingeholt und uns auf die dunkle Jahreszeit vorbereitet. Das Werk des Jahres ist getan – es ist vollendet. Zeit für einen Neubeginn. Heutzutage sind wir darauf gepolt diesen mit dem Frühling zu verbinden, wenn der Neubeginn sichtbar ist. Der wahre Beginn findet aber statt, wenn der Samen gelegt wird. Wie bei einem Kind, welches zwar erst mit der Geburt sichtbar für die Welt wird, aber mit der Empfängnis zu existieren beginnt. Wie der Same, der in die Erde gelegt wird und schon keimt, bevor der erste Spross die Erdoberfläche durchdringt.

Samhain markiert genau diesen Anfang – den Moment der Vereinigung, an dem der Samen gelegt werden kann. Die dunkle Jahreszeit bietet sich hervorragend dazu an, diesen Samen zu nähren. Für uns kann das bedeuten, neue Ideen wachsen zu lassen, Reisen vorzubereiten, Wünsche zu formulieren. Sie lädt uns ein zu Innenschau und auch zum Innehalten – auch wenn man das bei all dem modernen Trubel und dem kommenden Weihnachtswahnsinn schnell vergessen kann.

Die Kirche hat sich mit der Feier von Allerheiligen am 1. November auf den Abschiedsaspekt dieses Festes fokussiert, während in Halloween, welches am Vorabend gefeiert wird, noch alte Bräuche sichtbar werden. Was all diese Feste vereint ist die Tatsache, dass es zu dieser Zeit besonders leicht ist, mit den Verstorbenen in Kontakt zu kommen. Wenn etwas Altes stirbt, kann etwas Neues geboren werden. Sowie jeder Abschied auch ein Neubeginn ist. Und so können wir auch heutzutage dieses alte Wissen nutzen und uns für das Neue öffnen.

Werde dir deiner Wurzeln bewusst

Wenn wir wissen woher wir kommen, können wir bewusster und kraftvoller nach vorne schreiten. So lädt uns diese Zeit ein, einen Blick zurück auf unsere Ahnen zu werfen und damit auf unsere Vergangenheit. Es ist ein guter Moment uns mit ihnen und ihren Geschichten zu verbinden und zu würdigen, was sie uns alles mitgegeben haben.

Wir sind hier als das Resultat der Gebete unserer Ahnen

Ohne sie wären wir nicht hier. Unabhängig davon, wie deine aktuelle Beziehung zu deinen Eltern oder Großeltern sein mag: verbinde dich jetzt mit deinen Wurzeln. Wie weit kannst du deine Ahnen zurückverfolgen? Gibt es vielleicht ein Essen, das deine Oma immer gekocht hat? Oder ein Spiel, das ihr gespielt habt? Meine Oma hat mit mir immer Karten gespielt und wenn ich mich spielerisch mit ihr verbinden will, hole ich die Skat-Karten raus.

Greife nach den Sternen

Neben den irdischen Wurzeln haben wir alle auch spirituelle Wurzeln. Wir sind verbunden mit der Mutter Erde, aus der wir kommen und zu der wir wieder werden. Doch unsere Seele kommt – und da sind sich sogar die meisten Religionen einig – von der Sternen, aus dem Himmel. Verbinde dich mit deiner eigenen Spiritualität, losgelöst von dem, was andere sagen.

Was hat dich schon immer angezogen? Vielleicht hast du schon als Kind eine Verbindung zu den Engeln gehabt oder warst fasziniert von Elfen, Feen und Naturgeistern. Vielleicht war die Göttin für dich schon immer präsent oder Jesus hat dich im Herzen berührt. Vielleicht konntest du an bestimmten Orten Energie spüren oder hattest unsichtbare Freunde. Es kann auch sein, dass es bestimmte Sagen oder Märchen gab, die deine Großeltern dir immer wieder erzählten oder die dich als Kind fesselten. Was auch immer es ist – diese Tage sind eine wunderbare Zeit dich wieder für diese Magie zu öffnen.

You’ve always had the power, my dear.

Mit der Unterstützung deiner Ahnen kannst du deine ureigene Weisheit wieder einladen. Erinnere dich einfach an früher und schreib dir auf, was dir einfällt. Wenn du den Impuls hast etwas zu malen, folge dem. Dabei ist es hilfreich den Verstand einfach mal auszuschalten und nicht zu hinterfragen. Mir hilft es dabei immer, visuelle Anker um mich zu haben. Das kann ein passendes Kartenset sein, welches ich mir besorge, ein Bild, das ich mir ausdrucke oder ein Gegenstand bzw. eine Figur, die ich prominent platziere.

Setze den Samen

So wunderbar nach oben und nach unten verbunden bietet es sich an, deinen Samen für das neue Jahr zu setzen. Was möchtest du ins Leben bringen? Und vor allem: wozu? Schreibe dir auf, was dir einfällt. Schau dir dann deine „wozu-Punkte“ an und guck, wie du diese auch alternativ ins Leben holen kannst. Beispiel: Ich möchte in die Mongolei reisen, da ich Freiheit spüren will. Wie kann ich anders Freiheit spüren? Ich kann eine Motorrad-Tour machen, Fallschirm springen, öfter nein sagen oder pünktlich Feierabend machen. Ergänze so deine Liste. Und dann mach dir einen Zettel, auf dem nur diese „Wozus“ stehen.

Nimm diesen und betrachte ihn in Ruhe. Verbinde dich dann mit deinen Wurzeln – spirituell und irdisch. Du kannst dazu eine Kerze anzünden und deine Ahnen bitten dich zu unterstützen und deine Spirits einladen dich zu inspirieren. Wenn du magst schließe die Augen und dann geh einfach in die Stille und warte was kommt. Welcher Samen will wirklich gesetzt werden? Wozu möchte er ins Leben kommen? Spüre dort hinein – was will dein Herz, nicht dein Verstand. Welches Gefühl zeigt sich? Es kann sein, dass dir Bilder kommen, Worte oder Botschaften, Ideen, Songtexte oder konkrete Szenarien. Lass sie kommen und gehen und schaue, was am Ende bleibt.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Mir hilft es dabei einen Wecker auf 30 Minuten zu stellen. Aus Erfahrung hat sich dann der Alltags-Gedankenwust verzogen und der Raum für das Neue geöffnet. Dann schreibe oder zeichne dir auf, was am Ende als Kern geblieben ist. Manchmal können wir es nicht sofort verstehen, das ist ok. Viele Frauen wissen auch nicht sofort, dass sie schwanger sind, aber das Kind beginnt schon zu wachsen. Ich kann nicht jedem Samen ansehen, was am Ende daraus wachsen wird. Wichtig ist aber, dass ich ihn in die Erde setze.

Wenn du willst, kannst du dein persönliches Ritual bis zum Vollmond am 4.11. ausdehnen und somit in die Fülle gehen lassen. Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken deiner ureigenen Magie und einen wunderbaren Jahresstart.

Alles Liebe,

KAJA

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